Internet-Oben

  Presse  Januar - August 2015

         

Starnberger Merkur 31.08.2015

Konstruktives Miteinander

Inning – „Es war ein gutes Gespräch“, freut sich Sabina Eisenmann. Die Inningerin gehört dem knapp 100-köpfigen Helferkreis Inning an, der sich um die Asylsuchenden in der Mehrzweckhalle kümmert. Wie berichtet, stießen die Helfer zuletzt an ihre Grenzen, was auch auf die Kommunikation der verschiedenen Behörden und Beteiligten untereinander zurückzuführen war. Bevor die Notunterbringung dort fortgesetzt wird und die Betreuung der geplanten Containeranlage Ende des Jahres ansteht, hatten die Helfer deshalb einen Forderungskatalog gestellt. Dieser wurde in kleiner Runde mit Landrat Georg Scheitz, Bürgermeister Walter Bleimaier und ihren jeweiligen verantwortlichen Mitarbeitern sowie mit Vertretern des Sicherheitsdienstes in der Halle und dem Helferkreis im Inninger Rathaus diskutiert. „Wir erhalten ganz große Unterstützung von Seiten der Gemeinde“, lobt Sabina Eisenmann. Zum Beispiel sei zugesichert worden, eine zweite Putzkraft abzustellen. Der Helferkreis dürfe zudem „einen Macher“ benennen, einen Koordinator aus Inning, der auf 450-Euro-Basis bezahlt werde. „Das ist eine ganz große Erleichterung“, sagt Sabina Eisenmann, „dann haben wir jemanden mit Rundumblick.“

Sie freut sich auch, dass einige der erwähnten Kommunikationsmängel bereits bei dem Gespräch ausgeräumt werden konnten. Verursacht zum Beispiel durch ständig wechselndes Personal beim Sicherheitsdienst. Die Vertreter der Firma versprachen laut Sabina Eisenmann Abhilfe. Ob sich der Wunsch, die Betreuung der geplanten Containeranlage, bis nach Weihnachten zu verschieben, erfüllen lässt, steht jedoch noch nicht fest.  grä


Süddeutsche Zeitung 29.08.2015

Helfer bald am Ende ihrer Kräfte
Von Astrid Becker

Eines ist klar: Sie sind sehr engagiert, die vielen freiwilligen Helfer, die in den vergangenen fünf Wochen den knapp 200 Flüchtlingen beigestanden sind, die in der Inninger Turnhalle eine Notunterkunft gefunden haben. Doch nun sind sie ein wenig erschöpft - daher auch nicht recht begeistert davon, dass schon bald, Mitte September, erneut 200 Asylsuchende in die Halle gebracht werden sollen. Die Verlängerung der Notunterbringung haben sie daher an eine ganze Reihe von Bedingungen geknüpft, über die am Donnerstagabend im Landratsamt diskutiert wurde.

Zwei Stunden habe das Gespräch gedauert, erzählt Bürgermeister Walter Bleimaier, "und es ist sehr konstruktiv verlaufen." Eines jedoch dürfte dabei klar geworden sein: Falls die Helfer wirklich gehofft haben, eine erneute Unterbringung von Asylsuchenden in ihrer Sporthalle verhindern zu können, haben sie sich gründlich geirrt. Denn das Landratsamt hält an seinem Wunsch fest, die bereits als Notunterkunft eingerichtete Halle nach einer kurzen Pause noch einmal zu nutzen. Mehr als die Hälfte der Menschen, die bisher dort untergebracht waren, sind bereits in andere Flüchtlingsunterkünfte verlegt worden. In der nächsten Woche will die Regierung von Oberbayern auch für die restlichen Asylsuchenden dort eine dauerhafte Bleibe in anderen Einrichtungen gefunden haben. Mitte September werden dann erneut bis zu 200 Menschen in die Inninger Halle ziehen. Dem Vernehmen nach sollen sie bis Ende Oktober bleiben.

"Wir hätten uns schon eine Verschnaufpause gewünscht" sagt eine der Helferinnen, zumal ja im Dezember etwa 100 Flüchtlinge dauerhaft in Inning untergebracht werden sollen. Diese Menschen, sagt sie, müssten ja dann auch betreut werden: "Wir haben aber alle ohnehin viel um die Ohren: unsere eigene Familie, unsere Arbeit, unsere anderen Ehrenämter." Sie fürchtet, dass dann, im Winter, alle Helfer zu ausgepowert sind, um die Flüchtlinge so umfänglich zu betreuen wie es bisher in Inning der Fall war.

Deshalb verwundert auch der Appell des Helferkreises an das Landratsamt nicht, die dauerhafte Unterbringung von Asylbewerbern um ein paar Wochen nach hinten zu verschieben, bis nach den Weihnachtsferien. Diese Bitte jedenfalls stand offenbar im Vordergrund des Gesprächs am Donnerstag. Das Landratsamt, so sagt auch Bleimaier, habe immerhin signalisiert, sich zu bemühen, diesem Anliegen zu entsprechen. Doch so recht überzeugt davon, dass das klappen könnte, ist er nicht. "Die Menschen kommen ja, die Pläne ihrer Unterbringung sind fertig geschrieben", meint er. Und nur einen Tag nach dem Gespräch ist ähnliches auch aus der Kreisbehörde zu vernehmen: "Der Aufbau der Container ist ausgeschrieben und terminlich fixiert", sagt eine Sprecherin. Das lasse sich nicht einfach verschieben, zudem "stehen derzeit jede Woche 39 Menschen da, die wir unterbringen müssen." Und es könnten noch mehr werden. Eines jedoch sei klar: "Wir müssen unsere Helfer mehr an die Hand nehmen." Auch das Landratsamt lerne hier täglich dazu. Daher würde den Forderungen der Inninger Helfer nach einer Verbesserung der Kommunikation und der Ausstattung so weit wie möglich entsprochen werden. Mit ihnen soll nun zeitnah noch einmal ein Gespräch geführt werden: "Wir wollen auf keinen Fall, dass die Helfer irgendwann am Ende ihrer Kräfte sind." Geklärt werden soll dabei aber auch, ob die Inninger sich "nicht vielleicht" zu sehr engagieren.


Starnberger Merkur 28.08.2015

 

Bitte um kleine Auszeit

Helferkreis Inning stellt Forderungen - VON ANDREA GRÄPEL

Inning – Es ist eine Mischung zwischen Abschiedsstimmung und Ungewissheit, die die Helfer im Helferkreis Asyl in Inning treibt. Von den etwa 200 Asylbewerbern, die Unterschlupf fanden in der Mehrzweckhalle in Inning, sind etwa 100 in andere Unterkünfte gebracht worden. „Der Abschied fällt dem Helferkreis schwer“, sagt Sabina Eisenmann. Nach fünf Wochen habe der intensive Kontakt zueinandergeführt.

Für den Helferkreis geht die Arbeit auch bei zurzeit abnehmenden Flüchtlingszahlen in Inning weiter. Wie berichtet, stellt die Gemeinde ein Grundstück für eine Containeranlage bereit, in der etwa 90 Asylsuchende auf Dauer in Inning bleiben. Außerdem steht eine zweite so genannte Erstaufnahmebelegung in der Mehrzweckhalle ins Haus. „Für uns ist dies nur unter bestimmten Voraussetzungen machbar“, schreibt Sabina Eisenmann in ihrem Bericht über die fünfte Betreuungswoche. Der Kreis mit etwa 100 Helfern hatte bereits vor einer Woche gewarnt, dass er an seine Grenzen stoße. Das betraf auch die Organisation der ausführenden Behörden, in denen die Ansprechpartner laufend wechselten. Darum haben die Freiwilligen für den nächsten Ansturm einen Forderungskatalog aufgestellt. Etwa die Forderung nach einem Sozialpädagogen pro 100 Asylsuchenden oder nach mehr und schneller Transparenz was Herkunft, Anzahl, Geschlecht und Alter der Menschen betrifft. Etwa, um den Sprachunterricht besser koordinieren zu können. „Wir wissen ja nicht mal, wie die Halle belegt ist“, bedauert Jutta Göbber, die den Sprachunterricht mit 20 Sprachtrainern zu regeln versucht.

Außerdem bitten die Helfer um eine Verschnaufpause. Die Containeranlage, die ab Mitte Dezember belegt werden soll, möge erst nach Weihnachten bezogen werden. Ein nachvollziehbarer Grund bei den Freiwilligen, aber ob dies durchführbar ist bei Menschen, die zum einen ganz anderen Religionen angehören und denen bei Lebensgefahr jeder Feiertag egal sein wird, ist nicht sicher.

Bürgermeister Walter Bleimaier hatte für gestern Abend zu einem Runden Tisch gebeten. Der Helferkreis hofft auf Verständnis.


Süddeutsche Zeitung 27.08.2015

Helfer stellen Bedingungen

Von Astrid Becker

Wenn es nach dem Landratsamt geht, soll die Turnhalle in Inning noch einmal als Notunterkunft für bis zu 200 Flüchtlingen genutzt werden. Erst vor kurzem hatte sich Landrat Karl Roth in einer Pressekonferenz entsprechend geäußert. Doch in Inning ist man von dieser Idee alles andere als begeistert. Vor allem der dortige Helferkreis Asyl fühlt sich offenbar nicht ausreichend informiert und knüpft eine zweite Unterbringung von Flüchtlingen in der Halle an eine ganze Reihe von Forderungen.

Bürgermeister Walter Bleimaier zeigt Verständnis für den Wunsch des Landratsamtes, die Turnhalle von Mitte September bis Ende Oktober noch einmal für die vorübergehende Unterbringung von Flüchtlingen zu nutzen: "Die Turnhalle ist ja bereits dafür eingerichtet, ein zweiter Boden für etwa 10 000 Euro verlegt." Zudem hätten etwa 150 freiwillige Helfer die Halle entsprechend ausgestattet, eine ebenso große Anzahl von Kräften sei nötig, um sie wieder zurückzubauen und an anderer Stelle eine neue Notunterkunft zu schaffen. "Das macht wenig Sinn", sagt er. Aber er sieht auch Probleme. Denn Bleimaier stieß bei entsprechenden Gesprächen mit den Betroffenen, wie dem Sportverein oder dem Helferkreis, auf Gegenwehr: "Ihre Antwort lautete nicht: 'Ja, aber nur wenn', sondern es kam ein klares 'Nein, es sei denn' . . ." Vor allem der Helferkreis zeigte sich wenig angetan vom Ansinnen der Landratsamts.

Die SPD-Gemeinderätin Angelika Wenisch, die den Helferkreis mit initiierte, sieht eines der Hauptprobleme in zu vielen Aufgaben und zu wenigem Personal bei Kreisbehörde und Jonas Better Place, der Firma, die vor Ort für die Sicherheit und Betreuung zuständig ist. Das habe dazu geführt, dass "manche Dinge nicht grundsätzlich geregelt waren vor der ersten Erstaufnahme". So müsste der Helferkreis gleich in den ersten Tagen nach der Ankunft die Zahl der Flüchtlinge, deren Alter, deren Geschlecht und deren Herkunftsländer erfahren: "Damit wir Deutschkurse und Aktivitäten für Kinder, Jugendliche und Erwachsene besser organisieren können", sagt Wenisch. Zudem fordern die Helfer, besser über Termine der Asylbewerber informiert zu werden. Häufig hätten sich Ehrenamtliche einen Tag Urlaub genommen, um sich um die Flüchtlinge zu kümmern. "Oft war das vergeblich. Dann hieß es plötzlich, die Asylbewerber seien beim Arzt oder im Landratsamt." Garantiert werden müsse zudem der Einsatz von einem Sozialpädagogen pro 100 Flüchtlingen. Kleider und Wechselwäsche sollte außerdem in der ersten Woche ausgegeben werden, nicht in der fünften. Es müsse mehr Reinigungspersonal zum Sauberhalten der Halle bereit stehen, und die Toiletten dürften nicht mehr verschlossen werden. Das sei immer wieder der Fall gewesen. "Wer dafür verantwortlich ist, sollte namentlich bekannt sein."

Diese Forderungen sollen nun am Donnerstag mit dem Landratsamt diskutiert werden: "Wir brauchen diese Verbesserungen, um die Arbeit der Helfer zu erleichtern", sagt Wenisch. Schließlich werde die Gemeinde von Dezember an auch Asylbewerber in festen Unterkünften aufnehmen. Ein Grundstück dafür ist bereits gefunden - es handelt sich um eine Grünfläche an der Schornstraße. Wenisch: "Das bedeutet aber: Wir müssen mit unseren Kräften haushalten und dürfen uns nicht weiter überfordern."


Süddeutsche Zeitung 26.08.2015

Gewerbe im Grünen

Von Astrid Becker

Hans-Peter Hübsch und seine Lebensgefährtin Bianca Stroebel haben einen Traum: Sie wollen eines Tages ihre Gärtnerei in einem idyllischen und belebten Gewerbegebiet betreiben. Was sich zunächst wie ein Widerspruch anhört - Idylle und Gewerbegebiet - könnte in Inning tatsächlich Realität werden. Denn die Gemeinde plant am Ortseingang auf dem sogenannten Anger genau so etwas. Interessenten für die Flächen soll es bereits geben. Doch gegen das Vorhaben regt sich auch Widerstand.

Es gibt viele nachvollziehbare Gründe, warum genau dort ein Gewerbegebiet Sinn machen könnte: Denn bislang geht die Zufahrt zur Gärtnerei Hübsch direkt von der Ortsdurchfahrt ab. Sie ist nicht nur so eng, dass zwei Kleinwagen Probleme haben, aneinander vorbeizukommen, sondern sie ist auch so unübersichtlich, dass sich an der Zufahrt/Ecke Ortsdurchfahrt ein Unfallschwerpunkt herauskristallisiert hat. Fast täglich krache es dort, erzählen Hübsch und Stroebel, meist seien es nur Blechschäden. Aber im vergangenen Jahr ist dort ein Mensch tödlich verunglückt. Und spätesten mit diesem Unglück wurde im Ort klar, dass an dieser Stelle etwas geschehen muss.

Zudem steht die Gemeinde noch vor einer anderen Verpflichtung: Sie muss die vom Aussterben bedrohte Bachmuschel schützen, die im Inninger Bach lebt. Ein recht großer Teil des Gewässers, begradiert und eingefasst, führt durch die Grundstücke der Gärtnerei Hübsch und durch das angrenzende Grünland. Die Möglichkeit, letzteres zu erwerben, hat sich die Gemeinde bereits in diesem Jahr in einem notariellen Vertrag gesichert. Denn, um den Unfallschwerpunkt zu beseitigen, soll die Zufahrt verlegt werden und künftig von der Staatsstraße aus das Areal erschließen. Dies kostet Geld - ebenso wie die Renaturierung des Baches. Bürgermeister Walter Bleimaier hatte daher angeregt, diese Kosten über die Ausweisung von Gewerbeflächen zu finanzieren. Auf ungeteilte Begeisterung stießen diese Pläne aber nicht. Die Grünen, allen voran Barbara Wanzke, zum Beispiel vertraten in der Gemeinderatssitzung vor der Sommerpause die Ansicht, der Bach könne ja auch ohne ein Gewerbegebiet renaturiert werden. Die Bürgerinitiative für Innings Zukunft (BIZ) wollte das Thema gar nicht erst behandelt sehen und führte als Begründung die vielen anderen Tagesordnungspunkte dieser Sitzung an.

Bleimaier ließ sich davon aber nicht beirren: "Die Tagesordnung mache ich, und dieser Punkt wird heute behandelt." Am Ende votierte eine Mehrheit für die Aufstellung eines Bebauungsplans für diese Flächen, BIZ und Grüne stimmten in fast allen Punkten, die es zu entscheiden galt, einmütig dagegen. Dennoch ist das Vorhaben damit einen entscheidenden Schritt vorangekommen. Hans-Peter Hübsch und seine Lebensgefährtin wären froh, wenn die Pläne in zwei bis vier Jahren verwirklicht werden könnten. Denn sie sehen darin eine einzigartige Chance, ihr Konzept von der "idyllischen Erlebnisgärtnerei, in der sich die Kunden wohlfühlen", wie sie sagen, zu verwirklichen und zu erweitern. Sie haben bereits Interesse an der genau gegenüber der Gärtnerei, jenseits des Bachs, liegenden Parzelle bekundet. Vorstellbar für sie ist es, ihren Verkauf dorthin zu verlagern und die Produktion am jetzigen Standort beizubehalten. An welche Größenordnung sie dabei denken, wissen sie noch nicht, nur. "Wir müssen investieren, die Kunden erwarten das von uns."

Sollten sie den Zuschlag dafür nicht bekommen, "bleibt uns keine andere Wahl als uns nach einem alternativen Standort umzusehen, damit wir zukunftsfähig bleiben". Als Erpressung will Hübsch derartige Aussagen aber nicht verstanden wissen: "Da geht es einfach nur um unsere Existenz. Wir müssen uns dafür immer wieder neu erfinden." Daher würde er, der auch dem Verein der Inninger Gewerbetreibenden vorsitzt, sich gern mit Ideen in die Gestaltung des neuen Gewerbegebiets einbringen. Viele Pflanzen, viel Grün, viele Bänke zur Erholung und Entspannung schweben ihm auch auf den Parkplätzen vor, die wohl mit dem neuen Gewerbegebiets entstehen müssen.

Wünschenswert wäre für ihn aber auch die Vergabe der Flächen an Gewerbetreibende mit Publikumsverkehr. Er denkt dabei auch an einen neuen Lebensmittelmarkt für die Gemeinde. Denn bislang sieht es mit den Einkaufsmöglichkeiten seiner Ansicht nach im Ort schlecht aus: "Wir haben, seit das Kaufhaus Sedlmayr geschlossen hat, nur noch den Edeka an der Ortsausfahrt Richtung Herrsching", sagt er. Viele Inninger erledigten dort zwar ihren täglichen Einkauf. Für Grundnahrungsmittel oder Putzmittel jedoch wichen sie auf die Discounter der Umgebung aus, auf Greifenberg, Eching oder Gilching, sagt er. Das, so meint Hans-Peter Hübsch, "müsste aber wirklich nicht sein".

Um so einen Markt realisieren zu können, müssten allerdings die vor kurzem gefassten Beschlüsse zu dem Areal revidiert werden. Bisher ist ein Gewerbe dieser Art dort nicht vorgesehen.


Süddeutsche Zeitung 21.08.2015

Zelte statt Turnhallen 

Von Wolfgang Prochaska

Um alle Flüchtlinge im Landkreis Starnberg aufnehmen zu können, stehen die Mitarbeiter des Landratsamts weiter unter einem "erheblichen Druck". So beschrieb Landrat Karl Roth im Rahmen eines kurzfristig angesetzten Pressegesprächs die Situation in seinem Haus. Da Roth bis Ende des Jahres nun mit 1800 Asylbewerbern und nicht mit 1500 rechnet, müssen weitere Unterkünfte geschaffen werden. Container und Zelte sollen diese Aufgabe für die nächsten zwei bis fünf Jahre übernehmen.
Um die Gemeinden nicht übermäßig zu strapazieren - "es soll sozialverträglich zugehen und wir wollen uns kooperativ zeigen" - hat die Kreisbehörde einen "Drei-Stufen-Plan" entwickelt, der kurzfristige, mittelfristige und langfristige Unterbringungsmöglichkeiten vorsieht. Damit löst sich die Behörde aus ihrer anfänglichen Schockstarre angesichts der überraschend hohen und stetig wachsenden Flüchtlingszahlen, und versucht nun Struktur in die Sache zu bringen.
So soll es keine weitere Turnhallen-Belegungen als Notunterkünfte mehr geben, um den Sportbetrieb und den Sportunterricht in den kommenden Monaten nicht zu gefährden. Angedacht ist nur, die Inninger Sporthalle noch einmal für Flüchtlinge zur Verfügung zu stellen. "Wir haben den Boden und die Betten dort noch. Nach einer Reinigung könnte wir für vier bis sechs Wochen die Halle wieder nutzen." Dann hätte man noch mehr Luft, meinte Roth. Mittelfristig sollen Zelte für jeweils 128 Menschen diese Aufgabe übernehmen. So werden Zelte in Berg auf dem Kirchengrundstück am Kreisel im September aufgestellt, in Krailling im Oktober auf der Sanatoriumswiese und in Tutzing auf dem alten Festplatz. Allerdings hat es zwischen Kreisbehörde und Tutzinger Rathaus Spannungen gegeben. Wie Roth einräumte, ging Bürgermeister Rudolf Krug von einer Dauer von drei Monaten aus, während das Landratsamt die Bundeswehr-Zelte zwei Jahre stehen lassen möchte, um sie wirtschaftlich betreiben zu können. "Es herrscht derzeit Baustopp", sagte Roth. Das heißt: Die Bauarbeiten für die sanitären Anschlüsse und die Stromversorgung gehen nicht weiter. Roth hofft dennoch auf Konsens. Diesen soll ein Gespräch mit Krug am Donnerstagabend bringen. Es ist zum ersten Mal, dass es einen erheblichen Dissens zwischen einer Kommune und dem Landratsamt bei der Unterbringung von Flüchtlingen gibt. Ein Zeichen auch dafür, wie blank bei den Beteiligten inzwischen die Nerven liegen.
Langfristig setzt man im Landratsamt auf Container und Häuser. So entsteht im Herrschinger Gewerbegebiet bis November eine Wohnanlage für 144 Menschen. In Breitbrunn wird das ehemalige Schwesternwohnheim für 80 Asylbewerber umgebaut, in Stockdorf das alte Forstamt, und in Andechs am Minigolfplatz und in Inning gegenüber der Sporthalle auf der Wiese neben dem Parkplatz sollen Wohncontainer für jeweils 100 Flüchtlinge errichtet werden. In Starnberg ist in der Petersbrunner Straße eine Container-Anlage geplant. 160 Menschen hält Roth aber für zu viel. Weniger wäre sozial besser. Pöcking und Wörthsee werden ebenfalls noch Flüchtlinge aufnehmen. Gilching erhält vorübergehend eine Traglufthalle auf dem Festplatz.
An den Anstrengungen erkennt man, dass das Landratsamt zusammen mit den vielen freiwilligen Helfern das Problem langsam in den Griff bekommt, was auch damit zusammenhängt, dass 25 neue Mitarbeiter eingestellt wurden. Roth rechnet nämlich damit, dass die 38 Asylbewerber, die jede Woche dem Landkreis zugewiesen werden, auf 45 steigen werden. "Bis Jahresende wären dies noch 886", meinte er. Derzeit leben 1250 Flüchtlinge im Landkreis Starnberg.


