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  Presse Januar - August 2017

 

Starnberger Merkur 25.08.2017

Diese Umleitung ist „ein Unfug“
Autobahnausbau - Bleimaier aus Inning und Schneider aus Seefeld wollen Weßling bei Protest unterstützen
VON Michèle Kirner und Andrea Gräpel

Inning/Seefeld/Weßling – Die Pläne der für eine Umleitung im Falle einer Sperrung während des Autobahnausbaus über Weßling, Seefeld und Inning löst in allen drei Gemeinden Entsetzen aus, nicht nur in Weßling (wir berichteten). Innings Bürgermeister Walter Bleimaier nennt sie „Unfug“, Seefelds Vize-Bürgermeister Josef Schneider spricht von „Wahnsinn“.
In der jüngsten Gemeinderatssitzung in Weßling wurde bekannt, dass die Regierung von Oberbayern der Meinung ist, dass der Kreisverkehr in Etterschlag den Verkehr nicht aufnehmen kann. Als Alternative wird die Route über Oberpfaffenhofen nach Seefeld, Hechendorf und durch Inning vorgeschlagen. „Ich habe in meiner Stellungnahme auf die kurvenreiche Straße entlang dem Wörthsee aufmerksam gemacht und die Probleme, die Inning bereits mit der Hauptstraße durch den Ort hat“, so Muther. „Das ist von Haus aus gefährlich. Dies als Umleitung des Schnellstraßenverkehrs zu nehmen, kann ich gar nicht verstehen“, meint Bleimaier. Im besten Fall wolle er annehmen, dass ortsunkundige Beamte in München im Internet über Google-Earth nach Alternativen suchten, und deshalb auf diese Strecke kamen. Ohne zu wissen, wie kurvenreich und eng die Straßenführung am Oberndorfer Badegelände entlang ist. „Das ist bei der Planung für die Straßensanierung unserer Ortsdurchfahrt 2019 auch vorgekommen“, sagt Innings Bürgermeister. Es seien Umleitungen vorgeschlagen worden, die einfach nicht möglich seien. „Da mussten wir die aber erst drauf hinweisen.“ Das sei für Bleimaier die einzige Erklärung, wie man auf die in Weßling bereits diskutierte Variante gekommen sei. Die autobahnbegleitende Strecke zwischen Gilching und Wörthsee sei im Vergleich dazu geradezu breit. Die Regierung meint nein, die Unterführung nicht hoch genug und der Knotenpunkt an der Tankstelle problematisch. „Warum wurde die denn damals so gebaut, wenn sie nicht taugt“, fragt sich Muther. Deshalb möchte Weßlings Verwaltung die beiden Rathauschefs der betroffenen Gemeinden mit einer gemeinsamen öffentlichen Stellungnahme zum Protest auffordern. Der Unterstützung von Bleimaier und Schneider kann er sich gewiss sein.

 

Starnberger Merkur 20.08.2017

2000 Euro, die das Radfahren fördern sollen
Monika Schüßler-Kafka denkt an neue E-Ladestationen – Barbara Wanzke wünscht vernünftige Radlständer in Inning
von Michèle Kirner

Inning – Monika Schüßler-Kafkas Aufruf war fruchtbar. In der letzten Gemeinderatssitzung vor den Ferien, während der Stadtradel-Wettbewerb noch lief, spornte die FWG-Vertreterin ihre Ratskollegen zum Mitmachen an, damit Inning auch in diesem Jahr das radlaktivste Kommunalparlament werde. Und die Inninger haben es tatsächlich ein zweites Mal geschafft (wir berichteten). 2000 Euro Preisgeld wollen auch heuer wieder sinnvoll eingesetzt werden.
Innings Gemeinderäte hatten am Ende des STAdtradelns 1661 Kilometer auf dem Konto. Damit ließen sie mit einem Pro-Kopf-Ergebnis von 158,2 Kilometern die Konkurrenz erneut weit hinter sich. Deutschlandweit verbesserte sich das sportliche Gremium unter den fahrradaktivsten Kommunalparlamenten vom vierten auf den dritten Platz.
Im besten Sinne vorbildlich setzten das 16-köpfige Rats-Team und Bürgermeister Walter Bleimaier mit dem rechnerisch gesparten Ausstoß von 236 Kilogramm CO2 ein Zeichen, entlasteten in den drei Wochen die Hauptstraße und somit die Anwohner von Lärm und Dreck.
Monika Schüßler-Kafka griff auf Rückfrage das Stichwort Mobilitätswende auf und betonte, das sei eine Motivation, die Staatsstraße möglichst fahrradfreundlich zu sanieren. „Überzeugungsarbeit zum Mitradeln mussten wir nicht leisten“, flunkert die Vizebürgermeisterin. Als Dankeschön drückte Stadtradel-Koordinator Thomas Dahmen jedem Teilnehmer eine Trinkflasche und einen Gutschein für vier Wochen Probetraining in einem Fitnessclub in die Hand.
Der Lohn für das im Landkreis fahrradaktivste Kommunalparlament war wieder ein Scheck in Höhe von 2000 Euro. Das Geld soll auch dieses Mal in irgendeiner Form den Fahrradfahrern zugute kommen. Im vergangenen Jahr investierten die Gemeinderäte in eine kostenfreie Ladestation für E-Bikes. Sie ist gegenüber von Innings JET-Tankstelle in Betrieb. Allerdings nahmen bislang lediglich etwa zehn eBiker das Angebot in Anspruch. Einige kehrten auch unverrichteter Dinge wieder um. „Sie wussten nicht, dass sie ihr Ladekabel mitbringen müssen“, sagt Werner Huttner, in dessen Café der Schlüssel hinterlegt ist.
Eine Idee für den sinnvollen Einsatz des neuen Preisgeldes hat Schüßler-Kafka schon. Diesmal möchte sie aber nicht wieder vorpreschen: „Die Räte sollen ihre Gedanken einbringen.“ Mit ihrer Zurückhaltung reagierte sie auf Menschen, die ihr vorwarfen, sich „mit der E-Tankstation ein Denkmal gesetzt zu haben“, erzählt sie und macht ihrer Enttäuschung Luft: „I ko mi gern a tot stelln.“ Räumt aber sogleich ein, dass ihr das auf Dauer wohl nicht gelinge. Ihre Idee: mobile Ladestationen für Fahrräder in Stegen und vor der Mehrzweckhalle. Mit den Stadtwerken Fürstenfeldbruck, die Inning mit Strom versorgen, habe sie schon gesprochen. „Die würden sich wieder einbringen.“ Grünen-Gemeinderätin Barbara Wanzke denkt an qualitativ gute Radständer in Innings Ortszentrum. Alleine an der Bushaltestelle vor ihrem Schreibwarengeschäft stünden die Fahrräder der MVV-Nutzer wild durcheinander. Huttner, CSU-Gemeinderat, vertraut aber wieder auf die „Geistesblitze“ Schüßler-Kafkas.

 

 

Starnberger Merkur 13.08.2017

Paten dringend gesucht
Innings Helferkreis Asyl benötigt weitere Freiwillige zur Betreuung neuer Flüchtlinge im Containerdorf - von Michèle Kirner

Inning – „Es läuft gut mit den Asylbewerbern in Inning“, freut sich Sabina Eisenmann vom Koordinationsteam im Inninger Helferkreis Asyl. Aber es gibt auch Grund zur Sorge. Im Containerdorf steht ein Wechsel bevor. Neue Paten sind dringend gesucht.
In dem im Dezember 2015 eröffneten Containerdorf leben aktuell rund 80 Heimatvertriebene, in Inning und Buch sind 20 weitere extern untergebracht. Mehr als der Hälfte von ihnen steht ein Pate zur Seite. In naher Zukunft ziehen die anerkannten Flüchtlinge in eigene Wohnungen – das ist positiv, und doch schlägt Sabina Eisenmann Alarm: „Unsere Helfer und Paten sind müde, und es ist schwer, neue Paten zu finden. Wenn aber die persönliche Betreuung der Flüchtlinge fehlt, dann kann das leichter zu Eskalationen führen.“ Um dies zu vermeiden, startet der Helferkreis diesen Aufruf.
Nach der intensiven Arbeit für die ersten Patenschaften benötigen die Freiwilligen auch mal eine Pause, weiß die Sprecherin des Helferkreises. Wer aber betreut die Neuankömmlinge, die danach voraussichtlich die leer werdenden Wohnungen an der Schornstraße beziehen? „Dann geht alles wieder von vorne los“, weiß die Inningerin. Damit sind etwa die bürokratischen Hürden gemeint, die die neuen Bewohner zu bewältigen haben, und die notwendige Integrationsarbeit.
Die Aufgaben der Paten umfasst die Unterstützung bei Behördengängen, Anträge ausfüllen genauso wie den Flüchtlingen die Sitten und Gewohnheiten in ihrem Gastland näher zu bringen. Dabei müsse ihnen unter anderem das Ruhebedürfnis der Deutschen und Selbstverständliches wie das sichere Queren der Straße oder das Benutzen der öffentlichen Verkehrsmittel erklärt werden. Daneben sei der Pate eine Vertrauensperson – denn alleine die Flucht in den überfüllten, seeuntauglichen Flüchtlingsbooten hinterlasse ein Trauma. „Oft hilft es, wenn sie ihre Geschichte jemandem erzählen können.“ Eine Therapie gebe es nicht, so Sabina Eisenmann. „Die Gemeinde kann diese Arbeit gar nicht leisten.“
Sabina Eisenmann ist auch Patin und weiß: „Es ist eine erfüllende, schöne Aufgabe.“ In Innings Containerdorf ist es ruhig und friedlich – aber damit das so bleibt, braucht es neue Paten.

Mehr Informationen
Wer an einer Patenschaft interessiert ist, kann sich bei der Nachbarschaftshilfe Inning, Enzenhofer Weg 9 in Inning, melden. Telefonisch erreichbar unter z (0 81 43) 73 35 oder per E-Mail unter info@nbh-inning.de.

 

Starnberger Merkur 18.07.2017

blsv - Sport in Kürze - Ehrenpreis für Bruno Dietz

Kaum eine Ehrenamtsperson im Bayerischen Landes-Sportverband übte im Verlauf seines bisherigen Lebens so viele Funktionen wie Bruno Dietz. Jetzt erhielt er aus den Händen von Bezirkstagspräsident Josef Mederer den Ehrenamtspreis „Engagiert 2017“ des Sportbezirks Oberbayern. Mit 25 Jahren begann der damals schon in zahlreichen Ortsvereinen sowie in der Politik verankerte Bruno Dietz seine Karriere im Sportehrenamt. Als langjähriger Vorsitzender des SV Inning, des Sportkreises Starnberg und des Bezirks Oberbayern im BLSV prägte der Geehrte die jeweiligen Gremien. Als Präsidiumsmitglied des BLSV vertrat er den Verband im Arbeitskreis für das Sportabzeichen im Deutschen Sportbund. Nach Niederlegung seiner Führungsämter steht er dem Sportkreis Starnberg weiterhin als Ehrenvorsitzender mit Rat und Tat zur Seite, soweit es seine Gesundheit zulässt. Bruno Dietz konnte den Preis aus gesundheitlichen Gründen nicht persönlich entgegennehmen. Die Vorstandschaft des Sportkreises Starnberg im BLSV unter Führung von Walter Moser überbrachte den Ehrenpreis in Inning am Ammersee und gratulierte ihrem Ehrenvorsitzenden im kleinen Kreis.  