Starnberger Merkur 21.08.2015

Nächste Woche beginnt der Zeltbau

Der Landkreis zieht bei der Asylbewerberunterbringung die Notbremse und lässt drei Zeltanlagen aufbauen. Die Turnhalle in Inning wird vermutlich länger belegt, in Gilching wird eine Traglufthalle errichtet. Landrat Karl Roth rechnet bis Jahresende mit 1800 Asylbewerbern.

VON MICHAEL STÜRZER

Landkreis – „Wir stehen weiter unter erheblichem Druck.“ Wenn Landrat Karl Roth das sagt, merkt man die Last auf seinen Schultern und denen des halben Landratsamtes. Nach neuen Berechnungen erwartet der Kreis bis Jahresende rund 1800 Asylbewerber, 50 Prozent mehr als bisher angenommen. Für die Unterbringung müssen Zelte herhalten. Der Drei-Stufen-Plan für die kommenden Monate sieht Folgendes vor, das Roth gestern vorstellte:
Turnhallen: Sportstätten sollen nur im äußersten Notfall herangezogen werden. Die Halle in Inning wird voraussichtlich einige Wochen länger als Notunterkunft dienen als geplant – sie ist ja bereits komplett ausgestattet. Gespräche dazu laufen. Die Weßlinger Halle soll bis November belegt werden. Weitere Hallen werde der Kreis wegen Sport und Schulunterricht nicht verwenden, sagte Roth.
Zeltanlagen: Bereits kommende Woche soll in Tutzing der Aufbau von großen Zelten nach Bundeswehr-Art für 128 Personen beginnen – doch beinahe wäre das gescheitert. „Da ist ein bisschen was schiefgelaufen“, räumt Roth ein. Tutzing hatte den alten Festplatz zur Verfügung gestellt, war aber von einigen Monaten ausgegangen. Zelte lohnen aber erst bei einer Nutzung von zwei Jahren, und das plante der Kreis auch. Als die Erschließung gebaut wurde, fiel Tutzing aus allen Wolken. Bürgermeister Rudolf Krug ließ die Arbeiten gestern stoppen, am Abend gab es ein Krisengespräch. Ergebnis: Ein Jahr sollen die Zelte stehen, dann wird neu verhandelt. Die Anlage soll Ende des Monats bezugsfertig sein. Die Bundeswehr hilft beim Aufbau.
Bis Mitte September soll eine ähnliche Zeltanlage in Berg am Kreisel fertig sein, am 8. Oktober eine auf der Kraillinger Sanatoriumswiese. Eine Traglufthalle wird bis Mitte Dezember auf dem Gilchinger Festplatz aufgebaut, bis die Containeranlage in Gilching fertig ist. Die wird von der Regierung von Oberbayern gebaut, und Roth hat keine Vorstellung, wie lange das dauern wird. Viele Monate gelten als sicher.
Container/Häuser: Für die langfristige Unterbringung sieht der Plan die bereits konkret geplanten Unterkünfte in Herrsching (Container, 144 Plätze, Mitte November), das ehemalige Schwesternheim in Breitbrunn (80 Plätze, Mitte Dezember) und das Forstamt in Stockdorf (40 Plätze, Mitte September) vor. Dazu kommen eine Containeranlage in Andechs (100 Plätze, Ende November) und in Inning (100 Plätze, Ende November). Für weitere Flächen und Bauten laufen Gespräche. Die Containeranlage im Starnberger Gewerbegebiet wird wohl kleiner ausfallen als bisher geplant: „160 sind dort vielleicht etwas viel“, räumte Roth ein. Die Container werden genau geplant, Freiflächen und Spielplätze inklusive. Dabei geht es ums Wohlfühlen der Bewohner, aber auch darum, „dass es kein Schandfleck ist“, sagte Baujurist Dr. Martin Nell.
Klappt das alles, stehen am Jahresende rund 2000 Plätze zur Verfügung. Die Zeltlösungen sind auf zwei Jahre mindestens angelegt, Container auf fünf bis sieben Jahre. Selbst wenn der Zustrom an Flüchtlingen nachlassen sollte, womit derzeit niemand rechnet, sind die Unterkünfte nicht sinnlos: Anerkannte Asylbewerber muss der Kreis auch unterbringen.
Roth hob noch einmal die Bedeutung der Helferkreise hervor, für die es bald als kleines Dankeschön ein Fest geben soll. Personell muss auch der Landkreis laufend aufstocken: Bisher wurden 25 zusätzliche Mitarbeiter eingestellt. Für die Kosten kommt der Kreis auf und erarbeitet deswegen einen Nachtragshaushalt. Einen Großteil erstattet der Freitstaat, aber nicht alles. Seiten 6 und 9

 

Zuschuss für Fischerstraße

Regierung macht 260 000 Euro locker

Inning – Die Fischerstraße im Inninger Ortsteil Bachern ist bereits zu zwei Dritteln ausgebaut und mit einem Gehweg ausgestattet worden. Die Regierung von Oberbayern hat der Gemeinde eine Zuwendung von 195 000 Euro in Aussicht gestellt und in einer weiteren Rate 65 000 Euro bewilligt. Gezahlt wird dies aus Mitteln des Kfz-Steuerersatzverbundes im Rahmen des Finanzausgleichs bereit. Die Auszahlung erfolgt entsprechend dem Baufortschritt. Die Gesamtkosten betragen 640 640 Euro.  mm


Starnberger Merkur 20.08.2015

Briefe an die Redaktion

Von Schilderwald und Schildbürgerstreich

Bürgerwerkstatt: „BIZ ist voller Erwartungen“ vom 17. August

Auch ich war in der Bürgerwerkstatt, habe aber eine andere Erinnerung, was die Vorschläge und Machbarkeit der Verkehrssicherheit in Inning betrifft. Durchgehend Tempo 30 wurde bereits im Landratsamt von der Gemeinde Inning vorgetragen, aber abschlägig beschieden. Dies wurde mehrmals von den Mandatsträgern in der Diskussion hervorgehoben. Anscheinend hat Herr Kaltenbrunner das überhört, oder er war zu dem Zeitpunkt nicht im Raum. Hier sollte man bei den Fakten bleiben und nicht populistisch Hoffnungen schüren. Viel wichtiger wäre, dass man auf andere negative Veränderungen hinweist und dagegen angeht.
Ist es nicht aufgefallen, dass die Tempo-70-Schilder an der Staatsstraße 2067 verschwunden sind? Die Entfernung wurde mit der Verringerung des Schilderwaldes begründet. Das mit dem Schild stimmt, aber es ist eher ein Schildbürgerstreich. Jetzt wird wieder Gas gegeben. 110 Stundenkilometer sind ja möglich. Wenn man geblitzt wird, dann gibt es ja drei Stundenkilometer Karenz und der Tacho geht ja auch vor! Die Strecke von oder nach Inning wurde wieder zur Rennstrecke. Dies kann jeder erfahren, der mit dem Radl von Breitbrunn nach Inning fährt. Wird noch interessanter, wenn der neue Wertstoffhof in Betrieb ist. Auund Einfahrt auf eine Staatsstraße mit Tempo 100? Der nächste Streich in Vorbereitung? Auch hier soll die Geschwindigkeitsbeschränkung fallen. Und dann soll noch Tempo 60 zwischen Ortsausgang Inning und dem Interkommunalen Gewerbegebiet entfallen. Begründung: Schilderwald.
An dieser Strecke befinden sich zwei Autobahn-Zu- und Abfahrten, die Straße nach Etterschlag beginnt und die Zu- und Ausfahrt der Aral-Tankstelle ist ein weiterer Gefahrenpunkt. Vom Kreisverkehr bis zum Ortsschild Inning Tempo 100? Die BIZ hofft ab dem Ortsschild Inning auf Tempo 30! Na da bin ich aber gespannt, wie die Autofahrer kurz vor Inning und einem Unfallschwerpunkt abbremsen. Da kommt der Smiley ins schwitzen. Jetzt habe ich eine große Erwartung!
Die BIZ und die anderen Parteien und Gruppierungen, die im Inninger Gemeinderat vertreten sind, sollten sich an die verantwortlichen Stellen wenden, und fordern, dass Tempo 70 auf der Staatsstraße von und nach Breitbrunn wieder eingeführt wird. Gleichzeitig muss der geplante Entfall, Tempo 60 Richtung Grafrath, gestoppt werden. Diese Aufforderung gilt auch für jeden Bürger, der sich verantwortungsvoll im Straßenverkehr verhält. Schreiben Sie an das Landratsamt, an die Gemeinde. Stoppen wir den Schildbürgerstreich. Dazu benötigen sie keine neue Bürgerinitiative, sondern nur unsere Finger und etwas guten Willen, dies zu tun.
Es gibt viele überflüssige Schilder, und viele gehören auf den Müll. Aber eine Temporeduzierung aufzuheben, sollte nach den Gesichtspunkten der Sicherheit für die Verkehrsteilnehmer betrachtet und beschlossen werden. Es wäre wieder einmal typisch deutsch. Wenn wir etwas ändern, dann mit aller Konsequenz und ohne Rücksicht auf vernünftige Argumente.

Peter Müller - Inning


Süddeutsche Zeitung 20.08.2015

Grundstück für Containeranlage

Derzeit leben 138 Flüchtlinge in der Behelfsunterkunft; 56 Personen sind bereits in andere Einrichtungen umgezogen. Wann genau die Halle wieder als Sporthalle zur Verfügung steht, ist nach Auskunft des Landratsamts derzeit noch unklar. Sicher ist dagegen, dass für langfristig in Inning lebende Asylbewerber Anfang Dezember eine Wohnanlage für 90 Personen errichtet wird. Mitte Dezember soll sie bezugsfertig sein. Für den Standort an der Schornstraße – westlich vom Parkplatz des Hauses der Vereine und derzeit Trainingsgelände der Bogenschützen – hat sich der Gemeinderat im Gegensatz zu anderen Gemeinden im nicht öffentlichen Teil der jüngsten Sitzung entschieden. Das sei notwendig gewesen, „weil auch über verschiedene private Grundstücke gesprochen wurde, die in Frage kamen“, erklärte Bürgermeister Walter Bleimaier auf Anfrage. Das Grundstück, das die Gemeinde zur Verfügung stellen wird, besitzt alle notwendigen Versorgungsanschlüsse. Für die Aufstellung der Container und die Vorfinanzierung ist das Landratsamt zuständig. Die Kosten werden der Regierung von Oberbayern in Rechnung gestellt.  si

 

Die kleinen Erfolge zählen

ASYL: Erste Bilanz: Mitarbeiter des Helferkreises Inning stoßen häufig an Grenzen, geben aber nicht auf
VON EVELINE SILKENSTEDT

Inning – „Perfektionsstreben wäre in dieser Situation illusorisch und kein gutes Ziel“, sagt Anja Wagatha. Seit vier Wochen kümmern sich die Sprecherin des Helferkreises Asyl und gut die Hälfte der 100 ehrenamtliche Helfer mit großem Engagement um die in der Inninger Turnhalle untergebrachten Flüchtlinge. Weil im Alltag der Erstaufnahmestelle nicht immer alles so rund gelaufen ist wie gedacht, stoßen die Helfer immer wieder an ihre Grenzen.
Direkt an der Schnittstelle zwischen Landratsamt, Bürgermeister, den Hallenbetreuern und den Helfern hat die Inninger Gemeinderätin ihre Erfahrungen gemacht: „Zum Beispiel wechseln bei der Betreuung in der Halle und beim Landratsamt oft die Ansprechpartner.“ Deshalb habe der Helferkreis häufig das Gefühl, immer wieder von vorne anfangen zu müssen. Zum Beispiel wenn es darum gehe, die Situation der Asylbewerber zu verbessern. Dazu gehören die seit kurzem aufgestellten Heißwassergeräte für die Zubereitung von Tee oder Instantkaffee ebenso wie die zusätzlichen Dixi-Toiletten. Viele Stunden Arbeit bescherte den Helfern die Übernahme der Kleiderausgabe. Das BRK hatte die Verteilung angesichts der vielen in Oberbayern ankommenden Flüchtlinge nicht rechtzeitig umsetzen können.
Langmut der Helfer ist auch beim Deutschunterricht gefragt. Schließlich gehen Pflichttermine im Landratsamt vor, auch wenn der ehrenamtliche Deutschlehrer für den Unterricht seinen Arbeitsplatz eine Stunde früher als sonst verlassen hat. Nichtsdestotrotz finden die Kurse für unterschiedliche Nationalitäten inzwischen großen Zuspruch, vor allem der gemeinsame Kurs für Mütter mit Kindern.
„Ein Schritt in die Selbstständigkeit“ ist für Anja Wagatha auch die wachsende Zahl an Besorgungen bei Apotheken und notwendige Arztbesuche, die bereits ohne Helferbegleitung ablaufen. Mehr Selbstständigkeit soll auch das neu eingerichtete Helfersystem bei den Asylbewerbern untereinander bringen: Die neuen Ansprechpartner werden sich um den Kauf der passenden Handykarten kümmern.
Auch die ganz kleinen Erfolge sind für Anja Wagatha Schritte in die richtige Richtung: „Die Freundlichkeit, die Dankbarkeit und die ersten deutschen Wörter und Sätze der Asylbewerber zeigen, dass auch vieles gut läuft.“


Süddeutsche Zeitung 19.08.2015

Leuchten  im Oktober

Die Gewerbetreibenden der Gemeinde Inning planen offenbar die erste "Inninger Nacht". Hinter dieser Idee steckt allerdings weniger Kommerz als anzunehmen ist. Mit dem Marktsonntag, der längst weit über die Gemeindegrenzen hinaus bekannt geworden sei, habe das allerdings nichts zu tun, wie der Vorsitzende vom Verein Inninger Gewerbetreibende, Hans-Peter Hübsch, sagt. Vielmehr solle mit diesem Event den besten Kunden für ihre Treue gedankt werden. Gedacht ist daran, diese einzuladen, rote Teppiche in der Gemeinde auszulegen, sie mit kulinarischen Häppchen zu verwöhnen und das Ortsbild mit unzähligen Teelichtern nach dem Motto "Inning leuchtet" zu verschönern. "Es geht darum, endlich einmal Zeit miteinander zu verbringen und sich in Ruhe austauschen zu können", so Hübsch. Die Inninger Nacht findet am 30. Oktober statt.


Süddeutsche Zeitung 05.08.2015

Straßenführung-Tunel-150805

Straßenbauer rücken an

Von Christine Setzwein

Zwei neue Straßen bauen in nur wenigen Monaten. Das soll möglich sein? Ist es auch, wenn es nach der Autobahndirektion Südbayern geht. In knapp zwei Wochen, voraussichtlich am 24. August, starten die Arbeiten für die zwei provisorischen Umfahrungen der Autobahn-Tunnel Eching und Etterschlag an der A 96. Dann startet ein weiterer Bauabschnitt des 40 Millionen-Euro-Projekts, das 2014 begonnen wurde und bis Mitte 2017 beendet sein soll.

Von Anfang an wollte die Autobahndirektion die Bürger der Gemeinden Wörthsee und Eching umfassend informieren. Es gab mehrere Veranstaltungen und Pressekonferenzen. Auch am Montag war Christian Hocke in Etterschlag, um die Anlieger über die bevorstehenden Maßnahmen zu unterrichten. Eine Handvoll Bürger machte Gebrauch davon. Wichtig war ihnen vor allem, dass sie sicheren Fußes und Rades über die neue Umfahrung kommen.

Bevor die Sanierer allerdings in die Tunnel können, um sie sicherheitstechnisch nachzurüsten, müssen zwei provisorische Umfahrungen gebaut werden. Sie kommen auf die Südseite der Autobahn. In Eching ist sie etwa einen Kilometer lang, in Etterschlag 1,3 Kilometer. Die neuen Straßen nehmen den Verkehr in Richtung München auf, Richtung Lindau bleiben die Fahrzeuge in jeweils einer Tunnelröhre. Weil das Provisorium Etterschlag vom Rest Wörthsees trennt, werden zwei Brücken gebaut, eine für Autos, eine für Fußgänger und Radfahrer.

Schon seit Monaten werden an der Autobahn zwischen den Anschlussstellen Greifenberg und Wörthsee neue Schilderbrücken, Betonschutzwände und Leitplanken befestigt. "Jetzt sind die Mittelstreifen an der Reihe", sagt Hocke. Bis Oktober will man damit fertig sein. Die provisorischen Umfahrungen sollten bis spätestens Winterende 2016 stehen, "aber wir versuchen, es früher zu schaffen", sagt Hocke.

Gerade für die Etterschlager bedeuten die kommenden Bauarbeiten erneut eine Belastung. Aber sie bekommen auch etwas dafür: die Schließung der Gehweglücke an der Inninger Straße. Damit wird schon in den nächsten Tagen begonnen. "Und", das muss Hocke loswerden, "die Autobahndirektion hat auch einen Ballfangzaun am Sportplatz aufgestellt."

Wenn der Verkehr nach München im kommenden Frühjahr über die Umfahrungen fließt, kann erst mit der eigentlichen Sanierung der Röhren begonnen werden. Der Echinger Tunnel ist 413 Meter lang, der Etterschlager 495 Meter. Grund für die Sanierung sind verschärfte EU-Sicherheitsvorschriften. Nach den schweren Brandunfällen im Mont-Blanc-, Tauern- und Gotthard-Tunnel hat die Bundesregierung beschlossen, alle Tunnel im Transeuropäischen Verkehrsnetz - und dazu gehört die A 96 - nachzurüsten.

Bis Ende 2016 soll die Tunnelsanierung abgeschlossen sei. Dann müssen alle Provisorien wieder zurückgebaut werden. Mitte 2017 soll von den jahrelangen Bauarbeiten in Eching und Etterschlag nichts mehr zu sehen sein. Dafür ziehen die Straßenbauer ein paar hundert Meter weiter: Zwischen Oberpfaffenhofen und Germering soll die A 96 auf sechs Streifen erweitert werden. 69 Millionen Euro hat der Bundesverkehrsminister dafür freigegeben.

Die täglichen Staus und der stockende Verkehr auf der A 96 seien im Übrigen nicht "baustellenbedingt", sagt Hocke. Dafür sei allein der starke Verkehr verantwortlich. Ein Verkehrschaos sei jedenfalls wegen der bisherigen Bauarbeiten nicht eingetreten, und Hocke rechnet damit auch nicht, wenn der Verkehr über die Umfahrungen fließt. "Ich schaue zuversichtlich ins neue Jahr."


Starnberger Merkur 04.08.2015

Am Anger: Mehrheit für neue Struktur

Gemeinderat vergibt Planungsauftrag

VON EVELINE SILKENSTEDT

Inning – Der gefährlichste Unfallschwerpunkt im Gemeindegebiet von Inning könnte in absehbarer Zeit entschärft werden. Mit der Aufstellung eines Bebauungsplans für das so genannte Anger-Areal rückt die Verlegung der Zu- und Abfahrt der Straße Am Anger auf die im Norden gelegene Staatsstraße 2070 in greifbare Nähe. Gegen den Beschluss stimmten BIZ und Grüne.

Das benötigte Kapital zum Kauf des 4,1 Hektar großen Areals soll durch die Ausweisung einer kleineren Gewerbe- und Wohnansiedlung finanziert werden. „Mir stößt die gesamte Planung auf“, ärgerte sich Gemeinderätin Sibylle Gerhardt (Grüne) in der jüngsten Gemeinderatssitzung. Ihr gefiel die Aussicht, solch ein großes Gebiet aus dem Landschaftsschutzgebiet herauszunehmen, überhaupt nicht. Das sei die Renaturierung des Inninger Bachs an dieser Stelle nicht wert. Kritik kam auch von Michael Buchner (BIZ): „Es ist das letzte Stück offener Bach, und deshalb sollte man daneben keine Straße bauen.“ Der dörfliche Charakter müsse erhalten bleiben, war der gemeinsame Standpunkt der BIZ- und Grünen-Gemeinderäte.

Für Bürgermeister Walter Bleimaier, Stellvertreterin Monika Schüßler-Kafka und Johann Ritzer (FBB) bringt die Ansiedlung hingegen viele Vorteile – die Entlastung der Brucker Straße und mehr Wohnungen und Arbeitsplätze am Ort. Baureife Gewerbeflächen in Inning sind gefragt. Zudem möchte die ansässige Gärtnerei aus wirtschaftlichen Gründen ihre Gewerbeflächen erweitern und die schwierige Warenanlieferung verbessern. Derzeit muss ein Teil der Waren wegen der engen Zufahrt in der Brucker Straße abgeladen werden und hält regelmäßig den Verkehr auf. „Wenn wir unser ganzes Geld für die Sanierung des Inninger Bachs ausgeben, brauchen wir über Wohnungsbauprojekte gar nicht reden“, mahnte der Rathauschef.

Vorgaben zum Erhalt des dörflichen Charakters wurden dem Architekturbüro mit dem Auftrag mitgegeben. Die von Behörden gewünschte Renaturierung des 300 Meter langen Bach-Teilstücks wird Aufgabe des Landschaftsarchitekturbüro sein. Schließlich soll das Projekt den Lebensraum der seltenen Bachmuschel nicht gefährden.


Süddeutsche Zeitung 01.08.2015

Wörthsee - A 96: Baubeginn für provisorische Straße

Die Wörthseer müssen sich in den kommenden Wochen auf noch mehr Verkehrsbehinderungen einstellen. Voraussichtlich am 24. August beginnen die Arbeiten für die provisorische Umfahrung des Tunnels Etterschlag, teilt die Gemeinde Wörthsee mit. Aber schon zwei Wochen vorher, vom 10. August an, startet der Bau des neuen Gehwegs an der Inninger Straße in Etterschlag. Er soll am 21. August fertig sein. Dieser neue Abschnitt im großen Projekt "Tunnelsanierung" wirft sicher Fragen auf. Deshalb werden Vertreter der Autobahndirektion Südbayern am Montag, 3. August, von 17.45 bis 18.45 Uhr, am Betriebsgebäude in Etterschlag über das Vorhaben informieren. Erst wenn die provisorischen Umfahrungen in Eching und Etterschlag fertig sind - voraussichtlich im Frühjahr 2016 -, kann mit der eigentlichen Tunnelsanierung begonnen werden. Der Verkehr in Richtung München wird dann für etwa acht Monate auf die Umfahrungen gelenkt. Autofahrer in Richtung Lindau bleiben im Tunnel, jeweils auf der Seite, in der nicht gearbeitet wird. In die sicherheitstechnische Nachrüstung der beiden Tunnel investiert der Bund etwa 40 Millionen Euro.

 

Radl-Streit

Die Frage Umfahrung ja oder nein scheidet in Inning noch immer die Geister. Zwar hatten sich die Bürger in einem Entscheid gegen eine Entlastungsstraße ausgesprochen, aber das bedeutet offenbar noch lange nicht, dass jedermann diese Entscheidung akzeptiert. Eine für Freitag angesetzte Radlaktion des ortsansässigen Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC), wo der Forderung nach Tempo 30 Nachdruck verliehen werden sollte, endete daher in einem handfesten Krach, in dessen Folge die gesamte Veranstaltung abgesagt worden ist.

Denn unter die etwa 30 Teilnehmer hatten sich Mitglieder von Pro Inning gemischt, die Schilder auf ihre Fahrräder montierten, auf denen sie den Bau der Entlastungsstraße forderten. Dies missfiel der Bürgerinitiative für Innings Zukunft (BIZ), vertreten durch die beiden Gemeinderäte Katrin Nicolodi und Michael Buchner, die den Bürgerentscheid gegen die Umfahrung einst angezettelt hatte. Thomas Allner-Kiehling vom ADFC sah das ähnlich wie die BIZ. Er sagte die Aktion verärgert ab, nicht aber ohne selbst zu schimpfen und dabei gleich dem Rathaus Untätigkeit vorzuwerfen. Dort aber denkt man immerhin über Lösungen nach, während anderswo wohl nur noch gestritten wird.

 

Starnberger Merkur 01.08.2015

Grabenkämpfe verhindern Demo

Eklat in Inning: Die für Freitagvormittag geplante Radldemo musste abgeblasen werden. Grund: Zwei Interessensgruppen kamen sich in die Quere.

von eveline silkenstedt

Inning – „Das war die kürzeste Demo meines Lebens“, musste Thomas Allner-Kiehling gestern Vormittag sichtlich enttäuscht verkünden. Der Ortsgruppensprecher des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) und der Energiewendeverein hatten am letzten Schultag die Grundschüler und alle anderen Inninger Bürger eingeladen, gemeinsam für mehr Sicherheit, weniger Emissionen und Tempo 30 auf der vielbefahrenen Ortsdurchgangsstraße zu demonstrieren. Doch wieder aufflammende Grabenkämpfe zwischen Umfahrungsgegnern und -befürwortern bereiteten der Demo nach Schulschluss ein unrühmliches Ende.

Schon auf dem Weg zur Schule waren die leuchtend gelben Plakate des Vereins von Pro Inning entlang der Hauptstraße zu sehen. Als die Gruppierung auf ihr auf Fahrrädern montiertes „JA zur Verlegung der Hauptstraße“ im Demonstrationszug nicht verzichten wollte, war der Eklat unvermeidlich. „Nicht mit uns“, ärgerten sich die BIZ-Gemeinderäte Katrin Nicolodi und Michael Buchner. Es sei eine tolle Sache und sie hätten die Veranstalter gern unterstützt. Aber mitgehen würden sie nicht, wenn die Veranstaltung als Werbung für die Umgehungsstraße missbraucht werde. „Dann gehen wir halt in zwei Gruppen“, versuchte Thomas Allner-Kiehlings ziemlich ratlos zwischen den streitenden Parteien zu vermitteln. Auf seine Bitte, auf die Teilnahme zu verzichten, wollte Pro Inning nicht eingehen. Walter Bubes Argument: „Wir müssen auf die Missstände aufmerksam machen.“ Über Tempo 30 werde seit langem geredet, das werde es aber nicht geben. Am Ende blieb dem ADFC-Sprecher nichts anderes übrig, als die Veranstaltung abzusagen: „Wir schaffen es nicht, im normalen Alltag praktische Lösungen zu finden.“ Dazu gehört für die ADFC-Ortsgruppe unter anderem die sofortige Beseitigung von Gefahrenstellen für Fußgänger und Radler – zum Beispiel an der Amperbrücke und bei der Querung Leitenstraße. Eingefordert werden auch zu jeder Zeit sichere Fuß und Radwege für Kinder und Frauen sowie alltagstaugliche Fahrradverbindungsstraßen zwischen den Inninger Ortsteilen.

Über den Stillstand im Ort ärgert sich Thomas Allner-Kiehling besonders: „Wir sind fünf Jahre hinter Nachbarorten wie Herrsching und Seefeld zurück.“ Inning könne weder einen kompetenten Fahrradbeauftragten noch brauchbare Fahrradständer vorweisen. Teure und technisch hochwertige Fahrräder müssten heute anders gesichert werden als vor 30 Jahren. Die Grabenkämpfe werden weitergehen, ist der ADFC-Ortssprecher überzeugt. Bei einer Bürgerwerkstatt die Denkrichtung vorzugeben, sei nicht das richtige Rezept, um gemeinsam zum Ziel zu kommen.

Pro Inning hat gestern Mittag seine Protestfahrt inklusive Bürgersteig-Demo am nördlichen Ortsende durchgezogen. Verständigung sieht anders aus.

 

Starnberger Merkur 31.07.2015

Raddemo schule-MM-150731

 

Starnberger Merkur 30.07.2015

Leserbref-Schlögl-150730

Hufschlag-150730    Hufschlag-150731

Süddeutsche Zeitung 30.07.2015

Das Ende der Hufschlag-Siedlung

Von Astrid Becker

Jahrzehnte wurde um die illegale Hufschlag-Siedlung bei Schlagenhofen gerungen, gestritten, gekämpft. Doch nun steht der Abriss der Schwarzbauten bevor, weil zwei von vier Grundstückseigentümern überraschend von Vereinbarungen mit der Gemeinde zurückgetreten sind. Der Gemeinderat hat daraufhin am Dienstag beschlossen, das Bauleitverfahren, das die Splittersiedlung im Wald mit etlichen Häuschen legalisiert hätte, zu stoppen und das Landratsamt aufzufordern, die Beseitigung der Häuschen dort voran zu treiben. Die Mieter werden sich nun wohl neue Bleiben suchen müssen.

"Sie und die beiden anderen Grundstückseigentümer sind die Leidtragenden", sagt Bürgermeister Walter Bleimaier, dem deutlich anzumerken ist, dass er das Verfahren gern bis zum Ende durchgezogen hätte. Bereits in seinen ersten Jahren als Gemeinderat vor knapp 20 Jahren dürfte er mit dem Fall vertraut gewesen sein, wenn nicht noch länger. Bleimaier stammt immerhin aus Buch, das heute zur Gemeinde Inning gehört, früher jedoch selbständig und auch für die Hufschlag-Siedlung zuständig war. In den 40er-Jahren war sie als eine Art Notunterkunft für Kriegsflüchtlinge entstanden und sollte etwa ein Jahrzehnt später sogar einmal durch einen Bebauungsplan legalisiert werden. Umgesetzt wurde dies allerdings nie.

In der Folge gab es zwischen den Siebzigerjahren und den Neunzigern mehrere Anordnungen des Starnberger Landratsamts, die Siedlung zu beseitigen. Immer wieder legten die Eigentümer Widerspruch ein. Im Jahr 2012 entschloss sich der Inninger Gemeinderat, das Gebiet über ein Bauleitplanverfahren zu legalisieren, weil die Beseitigung der Siedlung eine "soziale Härte" für die Grundstückseigentümer und die Bewohner darstelle, wie es in der Begründung von damals hieß. Die Chance auf diesem Wege die gesamte Schwarzbau-Siedlung auf eine rechtliche Grundlage zustellen, ist nun aber endgültig verpasst. Nicht ganz unschuldig daran dürften die beiden Eigentümer selbst sein. Denn so ein Verfahren, auf unbeplanten Außenbereichsgebieten Bauland auszuweisen, folgt seit Jahrzehnten demselben Muster: Die Gemeinde Inning lässt sich darauf nur ein, wenn sie selbst mit eigenen Grundstücken im entsprechenden Gebiet beteiligt ist. "Normalerweise", so sagt Bleimaier, "sind das immer 25 Prozent der Gesamtfläche." In diesem Fall beträgt diese knapp 23 000 Quadratmeter, die Gemeinde erhob aber nur einen Anspruch auf eine Fläche von etwa 1000 Quadratmeter, für die sie den üblichen Preis für Bauerwartungsland bezahlt hatte. Die Grundstückseigentümer schienen damit einverstanden, angeblich wollten sie sich auch gar nicht von mehr Fläche trennen. Für eine Stellungnahme waren jedoch beide nicht zu erreichen.

Die Kaufverträge wurden jedenfalls von beiden Seiten beim Notar unterzeichnet. Sie beinhalteten - ebenfalls ganz üblich - ein Rücktrittsrecht der Verkäufer bis zum Ablauf einer bestimmten Frist. Bis dahin sollte eigentlich auch das Bauleitverfahren abgeschlossen sein. Dies jedoch war nicht der Fall. Wie so oft traten unerwartete Probleme auf: So reichte die Löschwasserversorgung des Gebiets nicht aus, es musste eine Zisterne eingeplant werden, dann mussten die Baumwurfgrenzen verschoben werden und dann forderte einer der beiden mittlerweile vom Verkauf zurückgetretenen Grundstückseigentümer auch noch die Verlegung eines Feldweges, was die Gemeinde ablehnte.

Dies könnte der Auslöser gewesen sein, warum die beiden Brüder von dem Verkauf an die Gemeinde Abstand nahmen, den Kaufpreis zurückerstatteten und damit die Gesamtplanung zu Fall brachten. Denn nun werden auch die Verträge mit den beiden anderen Grundstückseigentümern rückabgewickelt, wie in der Sitzung am Dienstag deutlich wurde: "Eine Teilung des Bebauungsplans ist ja nicht möglich", sagte Bleimaier. Es gebe daher keine Grundlage mehr für einen Bebauungsplan. Die lange Geschichte der Hufschlag-Siedlung dürfte damit ein Ende finden.


Süddeutsche Zeitung 29.07.2015

Große Unterstützung

Von Astrid Becker

Vor etwas mehr als einer Woche haben 194 Menschen unterschiedlicher Nationalitäten die Notfallunterkunft in Inning bezogen. Der Helferkreis Asyl der Gemeinde hat nun eine positive Bilanz über diese erste Phase gezogen. So sei der Umgang der Flüchtlinge untereinander sehr friedlich - trotz der beengten Raumverhältnisse und des daher nicht einfachen Lebens in einer Turnhalle, hieß es. Auch die Inninger Bevölkerung habe von Anfang an eine "außerordentliche Hilfsbereitschaft" gezeigt.

Binnen weniger Stunden nach der Ankunft der 194 Asylsuchenden hatte der Helferkreis Sommerkleidung und Sommerschuhe gesammelt und gleich am nächsten Tag ausgegeben. Auch Unterwäsche zum Wechseln - offenbar ebenfalls Mangelware - konnten die ehrenamtlichen Helfer den Flüchtlingen übergeben. Großen Anklang hätten auch die Spiel- und Freizeitangebote gefunden, wie Anja Wagatha vom Helferkreis wissen ließ. Allerdings mache es derzeit noch wenig Sinn, sportliche Aktivitäten zu festgelegten Zeiten anzubieten. Vielmehr sei es besser, Sportgeräte wie Tischtennisplatten, Federballsets, Bälle und Fußballtore zur freien Verfügung bereit zu stellen. Ebenfalls jederzeit nutzen können die Asylbewerber bereits den Basketball - , den Rollhockey- und den Beachvolleyball-Platz außerhalb der Trainingszeiten. Zudem haben die Inninger mit den Kindern und Erwachsenen in der Halle gemalt und die Bilder, die dabei entstanden sind, ausgestellt. Mittlerweile gibt es dort auch eine Spiel- und Bauecke.

Mit dem Deutschunterricht ist offenbar ebenfalls bereits begonnen worden. Als zusätzliches Angebot will der Helferkreis noch Konferenzen anbieten, in denen sich die Asylsuchenden über deutsche Gepflogenheiten informieren und Fragen stellen können. In Anspruch genommen wurde auch bereits der Fahrdienst, zudem wollen diejenigen Helfer, die sich für das Thema "Juristische Begleitung" angeboten haben, am Mittwoch erste Informationen verteilen und Gespräche anbieten.

Der Helferkreis weist noch einmal ausdrücklich darauf hin, einzelnen Flüchtlingen keine Geschenke zu machen, weil das zu Streit führen könnte. Wer Sach-, Kleider- und Schuhspenden machen will, kann sich an helferkreis.asyl@gmx.de wenden. Diese können aber nur kurzfristig je nach Bedarf gesammelt werden - Lagermöglichkeiten dafür stehen nicht zur Verfügung.

 

 

Süddeutsche Zeitung 27.07.2015

Landkreis Starnberg - Gerechtigkeit im Sinn

Von Wolfgang Prochaska

Angesichts weiter steigender Flüchtlingszahlen ist Landrat Karl Roth (CSU) bemüht, die Asylbewerber gleichmäßig auf die Gemeinden zu verteilen. Von "Verteilungsgerechtigkeit" ist im Landratsamt die Rede. Bisher hatten sich einige Orte - darunter Inning und Weßling - schwer getan, Unterkunftsmöglichkeiten oder Grundstücke an die Kreisbehörde zu melden, ein Unterfangen, das Roth zusehends in die Bredouille brachte. Schließlich musste er pro Woche 33, inzwischen 39 Flüchtlinge, im Landkreis unterbringen.

In Weßling sind bislang nur drei Asylbewerber untergekommen, und das bei einer Einwohnerzahl von knapp 5300; in Inning war bis vor kurzem ein einziger Flüchtling aufgenommen worden. Seit aber die Turnhalle zur Notunterkunft für 200 Asylbewerber umfunktioniert wurde, müssen andere Gemeinden die weiteren Neuankömmlinge aufnehmen. "Wir müssen auch Rücksicht nehmen auf die Größe der Orte und des Ortsteils", hatte Roth in der vergangenen Woche in einem Gespräch mit der Presse betont. Mit anderen Worten: Er will möglichst behutsam vorgehen, um nicht unnötig Ängste bei Bürgern zu hervorzurufen und die Gemeinden, die schon genügend aufgenommen haben, nicht überlasten.

Bislang bewies der Starnberger Landrat viel Feingefühl. Wenn es um die Pläne für eine Flüchtlingsunterkunft geht, stellt er sich stets zusammen mit den jeweiligen Bürgermeistern den Fragen der Anwohner. So war es in Gilching, als es um die dortige Flüchtlingsunterkunft auf der Festwiese ging; so war es in Inning, als die Turnhalle zur Notunterkunft erklärt wurde, und so wird es in dieser Woche auch in Weßling sein. Am Mittwoch ist eine Info-Veranstaltung für die Bürger im Weßlinger Pfarrstadel geplant, in der Roth und Bürgermeister Michael Muther die Lage erläutern werden. Schon einen Tag zuvor, nämlich am Dienstag, werden Roth und Muther die Gemeinderäte in der letzten Sitzung vor den Sommerferien über die Pläne in Kenntnis setzen. Bekanntlich werden am 1. August etwa 200 Flüchtlinge die Weßlinger Sporthalle am südlichen Ortsrand belegen; 60 unbegleitete, minderjährige Asylbewerber sollen im alten Weßlinger Feuerwehrhaus am Walchstadter Weg vorerst untergebracht werden. Die Umbauten haben am vergangenen Wochenende schon begonnen. Bis November wird die Sporthalle belegt bleiben, davon geht man in der Gemeinde aus. Im Landratsamt bemüht man sich intensiv, Lösungen für den Sportbetrieb, der höchstens noch eingeschränkt möglich ist, zu finden. Vor allem die erfolgreichen Weßlinger Handballerinnen, die in der Bezirksoberliga spielen, brauchen Trainingsmöglichkeiten und für den Spielbetrieb, der im September beginnt, einen Austragungsort.

Wie künftig die Verteilungsgerechtigkeit aussehen wird, zeigt das Beispiel Herrsching. Die Gemeinde hat von sich aus ein Grundstück für eine Flüchtlingsunterkunft angeboten, und zwar am Ende des Gewerbegebiets an der Goethestraße. Dort soll auf jenem Areal, auf dem noch im vergangenen Jahr das Herrschinger Gymnasium geplant war und das die Gemeinde gekauft hat, eine vorübergehende Unterkunft entstehen. Der Herrschinger Gemeinderat wird an diesem Montag in seiner Sitzung von 19 Uhr an über den Bauantrag diskutieren. Vertreter des Landratsamts werden dabei sein. Im Gegenzug darf Herrsching damit rechnen, dass die Sporthalle in der Nikolausstraße wohl nicht zur Notunterkunft in den kommenden Wochen erklärt wird. Auch Starnberg wird wohl seine Brunnangerhalle, die gerade modernisiert wird, weiter nutzen dürfen, da die Kreisstadt im Gewerbegebiet an der Petersbrunner Straße ein Heim für Asylbewerber und Obdachlose errichten will. In Gilching bleibt die Turnhalle wohl ebenfalls unangetastet, da ein Flüchtlingsheim bei der Straßenmeisterei entstehen wird.


Süddeutsche Zeitung 21.07.2015

Von Nigeria nach Inning

Von Astrid Becker

Einfach nur mal in aller Ruhe Fußball spielen oder unbesorgt spazieren gehen: Was den Menschen hierzulande ganz selbstverständlich vorkommt, dürfte den Asylbewerbern, die seit dem Wochenende in Inning untergebracht sind, wie ein Geschenk des Himmels erscheinen. Bereits kurz nach ihrer Ankunft in der Mehrzweckhalle der Gemeinde, hieß der Sportverein die Flüchtlinge auf besondere Weise willkommen. Er räumte seine zwei Fußballtore aus dem Geräteschuppen und stellte sie für die Neuankömmlinge auf. Insgesamt waren am Wochenende - in drei Gruppen verteilt - 194 Menschen von München in die Außenstelle der Bayernkaserne in der Inninger Turnhalle gebracht worden.

Nach den Angaben, die dem Landratsamt vorliegen, handelt es sich um 87 Männer, 14 Frauen und 22 Familien mit 45 Kindern im Alter von vier Monaten bis 17 Jahren. Sie kommen aus unterschiedlichen Nationen, die meisten von ihnen aus Syrien (54) und Afghanistan (41). Alle anderen stammen aus Pakistan, Albanien, Eritrea, Nigeria, Senegal, Uganda, Tunesien und Jordanien. Bei acht von ihnen konnte die Staatsangehörigkeit nicht geklärt werden.

Bereits vor ihrer Ankunft hatten die Menschen einen ersten Gesundheitscheck hinter sich. Nun sollen sie bis Freitag noch einmal genauer untersucht werden. Diese Aufgabe hat das Kreisklinikum Starnberg übernommen. Ein Team aus zehn Ärzten und Pflegekräften werden für die meisten der nötigen Untersuchungen nach Inning kommen - wie zum Beispiel für Blut-, Urin- und Stuhlproben. Zum Röntgen allerdings müssen die Flüchtlinge - mit Ausnahme von Schwangeren und Kindern im Alter von unter zehn Jahren - nach Starnberg gebracht werden. Diese Fahrten wird die Bereitschaft des Bayerischen Roten Kreuzes organisieren.