 

Süddeutsche Zeitung 17.07.2017

Demo gegen Mückenplage - Angst vor kleinen Tieren
Von Patrizia Steipe

Zu Tausenden lauern sie in den feuchten Überschwemmungsgebieten auf ihre Blutmahlzeiten. Die Opfer sind vor allem Menschen. "Wenn man vor die Tür geht, wird man aufgefressen", klagte Philipp Wagner von der Initiative "Mückenplage nein danke". Eine Familie aus Dießen stimmte zu: "Beim Aussteigen aus dem Auto wurden wir im Frühjahr von einem Pulk von Mücken attackiert." 15 Stiche habe er vom Autostellplatz bis in sein Haus gezählt, so Wagner. "Unerträglich" sei die Situation und die Betroffenen befürchten, dass es angesichts der häufiger werdenden Überschwemmungen immer schlimmer mit den Mücken werden wird.
Bei einem Aktionsabend hat die Initiative "Mückenplage nein danke" den Biologen Matthias Galm eingeladen. Seit etwa 30 Jahren bekämpft der Leiter der Ludwigshafener Kommunalen Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage (KABS) die Invasion der kleinen Blutsauger am Rhein. Etwa 100 Demonstranten wanderten mit ihm am Ammersee gemeinsam vom Parkplatz Stegen zu den Brutstätten der Mücken in den Wiesen vor Eching. Ausgestattet waren sie mit Mückenklatschen, die Oliver Grüner aus Bierfilzln mit dem BI-Logo - eine Schnake mit Blutstropfen vor den Umrissen der Landkreisseen - gebastelt hatte. Im Moment habe sich die Situation entspannt, berichtete der Echinger Bürgermeister Siegfried Luge. Wegen der Trockenperiode seien die Mückenlarven ausgetrocknet, doch es brauche nur stark zu regnen und aus den Eiern, die zehn Jahre im Erdreich überleben können, werden neue Mücken. Dabei sind längst nicht alle Bereiche des Ammersees von der Mückenplage betroffen. "Lokalintensiv" sei es im Bereich des Ampermooses im Norden, im Süden in der Verlandungszone der Ammer, in der Herrschinger Bucht und im Bereich zwischen Ammer- und Pilsensee.
Mit einem Schöpfer nahm Galm eine Probe aus einer Pfütze. Deutlich erkennbar zappelten ein paar Larven in der Flüssigkeit. Ob es sich um Schnaken handelte, könne allerdings erst eine Analyse klären. Dass die Initiative aus einer Mücke keinen Elefanten mache, stehe aber fest, so der Biologe. In einer Falle seien vor kurzem 2000 Larven gefunden worden, "da kann man schon von einer Plage sprechen".
Galms Verein hat sich auf die Bekämpfung der Stechmücken spezialisiert, von denen es in Deutschland 50 verschiedene Arten gibt. Er würde gerne auch am Ammersee aktiv werden. Dazu müssten möglichst viele Anrainergemeinden mit ins Boot geholt werden. "Wenn alle mitmachen, dann kostet es 1,30 Euro pro Person", sagte der Schondorfer Gemeinderat Rainer Jünger. Dabei gehe es keinesfalls darum, die Mücken auszurotten. "Wir wollen sie auf ein normales Maß zurückdrängen." Dafür soll der Krankheitserreger BIT (Bacillus Thuringiensis Israelensis) helfen. Er ist für Mensch und Tier ungefährlich, wirkt aber tödlich auf Mückenlarven. Das Pulver mit den Krankheitserregern wird mit Sand und Öl gemischt oder in Eiswürfeln gebunden und per Hand, mit der Spritze oder mit dem Hubschrauber verteilt. Das Mittel wird nach wenigen Stunden von der Natur abgebaut. Wenn es bei der Nachkontrolle noch immer zu viele Mückenlarven gibt, kann die Maßnahme wiederholt werden.
Bis es soweit ist, müssen die Gemeinderäte Anträge beschließen und Genehmigungen von den Naturschutzbehörden einholen. Um Druck zu machen, hat die Bürgerinitiative eine Unterschriftenaktion gestartet.

 

Starnberger Merkur 17.07.2017

Biologe zerstreut die letzten Bedenken
initiative „Mückenplage – Nein, Danke!“
Herrschings Bürgermeister will Einsatz des Eiweißkristalls BTI gegen die Plagegeister im Gemeinderat diskutieren
Von Dieter Roettig

Stegen/Eching – Jetzt ist auch Herrschings Bürgermeister Christian Schiller mit an Bord der Initiative „Mückenplage - Nein, danke!“. Der Aktionsabend in Stegen und Eching hat seine letzten Bedenken zerstreut, dass eine Bekämpfung der sogenannten Überschwemmungsmücken rund um den Ammersee mit dem Eiweißkristall BTI einen nachhaltigen Eingriff in den Naturhaushalt bedeuten würde. Schiller will das Thema in einer der nächsten Gemeinderatssitzungen zur Sprache bringen. Ihm zur Seite steht die Inninger Kreis- und Gemeinderätin Barbara Wanzke. Sie wehrt sich seit Jahren gegen die in der Kommunalpolitik immer noch vorherrschende Meinung, der Schutz von Menschen vor den Plagegeistern sei nicht vorrangig.
Um die Aufklärungsarbeit zu forcieren, hatte die Initiative „Mückenplage – Nein, danke!“ zu dem Aktionsabend eingeladen. Trotz der unbeständigen Witterung fanden sich immerhin etwa 100 Mücken-Gegner am Dampfersteg in Stegen ein. Sie marschierten zu den Brutgebieten im Ampermoos und weiter zum Aktionsabend in den Echinger Gasthof Eberhardt. Der Biologe Mathias Galm von KABS e.V., der „Kommunalen Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage“ in der Oberrheinebene, erläuterte, wie man dort und am Chiemsee das Mückenproblem erfolgreich in den Griff bekommen hat. Er überzeugte mit seinem Vortrag auch die letzten Skeptiker.
Die entscheidenden Punkte: Die Bekämpfung wird nur in Jahren mit extremer Mückenpopulation durchgeführt und nur in Gebieten, für die eine behördliche Genehmigung vorliegt. Das Wichtigste: BTI ist weder Gift noch Chemie, wie immer wieder behauptet wird. Es ist ein Eiweiß, das aus dem Bacillus thuringiensis israelensis gewonnen wird. Es lagert sich bei den Mückenlarven an die Rezeptoren von Darmzellen und bringt sie zum Platzen. Für andere Tiere und auch für den Menschen ist BTI unwirksam und unschädlich.
Wie es konkret weitergehe, wurde Initiator Rainer Jünger gefragt. 4000 Unterschriften und Versammlungen wie diese sollten doch die Politik zum Handeln bringen, hieß es. Als erstes, so Jünger, müssten die Gemeinden Haushaltsmittel freimachen für eine Kartierung der besonders intensiven Brutstätten wie an Nord- und Südseite des Ammersees oder in der Herrschinger Bucht. Danach erfolgt das behördliche und naturschutzrechtliche Genehmigungsverfahren, damit in Mücken-intensiven Jahren BTI-Eisgranulat gesprüht werden darf. Wolle man die Ammersee-Region mit BTI nahezu mückenfrei bekommen, kämen auf die Gemeinden Kosten in Höhe von etwa 1,30 Euro pro Einwohner zu. Der Landtagsabgeordnete Alex Dorow und Echings Bürgermeister Siegfried Luge schlugen vor, einen Verein zu gründen, bei dem Bürger aus jeder Ammersee-Gemeinde vertreten sind. So könne man auf die Gemeinden Druck ausüben, endlich aktiv zu werden.

Informationen: über den Kampf gegen die Mücken finden Interessierte auf www. mueckenplage-nein-danke.de

 

Starnberger Merkur 14.07.2017

Suche Grundstück, biete Millionen
Immobilienmarkt - Gutachterausschuss des Landkreises legt neue Bodenrichtwerte vor – Kein Ende der Preisspirale in Sicht
Von Peter Schiebel

Landkreis – „Gezahlt wird alles.“ Mehr als diese drei Wörter braucht Dieter Sinning nicht, um die Lage auf dem Immobilienmarkt im Landkreis Starnberg zusammenzufassen. Gestern hat der Vorsitzende des Gutachterausschusses die neuen Bodenrichtwerte vorgelegt. Und wer sich die Listen, Tabellen und Karten anschaut, kann nur zu einem Schluss kommen: Gezahlt wird alles.
Längst hat der Preiswahnsinn dabei auch die bislang günstigeren Gegenden erfasst. Für den Berger Ortsteil Höhenrain beispielsweise haben Sinning und sein Team einen Preis von 560 Euro für den Quadratmeter Bauland ermittelt – 54,4 Prozent mehr als zwei Jahre zuvor. Im weiter nördlich gelegenen Bachhausen fällt der Preisanstieg mit 59,6 Prozent auf 750 Euro je Quadratmeter sogar noch deutlicher aus.
„Die Infrastruktur bekommt eine nachrangige Bedeutung“, sagt Sinnings Stellvertreter Till Krüger zu dieser Entwicklung. Fehlender S-Bahn-Anschluss und mangelnde Einkaufsmöglichkeiten schrecken die Käufer längst nicht mehr ab: „Längere Wege werden in Kauf genommen, wenn man überhaupt etwas kriegt.“
Die Bodenrichtwerte stellen die ehrlichste Quelle der Immobilien-Preise dar. Sie geben die Durchschnittswerte aller notariell beurkundeten Grundstücksgeschäfte im Landkreis an. Die Liste wird alle zwei Jahre erstellt und bildet damit den Markt nüchtern ab. Wobei: Bei den meisten Preisen kann einem ganz schön schwindlig werden. So kostet ein Quadratmeter Seeufer- und seenahes Grundstück in Starnberg 3200 Euro – ein Anstieg um 77,8 Prozent. „Und da reden wir von ausnahmslos sehr großen Grundstücken“, sagt Vorsitzender Sinning. Suche Grundstück, biete Millionen, heißt es in diesem exklusiven Segment.
Hohe Nachfrage, knappes Angebot – die Folgen der immer höheren Preise sind klar: „Das hat Auswirkungen auf die Mieten“, sagt Sinning. Für die Gemeinden werde es zudem immer schwieriger, Grundstücke für zum Beispiel Einheimischenmodelle zu bekommen. „Und Leute in einem normalen Job müssen irgendwann vielleicht zwei bis drei Stunden fahren.“
Dass sich daran so schnell etwas ändert, glaubt der Fachmann nicht. „Ich habe immer gedacht, es ist ein Ende in Sicht“, sagt Sinning. „Aber da habe ich mich getäuscht.“ So lange die Rahmenbedingungen mit der Niedrigzinsphase so bleiben, werde sich nichts ändern, sagt er und prophezeit einen weiteren Preisanstieg. „Investitionen in Steine und Boden sind derzeit das Nonplusultra.“ Die nun vorgestellte Liste umfasst insgesamt 200 Bodenrichtwertzonen in allen 14 Landkreis-Kommunen. Jede einzelne Straße lässt sich so bewerten. Die aufwändig erstellte Broschüre ist knapp hundert Seiten stark und für 250 Euro in der Geschäftsstelle des Gutachterausschusses zu bekommen: z (0 81 51) 14 84 14. Hier lesen Sie die Preisspanne, wie viel in den einzelnen Gemeinden für einen Quadratmeter Bauland bezahlt wurde. Aufgeführt sind nur Wohn- und Dorfgebiete mit mindestens einem Kaufabschluss in den Jahren 2015 und 2016.

-Andechs: 420 bis 550 Euro., -Berg: 550 bis 1750 Euro., -Feldafing: 770 bis 1150 Euro. -Gauting: 750 bis 1300 Euro. -Gilching: 740 bis 1150 Euro. -Herrsching: 390 bis 1100 Euro. -Inning: 520 bis 900 Euro. -Krailling: 600 bis 1250 Euro. -Pöcking: 350 bis 900 Euro. -Seefeld: 630 bis 1500 Euro. -Starnberg/Ortsteile: 420 bis 650 Euro. -Starnberg/Stadt: 840 bis 3200 Euro. -Tutzing: 480 bis 1650 Euro. -Weßling: 630 bis 900 Euro. -Wörthsee: 530 bis 1500 Euro.

 

Starnberger Merkur 01.07.2017

Erst Ausbau, dann erst Beruhigung

Inning – Eine der ersten Maßnahmen, die im Inninger Verkehrskonzept umgesetzt werden sollten, waren die Entfernung der Mittelmarkierung auf der Ortsdurchfahrt sowie eine optische Fahrbahnverengung. Schon im Herbst vergangenen Jahres sollte damit begonnen werden, erinnerte sich Birgit Schlögl in der Bürgerfragestunde der jüngsten Gemeinderatssitzung. „Jetzt haben wir Juli“, sagte sie und sprach aus, was viele andere Inninger denken: „Warum passiert nichts?“ Bürgermeister Walter Bleimaier nutzte die Frage, um über die Pläne des Staatlichen Bauamtes zu informieren, in dessen Trägerschaft sich die Staatsstraße befindet. Diese Pläne sind der Grund für die Verzögerung, die sich noch bis zum Frühjahr 2019 hinziehen kann.

Die Staatstraße soll saniert werden. Die Entwürfe zu dem Ausbau sollten demnächst vorliegen, vermutete der Bürgermeister. Dann sei auch eine Bürgerbeteiligung zu erwarten. Baubeginn, so viel sei ihm schon bekannt, soll spätestens im Frühjahr 2019 sein. Mit der Fertigstellung sei zwei Jahre später zu rechnen. „Dann soll das aber auch gemacht werden“, sagte er in Bezug auf die optische Straßenverengung.