Unterdessen haben auch die Inninger Kontakt zu den Asylbewerbern aufgenommen, seine eigentliche Arbeit wird der Helferkreis dort wohl aber erst nach den Untersuchungen aufnehmen können. Etwa 70 Inninger haben sich bereit erklärt, sich für die Flüchtlinge zu engagieren - auf ganz verschiedenen Ebenen: im Deutschunterricht, der laut Gemeinde bereits organisiert wird und in kleineren Modulen stattfinden soll. "Dabei wird es erst einmal um Alltagsbegriffe gehen, denn wir wissen ja nicht, wie lange die jeweiligen Flüchtlinge bei uns bleiben werden", wie Anja Wagatha sagt, die beim Helferkreis die Öffentlichkeitsarbeit übernommen hat. Hilfe können die Flüchtlinge von Inningern auch bei Behördengängen und bei der Gestaltung ihrer Freizeit erwarten - oder auch in der Organisation von Fahrrädern oder anderen Dingen, die sie dringend benötigen. Dafür muss allerdings erst einmal geklärt werden, um was es sich dabei handelt. Vorher, und darauf weisen Helferkreis wie Landratsamt hin - habe es keinen Sinn, Sachspenden dort in der Halle abzugeben: "Eine Hilfe ist das nur, wenn man weiß, was man braucht. Alles andere ist gut gemeint, aber nicht zielführend", sagt der Sprecher der Kreisbehörde, Stefan Diebl.

Was der Helferkreis aber bereits gesammelt hat, sind Kinderkleider und Flipflops, weil daran offensichtlicher Mangel bestand. Der Verein "Refugees online" aus Gilching hat zudem noch einen sicheren Wlan-Zugang installiert, der den Flüchtlingen den Kontakt zu ihren Angehörigen ermöglichen soll.

 


Süddeutsche Zeitung 20.07.2015

Flüchtlinge sind eingetroffen

In der Schulturnhalle in Inning sind nun 200 Flüchtlinge untergebracht. Mit Bussen sind die Asylbewerber am vergangenen Wochenende gekommen; die ersten trafen am Freitagabend in der Notunterkunft ein, berichtet das Rote Kreuz, das mit der Betreuung beauftragt ist. BRK-Mitarbeiter und weitere ehrenamtliche Helfer haben die Menschen empfangen, "alles lief geordnet ab", berichtet Kreisbereitschaftsleiter Ludwig Rauch. Auch ein 70-köpfiger Helferkreis steht bereit.

Die Flüchtlinge waren zuvor in der Bayernkaserne in München und dort medizinisch untersucht und registriert worden. Bis zu sechs Wochen sollen sie nach den Planungen des Starnberger Landratsamtes in Inning bleiben. Die Mehrfachturnhalle hatten zuvor Helfer des Roten Kreuzes hergerichtet. Sie haben 100 Stockbetten aufgebaut und mit Bettzeug ausgestattet, Trennwände aufgestellt, sechs Zelte errichtet, die für die Essensversorgung und für Untersuchungen benötigt werden. An den Arbeiten waren auch Mitglieder der Wasserwacht, des Technischen Hilfswerkes und der Feuerwehr in Buch beteiligt.


Süddeutsche Zeitung 17.07.2015

Großer Zustrom  - Inning erwartet 200 Asylbewerber

Von Astrid Becker

Sie sind gut vorbereitet, die etwa 70 Inninger, die sich dem neuen Helferkreis Asyl in ihrer Gemeinde angeschlossen haben. Das müssen sie auch sein: Bereits am Freitag werden die ersten Flüchtlinge in der Notunterkunft eintreffen, die als Außenstelle der Bayernkaserne in der Inninger Turnhalle eingerichtet worden ist. Das gab das Landratsamt im Rahmen des Helferkreis-Treffens am Mittwochabend im "Gasthof zur Post" bekannt.
Noch am Nachmittag wusste die Kreisbehörde noch nichts davon, wie eine Anfrage der SZ ergeben hatte. Am Abend jedoch erreichte die Nachricht das Landratsamt, dass der Notfallplan für Inning nun ernsthaft "aktiviert" sei, wie es im Beamtendeutsch heißt. Konkret bedeutet das, dass im Laufe des Freitags die ersten Asylsuchenden in der Halle Quartier beziehen werden. Wie viele es genau sein werden, wusste am Mittwochabend noch niemand. Am Donnerstag jedoch war die Rede von etwa 50 Menschen, die am Freitag nach Inning kommen. Am Samstag sollen es weitere 100, am Sonntag dann noch einmal 50 Asylbewerber sein. Laut Regierung von Oberbayern werden die Asylsuchenden zuvor in München registriert und bringen dort auch bereits eine erste medizinische Untersuchung, das Erstscreening, hinter sich. Weitere medizinische Untersuchungen sollen dann vom Klinikum Starnberg übernommen werden.
Maximal vier bis sechs Wochen sollen die Flüchtlinge in der Turnhalle verbringen: "Wir werden allerdings einen regen Wechsel in der Belegung der Halle haben", stellten Stefan Derpa vom Amt für öffentliche Ordnung und Sicherheit und seine Mitarbeiterin im Landratsamt, die Sozialpädagogin Jana Fröse von der "Gruppe Asyl", noch am Mittwoch beim Treffen des Helferkreises in Inning klar. Beide waren zu dem Treffen gekommen, um noch einmal die Inninger über alles, was sie über die Unterbringung sagen können, zu informieren. Allerdings ist dies nicht sehr viel mehr, als bereits bei der am Freitag eiligst organisierten Info-Veranstaltung, zu der auch Landrat Karl Roth gekommen war, zu wiederholen. Denn unklar ist nach wie vor auch, wie sich die Asylbewerber, die nach Inning kommen, zusammensetzen. Sind es Familien? Oder nur Männer? Welche Nationen werden erwartet? Fragen, die erst beantwortet werden können, wenn die Menschen in der Gemeinde eintreffen - was so manch einen Bürger etwas verunsichert.
Ein Mann beispielsweise zerbrach sich den Kopf, wie Flüchtlinge Behördengänge in Starnberg erledigen können: "Wir haben kaum öffentliche Verkehrsmittel hier", sagte er. Viele Ängste - und auch diese speziell - bemühten sich Derpa und Fröse zu zerstreuen: "Bedenken Sie bitte, diese Menschen haben viel mehr Zeit als wir." Und sie wiesen auch auf anderes hin, was wohl nicht jedem bewusst ist: Beispielsweise, dass die Menschen zumeist ohne Papiere, ohne Zeugnisse fliehen - und schnell Deutsch lernen wollen. Auch damit werden die Inninger konfrontiert werden. Doch sie sind gerüstet: Der Helferkreis hat sich bereits in mehrere Einzelgruppen unterteilt - beispielsweise in eine für Deutschunterricht, in eine für Familienpatenschaften oder in eine für Freizeitaktivitäten. Fröse und Derpa zeigten sich dafür dankbar: "Ohne Sie ginge es nicht, wir sind an der Belastungsgrenze angelangt." Denn die Zahl der eintreffenden Asylbewerber im Kreis wird weiter steigen: von bisher 33 auf nun 38 pro Woche.

 

Starnberger Merkur 17.07.2015

Asyl-170717

Asyl-Landkreis-150717


Süddeutsche Zeitung 14.07.2015

Stockbetten und Zelte

Von Wolfgang Prochaska

Auch an diesem Montag ist die Ungewissheit die einzige Gewissheit. Denn Landrat Karl Roth wurde immer noch nicht darüber informiert, wann und wie viele Flüchtlinge in die Notunterkunft nach Inning kommen werden. Es kann am Mittwoch, am Donnerstag oder am Freitag sein. Auch wie hoch ihre Anzahl ist, wird erst klar sein, wenn sie da sind. "Wir wissen es einfach nicht", sagt der Landrat.
Immerhin ist der Landkreis für die neuen Asylbewerber gerüstet. Am vergangenen Wochenende wurde aus der Inninger Turnhalle eine provisorische Unterkunft mit Stockbetten für 200 Flüchtlinge. Roth ist am Montag extra nach Inning gekommen, um sich die Notunterkunft anzusehen. Er will sich ein genaues Bild machen, schließlich geht es um bis zu 200 Menschen, denen man ein anständiges Quartier bieten will, so weit dies überhaupt bei einer Turnhalle möglich ist. Um es gleich vorweg zu nehmen: Roth ist beeindruckt über die geleistete Arbeit der vielen Helfer. Allein am Samstag waren 87 im Einsatz, angefangen beim Bayerischen Roten Kreuz über das Technische Hilfswerk bis zu den Feuerwehren aus Buch, Inning und Machtlfing, erzählt Kreisbrandmeister Andreas Pain.
Etwa sechs Wochen sollen die Flüchtlinge bleiben, sagt Roth, dann würden sie in andere Bundesländer oder in andere Regionen Bayerns verteilt werden. Inning sei die Außenstelle der Münchner Bayern-Kaserne. Mit Roth ist auch der Inninger Bürgermeister Walter Bleimaier gekommen. Bleimaier ist dankbar, dass alles so gut gekappt hat und dass es einen großen Helferkreis in seiner Gemeinde gibt, der sich um die Flüchtlinge kümmern wird. Am Mittwoch wird sich der Kreis wieder treffen. Bis dahin dürften die Informationen genauer sein.
Was erwartet die Flüchtlinge in Inning am Ammersee? Zuerst einmal zwei Zelte, in denen Helfer ihre Personalien aufnehmen und ihnen ihr Quartier in der Turnhalle zuweisen. Für medizinische Untersuchungen und Probleme ist das zweite Zelt vorgesehen. Hier können Ärzte die Asylbewerber auf ihre Gesundheit untersuchen. Danach geht es runter in die Turnhalle, wo die Stockbetten stehen und dunkelgrüne Alukisten warten, wie sie auch die Bundeswehr benutzt. Darin enthalten sind jeweils eine Decke, ein Kissen und ein Beutel für Hygieneartikel. Mit Sichtschutz-Gittern ist die Turnhalle im Inneren abgeteilt - jeweils für Familien, Frauen und für Männer. Es ist der Versuch, ein bisschen Intimsphäre zu schaffen. Natürlich wissen alle Beteiligten, dass dies kaum möglich ist angesichts einer Turnhalle. Aber es geht auch um Symbole, um Zeichen guten Willens, gerade bei der Unterbringung von Flüchtlingen. Das ist bekanntlich nicht überall selbstverständlich.
Roth und Bleimaier erkundigen sich auch über die Belüftung. Die Turnhalle hat keine Klimaanlage. Wird es nicht bei sommerlichen Temperaturen zu heiß werden? Ralf Purkart vom Landratsamt - er ist für den Brand- und Katastrophenschutz zuständig - ist sich sicher, dass die Belüftung ausreicht. Er verweist auf das vergangene Wochenende, an dem in der Turnhalle zuweilen gut 100 Helfer arbeiteten und es trotz der hochsommerlichen Temperaturen noch relativ angenehm war. Dennoch: Eine Notunterkunft ist eine Notunterkunft. Und es bewegt Roth sichtlich der Gedanke, dass hier bald 200 Menschen leben müssen. Allerdings gibt es für sie um das Gebäude Tische und Bänke, um sich dort aufhalten zu können. Ein schwacher Trost.
Damit sie sich nicht ständig beobachtet fühlen, ist ein großer Bauzaun mit Sichtschutz um die Turnhalle gezogen. Roth und seine Leute wollen, dass die Flüchtlinge, die ohnehin Schlimmes hinter sich hätten, zur Ruhe kommen können. Für Essen ist auch gesorgt: Es gibt im hinteren Teil, auf dem Basketplatz, ein Versorgungszelt. Ein Caterer aus Schwäbisch Gmünd, der laut Roth auch andere Flüchtlingseinrichtungen betreut, übernimmt diese Aufgabe. Und um möglichen Ängsten in der Bevölkerung vorzubeugen, wurde ein Sicherheitsdienst engagiert, der in der Nacht mit vier Leuten und am Tag mit zwei Mitarbeitern präsent ist. Dazu kommen noch zwei Hallenmanager, die auch als Ansprechpartner fungieren.

 

Starnberger Merkur 14.07.2015

asyl-150714


Starnberger Merkur 13.07.2015

asyl-merkur-150713

Süddeutsche Zeitung 13.07.2015

Turnhalle als Notunterkunft  - "Diesmal sind wir vorbereitet"

Von Blanche Mamer

"Wir haben den Asyl-Notfallplan der Staatsregierung aktiviert und mit der Herrichtung der Turnhalle als Außenstelle der Bayernkaserne begonnen", sagte der Inninger Bürgermeister Walter Bleimaier am Freitag bei einer eilends organisierten Info-Veranstaltung. Schon in dieser Woche, voraussichtlich am Mittwoch, sollen bis zu 196 Flüchtlinge nach Inning kommen, falls Familien dabei sind, sollen es 166 sein, erklärte Landrat Karl Roth.
Trotz der hochsommerlichen Temperaturen kamen etwa 80 Bürger ins Haus der Vereine. Die meisten hatten zuvor einen kurzen Blick von oben in die benachbarte Turnhalle geworfen und konnten feststellen, dass der neue Boden bereits gelegt war. Denn auf den Schwingboden mussten vier Schutzlagen aufgebracht werden, wie Holzpressplatten und PVC-Belag, so Bleimaier. Allerdings sei noch viel zu tun, bevor die ersten Busse eintreffen. Übers Wochenende solle so viel wie möglich fertig werden, damit die Halle notfalls schon am Montag von den ersten Ankömmlingen benutzt werden könne.
Die Halle wird mit Feldbetten ausgestattet, die in Gruppen von sechs bis zehn aufgeteilt und abgetrennt werden, um wenigstens etwas Intimität zu ermöglichen. Auf dem Freigelände werden große Zelte aufgestellt mit Tischen. Zudem wird es eine Essens- und Getränkeausgabe geben. Um das ganze Gelände und die Halle wird ein Bauzaun, respektive ein Sichtschutz errichtet. "Zum Schutz der Flüchtling! Wir wollen nicht, dass Bürger zum Kucken kommen", sagte Roth.
Stefan Derpa, Leiter des Amtes für Öffentliche Ordnung in der Kreisbehörde, erklärte den Ablauf. Die Flüchtlinge seien vor ihrer Verlegung nach Inning lediglich namentlich registriert. "Wir kümmern uns um die medizinische Untersuchung, mit einem Shuttle-Bus werden die Flüchtlinge zum Klinikum Starnberg gebracht. Dort werden sie gründlich untersucht. Es wird Blut abgenommen und sie werden geröntgt, um mögliche TBC- oder HIV-Infektionen zu erkennen. Ob es eine psychologische Betreuung geben wird, muss sich erst zeigen, antwortete er auf die Frage einer besorgten Bürgerin. Die Flüchtlinge sollen nach der Erstaufnahme möglichst bald in andere Gemeinden und feste Unterkünfte gebracht werden. Bereits am Freitag haben Mitarbeiter des Landratsamts Kisten mit der Erstausstattung gepackt. In den Hallen des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt in Oberpfaffenhofen sind Kissen, Decken, Bettwäsche, Handtücher, Becher und Hygieneartikel deponiert. "Jeder Asylbewerber bekommt so seinen eigenen Seemannskasten, in den er auch Kleidung und persönliche Gegenstände verstauen kann." Es gebe auch Kinderkisten mit jeweils einem Teddybären, den die Feuerwehr gespendet habe, so Roth.
Neben den Mitarbeitern von Landratsamt und Gemeinde seien viele ehrenamtliche Helfer der Feuerwehren Buch und Inning, des THW und des BRK in die Vorbereitungen eingebunden, um das Übergangsquartier schnell vorzubereiten, sagte Bleimaier. Zudem ist der Wach- und Betreuungsdienst "Jonas Better Place" beauftragt worden, mit dem das Landratsamt in Feldafing gute Erfahrungen machte, wie Roth betonte. Geschäftsführer Phillip Bauer berichtete, der Reinigungsdienst sei organisiert, ein Caterer stehe bereit. Es werde einen Hallenmanager geben, der ständig erreichbar ist und die Asylbewerber in Empfang nimmt. Zudem sollen Dolmetscher zur Verfügung stehen, tagsüber gibt es männliche und weibliche Sicherheitskräfte, nachts sind immer vier anwesend.
Derpa sagte, es sei keine Frage, dass jede Familie ihren abgetrennten Schlafbereich bekomme und man werde darauf achten, die Menschen nach Kulturen und Religionen zu trennen. Skeptisch zeigten sich einige Inninger wegen der Kapazität der Toiletten: "Die 16 Toiletten reichen doch nicht, wenn in der Früh 200 Leute aufs Klo wollen", hieß es. Wenn es nicht reicht, stellen wir Dixie-Klos auf, so Roth. Einigen der Flüchtlinge müsse man wohl das Toilettensystem erklären, sagte er. Diese Erfahrung habe man in Feldafing gemacht, wo ja vor Monaten bereits eine Notfallunterkunft in einer Fabrikhalle schnell eingerichtet werden musste. "Diesmal sind wir vorbereitet", meinte der Landrat.
Jedenfalls müsse man vieles erklären. "Man muss ihnen sagen, was sie dürfen und was nicht. Oder was sie auf der Straße beachten müssen. Sie dürfen die Notunterkunft tagsüber verlassen. Es ist kein Gefängnis. Wir werden sicher einige im Supermarkt antreffen", meinte er. Hier sei sicher der Helferkreis gefragt, wie auch später, wenn mit dem Deutschunterricht begonnen werde. Wie lange die Unterkunft bestehen bleibt? Vorerst nur über die Ferien, also sechs bis acht Wochen. Danach sei die Reihe an einer anderen Kommune, meinte Roth.


Starnberger Merkur 11.07.2015

Rathaus-1507111


Starnberger Merkur 10.07.2015

FBB-150710

 

Starnberger Merkur 09.07.2015

asyl-merkur-150710


Starnberger Merkur 08.07.2015

Unfall-Ampel-Merkur-150708


Starnberger Merkur 06.07.2015

Buergerwerkstatt-150706

 


Süddeutsche Zeitung 06.07.2015

Eine Menge offener Fragen

Von Astrid Becker

Wer in den vergangenen Tagen Bürgermeister Walter Bleimaier auf die geplante Notunterkunft für Flüchtlinge in der Turnhalle angesprochen hat, bekam meist nur einen Satz zu hören: "Ich weiß nichts." Denn eines liegt dem Rathauschef bislang nicht vor: eine genaue Auflistung aller Hausaufgaben, die zu absolvieren sind, bis eine Notunterkunft wirklich in Betrieb genommen werden kann. Anfang dieser Woche soll nun ein Gespräch im Landratsamt alle offenen Fragen Bleimaiers klären. Auch die Bürger sollen informiert werden - so bald klar ist, wann die Flüchtlinge in Inning eintreffen. Bis jetzt jedoch kann niemand darüber Auskunft geben. Absehbar wird dies erst, wenn das Landratsamt einen entsprechenden Bescheid von der Regierung von Oberbayern erhält. Denn genau von dem Zeitpunkt dieser Information an hat die Kreisbehörde fünf Tage Zeit, um die Unterkunft für die Flüchtlinge einzurichten. Im Fall Inning wird die Turnhalle jedoch nicht vor dem 12. Juli umgerüstet sein. Denn der Belag, der in der Halle verlegt werden muss, um den jetzigen Schwingboden vor Beschädigungen zu schützen, wird erst an diesem Dienstag geliefert. Darüber ist wohl auch die Regierung informiert: "Wir stehen in ständigem Kontakt", sagt der Sprecher des Landratsamts, Stefan Diebl.

Erst wenn der neue Boden verlegt ist, können die Feldbetten für die Asylsuchenden aufgestellt werden, die das Landratsamt aber bereits eingelagert hat. Auch fast alle anderen Punkte sind Stefan Diebl zufolge bereits vorbereitet. Beispielsweise würden in Inning keine zusätzlichen Toilettenanlagen aufgestellt, weil die Zahl der in der Halle vorhandenen sanitären Einrichtungen ausreichten, sagt Diebl. Eine Firma, die im Falle einer Rohrverstopfung auch am Wochenende parat stehe, sei gefunden. Ebenfalls organisiert seien die Kräfte und Firmen, die für die medizinische Erstversorgung, für die Betreuung und die Sicherheit der Flüchtlinge Sorge zu tragen hätten.

Nur eines steht laut Diebl noch immer nicht genau fest: Wer die Verpflegung der Asylsuchenden übernehmen wird. Im Gespräch ist die Kreisbehörde offenbar mit darauf spezialisierten Unternehmen, aber auch mit einem ortsansässigen Gastronomen. Dies und auch alle anderen Fragen, die Bleimaier via Email der Kreisbehörde gestellt hat, sollen nun am Dienstag geklärt werden.


Starnberger Merkur 02.07.2015

750-Jahre-Stegen-Merkur-150702


Starnberger Merkur 25.06.2015

grundschule-MM-150625


Starnberger Merkur 20.06.2015

Asylhelfer-Merkur-150620


Süddeutsche Zeitung 18.06.2015

Betten in der Turnhalle

Von Astrid Becker

Es ist fatal: Inning müsste längst Unterkünfte für Asylbewerber bereitgestellt haben. Doch der Gemeinde fehlen sowohl die geeigneten Immobilien als auch Grundstücke, auf denen Container aufgestellt werden können. Aus diesem Grund startete sie Hilfsaufrufe an die Bürger, leer stehende Privaträume für die Flüchtlinge bereitzustellen - eine Reaktion darauf bekam sie aber bislang nicht. Immerhin formiert sich nun ein Helferkreis, der die Menschen in der Ammerseegemeinde dazu animieren will, sich für die notleidenden Asylsuchenden zu engagieren.
"Wir müssen vorbereitet sein", sagt beispielsweise die Sozialreferentin im Gemeinderat, Angelika Wenisch (SPD). Denn eines steht fest: Die Zeit drängt - und zwar gewaltig. Denn schon sehr bald tritt wohl der sogenannte Notfallplan in Kraft, und dieser nimmt Inning in die Pflicht. So muss die Gemeinde bereits von Freitag, 19. Juni, an mit der Unterbringung von bis zu 200 Menschen in der Turnhalle ihrer Grundschule rechnen. Ein für diesen Tag anberaumtes Schulfest kann noch stattfinden, doch dann sind sämtliche bisherigen Nutzungen der Halle bis auf weiteres gestrichen. Fünf Tage hat das Landratsamt dem Vernehmen nach dann Zeit, die Halle umzurüsten. Das heißt zum Beispiel, einen zweiten Boden auszulegen, der den jetzigen vor Schäden bewahren soll. Auch sonst sei man bereits gerüstet, sagt die Sprecherin der Kreisbehörde, Barbara Beck. So sei für die Betreuung und Sicherheit - wie einst in Feldafing durch die Jonas Better Place Gmbh - gesorgt, ein Catering-Unternehmen aus dem Ort werde die Verpflegung der Flüchtlinge übernehmen. Das Landratsamt hatte wegen des wachsenden Zustroms an Flüchtlingen und fehlender Unterkünfte die Turnhallen des Kreises nach einem bestimmten Kriterienkatalog auf ihre Eignung als Notfallunterkunft geprüft- und die Halle der Grundschule von Inning für am besten dafür geeignet befunden: Weil diese groß genug ist, es dort ausreichend Duschen und Toiletten gibt und auch der Brandschutz den Vorgaben entspricht. Vier bis sechs Wochen sollen die Flüchtlinge in dieser neuen Notfallunterkunft des Kreises bleiben.
Im Ort selbst stieß die Nachricht von der kurzfristigen Unterbringung von Flüchtlingen Wenisch zufolge wohl eher auf gemischte Reaktionen. Während die einen dies begrüßten, zeigten sich die anderen nur wenig begeistert, die Halle vorerst nicht zur Verfügung zu haben. "Wir müssen daher die Stimmung genau sondieren und dann die Bürger dafür sensibilisieren", sagt Wenisch. Denn für sie steht fest, dass irgendwann auch dauerhaft Flüchtlinge nach Inning kommen werden: "Und wenn wir keine anderen Unterkünften finden, werden wir eben Container aufstellen müssen, da führt kein Weg daran vorbei." Doch auch die Suche nach dafür geeigneten Grundstücken verlief bislang ohne Ergebnis. Eine dafür angebotene Fläche war mit 600 Quadratmetern Größe zu klein: Das Landratsamt fordert hier mindestens 1200 Quadratmeter, um Platz für etwa 100 Menschen schaffen zu können. Spätestens im Herbst muss hierfür eine Lösung gefunden sein, meint auch Wenisch. Der Helferkreis, den sie mit der Grünen-Gemeinderätin Sibylle Gerhardt (sie hatte die Idee im Ratsgremium eingebracht) und Anja Wagatha (CSU) organisiert, soll sich daher schon jetzt Gedanken darüber machen, wie diese Menschen betreut und in den Ort integriert werden können. Der Info-Abend am Donnerstag, bei dem Referenten aus anderen Gemeinden über ihre Erfahrungen berichten, beginnt um 20 Uhr im "Spectacel" im Haus der Vereine.


Starnberger Merkur 17.06.2015

leserbrief-150617

Flüchtlinge-Merkur-150617


Starnberger Merkur 15.06.2015

Flüchtlinge-Merkur-150613


Süddeutsche Zeitung 13.06.2015

Hoffen auf ein Wunder

Von Astrid Becker

Formal sind es zwei völlig verschiedene Dinge: Der Lärmaktionsplan und das Verkehrskonzept, die beide in Inning erstellt werden sollen. Doch genau genommen verfolgen beide den gleichen Zweck, die für die Bürger zunehmend unerträgliche Situation zu mildern, die durch den wachsenden Verkehr entstanden ist, der sich täglich durch ihre Gemeinde wälzt. Dennoch entzünden sich an beiden Versuchen, eine Lösung für dieses Problem zu finden, teilweise sehr heftige Diskussionen im Rat.
Die Argumente, die dabei angeführt werden, sind nicht immer nachvollziehbar - und fast scheint es so, als ob schon bald wieder politisch die Debatte um das Thema Umgehung geführt würde. Diese war in einem Bürgerentscheid im vergangenen Jahr abgelehnt worden. Trotzdem hatte beispielsweise Johann Ritzer (FBB) bereits am Dienstagabend im Gemeinderat so einiges auszusetzen an den Ausführung von Ralph Kempiak vom Ingenieurbüro Accon, das mit dem Thema Lärmaktionsplan beauftragt ist. Zunächst ging es dabei um die Frage, ob ein solcher Plan überhaupt aufgestellt werden muss. Die Antwort darauf gab Kempiak in der Sitzung klar und deutlich: "Ja". Hintergrund sind die gemessenen, zu hohen Lärmbelastungen vor allem für die Anwohner der Ortsdurchfahrt. Von einer möglichen Verkehrsverlagerung hielt Kempiak aber offenbar nicht sehr viel. Das, so der Planer, könnte nur zusätzliche Betroffene nach sich ziehen. Diese Aussage schien Ritzer sehr zu verärgern. Er meinte, wenn es eine Umgehungsstraße gäbe, könnten die Lastwagen von der Ortsmitte ferngehalten und dort auch Tempo 30 beantragt werden. Der Berater rede nur von Zahlen und führe damit die "Bevölkerung in die Irre."
Doch die einst geplante und dann doch abgelehnte Ortsumfahrung steht nicht so im Fokus dessen, was die Inninger wünschen. Die Mehrheit von ihnen sieht wohl vor allem in einer Geschwindigkeitsbegrenzung auf Tempo 30 auf der Durchfahrtsstraße den Schlüssel für die Lösung von Innings Verkehrsproblemen. Um die Lärmbelastung zumindest um zwei bis drei Dezibel zu verringern, empfahl Kempiak, auf den Einbau lärmreduzierender Straßenbeläge und auf ein Tempo 30 in der Nacht hinzuwirken. Für eine Geschwindigkeitsbegrenzung am Tag auf einer Staatsstraße - wie es die Durchfahrtsstraße Innings nun einmal ist - sah er rechtlich keine Realisierungschance.
Auch Paul Bickelbacher, der mit dem Verkehrskonzept beauftragt ist und dem Verkehrsausschuss am Donnerstag seine erste Bestandsanalyse vorstellte, räumte dem Projekt Tempo 30 zunächst wenig Aussicht auf Erfolg ein. Entsprechende Gespräche mit der Kreisbehörde und dem Straßenbauamt Weilheim hätten dies klar ergeben. Aber man könne sich ja auch mal an die Bundes- und Landespolitik wenden, meinte er, "wenn Sie da Kontakte haben". Die Grünen und die BIZ dürfte diese Aussage erfreut haben: Sie hatten die Unmöglichkeit, Tempo 30 an dieser Stelle durchzusetzen, von Anfang an bezweifelt. Aus nachvollziehbaren Gründen: Schließlich hatten sie im Ort maßgeblich gegen die einstigen Umgehungspläne Stimmung gemacht - und versprochen, das Verkehrsproblem mit anderen Mitteln lösen zu können. Zum Beispiel mit Tempo 30.

 

Wirbel um Verkaufsstand

Manchmal würden Gemeinderäte gern über etwas entscheiden, was letztendlich nicht in ihren Aufgabenbereich fällt. So geschehen kürzlich im Inninger Gemeinderat. Da wurde mächtig diskutiert über das Ansinnen des gemeindlichen Kioskbetreibers in Stegen, einen Verkaufsstand an der öffentlichen WC-Anlage auf der Badewiese aufzustellen. Die Debatten darüber gingen sogar so weit, dass Barbara Wanzke (Grünen) forderte, ein derartiges Projekt noch einmal neu auszuschreiben, damit auch andere Bewerber eine Chance bekämen. Doch letztlich erwiesen sich sämtliche Einwände als vergeblich: Denn der Eigentümer der Geländes ist der Freistaat, der es lediglich der Gemeinde verpachtet hat. Die Schlösser- und Seenverwaltung hatte den Kioskbetreiber, der bisher auf der Wiese via Eiswagen und Biertischen Getränke und dergleichen verkaufte, weil sein eigentlicher Verkaufsstand zu weit weg ist, aufgefordert, diesen eher bedenklichen Zustand zu beenden. Der Betreiber legte sich daraufhin einen mobilen Verkaufsstand aus Holz zu, der den Badehütten auf dem Gelände ähnelt. Als Geländepächter musste der Gemeinderat am Dienstag dem Aufstellen des Standes lediglich formal zustimmen.

 

Mücken im Schutzgebiet

Von Astrid Becker

Landkreisbewohner fühlen sich derzeit so sehr von den vielen Stechmücken gepiesackt, dass sie nun wieder ähnliche Spritzaktionen wie am Chiemsee fordern - zum Beispiel in Inning. Nun hat die Regierung von Oberbayern auf Anfrage der SZ zu diesem Ansinnen Stellung genommen. Demnach kommt das Ausbringen des Wirkstoffs BTI (Bacillus thuringiensis israelensis) gegen die Plage kaum in Frage.
Im Gegensatz zu den meisten Seen im Landkreis Starnberg zeichne sich der Chiemsee bei starken Niederschlägen durch eine Vielzahl von Überschwemmungsgebieten rund um den See aus. Daher sei das Vorgehen am Chiemsee mit der Situation im Fünfseenland nur sehr bedingt vergleichbar, schreibt eine Regierungssprecherin. Der Starnberger See beispielsweise habe ein sehr kleines Wassereinzugsgebiet und biete kaum Überschwemmungsflächen und somit auch keine Entwicklungsmöglichkeiten für "Überschwemmungsmücken", die am Chiemsee hauptsächlich mit BTI bekämpft würden.
Grundsätzlich sei die Bekämpfung mit BTI außerhalb von Gewässern und außerhalb von Schutzgebieten auch ohne gesonderte Genehmigung erlaubt. Weil es aber im Fünfseenland genug Schutzgebiete gibt, wären offenbar eingehende Untersuchungen nötig, um hier eine Genehmigung erteilen zu können. Am Chiemsee wurden potenzielle und tatsächliche Überschwemmungsgebiete jahrelang genauestens überprüft und kartiert, bevor mit den Spritzaktionen begonnen werden konnte. Zudem müssten umfangreiche Kenntnisse über die im Fünfseenland vorkommenden Mückenarten und ihrer Lebensräume vorliegen. Dies sei bisher nicht der Fall, so die Regierungssprecherin. Daher könne auch keine Aussage getroffen werden, ob hier eine Bekämpfung mit BTI möglich sei.

 

 

Starnberger Merkur 13.06.2015

Verkehrskonzept-Merkur-150613

Bauhof-merkur-150613

 


Starnberger Merkur 12.06.2015

750-Jahre-Stegen-Merkur-150612

Kiosk Stegen-Merkur-150612


Süddeutsche Zeitung 12.06.2015

Mehr Platz für das Gewerbe

Von Astrid Becker

Es geht um die Beseitigung eines Unfallschwerpunkts und um den Schutz der vom Aussterben bedrohten Bachmuschel: In Inning finden die Pläne von Bürgermeister Walter Bleimaier, beides über die Ausweisung neuer Gewerbeflächen zu finanzieren, Zustimmung. In nicht öffentlicher Sitzung am Dienstag hat sich der Gemeinderat mehrheitlich dafür ausgesprochen, das Vorhaben voranzutreiben.
Konkret geht es um die bislang enge und unübersichtliche Zufahrt zur Gärtnerei Hübsch an der Brucker Straße, die sich zum Unfallschwerpunkt entwickelt hat. Im vergangenen Jahr hatte sich dort der bislang schwerste Unfall ereignet, bei dem ein Mann getötet und eine Frau schwerst verletzt wurde. Die Zufahrt soll nun verlegt werden. Die Gärtnerei würde künftig von der parallel zur Autobahn verlaufenden Staatsstraße angefahren. Die dort befindlichen Grünflächen hat sich Bleimaier in einem notariellen Vertrag sichern lassen, um sie in drei bis vier Gewerbeflächen zu verwandeln. Denn die Verlegung der Zufahrt und die damit verbundene Beseitigung eines Unfallschwerpunkts kostet Geld, das eben über das neue kleine Gewerbegebiet finanziert werden soll.
Zudem führt durch diese Flächen der Inninger Bach, in dem die geschützte Bachmuschel lebt. Bislang ist der Bach hier begradigt. Um der Tierart ein dauerhaftes Überleben zu ermöglichen, ist eine Renaturierung des Gewässers nötig. Doch auch dies kostet Geld. Insgesamt ist die Rede von einer siebenstelligen Summe, die die Gemeinde aufbringen müsste und die auf der anderen Seite über die drei bis vier Gewerbeeinheiten, die dort am Anger, wie das Areal heißt, entstehen könnten. Sie sollen, so hatte es Bleimaier stets betont, in relativ flacher Bauweise errichtet werden, um "das Ortsbild nicht zu stören."
Diesen Plänen wurde dem Vernehmen nach nun das Plazet erteilt. Nun kann die Gemeinde das Projekt weiter vorantreiben.


Starnberger Merkur 11.06.2015

Verkehr-Merkur-150611

einparken-Merkur-150611

Süddeutsche Zeitung 11.06.2015

Genervt von der Mückenplage

Von Astrid Becker

Sie sind die Plage der Saison: Stechmücken. Kaum hat sich der Mensch im Biergarten, im Garten oder am Strand eines der vielen Seen niedergelassen, kann er die roten, juckenden Punkte auf seiner Haut kaum mehr zählen. In Inning sind die Bürger mittlerweile so genervt, dass sie nun ihr Rathaus auffordern, eine jährliche Spritzaktion wie am Chiemsee anzuleiern. Große Aussichten auf Erfolg besteht für dieses Ansinnen aber nicht - weil die zuständigen Landratsämter keinen Handlungsbedarf sehen.
Das Thema, das immer wieder zu Diskussionen in den Gemeinden des Fünfseenlands führt, kam ganz am Ende der Inninger Ratssitzung am Dienstagabend zur Sprache: die Forderung nach Spritzaktionen gegen die lästigen Insekten, wie es am Chiemsee seit 1997 praktiziert wird. Zum Einsatz kommt dort der Wirkstoff BTI, der aus dem Bacillus thuringiensis israelensis gewonnen wird. Das Mückenbekämpfungsmittel wird mit Hubschraubern in besonders betroffenen Gebieten versprüht - zunächst nur einmal im Jahr. Vor fünf Jahren erweiterte die Regierung von Oberbayern die Genehmigung auf zwei Mal pro Jahr.
Unumstritten ist dieses Vorgehen jedoch nicht. Umweltschützer hatten bereits 2011 im Fünfseenland vor dem Einsatz von BTI gewarnt. Damals war dies schon einmal in Inning, aber auch in der Gemeinde Berg diskutiert worden. Die Kreisgruppe Starnberg des Bundes Naturschutz (BN) war daraufhin um eine Stellungnahme gebeten worden. Sie wies daraufhin hin, dass dieses Toxin auch andere Pflanzen und Tiere schädigen könne. Hubschrauberflüge, aber auch manuelle Bekämpfung störten zudem brütende Vogelarten. Auch ob BTI tatsächlich den erwünschten Effekt bringt, wurde damals stark bezweifelt: "Mit BTI-Präparaten können nicht alle Gebiete behandelt werden, in denen sich Stechmücken entwickeln. Die lästigen Stechmücken haben einen weiten Aktionsradius (bis zu 20 Kilometer), weswegen eine dauerhafte und spürbare Entlastung nicht gesichert ist - auch weil Stechmücken aus nicht behandelten Nachbarregionen jederzeit wieder zuwandern können", so der BN im Mai 2011. Ein Problem, das auch am Chiemsee bekannt ist: Denn dort darf BTI der Regierung von Oberbayern zufolge nicht überall versprüht werden. Erlaubt ist es zwar auch in Teilen von Naturschutzgebieten - allerdings unter strengen Auflagen wie der Ermittlung der Larvendichte einer Stechmückenbrutfläche vor jeder Aktion -, verboten allerdings auf der Wasseroberfläche oder über dem Wasserschilf. Zudem sind derlei Aktionen teuer: Am Chiemsee müssen die Gemeinden immer wieder sechsstellige Summen dafür aufbringen.
Doch noch mehr spricht derzeit gegen Spritzaktionen: die Skepsis, die offenbar die Gemeinden selbst dagegen hegen. Zwar betonte am Dienstag die Grünen-Gemeinderätin Barbara Wanzke, dass mittlerweile die Gesundheitsgefährdung durch eingewanderte, krankheitserregende Mücken und durch die laufende Verwendung von Abwehrmitteln gestiegen sei ("Wir dürfen das nicht auf die leichte Schulter nehmen"). Aber Bürgermeister Walter Bleimaier äußerte sich eher kritisch: "Das landet auch in den Gärten, ich weiß ja nicht, ob ich das in meinem Garten will."
Vor vier Jahren jedenfalls ist der Versuch der Gemeinde Eching, ihre Nachbarn zu einem gemeinsamen Vorgehen gegen die Mückenplage zu überreden, kläglich gescheitert. "Eine einzige Gemeinde bekäme aber nie eine Genehmigung", sagt der Sprecher des für den Ammersee zuständigen Landratsamts Landsberg, Wolfgang Müller. Allerdings hat sich seine Behörde ihm zufolge seither ohnehin nicht mehr mit derlei Ideen befasst: "Wir haben ja nicht jedes Jahr eine echte Plage."
Ähnlich sieht man das auch in der Starnberger Kreisbehörde, die für die anderen Seen hierzulande verantwortlich ist. "Das ist bis jetzt kein Thema für uns", sagt Sprecherin Barbara Beck. Mücken seien zwar lästig, aber deswegen müsse man nicht immer gleich "zur chemischen Keule" greifen: " Unserem Gesundheitsamt ist jedenfalls keine einzige gefährliche Krankheit bekannt, die je bei uns durch Mücken übertragen worden ist."


Starnberger Merkur 29.05.2015

Hübsch-1-Mrkur-150529


Süddeutsche Zeitung 29.05.2015

Auf der sicheren Seite

Von Astrid Becker

Gewerbegebiete und Artenschutz: Das sind zwei Dinge, die sich aus Sicht von Ökonomen wie Ökologen eher widersprechen. In Inning jedoch will Bürgermeister Walter Bleimaier einen Weg gefunden haben, beides zu vereinen und gleichzeitig auch noch ein gravierendes Verkehrsproblem seiner Gemeinde zu lösen: die Zufahrt zur Gärtnerei Hübsch an der Ortsdurchfahrt, die sich als einer der gefährlichsten Unfallschwerpunkte herausgestellt hat. Diese will Bleimaier nun verlegen, den Inninger Bach renaturieren und beide Vorhaben über die Ausweisung neuer Gewerbeflächen finanzieren.
Vor fast einem Jahr hatte sich an der Brucker Straße ein Unfall ereignet, bei dem ein 76-jähriger Mann getötet wurde. Der Rentner hatte gerade mit seiner Familie einen Zaun an der Brucker Straße repariert, in den zuvor bereits ein Auto geprallt war. Der Unfall, bei dem nun der 76-Jährige zu Tode kam, ereignete sich, weil ein Autofahrer aus der Zufahrt zur Gärtnerei Hübsch auf die Brucker Straße einbog und offenbar die Vorfahrt eines Herrschingers missachtete. Dessen Wagen wurde durch den Zusammenprall rechts von der Fahrbahn gegen den Zaun geschleudert, hinter dem der 76-Jähriger mit seiner Frau stand. Der Mann starb, die Frau wurde schwer verletzt in ein Krankenhaus gebracht. Auch in der Folge kam es an derselben Stelle aus ähnlichen Gründen immer wieder zu Kollisionen und Beinahe-Unfällen.
Für Bürgermeister Walter Bleimaier Grund genug, nach einer Lösung zu suchen, wie die bisher sehr enge und unübersichtliche Zufahrt verlegt werden kann. Seit dem vergangenen Sommer hat er nach eigenen Angaben mindestens ein Dutzend Grundstücksverhandlungen für eine neue Straße zur Gärtnerei geführt, die auch von vielen Auswärtigen angefahren wird. Eine der ersten Ideen - den Betrieb von der parallel zur Autobahn verlaufenden Staatsstraße über eine Grünfläche anzufahren - scheiterte zunächst am Eigentümer. Denn der wollte sich dem Vernehmen nach sein Grundstück nicht von einer Straße teilen lassen. Wenn überhaupt, so lautete nach vielen Gesprächen der Tenor, werde er gleich das ganze Grundstück hergeben. Durch diese Fläche führt aber der einst völlig begradigte Inninger Bach, in dem vor zwei Jahren die vom Aussterben bedrohte Bachmuschel entdeckt worden war. Dieser 300 Meter lange Bachabschnitt soll nun, wenn es nach Bleimaier geht, renaturiert und um einen breiten begrünten Uferstreifen ergänzt werden, um diese Tierart sinnvoll zu schützen. Die bisherige Zufahrt werde dann in eine reine Anliegerstraße verwandelt bis zum Ende der dortigen Wohnbebauung und könnte anschließend in einen Radweg münden.
Für diese Pläne hat sich Bleimaier in einem notariellen Vertrag schon mal rein vorsorglich die besagte Grünfläche - immerhin etwa 26000 Quadratmeter groß - sichern lassen. Bis Ende 2017 darf der Eigentümer demnach niemand anderem als der Gemeinde Inning das Grundstück verkaufen. Die gesamte Fläche würde wohl mit mehr als einer Million Euro zu Buche schlagen: Bleimaier jedenfalls spricht von einer "siebenstelligen Summe" - Geld, das der Gemeinde fehlt, das er aber durch die Verwandlung des Grünlands in Gewerbeflächen refinanzieren will: Etwa vier "gebietsverträgliche kleinere und, um das Ortsbild nicht zu stören, niedrig gebaute Gewerbeansiedelungen" seien hier machbar, meint er. Eine Wohnbebauung hingegen sei wegen der Nähe zur Staatsstraße und zur Autobahn an dieser Stelle ausgeschlossen.
Nun muss Bleimaier noch den Gemeinderat überzeugen - in der Sitzung am 9. Juni will er das Vorhaben auf die Tagesordnung setzen: "Der Gemeinderat wird dann entscheiden, ob die Planungen weitergehen oder zu den Akten gelegt werden."