Birgit Schlögls weitere Fragestellung zur Öffnung der Leitplanken, um als Fahrradfahrer auf den Radlweg zu kommen, konnte Bleimaier für den Bereich Schlagenhofen beantworten. Dort seien gerade Striche auf die Fahrbahn der Staatsstraße aufgetragen worden, „ich nehme an, dass das jetzt erledigt wird“. Dies liege jedoch in der Verantwortung der Unteren Verkehrsbehörde und des Staatlichen Bauamtes.  grä

 

Süddeutsche Zeitung 14.07.2017

Tropfen auf den heißen Stein

In Washington fällt IWF-Chefin Christine Lagarde wichtige Entscheidungen über die globale Geldpolitik, in Frankfurt steigt und fällt der Aktienindex Dax, die Stadt München boomt, und Gautinger Kindergärten suchen vergeblich nach Erzieherinnen. Und eines hängt mit dem anderen zusammen.
Was auf dem Immobilienmarkt im Landkreis Starnberg gerade passiert, ist eine Folge von Entwicklungen weltweit, bundesweit und in der nahe gelegenen Landeshauptstadt, die immer weiterexpandiert. Wegen niedriger Zinsen und fehlenden Vertrauens in die Aktienmärkte suchen Anleger Alternativen, und so explodieren die Preise für Wohnungen und Grund. Beim Gutachterausschuss in Starnberg kann man nur noch fassungslos beobachten, dass mittlerweile offenbar fast jeder Preis bezahlt wird. Die Marktgesetze von Angebot und Nachfrage entfalten ihre Wirkung. Mit einem niedrigen Einkommen sind die exorbitant hohen Mieten hier kaum mehr zu bezahlen. Kindergärten haben daher Mühe, Personal zu finden.
Auf kommunaler Ebene versucht man nun, die Auswirkungen etwas abzumildern. Da gibt es zum Beispiel ein Genossenschaftsmodell in Wörthsee, das eine Interessengemeinschaft mit Unterstützung der Gemeinde verwirklichen will. Die Kommune stellt dabei das Grundstück zur Verfügung und will dafür ein Belegungsrecht. Ziel ist es, Wohnraum zu schaffen, der dann zu vergleichsweise günstigen Mieten vergeben wird. Die Gemeinde Gauting verfolgt ein ähnliches Anliegen beim Kauf des ehemaligen Sparkassenhauses in Stockdorf. Sollten dort einmal Wohnungen frei werden, könnten die dann an Mitarbeiter oder an Kindergärtnerinnen vergeben werden.
In einzelnen Fällen kann so geholfen werden. Insgesamt sind das aber nur Tropfen auf den heißen Stein. Die Wucht der Mechanismen der Marktwirtschaft ist damit kaum zu bremsen

 

Starnberger Merkur 21.06.2017

Kleine Schwester für Bogenbrücken
Ersatzbau für Straßenverbindung von Eching und Inning - VON ANDREA GRÄPEL

Inning/Eching – Die große Bedeutung des Ammersees als Naherholungsgebiet und damit auch der beliebte Ammersee-Rundweg verhilft den Gemeinden Eching und Inning zu einer neuen Brückenverbindung über die Amper. Das Staatliche Bauamt in Weilheim und die Regierung von Oberbayern haben die Maßnahme abgesegnet. Die aktuell unbefriedigende Situation mit dem rund 200 Meter langen schmalen Fußweg wird damit beseitigt. Dieser wird auch gerne von Radfahrern benutzt, so dass es immer wieder zu brenzligen Situationen kam und kommt.
Als Sibylle Gerhardt das Thema in der jüngsten Gemeinderatssitzung angesprochen hatte, war der Brückenbau eigentlich schon beschlossene Sache. Es wusste nur niemand. Die Grünen-Gemeinderätin hatte am Ende der Sitzung auf eben jene unbefriedigende Situation für Fußgänger und Radfahrer hingewiesen. „Wir hatten vor fünf Wochen ein Gespräch bei der Regierung von Oberbayern“, bestätigt nun Christoph Prause, Leiter der Abteilung Brückenbau in der Weilheimer Behörde, auf Nachfrage des Starnberger Merkur.
Geplant gewesen sei eigentlich eine Instandsetzung der bestehenden Brücke, die begleitend neben der Autobahn 96 über die Amper verläuft. Weil eine Instandsetzung der Pfeilerkonstruktion jedoch sehr teuer werden würde, so Prause, hätten sich die Verantwortlichen für einen Ersatzbau entschieden und in diesem Zusammenhang auch für eine Verbesserung der Situation für Fußgänger und Radfahrer. Schon bald sei ein Gespräch mit allen Beteiligten geplant.
Ziel sei, auf die Pfeiler verzichten zu können. Das funktioniert nur über eine Tragekonstruktion. „Wir beabsichtigen, einen dritten Bogenbrückenbau zu errichten“, verrät Prause deshalb. Wenn man schon zwei Bogenbrücken habe, über die die Autobahn führt, „dann sieht das auch besser aus“.
Ein Baubeginn sei zu diesem Zeitpunkt noch schwer zu prognostizieren, gesteht der Ingenieur. „Erstmal brauchen wir einen Planentwurf.“ Dann müsse geprüft werden, ob ein Planfeststellungsverfahren notwendig wird. „Ich denke ja“, meint Prause, „wegen des Flora-Fauna-Habitats (FFH) und diversen Biotop-flächen drum herum.“ Vorsichtig geschätzt könne dann mit einem Baubeginn 2020 zu rechnen sein. „Falls sich wider Erwarten herausstellt, dass es auch ohne Planfeststellungsverfahren geht, könnte Baubeginn auch schon 2019 sein. Ich halte das aber für unwahrscheinlich“, sagt Prause ganz offen.
„Ich habe die Idee, den Verkehr der Staatsstraße dann über die Autobahn umzuleiten. Wenn das gelingt, können wir ohne Vollsperrung bauen.“ An dieser Lösung werde gerade gearbeitet. Für Fußgänger und Radfahrer würde für die Dauer der Maßnahme eine Behelfsbrücke aufgestellt, um den Ammersee-Rundweg auch in dieser Zeit offen zu halten.

 

Starnberger Merkur 02.07.2017

Inning zahlt Zuschuss für Tablet

Inning – Die Gemeinde Herrsching war die erste Kommune im Landkreis, die ihre Gemeinderäte mit Tablet-PCs versorgte. Die Gemeinde Inning zieht nun in gewisser Weise nach. Die Gemeinderäte bekommen einen Zuschuss von 300 Euro, damit fällt natürlich auch ein Mengenrabatt weg.
„300 Euro sind angemessen“, freute sich Thomas Palaske nach der Entscheidung. Geschäftsleiter Jürgen Hafner hatte zuvor abgeklopft, welche Kapazitäten der kleine Computer haben muss und wie viel ein solches Tablet in der Anschaffung wohl kosten mag. Die Angebote lagen zwischen 250 und 850 Euro, je nach Hersteller.
Der Gemeinderat setzte damit auch den ersten Schritt in Richtung Ratsinformationssystem, an das auch ein Bürgerinformationssystem geknüpft ist. Künftig sollen Satzungen, Bebauungspläne, Sitzungseinladungen, Protokollauszüge für jedermann schnell und unkompliziert aus dem Internet geladen werden können. Und die Gemeinderäte bekommen ihre Sitzungseinladungen und Vorlagen künftig zugemailt.
Der Beschluss für den Anschaffungszuschuss in Höhe von 300 Euro je Gemeinderat fiel einstimmig.  grä

 

Starnberger Merkur 01.07.2017

Falsch berechnet: Gebühren steigen
Gemeindekindergarten

Inning – Dem neuen geschäftsleitenden Beamten im Rathaus Inning ist es aufgefallen: Die erst im September vorigen Jahres angepasste Gebührensatzung für den Gemeindekindergarten Inning wurde falsch berechnet. Nun muss nochmal nach oben angepasst werden.
Es gibt sieben Staffelungen des Elternbeitrags für Betreuungszeiten, angefangen bei drei bis vier Stunden bis zu neun bis zehn Stunden pro Tag. Bisher wurde bei 105 Euro angefangen und für jede höhere Staffelung fünf Euro mehr verlangt. „Die einzelnen Buchungszeiten müssen aber zehn Prozent teurer sein“, erklärte Jürgen Hafner den Räten in der jüngsten Sitzung. Bliebe Inning bei einer Basisstaffel von 105 Euro, betrüge der Höchstsatz 168 Euro statt bisher 135 Euro im Monat. Um diesen Sprung erträglicher zu machen, beschloss das Gremium, den Basissatz auf 100 Euro runterzusetzen. Das erleichtert das Rechnen, denn die Staffeln sind um jeweils 10 Euro teurer. Der Höchstsatz beträgt somit 160 Euro. „Wir müssen uns allerdings im Klaren sein, dass das nicht auf Dauer ist – je nach Defizit“, merkte Hafner an.  grä

 

Alte Hausmülldeponie unter Beobachtung - Altlasten

Inning – Nach 36 Eimerproben, fünf Bodenproben und vier Grundwasserprobeentnahmen hat sich der Verdacht bestätigt, dass es auf der Fläche der alten Hausmülldeponie Obere Fischleite Altlasten gibt. Diese wurde von 1966 bis 1975 genutzt. „Die Belastung ist nicht bedenklich“, teilte Bürgermeister Walter Bleimaier dem Gemeinderat in der jüngsten Sitzung mit, „aber wir müssen dran bleiben.“
Seit 2012 hat die Gemeinde die ehemalige Deponie im Auge. Die Untersuchungen laufen seit 2015. Die Ingenieure sind bei ihren Tests auf Blei, Arsen und Teer gestoßen, die die Altlast bestätigen, aber kein Grund zur Panik seien, meinte Bleimaier. Im Grundwasser, das nur knapp unter der Sohle der Altdeponie fließt, tauchte Barium auf. Die Verbindung ist entzündlich und kann durchaus giftig sein. „Es sind weitere Maßnahmen erforderlich“, teilte das untersuchende Ingenieurbüro der Gemeinde deshalb mit und kündigte weitere Immissions-pumpversuche an. Der Gemeinderat stimmte diesen weiteren Maßnahmen zu, die in Abstimmung mit Fachbehörden sowie Grundeigentümern erfolgen.  grä

 

Rekordverdächtig lange

Bebauungsplan Stegen
Nach 23 Jahren will Inning wenigstens mit Parkplatzplanung vorankommen

Inning – Bauleitverfahren dauern ihre Zeit. Einige Jahre werden immer eingeplant, ein Verfahren über 23 Jahre ist jedoch rekordverdächtig. Der Bebauungsplan Stegen, das Verfahren dazu, begann bereits im Jahr 1994. „Es wird Zeit, dass es bald ein Ende findet“, meinte auch Innings Bauamtsleiter Andreas Saur in der jüngsten Gemeinderatssitzung. Erneut mussten dort Einwendungen aus dem aktuellen Anhörungsverfahren behandelt werden.
Das Verfahren ist sogar so alt, dass einige Festsetzungen obsolet sind. Etwa jene Planung einer Wohnungsnutzung in Nachbarschaft zur Alten Brauerei. In einer Stellungnahme wird auf die schalltechnischen Immissionen der Ü-30-Partys hingewiesen, die es schon lange nicht mehr gibt. Außerdem ist das Bauvorhaben, in dessen Zusammenhang dieser Einwand fiel, längst realisiert.
Und weil das Verfahren so lange läuft, müssen auch neue Pläne berücksichtigt werden, etwa der der Gemeinde, die eine Erweiterung des öffentlichen Parkplatzes anstrebt (wir berichteten). Ein Vorhaben, das so schnell wie möglich in Angriff genommen werden soll. Nicht nur der Geltungsbereich des Bebauungsplans muss entsprechend angepasst werden, sondern es soll auch zwei Teilbereiche geben – einen Teil A, der die gesamte öffentliche Parkfläche inklusive Erweiterung umfasst. „Damit wir schneller bauen können“, erklärte Saur. Teil B ist der restliche Plan, dessen redaktionellen und planerischen Änderungen erst eingearbeitet werden müssen. Noch einmal muss deswegen eine Öffentlichkeits- und Behördenbeteiligung eingeleitet werden. „Und das“, so Saur, „wird sicher noch seine Zeit brauchen.“  grä

 

Süddeutsche Zeitung 01.07.2017

Inning fordert Tempo 30
Von Astrid Becker

Sie wünschen es sich schon lange, die Gemeinden Inning und Herrsching: Tempo 30 auf ihren Ortsdurchfahrten. Weil es sich jedoch in beiden Fällen um Staatsstraßen handelt, wurde dieses Ansinnen bisher von den zuständigen Behörden immer abschlägig behandelt. Neue Nahrung bekommen die alten Wünschen nun jedoch von gleich zwei Beispielen aus der Region: So wurde, zumindest probeweise, in Gräfelfing eine Geschwindigkeitsreduzierung auf 30 Stundenkilometer genehmigt. Und auch die Weßlinger setzen nun einfach einen Tempo 30-Bereich auf ihrer Hauptstraße um.
In Inning wurde nun Gräfelfing ins Feld geführt, um erneut auf eine Tempo 30-Regelung auf der vielbefahrenen Ortsdurchfahrt zu drängen. In der jüngsten Gemeinderatssitzung hatte die SPD-Gemeinderätin Angelika Wenisch die alten Wünsche der Anwohner, zu denen auch sie selbst zählt, wieder thematisiert. Sie beantragte, herauszufinden, warum das, was in Gräfelfing möglich ist, nicht auch in Inning gelten könnte. Dort hatte das zuständige Landratsamt vor kurzem eine Geschwindigkeitsreduzierung auf dem Straßenabschnitt zwischen der Einmündung Großhaderner Straße und Würmtal-/Bahnhofstraße angeordnet und dies mit der Verkehrssicherheit begründet. Zunächst gilt Tempo 30 dort allerdings nur für die Dauer eines Jahres und nur für die Zeit zwischen sechs Uhr morgens und 22 Uhr am Abend. Alle Wünsche der Anwohner wurden damit aber nicht erfüllt: Sie hatten in einer Unterschriftenaktion Tempo 30 vor allem für die Nacht gefordert, weil sie sich vom Straßenlärm massiv gestört fühlten. Weil jedoch nachts die Unfallgefahr geringer eingestuft wird, wurde diesem Wunsch nicht entsprochen. Lärm, so hatte auch die Bürgermeisterin der Gemeinde, Uta Wüst, stets betont, reiche allein nicht aus, um ein Tempolimit von 30 Stundenkilometern zu fordern.
Auch wenn das jetzige Tempolimit in Gräfelfing nur probeweise eingeführt worden ist und auch nur für eine bestimmte Zeit gilt, stellte Angelika Wenisch nun den Antrag, Ähnliches auch für Inning zu fordern. Bislang hatte man dort vor allem Lärm als Grund angeführt, warum ein Tempo 30 auf der Ortsdurchfahrt notwendig ist, die Unfallgefahr beziehungsweise Verkehrssicherheit wurde nicht in den Vordergrund gestellt. Mit diesem Argument jedoch will Inning nun - auf Wenischs Antrag hin - einen erneuten Vorstoß wagen. Bestärkt dürfte sie und auch der gesamte Gemeinderat nun auch vom Beispiel Weßling werden, wo Tempo 30 nun einfach von der Gemeinde selbst angeordnet wird. Das allerdings hat einen anderen Hintergrund: Die einstige Staatsstraße wurde im Zuge des Baus einer Umfahrung zur Gemeindestraße herabgestuft. Theoretisch hat die Kommune nun das Recht, eine derartige Anordnung zu erlassen.
Ob sie allerdings, ohne Mitwirkung des Landratsamts, im Falle von Geschwindigkeitsmessungen rechtlich Bestand hat, muss sich noch zeigen - ebenso, ob Innings neuerlicher Vorstoß für Tempo 30 von Erfolg gekrönt sein wird. Denn nicht nur die hiesige Untere Verkehrsbehörde, sondern auch die Oberste Baubehörde hatte dem Inninger Ansinnen stets eine Absage erteilt.