Starnberger Merkur 28.05.2015

 Fluechtlinge-Merkur-150529


Süddeutsche Zeitung 28.05.2015

 

Halle als Unterkunft  - Notfallplan für 200 Flüchtlinge

Von Wolfgang Prochaska

Was man im Landratsamt Starnberg bei der Unterbringung von Flüchtlingen bislang vermeiden konnte, wird wohl auf Grund des Zustroms weiterer Asylbewerber bald Realität sein: die Schaffung größerer Wohneinheiten für Flüchtlinge. So rechnet die Kreisbehörde damit, dass der sogenannte Notfallplan bald umgesetzt werden muss. Das heißt, die Regierung von Oberbayern weist per Zuruf dem Landkreis 150 bis 200 Flüchtlinge innerhalb weniger Tage zu. Um für diesen Fall gewappnet zu sein, hat das Landratsamt in den vergangenen Wochen schon entsprechende Vorkehrungen getroffen. Vizelandrat Georg Scheitz (CSU) informierte darüber am Mittwoch in einer kurzzeitig einberufenen Pressekonferenz die Öffentlichkeit.
"Wir müssen leider andere Wege als bisher gehen, da wir nicht mehr genügend dezentrale Unterkünfte finden", sagte Scheitz. Konkret heißt dies, dass der Landkreis auf die Belegung von Turnhallen mit Asylbewerbern setzt. Allerdings sind nicht alle Turnhallen im Landkreis für die Aufnahme von 200 Menschen geeignet, wie der Vizelandrat betonte. Da die Asylbewerber nur vier bis sechs Wochen bleiben werden, wurde ein ganz bestimmter Kriterienkatalog aufgestellt. Darin geht es unter anderem um die Größe der Halle, um die Zahl der Toiletten und Duschen, welche Veranstaltungen bislang vorgesehen waren und natürlich um den Brandschutz. Dabei stellte sich heraus, dass die Turnhalle der Grundschule Inning für die kurzfristige Unterbringung von bis zu 200 Menschen am geeignetsten ist. In der vergangenen Woche hat Landrat Karl Roth (CSU) deshalb Kontakt mit Innings Bürgermeister Walter Bleimaier (CSU) aufgenommen und ihn informiert. Bleimaier nahm auch an dem Pressegespräch am Mittwoch teil und bestätigte die Angaben, auch dass er zugestimmt habe. Inzwischen weiß auch der Schulleiter Bescheid.
Wie Vizelandrat Scheitz einräumte, gebe es noch keinen konkreten Zeitpunkt, wann die Flüchtlinge kämen - "Das kann in 14 Tagen oder sechs Wochen oder gar nicht sein" - aber der Landkreis sei vorbereitet. Zudem sei es wichtig, vorab schon mit der Bevölkerung offen über die Situation zu reden und um Unterstützung der Bürger zu bitten. "Wir wollen keine Geheimhaltung, wir wollen offen kommunizieren", betonte Stefan Diebl, der Pressesprecher des Landratsamts und verdeutlichte damit noch einmal die Haltung der Kreisbehörde. Auf der Homepage des Landratsamts soll demnächst eine Info mit den wichtigsten Fragen und Antworten zu diesem Thema gestellt werden
Aus Sicht von Bleimaier stellt die kurzfristige Belegung der Turnhalle mit Flüchtlingen zwar eine Herausforderung für die Gemeinde dar, er glaubt aber, dass diese zu bewältigen sei. So sei die Nutzung der Turnhalle in der warmen Jahreszeit nicht so groß, allerdings müsse der Sportunterricht vorübergehend draußen stattfinden. Man habe aber einen Fußballplatz im Dorfzentrum. Die einzige geplante Veranstaltung, die in der Turnhalle neben dem Sportunterricht vorgesehen war, ist ein Turnier des Schachclubs. Dieses muss nun woanders stattfinden, sollte der Fall der Fälle eintreten.
Sollten die Flüchtlinge in den kommenden Wochen eintreffen, erhalten sie eine professionelle Betreuung, das Rote Kreuz ist informiert. Einen Sicherheitsdienst wird es ebenfalls geben, und auch die Verpflegung wurde im Vorfeld schon geregelt. Im Gegensatz zu Gilching, wo auf dem Festplatz ein Container-Dorf für 200 Flüchtlinge über einen längeren Zeitraum errichtet wird, wird die Inninger Turnhalle als Durchgangsstation genutzt. Derzeit leben im Landkreis 607 Asylbewerber, die zum großen Teil in Wohnungen, also dezentral, untergebracht sind. Wöchentlich werden dem Landkreis 20 Flüchtlinge zugewiesen. Noch keine Flüchtlinge aufgenommen haben bislang Inning und Seefeld.

 

Zu wenig Personal

Von Michael Berzl

Der Starnberger Landrat Karl Roth weiß die Arbeit der Helferkreise zu schätzen. Bei der Unterbringung von Flüchtlingen hat seine Kreisbehörde schon ihre liebe Mühe, den Pflichtteil zu erledigen und die rein organisatorischen Aufgaben zu erledigen. Die Kür müssen die Mitarbeiter des Landratsamts anderen überlassen. Altruistisch gesinnte Menschen geben Flüchtlingen das Gefühl, dass sie willkommen sind. Ehrenamtlich, also in ihrer Freizeit und ohne Bezahlung, versuchen vor allem Frauen, den Asylbewerbern in einer Notsituation so viel Normalität wie möglich zu schaffen. Da geht es um alltägliche Dinge wie einen Arztbesuch oder Papierkram, aber auch Sprachkurse, Kleidung, einen Kühlschrank oder ein gebrauchtes Fahrrad.
Was den Menschen in den Helferkreisen bisher schon abverlangt wird, geht an die Grenzen des Machbaren. Sie sind in das Betreuungssystem fest eingebunden, obwohl sie nicht Teil einer Behörde sind. Ohne sie ginge es nicht, weiß der Landrat. Karitativ orientierte Helferkreise handeln teilweise wie der verlängerte Arm des als Vollzugsorgan funktionierenden Landratsamts, obwohl sie mit genau diesem Amt manchmal auch in Konflikte geraten; zum Beispiel, wenn es um eine bevorstehende Abschiebung geht oder darum, ob ein Flüchtling als traumatisiert anzusehen ist oder nicht.
Wie die neue Entwicklung zeigt, muss sich der Landkreis bei der Flüchtlingspolitik aber noch auf ganz andere Dimensionen einstellen. Immer wieder müssen die Zahlen der benötigten Plätze nach oben korrigiert werden. Eigentlich müsste daher auch das Personal aufgestockt werden, das sich hauptamtlich und bezahlt mit der Thematik befasst. In Wirklichkeit wird es aber wohl so sein, dass immer noch mehr engagierte Helfer mobilisiert werden, die einspringen sollen. Sie sollen Aufgaben übernehmen, die ehrenamtlich kaum mehr zu leisten sind.


Starnberger Merkur 21.05.2015

Gewerbepark-Merkur-150521


Starnberger Merkur 18.05.2015

Tempo30-Merkur-150518

breitband-merkur-150518


Starnberger Merkur 16.05.2015

Merkur-diverrs-150517-1

Merkur Blumenkübel-150516


Süddeutsche Zeitung 15.05.2015

Inninger Windrad-Diskussion 10-H-Regelung vom Tisch

Der Abstand zu Windrädern in den Konzentrationsflächen wird auch in Inning weiterhin 1000 Meter betragen. Damit wird die Gemeinde nicht aus dem Teilflächennutzungsplan ausscheren, der im Landkreis Starnberg gilt. Eigentlich sollte am Dienstag im Gemeinderat - wie schon in Wörthsee geschehen - über die Abstandsregelung bei Windkraftanlagen zur Wohnbebauung abgestimmt werden, nachdem die Fraktion der Bürgerinitiative für Innings Zukunft (BIZ) die sogenannte 10-H-Regelung (zehn Meter Abstand mal Höhe) gefordert hat. Doch die BIZ zog ihren Antrag in der Ratssitzung zurück. Dies hänge wohl auch mit den Mitteilungen der Kanzlei Döring Spieß zusammen, die Gemeinden davor warnt, in dieser Sache "vertragsbrüchig" zu werden, erläutert Innings Bürgermeister Walter Bleimaier (CSU). Für ihn wäre das Abstandsthema jetzt ohnehin eine "Phantomdiskussion" gewesen, nachdem die Inninger im Bürgerentscheid klar gegen die Windräder votiert hatten. Im Gemeinderat hätte es zudem eine Mehrheit dafür gegeben, die Vorgabe von 1000 Metern einzuhalten, so Bleimaier.

 

Starnberger Merkur 09.05.2015

Leserbrief-Windkrft-150502

SVII-Merkur.150509


Starnberger Merkur 07.05.2015

10H-Merkur-150507


Starnberger Merkur 04.05.2015

NBH-Merkur-150504


Süddeutsche Zeitung 30.04.2015

Buslinie 956 wird verlängert

Wer im gemeinsamen Gewerbepark von Inning und Wörthsee arbeitet, ist aufs Auto angewiesen, denn mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist das Areal an der A 96 bisher schlecht zu erreichen. Im Dezember soll sich das ändern. Der Landkreis weitet die neue Buslinie aus, die derzeit bereits zwischen dem S-Bahnhof Seefeld-Hechendorf und dem Gewerbepark verkehrt. Damit nun auch die Wörthseer eine passable Anbindung an das interkommunale Gewerbegebiet haben, fährt die Linie 956 dann weiter bis zum Kreisverkehr in Etterschlag. Dort können die Fahrgäste dann in die Linie 953 umsteigen, um nach Hause zu kommen. Von 5.54 Uhr an bis 18.54 Uhr verkehrt die Linie 956 einmal in der Stunde. Etwa 176 000 Euro wird den Kreis das Defizit kosten, sagte Verkehrsmanagerin Susanne Münster am Dienstag im Kreisumweltausschuss. Der Bus wird zunächst für zwei Jahre eingerichtet.


Starnberger Merkur 27.04.2015

spaziergang-merkur-150427


Starnberger Merkur 23.04.2015

Gewerbepark-Merkur-150423


Starnberger Merkur 22.04.2015

Lärmaktionsplan Merkur 150422-1


Süddeutsche Zeitung 18.04.2015

Ruhe, bitte!

Von Astrid Becker

Es gibt ihn erst seit dieser Amtsperiode, den Verkehrsausschuss in der Gemeinde am Ammersee - und das aus gutem Grund: Denn in Inning leiden die Einwohner unter einer erhöhten Verkehrs- und damit auch Lärmbelastung. Dagegen entsprechende Konzepte zu erarbeiten, steht daher auch auf der Agenda des Verkehrsausschusses ganz oben.

In der jüngsten Sitzung am Donnerstag ging es daher auch um einen Lärmaktionsplan, mit dem bereits das Greifenberger Ingenieurbüro Accon beauftragt ist. Selbst Kritikern, die es in Inning dazu gibt, müsste an diesem Abend klar geworden sein: Um besagten Plan werden sie nicht herumkommen. Da sind einerseits die Belastungen der Anwohner durch die Lindauer Autobahn, andererseits durch die Staatsstraße B 471, die mitten durch die Gemeinde führt. Und da ist die "Richtlinie über die Bewertung und Bekämpfung von Umgebungslärm". Der Richtlinie zufolge muss bei Hauptverkehrsstraßen mit einem Aufkommen von mehr als drei Millionen Autos im Jahr - wie in Inning mit der Lindauer Autobahn A96, der B471 und der L2067 gegeben - ein Lärmaktionsplan aufgestellt werden. Doch der hat es offenbar in sich.
Denn das damit beauftragte Büro dürfte mit seinen Optimierungsvorstellungen für Gesprächsstoff unter den Gemeinderäten und in der Verwaltung führen. So zeigte es beispielsweise klar auf, dass die Gemeinde bei der für die innerörtliche Hauptstraße, die eben gleichzeitig eine Staatsstraße ist, zuständigen Behörden auf ein Tempolimit, zumindest nachts, hinwirken könnte. Diese Hausaufgaben hatte die Gemeinde jedoch nach dem dort tödlichen Unfall Ende Juni 2014 bereits brav erledigt.
Mit einem negativen Ausgang: Eine Beschränkung der Geschwindigkeit auf Tempo 30, wie damals auch von Anwohnern gefordert, sei dort nicht zulässig. Mit dem Lärmaktionsplan könnte jedoch wieder Bewegung in die Sache kommen - ebenso wie in die ebenfalls längst erhobenen Forderungen nach lärmarmen Fahrbahnbelägen, denen bislang kaum Rechnung getragen wurde.
Der Grund dafür lag in dem bisher, vor allem von der BIZ, vorgeschlagenen Flüsterasphalt, der zwar gute Lärmwerte erbringt, aber relativ teuer ist. Mittlerweile gibt es jedoch auch andere Beläge, wie das Büro verdeutlichte, die ebenfalls gute Werte erbringen. Accon schlägt daher vor, mehrere Wochen lang die Lärmbelastung in der Gemeinde zu messen - und auf dieser Basis den Plan zu erstellen. Ob dies geschieht, wird von der Höhe der Kosten abhängen. Eine Kalkulation dafür soll nun erarbeitet werden.


Starnberger Merkur 17.04.2015

Bauhof-Merkur-140417


Starnberger Merkur 16.04.2015

Bachmuschel-Merkur-150416


Süddeutsche Zeitung 15.04.2015

Tunnelsanierung A 96 - Engstelle Autobahn

Von Christine Setzwein

Es wird eng auf der A 96. Eng im wahrsten Sinne des Wortes. Zwischen den Anschlussstellen Greifenberg und Wörthsee haben die Bauarbeiten für die Sanierung der zwei Tunnel begonnen. Dazu muss jetzt die Breite der Fahrstreifen in Richtung München reduziert werden, teilt die Autobahndirektion Südbayern mit.
Die Berufspendler auf der A 96 zwischen Landsberg und München sind Kummer gewohnt. Ob in den Morgenstunden oder abends. Jetzt müssen sie ein paar Jahre lang mit weiteren Behinderungen rechnen. Bis es wirklich zur Sanierung der Tunnel kommt, sind eine Menge Vorarbeiten nötig. Bis Oktober werden auf dem zehn Kilometer langen Streckenabschnitt die kompletten "Fahrzeugrückhaltesysteme", also Stahlschutzplanken, Betonschutzwände und Anpralldämpfer erneuert. Außerdem werden, wenn nötig, Notrufsäulen versetzt und 20 Verkehrszeichenbrücken neu errichtet. Dafür brauchen die Bauarbeiter Platz.
In Richtung München hat der Aufbau der Behelfsverkehrsführung am Montag begonnen, in Richtung Lindau starten sie voraussichtlich am 4. Mai, sagte Gernot Rodehack, Baudirektor bei der Autobahndirektion Südbayern. Je nachdem, wo gearbeitet wird, werden die Fahrbahnen nach rechts oder links verschwenkt. "Von Juli an befindet sich die Baustelle in der Mitte." Natürlich gilt auf den engeren Fahrstreifen ein Tempolimit: 80 Kilometer pro Stunde sind dann nur erlaubt.
Rodehack weiß um die Belastung der Lindauer Autobahn. Bauarbeiten auf der A 96 "sind immer schwierig", sagt er. Aber sie ließen sich nicht vermeiden. Mit der Instandsetzung des Echinger und Etterschlager Tunnels ist es auch nicht getan. In den kommenden Jahren stehen auch Deckensanierungen an. Und sollte der Abschnitt zwischen Oberpfaffenhofen und Germering sechsspurig ausgebaut werden - das Planfeststellungsverfahren läuft seit längerem -, wird es auch zu Verkehrsbehinderungen kommen.
Die letzte Verkehrszählung stammt aus dem Jahr 2010. Danach sind zwischen Landsberg und Inning unter der Woche täglich 50 000 Fahrzeuge unterwegs, zwischen Inning und Wörthsee sind es bereits 2000 mehr, noch einmal 8000 dazu wurden zwischen Wörthsee und Oberpfaffenhofen gezählt. Und es werden immer mehr: 71 000 zwischen Gilching und Germering, und ab Germering quälen sich täglich 78 000 Auto-, Motorrad und Lkw-Fahrer nach München. Heute, fünf Jahr später, sind es sicherlich noch mehr.
Damit sich der morgendliche und abendliche stockende Verkehr nicht zu veritablen Staus entwickelt, hat die Autobahndirektion den jeweils zwei Wochen dauernden Aufbau der Fahrbahnverschwenkungen außerhalb des Berufsverkehrs gelegt: in Richtung München auf die Zeit von 10 Uhr vormittags bis 5 Uhr früh, in Richtung Lindau auf 20 bis 15 Uhr. "Trotzdem lassen sich Behinderungen nicht vermeiden", sagt Rodehack. Damit nicht genug, werden für jeweils fünf Nächte auch noch die drei Anschlussstellen gesperrt: Greifenberg voraussichtlich Mitte April, Inning Ende April und Wörthsee Anfang Mai. Dazu kommt die tageweise halbseitige Sperrung mit Baustellenampel der St 2070 im Bereich Tunnel Eching- Amperbrücke.

Für den Sommer plant die Autobahndirektion den Baubeginn der provisorischen Umfahrungen der Tunnel. Dorthin soll im Frühjahr 2016 der Verkehr in Richtung München für etwa acht Monate umgeleitet werde. In dieser Zeit findet die sicherheitstechnische Nachrüstung der beiden Tunnel statt. Die beinhaltet die Verbesserung der Fluchtwegsituation, der Löschwasserversorgung und der Entwässerung. Erneuert werden die Notrufstationen, die Beleuchtung, die Lautsprecher und Brandmeldeanlagen und die Steuerungseinrichtungen. Die Gesamtkosten liegen bei etwa 40 Millionen Euro.
Grund für die Sanierung des 413 Meter langen Echinger und 495 Meter langen Etterschlager Tunnels sind verschärfte Sicherheitsvorschriften. Nach den schweren Brandunfällen im Mont-Blanc-, Tauern- und Gotthard-Tunnel hat die Bundesregierung beschlossen, alle Tunnel im Transeuropäischen Verkehrsnetz - und dazu gehört die A 96 - nachzurüsten.


Starnberger Merkur 15.04.2015

Konzert Merkur-150415


Starnberger Merkur 25.03.2015

Feuerwehr-JHV-150326


Starnberger Merkur 20.03.2015

Musikschule-Merkur-150320


Starnberger Merkur 19.03.2015

Gewerbepark-Merkur-150319

Leserbrief Verkehr-150319


Starnberger Merkur 14.03.2015

Bauhof Merkur 150314


 

Starnberger Merkur 13.03.2015

Haushalt2015-merkur-150313


Süddeutsche Zeitung 13.03.2015

Mitten in Inning  - Geheimakte Windkraft

Von Astrid Becker


Die Windkraft in Inning ist tot. Könnte man denken, nachdem die Bürger gegen die drei geplanten 200 Metern hohen Windräder auf ihrer Flur votiert haben. Doch, wie so oft im Leben, sind die Dinge auch hier nicht so, wie sie scheinen. Denn wer sagt eigentlich, dass erneuerbare Energien deswegen in Inning kein Thema mehr sind? So oder so ähnlich haben wohl die Freien Wähler gedacht und sofort nach einer Lücke im Entscheid gesucht - und sie sogar gefunden. Denn abgelehnt haben die Inninger ja nur die drei Riesenwindräder. Sonst nix. Also blickte die Fraktion, allen voran die Zweite Bürgermeisterin Monika Schüßler-Kafka, einfach mal in den Nachbarlandkreis. Jawohl, genau nach Fürstenfeldbruck. Dorthin, wo ihnen am meisten Gegenwind in Sachen Energiewende ins Gesicht geblasen wurde. Exakt dort, genauer gesagt in der Gemeinde Eichenau, lebt ein Tüftler namens Robert Penn. Dieser Mann hat ein ganz besonderes Patent - eines für vertikale Windräder. Die heißen so, obwohl sie sich horizontal drehen.

Und sie schauen auch nicht wie Windräder aus. Sondern eher wie Silos. Sie sind auch keine 200 Meter hoch, sondern nur läppische 50. Sprich: Auf die Idee, dass es sich dabei um ein Windrad handeln könnte, kommt man also auf den ersten Blick gar nicht. Das ist das wahrhaft Geniale an dieser Erfindung. Denn diese Windräder kann man einfach aufstellen und keiner merkt's. Auch nicht die, die dagegen sind. Nicht einmal die Inninger selbst. Aber die überhören ja manchmal eh schon was. Wie kürzlich, als der Bürgermeister ankündigte, dass er alle Straßen erneuern und die Anlieger dafür zur Kasse bitten will. In eben dieser Bürgerversammlung hat er auch über die vertikalen Windräder geredet. Aber nur ganz, ganz kurz. Denn Walter Bleimaier ist nach abgelehnten Umfahrungen und gescheiterten Windrädern recht vorsichtig geworden. Über den Antrag beispielsweise, den die Freien Wähler ihrer neuen Idee wegen gestellt haben, ließ er nicht öffentlich abstimmen. Und siehe da: Die Mehrheit der Räte war dafür. Jetzt werden sich die Freien Wähler wohl näher mit der vertikalen Energieerzeugung befassen. Die Windkraft in Inning lebt also weiter. Auch wenn es bis jetzt noch kaum einer gemerkt hat.

 

Parken und zahlen

Von Astrid Becker


Wer einen Ausflug nach Stegen am Ammersee unternimmt, muss künftig im gesamten Ortsteil Parkgebühren zahlen. Auf eine entsprechende Verordnung und auf neue Parkautomaten in diesem Bereich der Gemeinde hat sich das Ratsgremium in seiner Sitzung am Dienstag verständigt. Doch damit nicht genug: Damit diese Verordnung greift, soll sie in Zukunft auch noch stärker überwacht werden.

"Wir machen das nicht des Geldes wegen", hatte Bürgermeister Walter Bleimaier bereits in der Bürgerversammlung einen Tag vor der Sitzung betont. Tatsächlich sind die Einnahmen, die die Gemeinde damit erzielt, alles andere als hoch: Insgesamt hat sie durch die Überwachung des fließenden wie auch des ruhenden Verkehrs 2014 einen Überschuss von 10 500 Euro erzielt. Ein Jahr zuvor waren es noch rund 18 000 Euro gewesen. Doch Bleimaier geht es hier um etwas anderes: Er will die Bürger zu einer vernünftigeren Fahrweise bewegen und eine geordnete Parksituation, vor allem während der Badesaison, am See erzielen: "In Spitzenzeiten erreichen wir dies überhaupt nicht, deswegen muss der Rücksichtslosigkeit mancher Gäste mit mehr Überwachung begegnet werden", sagte er am Montag.

Sein Ratsgremium scheint ebenfalls dieser Auffassung zu sein. In seiner jüngsten Sitzung einigte es sich einstimmig auf eine neue Parkverordnung. Wer sein Auto in Stegen abstellen will, wird künftig in der Landsberger Straße, die am See entlangführt, und an dem dort angrenzenden Parkplatz vier Euro für eine Tageskarte zahlen müssen. Auf dem etwas weiter entfernten sogenannten Ausweichparkplatz werden drei Euro pro Tag erhoben. Nur wer nicht länger als eine halbe Stunde parkt, wird nicht zur Kasse gebeten. Jede darüber hinausgehende halbe Stunde schlägt mit 30 Cent zu Buche. Die Erhebung der Gebühren auf dem Ausweichparkplatz, der bisher kostenlos war, lässt sich allerdings auch die Gemeinde selbst etwas kosten: Sie schafft dafür für knappe 12 000 Euro zwei Parkscheinautomaten mit Solarbetrieb an.


Süddeutsche Zeitung 12.03.2015

Rathausanbau beschlossen


Es ist beschlossene Sache: Innings Rathaus erhält einen Anbau. In der Sitzung am Dienstag hat sich der Gemeinderat einstimmig darauf verständigt, die angedachten Alternativen, wie etwa die Verwaltung in einem Neubau an anderer Stelle unterzubringen beziehungsweise den gemeindeeigenen Gasthof zur Post entsprechend umzubauen, nicht mehr weiter zu verfolgen.

In einem internen Arbeitstreffen hatte der Rat am 24. Februar alle Möglichkeiten durchdiskutiert. Eines war am Ende klar: Der Umbau der Gaststätte sowie ein Neubau würden die Gemeinde mindestens doppelt so viel kosten wie der nun beschlossene Anbau. Geld, das die Gemeinde aus eigenen Mitteln wohl kaum aufbringen könnte. Anders sieht es nun bei dem Anbau aus, der auf etwa eineinhalb Millionen Euro geschätzt wird. Erste Aufträge hat das Ratsgremium daher bereits vergeben: an das Architekturbüro Claus Reitberger aus Fürstenfeldbruck, das bereits die Vorplanungen übernommen hatte. Ferner wurden auch die Aufträge für Tragwerksplanung, Baustatik und Elektrik erteilt. Wer sich um Heizung, Lüftung und Sanitär kümmern wird, wurde noch nicht entschieden. Dies sollte der Beschlussvorlage gemäß auch das Architekturbüro übernehmen. Der Gemeinderat will aber noch besser über dessen Referenzen informiert werden.

 


Schuldenlast reduziert

Von Astrid Becker


Eigentlich hätte Inning keinerlei Grund zur Klage: Die Finanzen können sich sehen lassen, die Pro-Kopf-Verschuldung liegt weit unter dem Durchschnitt im Landkreis, neue Kredite müssen nicht aufgenommen werden. Allerdings steht die Gemeinde vor größeren Herausforderungen, die auch den Geldbeutel der Bürger belasten könnten.

Da sind zum Beispiel die Straßen. Es war nur ein kleiner Nebensatz von Bürgermeister Walter Bleimaier in seinem Rechenschaftsbericht in der Bürgerversammlung am Montag, aber einer, der es in sich hat. Die rund 60 Menschen, die an diesem Abend ins "Haus der Vereine" gekommen waren, hatten ihn offenbar nicht einmal registriert. Denn - wie bei diesem Thema andernorts üblich - gab es keinerlei Nachfragen, keinerlei Kritik dazu. Bleimaier kündigte in diesem kleinen Satz an, die Straßen erneuern zu wollen und 90 Prozent der Kosten dafür auf die Anlieger abzuwälzen - gemäß der sogenannten Straßenausbaubeitragssatzung, die auch in Inning Gültigkeit hat. Eine vierstellige Summe kommt da schnell einmal auf die betroffenen Bürger zu. Wo und wann allerdings mit diesen Arbeiten begonnen werden soll, steht offenbar nicht fest. Klar ist derzeit nur, dass die Kraft im Rathaus fehlt, die sich genau mit diesem Thema beschäftigen soll.

Laut Bleimaier ist die Stelle längst ausgeschrieben, eine Bewerbung dafür ist aber bis dato nicht eingegangen. Das mag daran liegen, dass die Gemeinde keine Wohnung hat, die sie als Lockmittel anbieten könnte. Auch aus diesem Grund will sich die Gemeinde nun verstärkt darum bemühen, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Darauf hat sich der Gemeinderat in seiner Sitzung am Dienstagabend verständigt. Eine halbe Million Euro ist bereits im Haushalt für den Kauf von dafür geeigneten Grundstücken vorgesehen. Zunächst will man aber offenbar prüfen, was auf den gemeindeeigenen Grundstücken möglich ist. Beispielsweise hat der Verband Wohnen bei Vorgesprächen Interesse an jenem 3000 Quadratmeter großen Areal an der Gartenstraße bekundet, auf dem derzeit noch der Bau- und Wertstoffhof untergebracht ist. Doch der soll nun an anderer Stelle, am Ortsausgang in Richtung Herrsching, neu gebaut werden.

Steigen könnten in den nächsten Jahren auch die Kindergartengebühren. Denn sie sind, Bleimaier zufolge, seit dem Jahr 2012 nicht mehr erhöht worden - obwohl die Kosten für Betrieb und Personal perspektivisch weiter steigen werden.

Unklar ist derzeit auch noch, wie sich der geplante Bau des Herrschinger Gymnasiums und die mögliche FOS/BOS in Starnberg auf die Finanzen Innings auswirken werden: "Wir müssen uns da auf höhere Ausgaben einstellen", sagte Bleimaier. Deshalb wertet er die derzeitige Finanzlage der Gemeinde nur als "reine Momentaufnahme", wie er sagte. Diese jedoch sieht besser aus als noch im Vorjahr. So ist die Schuldenlast durch regelmäßige Tilgungen 2014 um 137 000 Euro auf nunmehr 1,1 Millionen Euro gesunken. Damit reduzierte sich auch die Verschuldung pro Einwohnen immerhin von 288 Euro pro Kopf in 2013 auf nur mehr 255 Euro. Im Landkreis selbst liegt sie bei 354 Euro, in Oberbayern im Jahr 2013 sogar bei durchschnittlich 617 Euro. Zudem verfügt die Gemeinde derzeit noch über Rücklagen in Höhe von knapp 2,7 Millionen Euro.


Süddeutsche Zeitung 11.03.2015

 

Dringende Bitte

Von Astrid Becker

Im Landkreis Starnberg fehlen noch immer Unterkünfte für Flüchtlinge. Deshalb appelliert Landrat Karl Roth an Immobilienbesitzer, Räume und Wohnungen gegen eine ortsübliche Miete zur Verfügung zu stellen. Am Montag hat er für diesen Wunsch in der Bürgerversammlung von Inning noch einmal deutliche Worte gefunden. "Bitte nehmt wenigstens ein paar auf." Denn wie Seefeld und Feldafing gehört die Ammerseegemeinde zu denjenigen, die bisher dem Landratsamt keine einzige geeignete Unterbringungsmöglichkeit anbieten konnten.

Hintergrund ist, zumindest in Inning, dass die Gemeinde selbst keine geeigneten Immobilien besitzt. Im alten Bau- und Wertstoffhof beispielsweise gäbe es zwar Zimmer und sogar zwei Wohnungen, doch sie hielten der Prüfung durch das Landratsamt nicht statt, wie Bürgermeister Walter Bleimaier der SZ sagte. Aus nachvollziehbarem Grund: Sie erwiesen sich teilweise als schimmlig und als nicht beheizbar. Gespräche, die der Bürgermeister mit privaten Immobilienbesitzern geführt hat, sind bislang ergebnislos verlaufen. Ein Riesenproblem also, denn Bleimaier würde sehr gern dem Landratsamt positivere Nachrichten überbringen. Er sagt: "Wir werden uns nach Alternativen umsehen müssen." Denkbar sei das Aufstellen von Containern auf gemeindeeigenen Grundstücken. Nur müsse man prüfen, was dort baurechtlich möglich sei. Dies gelte auch für das alte Bauhofareal an der Gartenstraße. Bisher ist dieses Grundstück zum Verkauf bestimmt und als Refinanzierung für den Bau des neuen Bau- und Wertstoffhofes im Haushalt eingestellt. Interesse daran hat dem Vernehmen nach bereits der Verband Wohnen bekundet, der für sozialen Wohnungsbau steht, ein Thema, das bisher in Inning ebenfalls vernachlässigt wurde. Dennoch: Es verginge einige Zeit, bis derartige Pläne auf dem Areal verwirklicht werden könnten. Deshalb stünde nach Ansicht Bleimaiers einer zumindest auf ein paar Jahre befristeten Unterbringung von Asylbewerbern dort nichts entgegen.

Derzeit müsste die Gemeinde Inning nach dem sogenannten Königsberger Schlüssel etwa 15 Flüchtlinge bei sich unterbringen, in Feldafing wären es etwa 14, in Seefeld - wegen der höheren Einwohnerzahl - sogar 23. Wenn bis zum Jahresende, wie momentan prognostiziert, insgesamt 882 Asylbewerber im Landkreis Starnberg leben, würden sich all diese Zahlen noch einmal verdoppeln. Wenn wirklich so viele Menschen auf den Landkreis zu verteilen sind, fehlen Ende Dezember nach derzeitigem Stand Unterkünfte für insgesamt 250 Flüchtlinge.

Eine Erleichterung der Situation ist nicht in Sicht: Denn es gibt nach wie vor zu wenig seriöse Anbieter von Immobilien. Etwa vier bis fünf Angebote durchschnittlich erhalte das Landratsamt im Monat, sagt Sprecher Stefan Diebl. Angebote, die auch geprüft werden, doch nicht einmal die Hälfte davon kommen ihm zufolge am Ende in Frage: "Entweder, weil man in den angebotenen Immobilien keine Menschen unterbringen kann oder weil es sich die Anbieter am Ende anders überlegen oder weil deren Mietpreisforderungen völlig überzogen sind."


Starnberger Merkur 11.03.2015

Bürgerversammlung-Merkur-150311


Starnberger Merkur 10.03.2015

Verkehr-Leserbrief-Merkur-150310


Starnberger Merkur 09.03.2015

FW HV-Merkur-150309


Starnberger Merkur 03.03.2015

Verkehr-Pro Inning Merkur-150303


Starnberger Merkur 17.02.2015

bring-holschuld-merkur 150217


Starnberger Merkur 13.02.2015

windräder-Merkur-Leserbrief-150213

Starnberger Merkur 12.02.2015

rathaus-merkur-150212


Windkraft-Merkur-Leserbrief-150212


Süddeutsche Zeitung 12.02.2015

Inning denkt über neues Rathaus nach


Der geplante Anbau an das mittlerweile viele zu enge Inninger Rathaus für etwa 1,4 Millionen Euro ist noch keine beschlossene Sache. So betonte Dienstagabend Thomas Palaske (Grüne) in der Gemeinderatssitzung, dass man ein repräsentatives Haus brauche - um sich nicht später über eine "halb fertige Lösung ärgern" zu müssen. Man sollte daher auch über einen Neubau oder andere Varianten nachdenken, sagte Palaske. Das sei bislang nicht geprüft worden, "weil ein Neubau nicht finanzierbar ist", erwiderte Bürgermeister Walter Bleimaier (CSU). Dennoch wollte er sich den Anregungen weiterer Gemeinderäte nicht verschließen, Ideen für das Rathausprojekt mit womöglich anderem Standort zu sammeln und zu bündeln. Dies soll nun am 24. Februar in einer internen Sitzung der Gemeinderäte geschehen - es könnte hierbei zu einer Richtungsentscheidung kommen.

Auch bei einer neuen Variante will die Gemeinde mit dem Architekturbüro Reitberger aus Fürstenfeldbruck weiter zusammenarbeiten, das für einen Anbau im Januar bereits einen ersten Vorentwurf präsentiert hatte. Demnach soll das Rathaus so erweitert werden, dass Mitarbeiter deutlich mehr Platz haben und das Gebäude auch für Besucher besser geeignet ist. Zudem sind die Zu- und Abfahrt und Parkplätze beim benachbarten Feuerwehrhaus bei den Planungen zu berücksichtigen


Starnberger Merkur 09.02.2015

windkraft Ergebnis-150209


TZ 09.02.2015

Windkraft-TZ-150209


Süddeutsche Zeitung 09.02.2015

Die Windräder geknickt

Von Christine Setzwein

Kurz bevor das Ergebnis feststand und nur noch die Briefwähler ausgezählt werden mussten, sprach Bürgermeister Walter Bleimaier noch von einem Kopf-an-Kopf-Rennen. Ein paar Minuten später stand es fest: In Inning werden keine Windräder gebaut, das Ratsbegehren ist gescheitert. 1686 Stimmen waren abgegeben worden. Da entspricht einer Wahlbeteiligung von 49 Prozent. "Sind Sie dafür, dass im Gemeindegebiet von Inning nördlich der Bundesautobahn A 96 und innerhalb der Konzentrationsfläche des südlichen Teilflächennutzungsplans (Windkraft) bis zu drei Windenergieanlagen errichtet werden, sofern 1) die Wirtschaftlichkeit gegeben ist, und 2) die Gemeinde Inning die Windenergieanlagen unter finanzieller Beteiligungsmöglichkeit der Bürger betreibt?" Über diese Frage galt es am Sonntag abzustimmen. 779 Inninger kreuzten Ja an (46,2 Prozent), 907 waren dagegen (53,8 Prozent). "Damit ist das Projekt gestorben", sagte der Bürgermeister. Sehr zur Freude des Grafrather Rathauschefs Markus Kennerknecht und des dortigen CSU-Ortsvorsitzenden und Gemeinderats Gerald Kurz, die extra ins Inninger Rathaus gekommen waren.
Es war spannend bis zum Schluss. Vor allem die Gegner der geplanten Windkraftanlagen hatten bis zuletzt gekämpft. In Inning selbst war das die Bürgerinitiative für Innings Zukunft (BIZ). Die Gruppierung, die aus dem Stand drei Gemeinderatssitze gewinnen konnte, hatte an alle Haushalte Flyer verteilt. Darin bezweifelten sie die Wirtschaftlichkeit von Windrädern auf dem Martinsberg und fragten, warum nicht auf die Belange von Etterschlag und Grafrath Rücksicht genommen wird: "Will die Gemeinde Inning den Zorn der Nachbargemeinden auf Jahrzehnte?" Die BIZ wies außerdem erneut auf das Gutachten des Münchner Büros GFN hin. Darin bezeichnet der Diplom-Biologe Bahram Gharadjedaghi das gesamte Gebiet in Sachen Windkraftnutzung als "sehr konfliktträchtig". Große Teile des untersuchten Gebiets seien wegen der Nähe zu den Nistplätzen und Jagdgebieten von Rotmilan & Co. sogar "Tabuflächen" für Windräder. Das Gutachten hatte die "Interessengemeinschaft (IG) Windrad-Kessel Etterschlag" in Auftrag gegeben und bereits 2013 vorgestellt. Die IG Etterschlag und Bürgerinitiativen in Mauern, Kottgeisering und Grafrath mit dem CSU-Mann Kurz an der Spitze hatten bis zuletzt versucht - unter anderem mit Zeitungsanzeigen und auf Facebook -, die Inninger auf ihre Seite zu ziehen.
Zum Bürgerentscheid war es gekommen, weil der Gemeinderat Inning im vergangenen November ein Ratsbegehren beschlossen hatte. Bürgermeister Walter Bleimaier (CSU) wollte zuerst die Bürger abstimmen lassen, bevor die gemeinsame Planung mit den Stadtwerken München überhaupt vorangetrieben werde. Drei Windräder waren auf der Konzentrationsfläche im Norden Innings geplant.
Von den Befürwortern der Windanlagen war vor dem Bürgerentscheid wenig bis gar nichts zu hören. Die Grünen sind zwar für die Energiewende und für Windkraft, wollten laut Barbara Wanzke aber vor dem Entscheid keinen Einfluss auf die Meinung der Bürger nehmen.


 

Starnberger Merkur 08.02.2015

Windkraft Merkur 150208


Süddeutsche Zeitung 06.02.2015

 

Begeisterte, Skeptiker und Zauderer


Von Astrid Becker


Die Inninger stehen am Sonntag vor der schwierigen Entscheidung, ob sie den Bau von Windrädern in ihrem Gemeindegebiet zulassen wollen. Die Gemeinde macht ihr weiteres Vorgehen von diesem Votum abhängig. Bei den Kommunalpolitikern sind die Haltungen zu dem Thema recht unterschiedlich. Da gibt es vorbehaltlose Zustimmung und die Einsicht, dass Alternativenergien notwendig sind, aber auch starke Bedenken wegen der Wirtschaftlichkeit und wegen des Schutzes für bedrohte Tierarten.

CSU

Grundsätzlich steht die zahlenmäßig stärkste Fraktion mit fünf Gemeinderäten plus Bürgermeister Walter Bleimaier für erneuerbare Energien und Windkraft, allerdings mit Einschränkungen. Eine wichtige Bedingung ist, dass die Anlagen wirtschaftlich sind und von den Inningern akzeptiert werden. Denn es geht auch um Geld: "Bevor wir hohe Summen für Untersuchungen ausgeben, wollen wir wissen, was der Bürger eigentlich will", sagt Thomas Bauer. Für die CSU geht es beim Entscheid am Sonntag also um eine Grundsatzfrage: Soll die Gemeinde das Projekt weiterbetreiben oder sich Geld sparen?

Grüne

Mit vier Sitzen stellt sie die zweitgrößte Fraktion. Schon als Bürgermeisterkandidatin hat sich die Gemeinderätin Barbara Wanzke klar für Windkraft positioniert. Seither hat sie sich bei diesem Thema sehr zurückgehalten. Sie begründet das mit dem Ratsbeschluss zu "objektiver und nicht einseitiger Information"; sie wolle demnach keinen Einfluss auf die Meinung der Bürger nehmen. Sie stehe aber für die Energiewende und kritisiert "das starke Auftreten der Gegner, das nun dazu führt, dass die Leute nicht mehr wissen, was sie denken sollen". Windräder stellen ihrer Meinung nach kein Risiko dar, auch nicht für den Artenschutz. Das werde ja alles noch eingehend untersucht. Man könne das Problem der Stromerzeugung mittels erneuerbare Energien nicht auf andere Regionen abschieben wie beispielsweise an die Nordsee: "Wir müssen selbst etwas dafür tun. Wer gegen Windkraft ist, sollte Alternativen aufzeigen."