 

Süddeutsche Zeitung 30.06.2017

Inning  - Beschlüsse stehen künftig im Internet

Auf der Agenda steht es schon länger, nun aber hat der Inninger Gemeinderat mit mehreren Beschlüssen den Weg in modernere Zeiten geebnet. So wird der Bauausschuss nicht mehr nur Empfehlungen aussprechen, sondern darf von Ende September an Beschlüsse fassen. Ebenfalls beschlossen wurde die Einführung eines Ratsinformationssystems im Internet. Dort können Bürger künftig Anträge und Beschlüsse einsehen. Die Gemeinderäte hingegen werden künftig nur mehr dort ihre Sitzungsvorlagen abrufen können. Mit einem Boten zugestellt würden aber weiterhin die Sitzungseinladungen, wie Bürgermeister Walter Bleimaier sagte: "Weil das so vorgeschrieben ist." Alles andere jedoch müssten die Räte sich im Netz selbst herunterladen. Für die Anschaffung eines Tablets zu diesem Zweck hat sich der Gemeinderat daher auch gleich einen Zuschuss in Höhe von einmalig 300 Euro gewährt. Bleimaiers Begründung dafür: "Ein Ehrenamt soll schließlich nicht auch noch Kosten verursachen."

 

Starnberger Merkur 21.06.2017

Fussball-1

SV Inning erstmals in der Bezirksliga
starnberger sportgeschichte(N) - Fußballer vom Ammersee sicherten sich vor 40 Jahren die Meisterschaft der A-Klasse West – Jubiläumsfete am 15. Juli - Von georg ascher

Inning – Darauf konnten sie zu Recht stolz sein: Im Juni 1977 stiegen die Fußballer des SV Inning zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte in die Bezirksliga auf. Die Ammerseer sicherten sich vor 40 Jahren souverän die Meisterschaft der A-Klasse West und holten durch ein 3:1 in Mittenwald (mit Ski-Ass Max Rieger) auch noch den Titel des Zugspitzmeisters nach Inning. Zudem wurde auch die Inninger Reserve Meister.
„Es war eine perfekte Saison“, erinnert sich Helmut Pestinger, Libero und Dreh- und Angelpunkt des Teams. „Pestinger schweißte nicht nur die Abwehr zusammen, sondern erzielte auch noch die meisten Tore des Aufsteigers“, schrieb Sportreporter-Legende August „Gustl“ Mehr in seinem Saisonrückblick im Starnberger Merkur.
Aber nicht nur Pestinger überzeugte in einer Mannschaft, die im berühmt-berüchtigten „Kuchlberg-Stadion“ (ein Platz mit viel Gefälle) eine echte Macht war. Manfred Wander war über viele Jahre hinweg ein absoluter Top-Keeper, Jakob Scheidl wohl einer der besten Fußballer, die es je im Fünfseenland gab, und Sepp Welzmüller ein echtes Schlitzohr. Seine drei Söhne haben das Talent des Vaters geerbt. Josef jun. spielt seit 2014 für Drittliga-Aufsteiger Unterhaching, Maximilian bei Drittligist Aalen und Lukas steht beim SV Mering im Tor. Dazu kam Verteidiger Berni Heck, der aus Herrsching nach Inning gewechselt war: „Der ist 90 Minuten lang die Linie rauf- und runter marschiert“, erzählt Pestinger.
Inning 1977 erstmals in der Bezirksliga, auf Augenhöhe mit dem großen Nachbarn TSV Herrsching – das war der Höhepunkt einer Saison, in der die Mannschaft von Trainer Ernst Herrmann als Favorit gestartet war. Sie füllte diese Rolle perfekt aus: Zweifel an der Meisterschaft gab es nur kurz. Das war nach der 0:2-Niederlage im Spitzenspiel gegen Geltendorf. Pestinger: „Eine bittere Niederlage – und ich habe dabei auch noch einen Elfmeter verschossen.“ Die Pleite gegen den Verfolger war aber nur ein Ausrutscher. Am Ende holte sich das Ammersee-Team den Titel mit fünf Punkten Vorsprung auf Geltendorf.
Trotz Meisterschaft und Aufstieg verabschiedete sich Coach Herrmann am Saisonende vom SV Inning. Er wollte erst mal eine Pause vom Fußball machen, sagte zu seinen Spielern: „Mehr kann ich ohnehin nicht mehr erreichen.“ Sein Nachfolger wurde ein Hochkaräter. Vorstand Josef Maier, ein 1860-Fan mit Leib und Seele, schaffte es, Alfons „Fonsi“ Stemmer, den ehemaligen Libero der Münchner Löwen, an den Ammersee zu holen.
Auch der Verbleib von Pestinger war im Juni vor 40 Jahren noch nicht sicher. „Bei ihm begannen bereits die Sorgen von Abteilungsleiter Ali Leimer“, schrieb Mehr. Aber der Libero blieb noch ein Jahr, half mit, den Klassenerhalt zu sichern.
40 Jahre Bezirksliga-Aufstieg – das wird gefeiert. Die noch lebenden Aktiven, Freunde, Sponsoren und Gönner treffen sich am Samstag, 15. Juli, im „Cafe Huttner“ zur großen Jubiläums-Fete.

 

Starnberger Merkur 03.06.2017

Christine Müller – die Mutter Innings
St. Johannes-Kindergarten - von Michèle Kirner

Inning – „Ihr seid meine Familie“, beantwortete Christine Müller die Frage der Kleinen, ob sie Kinder habe. Und die langjährige Leiterin des katholischen St. Johannes-Kindergartens in Inning hat nachgezählt: Genau 1400 Kinder begleitete sie über die Jahre auf einem Teil ihres Lebensweges. Die heute 63-Jährige war Geburtshelferin der 1975 gegründeten Einrichtung und zog im ersten Schuljahr mit rund 80 Kindern in den Neubau ein – da ist es wie ein Zeichen, dass das Haus, das die Landsbergerin mit österreichischen Wurzeln vom ersten Tag an leitete, jetzt abgerissen und neu gebaut wird.S ie selbst ging vor wenigen Wochen in den Ruhestand.
Beim Interview im Café Huttner vergeht kaum ein Augenblick, in dem die Rentnerin nicht einen ehemaligen Schüler oder Elternteil grüßt. Etwa Ludwig Huttner, der bedient, oder den Teenager, der vorbeirennt und ihr zuwinkt. Es ist dieses Zwischenmenschliche, das ihre Leidenschaft für den Beruf am Brennen hielt, sagt die Erzieherin. Wenn ihr beim Besuch in der Grundschule Hallo-Rufe entgegenhallen und sich zwei Arme vor Freude um sie schließen. Die Bezahlung war nie besonders gut, konstatiert sie. „Ein bisschen Idealismus gehört zu einem sozialen Beruf eben dazu.“
Was hat sich über die Jahre verändert? Sind Helikoptermütter neu? „Die gab’s schon immer.“ Eine habe dem Sohn das Handy in den Kindergarten mit dem Auftrag mitgegeben anzurufen, „wenn wir uns ,nicht richtig‘ verhalten“. Angerufen hat er nie. Friede-Freude-Eierkuchen war es eben nicht immer und mit jedem. „Das zu behaupten, wäre nicht ehrlich.“ Aber die schönen Erinnerungen überwogen. Die Feste, bei denen man lange nach Schluss noch zusammensaß. Oder die Kinder, die nach der Einschulung weiterhin vorbeikamen. Skeptisch sieht sie den Freizeitstress, der seit rund 20 Jahren die Nachmittage vieler Kinder füllt. Dass die Jungen respektloser sind als früher, kann sie allerdings nicht bestätigen. „Man muss klare Grenzen setzen, das respektieren sie immer noch.“
Die Technik allerdings, die unterdessen in fast jedem Kinderzimmer eingezogen ist, bringe eine Sprunghaftigkeit und einen Mangel an Konzentration mit sich. Und: „Wir übernehmen immer mehr Aufgaben der Eltern.“ Bei Problemen setzte sie immer auf das offene Gespräch mit Kindern und Eltern. Das gilt auch in Sachen Integration der Heimatvertriebenen, an der der Kindergarten stark beteiligt ist. „Aus kulturellen Gründen ist das nicht immer einfach.“ Eine Herausforderung etwa sei das Pascha-Dasein der Buben mancher Kulturkreise. „Aber jede Herausforderung ist gleichzeitig eine Bereicherung.“
Spürbar verändert hat sich auch, dass unterdessen zunehmend beide Elternteile berufstätig sind. Das führe dazu, dass inzwischen fast alle Kinder im Haus zu Mittag essen. Apropos Eltern: „Wir haben einen tollen Elternbeirat und viele Aktive“, lobt sie. Das liegt wohl auch an der Leiterin selbst. „Christine konnte die Leute schon immer gut dazu motivieren, sich einzubringen“, weiß Jutta Goebber, die zwei Kinder bei ihr in guten Händen wusste. Mit der Rente „ist jetzt ein Kind aus dem Haus“, sagt Christine Müller.
Jetzt kümmert sie sich um das andere „Kind“: die eigene Mutter, die rund um die Uhr betreut werden muss.

 

Süddeutsche Zeitung 02.06.2017

Treffpunkt Feuerwehr
Von Astrid Becker

Es ist ein wertvolles Kleinod, das die Feuerwehr Buch in ihrer Fahrzeughalle hütet: Zwischen Bierbänken, Grills und Kühlschränken verborgen steht eine historische Saug- und Druckspritze aus dem Jahr 1896. Wertvoll ist sie nicht nur in materieller Hinsicht, sondern auch, weil sie gewissermaßen für die Geschichte der Feuerwehr in dem kleinen Ort steht, der heute zur Gemeinde Inning gehört. Vor 125 Jahren hatte sich dort eine Freiwillige Feuerwehr gegründet. Ihr Jubiläum wollen die Retter am kommenden Wochenende mit ihrem "Bucher Pfingstfest" feiern - samt Löschspritze, die dann noch einmal zum Einsatz kommen wird.
"Freiwillig", dieser Zusatz ist tatsächlich wichtig. Aus einem einfachen Grund: Bis dato hatte es dort, wie in vielen anderen Gemeinden auch, nur eine Pflichtfeuerwehr gegeben. Eine Einrichtung, deren Geschichte bis weit ins Mittelalter zurückgeht und deren Ursprünge sogar bei den Römern zu finden sind. In Buch kann die Existenz einer Pflichtfeuerwehr nur bis ins Jahr 1874 belegt werden. Damals hielt diese Wehr ihre erste Übung ab, deren Resultat offenbar so schlecht ausfiel, dass Nachrüsten geboten war. Jedenfalls wurde erst einmal eine neue Feuerlöschmaschine angeschafft, die in einem Heustadel untergebracht wurde. Etwas anderes gab es damals noch nicht. Erst mit der Umwidmung zur freiwilligen Feuerwehr wurde dann auch ein erstes Feuerwehrhaus gebaut. 18 Quadratmeter war es groß und kostete 481 Mark. Es stand gegenüber der Kapelle und wurde 1931 durch ein größeres Gebäude an der Schlossstraße ersetzt. Ende der 1980er wurde dann ein größeres, damals recht modernes Gebäude gebaut. Dieses war damals sogar so modern, dass der Katastrophenschutz den Buchern eines seiner Fahrzeuge überließ.
Diese Zeiten allerdings sind vorbei. Das Katastrophenschutzfahrzeug ist mittlerweile in Tutzing stationiert, an seiner Stelle stehen derzeit Bierbänke, Kühlschränke und der Grill fürs Fest: "Wir haben uns gedacht, dass der Platz eh frei ist und wir nicht immer alles in den Speicher schleppen müssen", erzählt der jetzige Kommandant Jürgen Aster. Das ist insofern nachvollziehbar, weil die Feuerwehr in den letzten Vorbereitungen für ihr Pfingstfest steht, mit dem sie diesmal auch ihr Jubiläum feiern wollen. Das Fest hat längst Tradition ebenso wie das Weinfest im Herbst, das ebenfalls von der Feuerwehr ausgerichtet wird. "Es gibt ja nichts anderes mehr bei uns", sagt auch Alain Kellner, der Ende der Sechzigerjahre zur Feuerwehr Buch gekommen ist. Früher, so erzählt er, habe es in Buch wenigstens noch eine Wirtschaft gegeben. Doch seit diese verschwunden ist, vor gut 30 Jahren, wie er meint, sei der einzige Treffpunkt im Ort das Feuerwehrhaus.
Doch auch das ist in die Jahre gekommen. Zwei Mitglieder der Feuerwehr haben die Wohnungen bezogen, die dort sind. An einer der beiden Garagen blättert der Putz ab. Die Fenster im sogenannten Schulungsraum im ersten Stock des Gebäudes sind undicht geworden und auch sonst gibt es Sanierungsbedarf. Schon 2013 hatte sich der Gemeinderat darauf verständigt, hier Geld zu investieren. Doch passiert ist bislang nichts. Nun allerdings will die Gemeinde insgesamt 135 000 Euro für die Sanierung des Feuerwehrhauses und des alten Spritzenhauses ausgeben. Wenn man so will, können die Bucher das jetzt als kleines Geburtstagsgeschenk betrachten - ebenso wie das neue Alarmierungssystem, das sie sich wünschen. Bürgermeister Walter Bleimaier, der selbst viele Jahre aktiv bei der Feuerwehr war, hat so ein neues System bereits in Aussicht gestellt, allerdings betont, er wolle, dass sich die Feuerwehrler in Inning und Buch auf dieselbe Ausstattung einigten.
Wenn Alain Kellner das hört, muss er ein bisschen schmunzeln. Natürlich freuen ihn solche Nachrichten, aber er erinnert sich auch an seine Anfänge bei der Feuerwehr Ende der Sechzigerjahre. Damals, so sagt er, seien eigene Gummistiefel die wichtigste Ausrüstung gewesen. Atemschutzgeräte, wasserabweisende Uniformen, Schutzanzüge oder dergleichen habe es nicht gegeben. Auch noch keine Begegnungen auf "Augenhöhe", wie er sagt: "Damals gab es strenge Hierarchien, der Kommandant hat befohlen und man hat gespurt." Das ist mittlerweile Vergangenheit.
Jürgen Aster, der nun die Feuerwehr führt, sagt gern Bitte und Danke, er greift auch selbst zu und beschränkt sich nicht darauf, nur anderen anzuschaffen, was zu tun ist: "Das ist mir wichtig", sagt der 45-Jährige, der selbst seit 31 Jahren bei der Bucher Wehr ist. Er ist auch stolz auf die Jugendfeuerwehr, die es seit 35 Jahren gibt. Ein Jubiläum, das ebenfalls am Wochenende gefeiert werden soll. Und stolz ist er auch auf die Frauen, die ebenfalls seit dieser Zeit in die Feuerwehr eintreten können. Auch Kellner findet das gut. Seine Frau Hannelore hatte das schon vor 40 Jahren zusammen mit einer Freundin versucht, damals allerdings noch vergeblich.