FBB

Für den Freien Bürgerblock sitzt Johann Ritzer im Gemeinderat. Er formuliert sein Votum für Windkraft knapp, aber klar: "Ich bin dafür, weil ich es schoflig finde, das Thema Energieversorgung nur auf die anderen zu wälzen und immer nur mit unserer schönen Landschaft zu argumentieren." Die Alternative, Stromtrassen durch das Land zu ziehen, findet er wie Schüßler-Kafka und Wenisch noch hässlicher. Die Frage, wie Atommüll sicher zu entsorgen ist, sei auch noch nicht geklärt.

FWG

Die Freien Wähler haben zwei Sitze im Gemeinderat und stellen mit Monika Schüßler-Kafka die stellvertretende Bürgermeisterin. Schüßler-Kafka tritt für erneuerbare Energien ein. Sie hat ihr eigenes Haus mit Fotovoltaik ausgestattet und genießt es, damit nahezu unabhängig von der allgemeinen Stromversorgung zu sein. Sie ist auch mit ganzem Herzen für Windkraft, weil sie für eine dezentrale Stromversorgung sei. "Wir stehen als Gemeinde in der Verantwortung, für unsere Leute und für die Energieversorgung zu sorgen, wenn die Atomkraftwerke abgestellt werden", findet sie. Dafür müsse man jetzt die Weichen stellen und "die Augen nicht vor der Frage verschließen, woher dann der Strom kommt". Die Aufregung um das Vorhaben kann sie persönlich nicht nachvollziehen: "Wir reden von drei Windrädern, nicht von 20."

BIZ

Die Bürgerinitiative für Innings Zukunft (BIZ) ist mit drei Sitzen im Gemeinderat vertreten. Sie hat für das Ratsbegehren gestimmt und eine objektive Information der Bürger vor dem Entscheid gefordert. Die außerordentliche Bürgerversammlung zu dem Thema wertet sie als "Verkaufsveranstaltung der Stadtwerke". Für die BIZ sind zu viele Fragen ungeklärt: Zum Beispiel gehe der Energieatlas der Staatsregierung von durchschnittlich 1300 Volllaststunden für Bayern aus, in Inning sei aber von 2400 Stunden die Rede. "Das Windrad in Fröttmaning kommt gerade auf etwa 1200 Stunden", sagt Jürgen Hatz. Er warnt vor finanziellen Verlusten und fragt, wer dann die Kosten trägt. Die BIZ sei für erneuerbare Energien, "aber nur da, wo es auch Sinn macht". Er befürchtet, dass eine unwirtschaftliche Anlage andere Vorhaben wie die Ortsentwicklung und Sanierungen auf lange Zeit einschränke. Ein Flugblatt mit ihren Argumenten verteilt die BIZ an alle Haushalte in Inning.

SPD

Angelika Wenisch vertritt die einst zweitstärkste Fraktion im Inninger Gemeinderat. Auch für sie ist Windkraft eine gute Alternative zur Atomkraft. "Die Idee, die es schon einmal gab, einen Bach zu stauen, also auf Wasserkraft bei uns zu setzen, ist etwas unrealistisch", findet sie. Die technisierte Gesellschaft habe sich schon zu sehr daran gewöhnt, dass die Stromversorgung immer funktioniert: "Muss der Strom dann einmal für Wartungsarbeiten für zwei Stunden abgestellt werden, werden die Leute hippelig." Sie frage sich, wo der Strom in Zukunft herkommen soll, wenn es keine Atomkraftwerke mehr gebe. Kopfzerbrechen bereite ihr der Infraschall, den man weder höre noch spüre: "Das Problem ist, dass letztlich noch niemand weiß, wie der sich auswirkt." Was den Sonntag anbelangt, hat sie aber ein eher ungutes Gefühl. Die Befürworter gingen gar nicht erst zum Entscheid, weil sie sicher seien, die Windräder würden ohnehin gebaut, befürchtet Wenisch: "Die Gegner hingegen machen richtig mobil."

 

 

Bürgerentscheid in Inning

Sturm vor der Ruhe


Von Astrid Becker
 

Es gibt kein anderes Thema in Inning, das derzeit die Gemüter so erhitzt wie die drei geplanten Windräder nordwestlich der Lindauer Autobahn. Am Sonntag liegt die Entscheidung, ob das Projekt weiter vorangetrieben wird, bei den Bürgern der kleinen Ammerseegemeinde. Denkbar wäre, dass dieser Entscheid, dem ein Ratsbegehren vorausgegangen war, das Aus der Energiewende durch Windkraft im westlichen Landkreis bedeutet.

Ob sich die heftigen Auseinandersetzungen in einer hohen Beteiligung an der Abstimmung niederschlägt, kann bezweifelt werden. Bislang haben 13,4 Prozent der Wahlberechtigten Briefwahlunterlagen angefordert; das ist nicht besonders viel, wenn man bedenkt, dass sich gerade diese Form der Wahl steigender Beliebtheit erfreut. Bis zu 25 Prozent Briefwähler sind im Landkreis Starnberg keine Seltenheit mehr. Das Rathaus in Inning rechnet daher auch am Sonntag mit keiner allzu großen Beteiligung. "68 Prozent wie bei der Kommunalwahl werden es nicht werden", sagt Bürgermeister Walter Bleimaier. Das Quorum, das bei 20 Prozent liegt, werde man aber "schon leicht erreichen", glaubt er. Dann wäre die Entscheidung am Sonntag für Bleimaier bindend.

Zu entscheiden ist über folgende Frage: "Sind Sie dafür, dass im Gemeindegebiet von Inning nördlich der Bundesautobahn A 96 und innerhalb der Konzentrationsfläche des südlichen Teilflächennutzungsplans (Windkraft) bis zu drei Windenergieanlagen errichtet werden, sofern 1) die Wirtschaftlichkeit gegeben ist, und 2) die Gemeinde Inning die Windenergieanlagen unter finanzieller Beteiligungsmöglichkeit der Bürger betreibt?"

Die Gegner des Projekts, die vor allem aus der Nachbargemeinde Grafrath und aus Etterschlag stammen, hatten diese Fragestellung, auf die sich der gesamte Gemeinderat nach einer zweistündigen Sitzung geeinigt hatte, massiv kritisiert. Sie bemängelten, dass der Artenschutz dabei nicht berücksichtigt werde. Ein Gutachten, das über einen Zeitraum von zwei Jahren die Konzentrationsfläche, auf der die drei Windräder gebaut werden sollen, geprüft hatte und von den Gegner finanziert worden war, hatte dort Brut- und Jagdplätze von geschützten Arten wie dem Rotmilan und dem Wespenbussard ausgemacht. Dem offiziellen Gutachten der Münchner Stadtwerke zufolge, das an mehreren Tagen im vergangenen Jahr erstellt wurde, bestehen hingegen keinerlei Bedenken; darin ist nur von einem Rotmilan-Brutplatz in drei Kilometer Entfernung die Rede.

An diesem Widerspruch könnten sich die Geister also noch scheiden, auch wenn man an die Gemeinde Berg denkt, in der das dortige Windkraftprojekt schon sehr weit gediehen war. Mittlerweile hat aber die Höhere Naturschutzbehörde Zweifel angemeldet, ob dort dem Artenschutz ausreichend Rechnung getragen wurde. Berg muss nun nachuntersuchen lassen.

In Inning hingegen entscheiden erst einmal die Bürger, wie sie zur Windkraft stehen. Auffällig ist dort, dass sich die Kritiker recht lautstark zu Wort gemeldet, sogar große Anzeigen mit ihren Argumenten geschaltet haben. Von den Befürwortern hingegen war bislang nur Schweigen zu vernehmen. Auch von den Gemeinderatsfraktionen war, mit Ausnahme der BIZ, ihre mehrheitlich positive Position zum Thema erst auf Drängen der SZ zu erfahren. Gekämpft haben sie nicht. Große Begeisterung für die drei geplanten Windräder ist also in der Gemeinde nicht zu spüren, abgesehen von der Ortsgruppe des Energiewende-Vereins. Sie bot immerhin zwei Fahrten in den Windpark Wildpoldsried an, um den Inningern die Möglichkeit zu geben, sich dort eingehend zu informieren.

So verwundert es auch nicht, dass Bürgermeister Bleimaier, der zwar für die Energiewende ist, das Windkraftprojekt aber dennoch nur von seinem Vorgänger "geerbt" haben will, überzeugt ist, den Ausgang des Entscheids zu kennen: "Die Bürger werden es ablehnen." Weil es sie nicht wirklich betreffe und weil Windräder ihnen nicht gefielen. Bewahrheitet sich diese Einschätzung, wird das Projekt nicht mehr verfolgt. Stimmen die Bürger jedoch dafür, treibt die Gemeinde die Planungen gemeinsam mit den Stadtwerken voran. Ob dies dann allerdings von Erfolg gekrönt sein würde, ist trotzdem fraglich. Denn in der Nachbargemeinde Grafrath will man auf die Einhaltung der 10-H-Regelung bestehen und notfalls die Gerichte bemühen. Sollte Grafrath damit durchkommen, wären die jetzigen Standorte für die Windräder wohl nicht bis Ende 2016 wie geplant durchzusetzen - und das ganz unabhängig davon, wie die Inninger am Sonntag entscheiden.


 

Starnberger Merkur 28.01.2015

Windkraft-Merkur-150128


Süddeutsche Zeitung 28.01.2015

Skeptische Bürger, optimistische Investoren


Von Astrid Becker

Gerechnet hatte Bürgermeister Walter Bleimaier mit 100 Menschen. Doch gekommen sind doppelt so viele - was nur einen Schluss zulässt: Das Thema Windkraft, um das es in der außerordentlich einberufenen Bürgerversammlung am Montagabend ging, bewegt die Gemüter in der Ammerseegemeinde doch mehr als im Rathaus gedacht. Dort war man offenbar eher von einem Andrang der Windkraftgegner aus den Nachbargemeinden ausgegangen. Denn schon an der Tür zum Haus der Vereine hatte Bleimaier vorsorglich gleich zwei Plakate aufhängen lassen, die eines klarstellen sollten: Der Zutritt zur Versammlung ist nur Inningern gestattet.

Davon ließen sich die Gegner aus Grafrath und Etterschlag freilich nicht abhalten, sich unter die Schar der Gemeindebürger zu mischen und Flugblätter zu verteilen. Sie zeigen einen toten Rotmilan und sind, passend zum Titelbild, mit "Eure Windräder bringen mich um" überschrieben. Doch wer unter den Gegnern erwartete, mit entsprechend kritischen Fragen coram publico die Inninger wachzurütteln und den Investor, die Stadtwerke München, düpieren zu können, wurde enttäuscht. Denn das kommunale Unternehmen der Stadt hatte der Gemeinde vorgeschlagen, die Versammlung in der "Face-to-Face"-Form abzuhalten. Das bedeutete: Bleimaier durfte begrüßen, der Stadtwerke-Projektleiter Michael Tiefenbrunn in etwa 20 Minuten das eigenen Unternehmen und die Windkraft anpreisen - und anschließend stellten sich diverse Experten an Schautafeln der Diskussion mit den Bürgern um mögliche Beteiligungsformen, Schallschutz, Standortfragen und Artenschutz.

Dort allerdings war dann doch so einiges Interessantes zu erfahren. Zum Beispiel, dass Inning ein nahezu perfekter Standort für Windkraft sein muss. Windmessungen stehen zwar noch aus, aber eines scheint gewiss: Lärmbelästigungen durch Windräder sind demnach dort nicht zu erwarten. Die Bürger und die Gemeinde würden keinerlei finanzielles Risiko tragen, denn das liege in den Händen der Stadtwerke. Nicht einmal aus Sicht des Artenschutzes spreche demnach irgendetwas gegen die drei Windräder nordwestlich der A 96, wird dort verkündet - was die Gegner sichtlich empörte, die ja genau das Vorkommen geschützter Arten wie Rotmilan und Wespenbussard anführen, um das Projekt zu verhindern. Sie hatten sogar viel Geld, die Rede ist immer von 20 000 Euro, für ein Gutachten des Büros GFN zum Artenschutz ausgegeben. Nach mehr als zwei Jahre laufenden Untersuchungen wies diese Studie das Gebiet, auf dem die drei Anlagen entstehen sollen, als äußerst konfliktträchtig aus. Bei der Bürgerversammlung tauchte diese Studie - die nach Weisung des Landratsamts berücksichtigt werden muss - immerhin öffentlich auf. Allerdings auch die Beobachtungen des Büros Dr. H. M. Schober aus 2014, das mit dem offiziellen Artenschutzgutachten beauftragt ist. Die Aussagen des von dort entsandten Biologen Gerold Lang glichen daher einem Mantra. Immer wieder räumte er zwar das Vorkommen von Rotmilan, Wespenbussard und Co. im Gebiet ein, aber: Der Brutplatz des Rotmilans, beispielsweise, befinde sich in drei Kilometern Entfernung. Flüge über die geplanten Standorte seien nicht ausgemacht worden - und schon allein deswegen spreche dort aus naturschutzrechtlicher Sicht nichts gegen Windräder.

Das sahen die Gegner natürlich anders. Aber auch die Inninger selbst wirkten nicht restlos begeistert von den Plänen. "Ihnen gefallen einfach keine Windräder", sagte die frühere SPD-Gemeinderätin Jutta Göbber. Diese Einschätzung teilt sie mit Bleimaier (CSU). Auch er hatte bereits mehrmals vermutet, dass sich die Inninger am 8. Februar beim Bürgerentscheid rein von ästhetischen Motiven leiten lassen werden.


Süddeutsche Zeitung 22.01.2015

energieverbrauch-Landkreis-SZ-150122


Starnberger Merkur 19.01.2015

Merkur Gewerbegebiet-150119


Starnberger Merkur 17.01.2015

Merkur A96-150117


Starnberger Merkur 16.01.2015

rathaus-merkur-150116


gymnasium-merkur-150116

Starnberger Merkur 15.01.2015

Bauhof Merkur 150115


Ausschnitt_Seite_42_28222.0


Süddeutsche Zeitung 15.01.2015

Rathaus-Anbau geplant  - Inninger Flickwerk


Von Astrid Becker

Es ist zu klein und nicht mehr zeitgemäß: das Rathaus in Inning. Einen Neubau, wie ihn Seefeld ursprünglich geplant hatte, könnte sich die Gemeinde allerdings nicht leisten. Daher will sie nun anbauen, um die bislang sehr beengten Raumverhältnisse zu lösen. Das Fürstenfeldbrucker Architekturbüro Reitberger hat nun bereits einmal grundsätzlich geprüft, ob ein solcher Anbau am bisherigen Standort überhaupt machbar wäre und welche Kosten auf die Gemeinde zukämen. Einen ersten Vorentwurf stellte Architekt Claus Reitberger am Dienstagabend in der Gemeinderatssitzung vor.

Spätestens nach etwa 100 Tagen im Amt stand für Bürgermeister Walter Bleimaier fest: Das Rathaus in seiner jetzigen Form kann so nicht mehr weiter bestehen. Vieles war ihm, der zuvor in recht großzügigen Räumlichkeiten einer Bank gearbeitet hatte, in dem Gebäude aufgestoßen. Da sind zum Beispiel die fehlenden Aufenthaltsräume für die 14 Mitarbeiter. So gibt es derzeit zwei Teeküchen, die, so ist den Worten Bleimaiers zu entnehmen, diese Bezeichnung nicht verdienen. Eine davon, - die im Erdgeschoss -, sei gerade einmal fünf Quadratmeter groß und mit einer kleinen Küchenzeile ausgestattet. Nur die Teeküche im Obergeschoss verfüge über einen Herd und einen Tisch mit zwei Stühlen. Mehr Platz sei dort nicht, so Bleimaier:

"Das bedeutet, unsere Mitarbeiter essen in der Mittagspause an ihrem Arbeitsplatz, das ist nicht zeitgemäß." Zudem gibt es im jetzigen Rathaus noch zwei Durchgangsbüros, was nicht nur für die Beschäftigten, sondern auch für die Besucher "unzumutbar" sei, weil die erforderliche Diskretion so nicht gewahrt werden kann. Eine Aufstockung des Personals, wenngleich nur in geringem Maße, sei derzeit aus Platzgründen unmöglich: "Die Gemeinde will aber einen Bautechniker für den Tiefbau einstellen, für ihn hätten wir aber derzeit nur einen Stehplatz." Sämtliche Unterlagen, die die Gemeinde zehn Jahre aufheben müsse, seien derzeit in drei Archivräumen über alle Stockwerke verteilt. Es fehle ein vernünftiges Regalsystem, bisher seien die Dokumente nicht nach Jahrgängen geordnet untergebracht, was ebenfalls alles andere als zeitgemäß sei, so der Bürgermeister. Zudem fehle es dort an Feuer- und Einbruchsicherheit, wie auch der Architekt Claus Reitberger festgestellt hatte.

Am misslichsten für die Besucher dürfte aber die fehlende Barrierefreiheit sein, die der Gesetzgeber für öffentliche Gebäude ohnehin vorschreibt. Auch hier müsse sich dringend etwas ändern, meint Bleimaier, um den möglichen Rathausanbau zu rechtfertigen - der offenbar ohnehin auf keinen Widerstand im Gremium stößt -, zumal die Pläne von Reitberger zumindest die beengte Raumsituation zu lösen scheinen und sogar eine bessere Kommunikation innerhalb der Verwaltungsabteilungen versprechen. So sollen beispielsweise das etwas verstreut liegende Bauamt künftig in den jetzigen Räumen der Geschäftsleitung, das Einwohner-und das Ordnungsamt im Erdegeschoss des Anbaus und im neuen Keller Archiv und Serverraum untergebracht werden. Ins neue Obergeschoss würde wohl die Geschäftsleitung ziehen.

Eine Herausforderung dürfte jedoch die Situierung des Anbaus sein, denn in unmittelbarer Nachbarschaft des Rathauses befindet sich das Feuerwehrhaus, dessen Zu- und Abfahrt auch während der Bauzeit nicht behindert werden darf. Auch für Parkplätze für die Einsatzkräfte müsse gesorgt werden, mahnte Gemeinderat Alexander Dietz (FWG) an,der auch Kommandant der Feuer wehr ist. Dafür werde man eine Lösung finden, versprach Bleimaier. Der Gemeinderat einigte sich nun darauf, die Planungen weiter voranzutreiben.


Tankstelle zieht um


Von Astrid Becker

Es geht um den Umzug einer Tankstelle, die sich mitten im Ort befindet - und es geht um die Hoffnung, damit den Verkehr auf der Durchfahrtsstraße zumindest ein wenig einzudämmen. Daher will die Gemeinde ein neues Gewerbegebiet ausweisen. Es handelt sich dabei um ein an den interkommunalen Gewerbepark angrenzendes Areal, das bisher als Mischgebiet galt und in dessen Nachbarschaft die Gemeinde Grundstücke besitzt, die teilweise im Landschaftsschutzgebiet liegen. Von der Umwidmung verspricht sich Inning aber auch den Zuzug weiterer Gewerbetreibenden. Die Nachfrage sei groß, heißt es. Doch sie könne mangels geeigneter Flächen derzeit nicht befriedigt werden.

Für Inning dürfte das anstehende Ende des Pachtvertrags für die Jet-Tankstelle mitten im Ort wie gerufen kommen. Denn schon seit langer Zeit klagen die Anwohner der Brucker Straße über das ständig wachsende Verkehrsaufkommen, das letztendlich im vergangenen Sommer auch in einem tödlichen Unfall mündete. Nachdem die einst geplante Umfahrung durch einen Bürgerentscheid abgelehnt wurde, wird in der Gemeinde nach einer Lösung gesucht, wie eine Verkehrsberuhigung im Ort erreicht werden könnte. Doch eine Lösung der Problematik gestaltet sich schwierig. Eine Erleichterung verspricht sich die Gemeinde nun vom Umzug der Jet-Tankstelle, die wegen ihrer oftmals niedrigeren Preise gern auch von Auswärtigen angefahren wird. Diese Tankstelle erklärte sich nun bereit, ihren Standort von der Ortsmitte in die Nähe der am Gewerbepark bereits bestehenden Aral-Tankstelle zu verlegen. Allerdings knüpfte sie daran offenbar eine kleine Bedingung: Sie hatte sich die Lage ihres Neubaus genau ausgesucht - und zwar direkt an der B 471.

Um dies zu ermöglichen, musste der Gemeinderat nun einige Entscheidungen treffen: Den Flächennutzungsplan für dieses Gebiet entsprechend zu ändern, ein Bauleitverfahren einzuleiten, die dafür entsprechenden Planungsleistungen zu vergeben und auch einen Antrag an der Kreistag zu stellen, fünf Grundstücke aus dem dortigen Landschaftsschutzgebiet herauszunehmen. Es handelt sich dabei um landwirtschaftlich intensiv genutzte Acker-, Wiesen- und Weideflächen, eine Streuobstwiese sowie um ein bebautes Grundstück mit Garten. Das Gremium stimmte dem mehrheitlich zu.


Starnberger Merkur 08.01.2015

Windkraft-Merkur-150108