Bucher Pfingstfest

Die Bucher "Blaulicht-Bar" ist längst legendär und, wenn man so will, fester Bestandteil im gesellschaftlichen und sozialen Leben des Inninger Ortsteils. Wenn die Bucher Feuerwehr am Wochenende ihr Pfingstfest und damit ihr Jubiläum feiert, darf sie nicht fehlen. So wird sie bei der "Feier-Night" am Samstag, 3. Juni, wieder geöffnet sein. Los geht es aber zunächst um 17 Uhr mit einer Stärkung am Grill, Partystimmung bis tief in die Nacht verspricht die Feuerwehr dann von 20 Uhr mit der Liveband "Flörb Crew". Der Pfingstsonntag, 4. Juni, wird dann etwas ruhiger und traditioneller: Nach einem Frühschoppen mit Weißwürsten um 9 Uhr bewegt sich ein kleiner Festzug in Richtung Kirche zum Festgottesdienst mit der Blaskapelle Inning um 10 Uhr. Mittags wird wieder gegrillt, am Nachmittag,gegen 14 Uhr, steht dann eine historische Löschvorführung mit der Saug- und Druckspritze aus dem Jahre 1896 auf den Programm. Zudem zeigt die Jugendfeuerwehr, was sie kann. Besucher können sich darüber hinaus noch über die Arbeit der Feuerwehr, ihre Geräte und ihre Fahrzeuge informieren. abec

 

Starnberger Merkur 01.06.2017

Gewerbesteuer kann auch weh tun
Haushalt - Gemeinde Inning rüstet sich für Zukunft mit 2,9 Millionen Euro Kredit

Inning – Es ist eine ökonomische Weisheit, dass nur der, der investiert, sich nach vorne bewegt. Als ehemaliger Banker kennt Innings Bürgermeister Walter Bleimaier sich auf diesem Gebiet aus und ist deshalb nicht bange, Geld in die Hand zu nehmen. In diesem Jahr sind es 2,9 Millionen Euro, die als Kreditaufnahme im aktuellen Haushalt vermerkt sind. Das 316 Seiten umfassende Druckwerk wurde am Dienstag vom Gemeinderat einstimmig verabschiedet.
Kämmererin Silke Krause hatte ein leichtes Spiel. Der Etat war in langen Finanzausschuss-Sitzungen gut vorberaten worden, so dass auch der Kredit nicht mehr zur Diskussion stand. „Vielleicht brauchen wir den Betrag auch nicht, denn wir sind gerade gut aufgestellt“, meinte die Finanzfachfrau. Es gibt auch noch Erspartes in Höhe von rund 3,9 Millionen Euro. Das könnte ein Grund sein, den Kredit nicht zu benötigen, ein anderer, dass die Grundstücksverhandlungen scheitern für Flächen, die die Gemeinde erwerben möchte. Am Rande der Sitzung nannte Bleimaier Projekte dafür beim Namen, wie einen neuen Fußballplatz oder den Bau eines Mehrgenerationenhaus.
Das größte Minus ist ein Defizit im Bereich Kinderbetreuung. 781 000 Euro muss die Gemeinde Inning dafür im laufenden Jahr berappen. Die Einnahmequelle, die der Gemeinde zurzeit am meisten Freude bereitet, ist die Gewerbesteuer. Bereits aktuell liege das Aufkommen bei 5 Millionen Euro, so Silke Krause. In den Vorjahren waren es maximal 2,5 Millionen Euro. Allerdings lässt die Kämmererin in ihrer Zusammenfassung eine Warnung durchklingen: Die Mehreinnahmen stammen auch aus der Festsetzung von Vorauszahlungen in Millionenhöhe eines einzigen Betriebes. Auf Kontinuität sollte die Gemeinde nicht vertrauen. Vorauszahlungen müssten gegebenenfalls auch zurückgezahlt werden. Für 2017 werden deshalb rund 2 Millionen Euro für diesen Fall zurückgelegt.  grä

 

Energetisch, bezahlbar und ganz kommunal

Buch – Die Gemeinde Inning will Vorreiter sein, was die Schaffung bezahlbaren Wohnraums betrifft, darum baut sie selbst. „Wir wollen in Buch Wohnraum für unsere Leute zur Verfügung stellen“, sagt Bürgermeister Walter Bleimaier. Am Dienstag wurden erste Details der Planung im Gemeinderat besprochen. Schon bald soll es losgehen. Vor Frühjahr 2019 rechnet Bleimaier trotzdem nicht mit einer Fertigstellung.
Der Freistaat unterstützt die Maßnahme mit dem Kommunalen Wohnraumförderungsprogramm, darum wollen die Inninger nicht zögern. Das Grundstück für dieses Projekt befindet sich in Buch (wir berichteten). Zwei versetzte Baukörper, die über einen Glasbau miteinander verbunden sind, sollen an der Schlossstraße entstehen mit insgesamt neun Wohneinheiten zur Vermietung.
„Eine klassische Architektur mit modernen Elementen und angepasst an die Umgebung“, erklärte Architekt Stefan Schmid. Die Räte nehmen für mehr Fläche in Kauf, dass eines der beiden Gebäude ein paar Zentimeter geplant, nämlich rund 50 bis 60, weiter in die Höhe ragt. Durch diese Erhöhung des Kniestocks wird Fläche gewonnen. Ohne gäbe es nur acht Wohneinheiten. Mehrkosten: 60 000 Euro. „Das ist relativ wenig Geld für viel mehr Platz“, so Schmid.
Großes Lob erhielten Schmid und sein Kollege Christoph Westermair von Angelika Wenisch, der Inklusionsbeauftragten im Gemeinderat. Denn Barrierefreiheit stand bei der Planung ganz oben – ob Schalterhöhe, Türenbreite oder die Möglichkeit, nachträglich einen Aufzug einbauen zu können. Sie hatte eine Liste an Fragen vorbereitet, die alle berücksichtigt wurden.
Auch Monika Schüßler-Kafka (FW) und Barbara Wanzke (Grüne) waren begeistert. Am Dienstag ging es bereits um Entscheidungen über die Technik und Material. Mehr als eine Stunde ließ sich das Gremium am Dienstag informieren. Das lag vor allem daran, dass die Wohnungen energetisch auf dem neuesten Stand sein sollen, aber doch mit unkomplizierter Technik versehen. Denn die große Frage war, kann oder wird der Mieter mit komplizierter Technik umsichtig umgehen, ohne dass er kontrolliert werden muss?
Die Räte entschieden sich für eine zentrale Lüftungsanlage, ebenso verhält es sich beim Warmwasser und mit der zentralen Frischwasserstation. Geheizt werden soll über eine Wärmepumpe plus Gas-Brennwertkessel. Ausgesucht wurde zudem das Wandmaterial: gefüllter Ziegelstein. Die Kostenschätzung der Architekten lautet 1,82 Millionen Euro, ohne technik 1,35 Millionen Euro.  grä

 

Stegen soll zum Flanieren einladen
Verkehr - Mit anstehender Beruhigung fallen Kfz-Stellflächen weg – Gemeinde plant dafür neuen Parkplatz
VON ANDREA GRÄPEL

Stegen – In dem kleinen Inninger Ortsteil Stegen tut sich jede Menge, damit sich die vielen Besucher von Gastronomie, Schifffahrt und Badegelände dort wohler fühlen. Das Konzept für eine Verkehrsberuhigung ist bereits beschlossen. Nun steht eine Erweiterung der Parkflächen im Nordosten an. Bürgermeister Walter Bleimaier will auf diese Weise gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: den jahrelangen Streit der Tennishallen-Nutzer mit der Familie Steinle beilegen, über deren Grund die Zufahrt noch erfolgt, und alternative Parkpläte schaffen, denn mit der Verkehrsberuhigung fallen eine Reihe von Stellflächen entlang der Landsberger Straße weg. Zusätzlich zu den bestehenden rund 160 Plätzen auf dem großen Gemeindeparkplatz sollen nun weitere 135 entstehen plus fünf Behindertenparkplätze und 22 abgetrennte Stellflächen für die Autos der Tennisspieler.
„Ich werde alles dafür tun, damit wir heuer noch mit dem Bau anfangen können“, sagt Bleimaier am Tag nach der Sitzung. Die Grundstücksverhandlungen für die 5400 Quadratmeter große Fläche, die derzeit als Koppel genutzt wird, seien soweit fortgeschritten, das dies machbar sei. Die Erschließung soll über den bestehenden Parkplatz erfolgen. Möglichst als Einbahnregelung, aber dafür bräuchte es eine Ausfahrt von der Staatsstraße aus. Wie weit das möglich ist, will die Verwaltung nun prüfen, denn in diesem Fall hätte auch das Staatliche Bauamt ein Wörtchen mitzureden. Zum einen gibt es nicht weit entfernt bereits eine Zufahrt zu dem bestehenden Behelfsparklatz. „Kurze Abstände sind nicht gern gesehen.“ Zum anderen weiß der Bürgermeister, dass dies „unheimlich teuer wird“.
Das Staatliche Bauamt verlange 70 Prozent der Kosten für den künftigen Unterhalt im Voraus. „Das ist fast doppelt so teuer wie normal“, sagt Bleimaier. Allerdings könnte dann die Einbahnregelung eingehalten und die Durchfahrt für Rettungsdienste erleichtert werden – für den Fall der Fälle. Eine Alternative wäre die Zufahrt über den bestehenden Fußweg, auf was sich der Gemeinderat in früheren Jahren nicht einigen konnte. „Aber wir lassen das prüfen“, so Bleimaier.
Die Kosten für das Vorhaben wurden noch nicht ermittelt. In der Gemeinderatssitzung am Dienstag ging es zunächst um die dafür notwendige Erweiterung des Bebauungsplangebietes Stegen. Thomas Bauer (CSU) hatte das Vorhaben nicht so groß in Erinnerung und war etwas erschrocken: „Verträgt das Stegen?“ Aber Bleimaier war sicher, „wenn die Straße erneuert wird, dann brauchen wir den Platz“. Die Ausdehnung des Geltungsbereichs wurde einstimmig abgesegnet.

 

Starnberger Merkur 19.05.2017

Erster Personalrat nimmt Arbeit auf
Mitarbeiter der Gemeinde Inning wählen ein eigenes Gremium

Inning – Außer einem neuen geschäftsleitenden Beamten gibt es in Inning nun auch einen Personalrat. Die Mitarbeiter der Gemeinde Inning haben ein solches Gremium erstmals gewählt. Zur Wahl standen im Februar fünf Mitarbeiter aus Gemeindeverwaltung, Bauhof und Kindergarten. Am Mittwoch wurde der Personalrat eingeführt. Bürgermeister Walter Bleimaier freute sich und gratulierte herzlich. „Ich freue mich auf eine gute Zusammenarbeit, so dass wir auch künftig ein angenehmes Arbeitsklima weiterführen können“, so Bleimaier.
Der Personalrat setzt sich zusammen aus Katharina Schmölz (Kindergarten), Robert Mayr (Bauhof) und Konrad Meichelböck (Bauamt). Kämmerin Silke Krause, die die Wahl geleitet hatte, bedankte sich bei allen Mitarbeitern und wünschte dem Personalrat gutes Gelingen in seinem Wirken. An den offiziellen Teil schloss sich sogleich die erste konstituierende Sitzung an.  mm

 

 

Edelmann spendiert Dienstfahrzeug
Nachbarschaftshilfe Inning - Jahresversammlung mit neuen Rekordzahlen: 243 Essen pro Tag aus der NBH-Küche
VON ULi Singer

Inning – Die Nachbarschaftshilfe Inning gehört zu den größten Arbeitergebern am Ort, lobte Bürgermeister Walter Bleimaier am Mittwoch. Aber es war einmal mehr Dr. Max Edelmann, der bei der Jahresversammlung der Nachbarschaftshilfe für eine Überraschung sorgte. Denn bevor der umtriebige Inninger sein Amt als Wahlleiter wahrnahm, eröffnete er vor rund 80 Besuchern, die Kosten für einen neuen Opel zu übernehmen. Ein weiteres Fahrzeug, das angesichts der zunehmenden Dienste dringend notwendig wird, freute sich Vorsitzende Gabriele Kaller.
Ihr Rechenschaftsbericht 2016 dauerte exakt 77 Minuten. „Es war ein sehr arbeitsintensives Jahr, in dem auch viele Entscheidungen getroffen wurden“, sagte Kaller. Unter anderem leisteten 21 examinierte Fachkräfte 9250 bezahlte Stunden, um den ambulanten Pflegedienst am Laufen zu halten. Schwerpunkt sei außerdem die Tagespflege. Das Angebot für ältere Menschen, die auf pflegerische Hilfe und Betreuung angewiesen sind, ist von Montag bis Freitag und an zwei Samstagen im Monat jeweils von 9 bis 16 Uhr geöffnet. „Wir betreuen täglich zehn Gäste, die von unserem Begleitdienst abgeholt und nach Haus gebracht werden. Acht Fahrer stellen diesen Dienst zuverlässig sicher.“ Bei der Tagespflege sind elf Pflegekräfte und darüber hinaus fünf ehrenamtliche Demenzhelfer beschäftigt.
Beeindruckend hörte sich außerdem der „Küchenbericht“ an. „Unser fünfköpfiges Team hat sich wieder einmal gesteigert“, betonte Kaller. „Sie haben das Jahr über 44 363 Essen gekocht. Das sind durchschnittlich 243 Essen pro Tag und insgesamt 2270 Essen mehr als im Vorjahr.“ In den Genuss der täglich frisch gekochten Menüs kommen Schul-, Hort- und Kindergartenkinder, die mittags versorgt werden. Insgesamt waren es 36 351 Essen, die ausgegeben wurden. 2990 Essen gingen zugunsten des Mittagstisches für Senioren. Für Essen auf Räder waren es 4731 Mahlzeiten. Weitere Angebote sind unter anderem diverse Beratungseinrichtungen, Helferkreis Asyl, Kinderhort, Ferienprogramm, Kaffeenachmittage, Stammtische und die Wunschbox für Senioren und Familien.
„Seit 2010 gibt es nun die Wunschbox, die von Sabina Eisenmann initiiert und betreut wird. Seither konnten wir dank großzügiger Spenden einiges an Not, die es auch in Inning gibt, lindern und auch Freude bereiten“, sagte Kaller.
Insgesamt leistete die Nachbarschaftshilfe 45 000 bezahlte Arbeitsstunden und rund 8000 Stunden, die ehrenamtlich zu Buche schlagen. Der Verein zählt 553 Mitglieder. Die Einnahmen gab Schatzmeisterin Gabriele Kölbl mit 1,2 Millionen Euro an. Die Ausgaben beliefen sich auf rund 1,1 Millionen Euro. „Das ist sehr erfreulich, aber wir brauchen das finanzielle Polster, weil wir viele Mitarbeiter haben und der Lohn auch dann gesichert sein muss, wenn es mal nicht so gut aussieht“, erklärte Kaller. Die Kommune steuert pro Einwohner 36 Cent und die kostenlose Überlassung des Domizils am Enzenhofer Weg bei. Wer sich bei der Nachbarschaftshilfe engagieren will, kann sich im Internet unter www.nachbarschaftshilfe-inning.de informieren.

 

Starnberger Merkur 11.05.2017

Der Beginn einer kleinen Tradition

Anja Wagatha als Sprecherin des Helferkreises Asyl der Nachbarschaftshilfe Inning nannte es am Dienstag den Beginn einer kleinen Tradition, denn zum zweiten Mal fand im Haus der Vereine ein Integrationsfest statt. Ein Fest voller Herzlichkeit, bei dem sich mit jedem Besucher das Buffet füllte. Alle hatten gekocht, gebacken und angerichtet, so dass sich ein ebenso internationales wie köstliches Allerlei darbot und für viel Gesprächsstoff sorgte.
Das alles rechtzeitig vor dem Ramadan. Der Fastenmonat beginnt am 24. Mai. „Deswegen ist das Fest in diesem Jahr so früh“, erklärt Anja Wagatha. Denn Ramadan heißt Verzicht – und 19 Stunden am Tag weder Essen noch Trinken. „Auch nicht rauchen oder küssen“, erklärt Rasoul Ataji mit einem Lächeln. In der Zeit des Ramadans dürfe erst ab 21.30 Uhr gegessen und getrunken werden – bis 2 Uhr nachts. Das erklärte die müden Geister, mit denen die ehrenamtlichen Deutschlehrer schon im vergangenen Jahr zu kämpfen hatten. Darauf werden sie in diesem Jahr vorbereitet sein.
Der 26-jährige Afghane Rasoul ist einer von zurzeit etwas mehr als 80 Bewohnern in der Containeranlage am Sportgelände. Es gibt viele Familien wie die Okhirias (siehe oben) darunter. Innerhalb von 18 Monaten hat der junge Afghane so gut Deutsch sprechen gelernt, dass er in diesem Jahr neben Anja Wagatha auf der Bühne stehen konnte und sich – liebenswert aufgeregt – in aller Form und im Namen aller bei den Helfern bedanken.
Helferkreis und Flüchtlinge sind im Laufe der vielen Monate eng zusammengewachsen. „Natürlich wird es nicht einfacher, wenn man sich schon so gut kennt“, sagt auch Sabina Eisenmann. Die Geschichten berühren und gehen nahe. Wenn Mitstreiter wie sie dann einmal Gelegenheit haben, für kurze Zeit Urlaub zu machen, haben sie sich das redlich verdient, um Energie zu tanken.
Rund 120 Menschen kamen diesmal im Saal des Spectacel zusammen zu einem geselligen Miteinander. Auch die Pfarrer waren da und hatten viel Spaß, Pfarrer Dr. Konrad Wierzejewski und seine evangelische Amtskollegin Susanne Parche. Es wurde viel geratscht und gelacht und die Kinder, die dabei waren, freuten sich an den „Zwiderwurzn“, einer Blaskapelle aus Wörthsee, die kurzfristig bereit war, aufzuspielen.  grä

 

Ein Pate der Herzen
Asyl - Hans Dellinger aus Inning ist Pate und Taufpate zugleich – Für Okhirias ist der „Vater in Deutschland“
von Michèle Kirner

Inning – „Kadang-Kadang bedeutet langsam-langsam“, übersetzt Sylvester Okhiria und lacht. Dabei wirft er Hans Dellinger einen verschmitzten Blick zu. Dellinger ist Pate, also persönlicher Begleiter, der nigerianischen Familie, lebte mit seiner Frau selbst vier Jahre in Nigeria und spricht ein paar Brocken der Landessprache. Er ist auch Taufpate des kleinen Meraco, der strahlend auf dem Schoß seiner Mutter Happy Abude sitzt. Happy, das bedeutet „glücklich“. Das Glück jedoch ließ erstmal auf sich warten.
Verstärkt durch die Schrecken der Flucht, fiel die 38-jährige Mutter nach der Geburt in eine Wochenbettdepression. Es sind Erinnerungen an die Überfahrt in einem hoffnungslos überfüllten Holzkahn, in dem das Paar Tage lang, den Launen der Natur ausgesetzt, über das Mittelmeer trieb. Rechts und links stürzten Menschen über die Reling, erzählt Sylvester. Sie überlebten, das Trauma ist geblieben. Es holte Happy nach der Geburt ein. Danach begann eine Odyssee von Krankenhaus zu Krankenhaus. Dellinger kutschierte Vater und Sohn zur Mutter. Die Taufpatenschaft hatte er sich vermutlich anders vorgestellt, als er am Karsamstag vor einem Jahr in Innings katholischer Kirche das kleine Bündel Glück im Arm hielt, dem der Pfarrer mit Weihwasser ein Kreuz auf die Stirn malte. Statt Ausflüge in den Zoo oder an den See waren es Fahrten ins Krankenhaus, die das Zusammensein bestimmten.
Er ist „our father in Germany“, beschreibt der Nigerianer die Rolle des 64-Jährigen und wirkt dabei ehrlich dankbar – und nachdenklich. „Ich weiß gar nicht, wie ich ihm dafür danken kann, was er alles für uns getan hat.“ Für Dellinger ist das Engagement selbstverständlich: „Die Verantwortung für den Kleinen ist gekoppelt mit der Familie.“ Rührend habe sich Sylvester um den Kleinen gekümmert, während die Mutter krank war. Allerdings musste der Mann, der in seiner Heimat den Lebensunterhalt als Künstler verdiente, seine Arbeit aufgeben. Auch Deutschkurse seien in der Zeit nicht möglich gewesen. Zur ersten Geburtsfeier kam Happy vorübergehend heim.
Als in Inning ein Zirkus gastierte, hatte Dellinger Gelegenheit mit seinem Patenkind an der einen und der Enkelin an der anderen Hand eine Vorstellung zu besuchen. Und Weihnachten kaufte er der Familie eine Ziege. Es sind unbeschwerte Augenblicke wie diese, die die schönen Erinnerungen an seine Zeit in Nigeria zurückbringen. Die Rückkehr nach Deutschland war damals vernunftgesteuert, kam nicht aus dem Herzen. „Wenn man zu lange bleibt, kehrt man nicht zurück.“ Ginge es nach ihrem Herzen, würden Sylvester und Happy in Inning bleiben. Die Aussichten seien aber gering, bedauert Dellinger. „Sie hatten noch nicht einmal eine Anhörung.“ Was, wenn sie wegmüssen? Daran denkt er noch nicht – aber wenn der Bayer etwas in Nigeria gelernt hat, dann ist es Geduld. Kadang-Kadang.
Unterdessen ist Happy wieder ganz zu Hause und Sylvester arbeitet auf dem Bauhof, während sich der Kleine in der Krabbelgruppe sichtlich wohlfühlt. Und am Marktsonntag plant Sylvester bei den Live-Kickern ein Match. Die Familie strahlt übers ganze Gesicht. Ansteckende Lebensfreude, allen Widrigkeiten zum Trotz, ist das – ganz nach dem Motto „Kadang-Kadang“.

 

Süddeutsche Zeitung 10.05.2017

Kälte setzt Straßen zu
Von Wolfgang Prochaska

Ob in der Brucker Straße in Gilching, in der Münchner Straße in Inning oder in der Gautinger Straße in Oberpfaffenhofen: Der zurückliegende Winter hat den Fahrbahnen äußerst zugesetzt. Aus Hauptstraßen sind Schlaglochpisten geworden. Mehr als 70 Schadstellen hat das Staatliche Bauamt Weilheim gezählt. "Das sind überdurchschnittlich viele Frostaufbrüche", meinte Christian Probst vom Weilheimer Bauamt, der für den Landkreis Starnberg zuständig ist.
An diesem Mittwoch beginnt seine Behörde mit der Ausbesserung der Fahrbahn in der Münchner Straße in Inning. In diesem Jahr werden für eine halbe Million Euro noch die Ammerseestraße in Gauting, die Brucker Straße in Gilching, die Gautinger Straße in Oberpfaffenhofen, die Starnberger Straße in Drößling, die Garatshauser Straße in Traubing und die Marienstraße in Aufkirchen repariert. Dabei wird der kaputte Belag großräumig rausgefräst und das Stück Straße in seiner Beschaffenheit neu aufgebaut. Dass die Zahl der Frostaufbrüche heuer so hoch ist, führt Probst auf die schnelle Tauwetter-Phase Ende Januar zurück. "Da ist die Temperatur fast über Nacht von minus 20 Grad auf plus drei Grad angestiegen." Nicht gut für den Asphalt. Besonders übel schaut es in der Brucker Straße in Gilching aus.
Eigentlich müsste dieser Abschnitt der Gilchinger Ortsdurchfahrt von Grund auf saniert werden, die Straßenbauer richten aber nur die Schadstellen, da die Brucker Straße bei Fertigstellung der Westumfahrung von Gilching zur Gemeindestraße abgestuft werden soll. In Gauting hingegen ist man seit Monaten dabei, die Ortsdurchfahrt zu sanieren. Ende Mai werden die Bauarbeiten am Münchner Berg beginnen; 2018 wird die Fahrbahn am Hauptplatz erneuert und ein Jahr später, also 2019, die Ammerseestraße, über deren Zustand Probst sagt: "Äußerst schlecht."
Eine "heiße Nummer", so der Straßenbauer, wird auch die Sanierung der Hauptstraße in Tutzing. Das soll im nächsten Jahr passieren. "Die Hauptstraße ist lang, und eine ordentliche Umleitungsstrecke nicht möglich." Man müsse während der Verkehrszeiten bauen. Die Ortsdurchfahrt Inning erhält dann 2019 eine neue Fahrbahn. Dazu kommen noch die Straßenabschnitte nördlich von Wangen und von Wangen bis zur Landkreisgrenze, die alle eine neue Fahrbahndecke erhalten. Hier nutzt das Staatliche Bauamt die Baupause auf der Garmischer Autobahn. Erst 2018 soll die Brücke am Starnberger Dreieck erneuert werden. Dann wird die Wangener Straße wieder als Umleitungsstrecke gebraucht. Die Straßenbauer haben in den kommenden Jahren also viel zu tun im Landkreis Starnberg.
Denn außer den Staatsstraßen müssen sie auch noch das Großprojekt Starnberger Tunnel stemmen. Das Vorhaben beschäftigt sie schon jetzt gründlich, da die Grundstücksverhandlungen, um die es derzeit geht, nicht ganz einfach sind, berichtet Probst. "Man sieht zwar noch nichts, aber wir arbeiten intensiv am Tunnel." Im Frühjahr des nächsten Jahres soll es mit den Bauarbeiten spätestens losgehen. Den Startschuss dazu gab der Starnberger Stadtrat in seiner Marathon-Sitzung im Februar. Erst um Mitternacht fiel die Entscheidung pro Tunnel.

 

Starnberger Merkur 05.05.2017

Inning Stegen - Aktuelles in Kürze

Inning - Gerangel mit kaputter Flasche

Die Polizei erreichte am Mittwochabend der Notruf: Schlägerei mit mehreren Personen auf der Herrschinger Straße in Inning. Entsprechend gut besetzt, mit mehreren Streifen, eilten die Beamten an den Ort des Geschehens. Angetroffen wurde dort nur ein 28-jähriger Inninger, der einen offensichtlich verwirrten Flüchtling (30), der eigentlich im Landkreis Weilheim-Schongau untergebracht ist, davon abhalten wollte, sich etwas mit einer zerbrochenen Bierflasche anzutun. Der 28-Jährige wurde dabei nicht verletzt, aber seine Kleidung beschädigt. Den 30-jährigen Flüchtling aus Afghanistan fand die Polizei wenig später im seichten Wasser des Ammersees in Stegen. Ob er sich dort nur das Blut abwaschen wollte, weil er sich verletzt hatte, oder andere Absichten hatte, ist nicht bekannt. Der Mann wurde nach ärztlicher Versorgung in eine psychiatrische Einrichtung eingeliefert.  grä

Stegen - Kontrollen am Badegelände
„Wir haben jede Woche Beschwerden über freilaufende Hunde“, berichtete Bürgermeister Walter Bleimaier in der jüngsten Inninger Ratssitzung. Um auch diesem Problem Herr zu werden wurden im vergangenen Jahr Sicherheitsleute eingesetzt, die sich immer an den Wochenenden am Badegelände in Stegen aufhielten und unter anderem auch darauf achteten, dass die Hunde angeleint sind. „Das hat sich bewährt“, fand Bleimaier. Auch Sibylle Gerhardt (Grüne), die sich regelmäßig dort aufhielt, fand, dass das gut funktionierte. Das Dießener Unternehmen, das die Sicherheitsleute stellt, bekommt deshalb für dieses Jahr wieder einen Auftrag, an den Wochenenden nach dem Rechten zu schauen. „Im letzten Jahr haben wir 8000 Euro bezahlt und mussten 780 Euro drüber gehen“, so Bleimaier. Für dieses Jahr werden deshalb gleich 9000 Euro bereitgestellt. Das kann alles noch in den Haushalt für das laufende Jahr eingearbeitet werden, der ist in Inning im Gegensatz zu allen anderen Landkreisgemeinden nämlich noch nicht verabschiedet worden.  grä

 

Leben mit dem Biber - Inninger Bach

Inning – Es gib Menschen wie den Inninger Landwirt und CSU-Gemeinderat Andreas Diethelm, der Biber am liebsten abgeschossen sähe. In diesem Sinne hat er sich in der jüngsten Gemeinderatssitzung jedenfalls geäußert. Es gibt aber auch andere, die sich freuen, dass der Biber in das Fünfseenland zurückgekehrt sind. Im Landkreis Starnberg wurden dafür Biberberater eingesetzt – mittlerweile gibt es sieben an der Zahl. Ziel ist es, mit dem Biber, seinen Bauten und seinem Baumverbiss umzugehen und zu leben. Das wollen auch die Inninger – am Ende sogar Diethelm, der kurz über eine Enthaltung bei der Abstimmung sinnierte. Er stimmte am Dienstag dann aber ebenfalls zu, den Biberdamm im Inninger Bach, nördlich vom Katzenbach nicht niederzureißen, sondern eine Drainage durchzuführen.
Im Norden von Inning hat sich der Biber sein Zuhause eingerichtet. Unweit vom Bau hat er im Inninger Bach den Damm aufgeschoben. Der Staukörper sorgt natürlich für durchnässte Wiesen im angrenzenden Bereich. Guter Rat ist diesmal gar nicht teuer. Wie Bürgermeister Walter Bleimaier seinen Räten erklärte, koste das nicht mehr als 350 Euro und die Arbeitszeit der Gemeindearbeiter, denn die Maßnahme könne durch den Bauhof erfolgen: der Einbau einer Drainage, durch die das rückgestaute Wasser abfließen kann. Ein ordinäres Abflussrohr reiche dafür aus. Und die Lösung sei dauerhaft, sei dem Bürgermeister von den Kreis-Naturschutzexperten versichert worden.
Bleimaier hat sich die Situation genau erläutern lassen. „Man kann den Damm immer wieder niederreißen“, erklärte er, „dann kommt der Biber aber nächste Woche wieder und baut von vorn los.“ Man könne auch den einen Biber umsiedeln, dann komme aber der nächste und sage: „Ist schön hier.“ Man könnte angesichts dieser Beschreibung von einem Dilemma sprechen, „aber es ist gar nicht so schlimm“, so Bleimaier. In Absprache mit der Unteren Naturschutzbehörde sei die Lösung mit einer Drainage durch den Damm und eine Absperrung davor langfristig. „Es muss halt immer nachgeschaut werden, damit das Rohr nicht verstopft“, meinte der Rathauschef.
Einstimmig stimmte das Gremium der Installation einer Drainage durch den Bauhof am Ende zu. Die Maßnahme soll von dem für Inning zuständigen Biberberater Franz Wimmer fachlich begleitet werden. Außerdem wurde einer regelmäßigen Kontrolle zugestimmt, die nach Aussage der Experten einmal wöchentlich notwendig sei, so Bleimaier.  grä

 

Starnberger Merkur 04.05.2017

Der neue Mann im alten Bürgermeisterzimmer
Rathaus-Geschäftsleitung

BGM-Hafner-170504Inning – Mit der digitalen Kommunalverwaltung kennt er sich aus, sie wird das Erste sein, was Jürgen Hafner im Rathaus Inning vorantreibt. Der Gemeinderat stimmte der Einführung von Ratsinformationssystem und gesamtdigitaler Archivierung am Dienstag zu. Die Entscheidung freute den 59-Jährigen an seinem offiziell ersten Arbeitstag mit der ersten Sitzung für Hafner als neuem geschäftsleitenden Beamten in der Ammerseegemeinde.
„Die Chemie stimmt“, sagt Hafner. Das habe er schon beim Vorstellungsgespräch gemerkt. Der neue geschäftsleitende Beamte war vorher stellvertretender Amtsleiter in der Verwaltungsgemeinschaft Prittriching im Landkreis Landsberg . Eine kleine Gemeinschaft mit zwei noch kleineren Gemeinden. Wohnhaft ist Hafner in Weil, wo er auch seit 2008 im Gemeinderat vertreten ist. „Es wird zu Überschneidungen kommen“, weiß Hafner. Das Problem hatte er schon vorher, konnte es aber miteinander vereinbaren. „Man muss das beobachten.“ Zur Not müsse das Ehrenamt zurückstecken, schließlich sei ihm bewusst, dass er sich als geschäftsleitender Beamter von den gewohnt festen Arbeitszeiten verabschieden müsse. Nachdem seine drei Buben (15, 18 und 21 Jahre alt) groß genug sind, habe er diese Chance eines Neubeginns bewusst ergriffen.
Die Inninger Kollegen hatte Hafner bereits bei der jüngsten Personalversammlung kennen gelernt, zu der auch er eingeladen war. „Meinen Einstand muss ich aber noch nachholen“, gesteht er. Wohl fühlt er sich in seinem neuen Büro, im alten Bürgermeisterzimmer im Altbau, trotzdem schon.  grä

 

Starnberger Merkur 03.05.2017

maibaumklau 2017

Diebstahl auf den letzten Drücker
Brauchtum - Inninger Landjugend klaut erst Maibaum und stellt ihn wenige Stunden später mit Grafrathern auf
Von ANDREA GRÄPEL und Andreas Daschner

Inning/Grafrath – Seit vier Jahren halten die Inninger Ausschau nach einem Maibaum, den sie stehlen könnten. In diesem Jahr ist es ihnen gelungen. Auf den letzten Drücker. Denn was die Inninger nicht wussten: Als sie den Unteraltinger Baum in der Nacht von Samstag auf Sonntag auf den Schultern aus dem Grafrather Ortsteil schleppten, hatten sie keine Ahnung, dass der Baum schon wenige Stunden später am 30. April aufgestellt werden sollte. Als die Inninger davon erfuhren – bereits auf dem Weg Richtung Ammersee – ließen sie es sich trotzdem nicht nehmen, das Stangerl nach Inning zu bringen. Eine Stunde ruhten sie sich aus und brachten es daraufhin nicht nur pünktlich zurück, sondern halfen auch beim Aufstellen.
Die Wettervorhersage für den 1. Mai sorgte dafür, dass die Grafrather Trachtler „D’Ampertaler“ das Maibaumaufstellen in Unteralting kurzfristig um einen Tag vorverlegten. Eine Nachricht, die über soziale Netzwerke verbreitet wurde. Allerdings mussten die Grafrather Trachtler am Morgen des 30. April erst einmal einen Schrecken verkraften. Denn die Inninger Landjugend hatte den Baum schon eine ganze Weile observiert. Als sie mitbekamen, dass sich die letzte Wache kurz nach 4 Uhr aufs Ohr legte, war der Maibaum quasi schon weg. Nur zehn Minuten später hatten sich 19 Inninger auf den Weg gemacht. Das wird besonders den Chef der Trachtler wurmen, denn Thomas Mayr war es, der sich vor dem anstrengenden Tag noch ein bisschen ausruhen wollte. Anstrengend wurde der Tag nun allerdings auch für die Inninger.
„Wir haben den Baum auf den Schultern zum Ortsschild getragen“, erzählt Gerhard Spitz (37). „Das war ganz schön hart“, aber auch notwendig, um sich in Sicherheit zu wiegen. Denn die Tradition verbietet es, Dieben den Baum hinter der Ortsgrenze abzunehmen. Dort angekommen wurde erstmal ein Bulldog organisiert, um den bereits fertig hergerichteten Maibaum sicher zu transportieren. „Auf dem Weg haben wir dann erfahren, dass der Baum schon am selben Tag aufgestellt werden soll“, erzählt Spitz. Da wollte es sich aber keiner der Diebe mehr nehmen lassen, den Baum wenigstens nach Inning zu bringen. Vorm Café Huttner wurde der Diebstahl deshalb für eine Stunde gefeiert und die Auslöse verhandelt, bevor die Inninger sich wieder auf den Weg zurück nach Unteralting machten. Vorher haben sie kleine Kratzer, die trotz aller Vorsicht entstanden sind, „geputzt und liebevoll neu bemalt“, versichert Spitz.
Die Auslösefeier mit 300 Liter Bier und Brotzeit für alle wird laut Mayr erst Ende Mai stattfinden. Gefeiert wurde am Sonntag trotzdem schon mal gemeinsam. „Wir haben zu den Inningern gesagt: Wenn ihr schon da seid, dann könnt ihr auch beim Aufstellen mithelfen.“ Die Inninger ließen sich nicht lange bitten, Freibier gab es schließlich auch.
Alte Inninger erinnern sich, dass der letzte Klau mindestens 25 Jahre zurückliegt. „Es wird immer schwieriger“, weiß Spitz. „Aber wir würden gerne nochmal einen klauen“, sagt jemand, dem es offensichtlich Spaß gemacht hat. Aber erstmal heißt’s Obacht geben, denn im nächsten Jahr stellen auch die Inninger wieder einen Maibaum auf.

 

Süddeutsche Zeitung 29.04.2017

Der Pragmatiker
Von Astrid Becker

Wer Walter Bleimaier begegnet, wird eines schnell feststellen: Der Mann ist durchaus vernunftbegabt. Und an dieser Eigenart haben auch drei Jahre im Amt des Bürgermeisters nichts geändert - auch wenn dies Freunde und Bekannte damals, als er sich zur Wahl stellte, befürchtet hatten. Sie glaubten wohl, ein neu zusammengesetzter Gemeinderat könnte Bleimaier schrecken. Doch mitnichten: Er ist keiner, der sich so leicht schrecken lässt. Nicht einmal vor einem Dorf, das sich in der Frage Umgehungsstraße Ja oder Nein ziemlich heftig entzweit hatte.
So heftig, dass die Gegner des Vorhabens mittlerweile mit sieben Mandaten im Gremium vertreten sind - zu zehn Befürwortern, zu denen sich eigentlich auch Bleimaier zählte. Ein Wahlversprechen hat er dabei bereits erfüllt: Mehrheitsentscheidungen der Bürger bedingungslos anzunehmen. Auch in diesem Punkt: Gleich zwei Mal haben die Bürger gegen das Vorhaben votiert. Und das hat er akzeptiert. Das Projekt wird nicht mehr weiterverfolgt - was ihm herbe Kritik von Seiten seiner einstigen Verbündeten in Sachen Umgehung einbrachte. Er selbst gab sich, ganz seiner Persönlichkeit entsprechend, in diesem Punkt aber absolut gelassen. Er ist keiner, der sich provozieren lässt. Das dürften auch seine Gegner mittlerweile verstanden haben. Im Gemeinderat selbst herrscht jedenfalls mittlerweile eine recht konstruktive Stimmung. Auch wenn in Einzelfragen unterschiedliche Auffassungen herrschen, ist Bleimaier stets bemüht, einen Konsens zu finden. Seiner von Anfang an angekündigten Strategie, erst einmal alle zu Wort kommen zu lassen und dann zu schauen, was machbar ist, ist er bis jetzt jedenfalls treu geblieben.
Dabei stand Bleimaier bereits vor diversen Herausforderungen: Da war beispielsweise die Notunterkunft für Flüchtlinge, die in der Turnhalle eingerichtet worden ist, da war der umstrittene Bau des neuen Bau- und Wertstoffhofs, da war die Ausweisung eines neuen Gewerbegebiets, da war die heftig diskutierte Frage, ob Inning neue Supermärkte braucht, die er geschickt mit einer Umfrage unter den Bürgern löste. Da war die Erweiterung des Rathauses durch einen Anbau und dem derzeitigen Umbau des Altbestands, da sind ein neues Verkehrskonzept und ein Lärmschutzgutachten. Egal, um was es bislang ging: Bleimaier legte nicht die Hände in den Schoß. Er saß Probleme auch nicht einfach aus. Sondern packte sie an und versuchte sie zu lösen. Pragmatisch und vernünftig. Auch wenn dies im Ort wohl nicht jeder goutiert.

 

Starnberger Merkur 25.04.2017

Ein eingeschworener Haufen
Freiwillige Feuerwehr Buch - Das 150. Jubiläum wird mit einem großen Fest an Pfingsten gefeiert – Eine Institution im Wandel der Zeit
von Michèle Kirner

Buch – Als Alain Kellner 1967 in die Bucher Freiwillige Feuerwehr eintrat, musste er sich die Gummistiefel selber kaufen. Sicherheitsschuhe oder Handschuhe gab es nicht. Und wenn einem Kameraden nach dem Einsatz bei einem schweren Verkehrsunfall die Tränen kamen, dann hieß es: „Hob di ned so. Wenn du des ned aushältst, bist falsch bei der Feuerwehr.“ Heute sprechen die Aktiven miteinander offen über das, was sie bewegt. Die Zeiten ändern sich eben. In diesem Jahr blickt die Bucher Wehr bis 1892 zurück – und feiert ihr 150. Jubiläum.
Damals, als der Verein die 1874 gegründete Pflichtfeuerwehr ablöste, mussten die Mitglieder das Löschwasser noch von Hand auf den Brandherd pumpen. Angefangen hatten sie mit zehn Aktiven (heute: 35) und die Spritze lagerte im Heustadel. Im Gründungsjahr zogen die Brandbekämpfer in eine 18 Quadratmeter kleine Bleibe gleich neben der Ortskapelle. Der Bau kostete 481 Mark – und die Bezirksinspektion bemängelte den Staub, der im Haus ohne festen Boden auf das teure Nachfolgemodell der Spritze rieselte.
Beim nächsten Umzug in die Schlossstraße kam ein Unimog dazu, ein Anhänger, eine Motorspritze, ein Mercedes, in dem die ganze Ausrüstung Platz fand, und schließlich der 800 Liter Tanklösch-Unimog. Im Zelt neben dem aktuellen Feuerwehrhaus, das 1989 bezogen wurde, bewachen Helfer heute den Maibaum. Der wurde ihnen vor fünf Jahren geklaut, erzählt Kellner mit einem verschmitzten Grinsen. Die Diebe hatten den Baumstamm entwendet, als sich die Aufpasser für eine Runde Schafkopfen ins Feuerwehrhaus zurückgezogen hatten. Dumm gelaufen: Weil er zu schwer war, hatten sie ihn aber fallen gelassen, direkt auf dem Nachbargrundstück. Lachend erinnern sich die Altvordern auch an den Abriss des Mehrzweckgebäudes, als sie in einer Übung die Türen eintreten und „die Bewohner retten“ sollten. Dabei stießen sie allerdings auf die mit mehreren Schlössern verriegelte und damit unüberwindbare Eingangstür zur ehemaligen Wohnung von Kellners.
In Buch brennt es allerdings eher selten. Zugenommen haben die Unfälle. Auch den Klimawandel bekommen die Kameraden zu spüren: Alle zehn Jahre müssen sie bei Hochwasser ran. „Früher war das alle 30 Jahre“, erinnert sich der ehemalige Kommandant Alois Roming. Beim Jahrhunderthochwasser 1999 waren sie Tag und Nacht unterwegs.
Spätestens seit der Schließung der Bucher Wirtschaft Ende der 1980er Jahre, übernimmt der Verein noch eine weitere wichtige Funktion: Veranstaltungen wie das beliebte Weinfest und das traditionelle Pfingstfest werden von den Feuerwehrlern bewirtet. Die Wehr ist eine wichtige Institution – gestern wie heute, eine mit treuen Mitglieder wie dem mittlerweile 77-jährigen Roming, der noch heute zum Feuerwehrhaus eilt und die Türen aufmacht, wenn die Sirene heult.

 

Süddeutsche Zeitung 11.04.2017

Schlagenhofen  - Skurriles Jubiläum
Von Christine Setzwein

Nein, mit dem Schlagen von Hufen hat der Name des kleinen Inninger Ortsteils am südwestlichen Wörthseeufer nichts zu tun. Da sind sich die Historiker einig. Sie sind, in Anlehnung an Ernst Förstemanns "Altdeutsches Namenbuch" eher der Auffassung, dass Schlagenhofen ungefähr die Bedeutung "bei den Höfen des Slougo (Slago, Slogo)" haben könnte. Aber sicher ist auch das nicht. Sicher ist lediglich, dass zwischen dem 13. und 16. Jahrhundert in der Gegend ein Hainrich von Slagenhouen beziehungsweise Hainricus Slagenhofen, eine Mathilde, des Slogenhofers Tochter, eine Adelhaid Slogenhoverinn und ein Hans Schlogenhofer lebten. Wie alt Schlagenhofen wirklich ist, weiß niemand wirklich, nicht einmal die versierten Ortshistoriker Robert Volkmann und Jutta Göbber. Darum halten sie sich an die erste urkundliche Erwähnung der Dießener Stiftskirche aus dem Jahr 1242.
Schlagenhofen ist also jetzt offiziell 775 Jahre alt, schon ein bisschen skurril, dieses Jubiläum. Den Grund, warum es gefeiert wird und es eine 130 Seiten starke neue Chronik des Dorfes gibt, nennt Jutta Göbber ganz offen: "Wir werden alle älter." Mit "wir" meint sie die passionierten Ortshistoriker, fast alle im Rentenalter. Aber der Verein "Heimatgeschichte Inning" möchte, neben den "Inninger Geschichtsblättern", die regelmäßig erscheinen, jedem Ortsteil eine Chronik hinterlassen. Stegen und Schlagenhofen liegen nun vor, 2018 ist Buch an der Reihe.
Dass Robert Volkmann Schlagenhofen ganz besonders am Herzen liegt, liegt nahe. Schließlich ist der bald 68-jährige ehemalige Gymnasiallehrer nach dem Motto "Zu Hause ist die Heimat am schönsten" aus seinem Dorf nie wirklich rausgekommen. Etwas leichter gemacht hat ihm die Arbeit an der Chronik die Tatsache, dass der Heimatverein bereits zur 750-Jahrfeier eine kleine Broschüre herausgebracht hat. An der alten Geschichte hat sich seitdem nichts geändert, im Dorf selber freilich schon. Auch wenn heute gelten könnte, was der Hechendorfer Eduard Zech (1909-1984) in seinen Erinnerungen schreibt: "Ein Zwiebelturm taucht auf, und wieder ein Stück - da liegt in einer Mulde, wie im Schlaf, das schöne, idyllische Schlagenhofen, inmitten das herrliche Kirchlein St. Michael, der Turm als Wächter über Haus und Hof der schönen Anwesen, weit zu sehen über seine Fluren, eingesäumt von dunklen Wäldern, die dem Wind und den starken Stürmen trotzen . . . "
Die neuen Kapitel in der Chronik mit dem etwas schrägen Titel "Schlagenhofen . . . ein sehr abgelegener Ort . . . zwischen Seefeld und Inning, doch etwas seitwerts" beschäftigen sich zum Beispiel mit "Landnahme und Seeufersachen". Dass manche ehemals bäuerliche Anwesen im alten Dorfkern baulich so gut in Schuss seien, schreibt Volkmann, "rührt schon auch daher, dass man Grundstücke unten am See verkaufen beziehungsweise verpachten konnte". Schon in den 1930er Jahren wollte die Toerringsche Seeverwaltung in Oberndorf ein Freizeitzentrum mit Wochenendhäusern bauen. Die Pläne verschwanden erst einmal in der Schublade. Auch auf den Streit um die Öffnung des Seeuferwegs geht Volkmann - "der Schreiber war schon mit dabei" - ein. Die Nazizeit - am Grünbichl wurde 1943 eine Flugabwehrkanone-Stellung aufgebaut und ein kleiner Trupp Soldaten geschickt, der sich offenbar sehr wohl gefühlt hat in Schlagenhofen: "Sie nützten jede Gelegenheit, um fröhlich zu sein."
Dass es einst in Schlagenhofen eine Milchverwertungsgenossenschaft gab, weiß heute kaum einer mehr. Volkmann beschreibt, wie es dazu kam. Sehr lustig ist die Geschichte der roten Segel, die der "Freie Wassersportverein München" nach dem Krieg vom damaligen Oberbürgermeister Thomas Wimmer für die Kanu-Abteilung bekam. Weniger lustig dagegen das Verschwinden des Wörthsee-Schilfs, der Seerosen und Krebse, der Schusternagerl und des Fransenenzians. Volkmann gehört keiner Partei an, aber er ist politisch engagiert. Der Entwicklung der schwarz gebauten Siedlung Hufschlag widmet Volkmann ein Kapitel wie auch den umstrittenen Plänen zum Ausbau der Staatsstraße 2070, gegen die er selber demonstriert hat. Sagenhaftes und Kurioses hat Katharina Hartmann zusammengetragen.
Etwa 130 Seiten und 130 Bilder und eine Auflage von 250 Stück hat die Jubiläumschronik. Verkauft wird sie gegen eine Spende von zehn Euro. Damit werden die Druckkosten und die nächste Chronik finanziert. Präsentiert wird das Büchlein am 4. Mai, um 19.30 Uhr, im Gasthof Silber. Und gefeiert wird natürlich auch: am 27. und 28. Mai mit Blasmusik, Goaßlschnalzen und der Gruppe Hundling.

 

Starnberger Merkur 13.04.2017

Ein Jubiläum jagt das nächste
Verein Heimatgeschichte Inning

Inning – „Das hat er verdient, da wollten wir nicht länger warten“, sagt Jutta Göbber. Die Vorsitzende des Inninger Vereins Heimatgeschichte nahm den 80. Geburtstag von Horst Schramm zum Anlass, ihn bei der Jahresversammlung zum Ehrenmitglied zu ernennen.
„Horst Schramm ist von Anfang an mit dabei“, erzählt Jutta Göbber. Seit acht Jahren gibt es den Verein, der seinerzeit aus dem heimatkundlichen Arbeitskreis des Kulturkreises entstand. Die 72-jährige Pädagogin feiert in diesem Zusammenhang übrigens auch ein kleines Jubiläum – seit 30 Jahren taucht sie in die Annalen der Ammerseegemeinde ein. Seit acht Jahren gemeinsam mit Schramm, eine unverzichtbare Stütze. „Er hat das Archiv angestoßen, ist Mitherausgeber der Geschichtsblätter, Zuspieler bei den historischen Ortsspaziergängen und er hat immer wieder neue Ideen“, sagt sie voll des Lobes.
Der acht Jahre alte Verein „kratzt“ an der 100-Mitglieder-Grenze. „Wir hatten gehofft, diese schon 2016 zu knacken“, gibt Jutta Göbber freimütig zu. Nun hofft sie auf den nächsten Marktsonntag in Inning am 21. Mai. Der Verein Heimatgeschichte ist dort mit einem Stand vertreten. Wer Mitglied werden möchte, kann diese Gelegenheit beim Schopfe packen. Das 100. Mitglied wäre dann wie ein Geschenk zu Jutta Göbbers Jubiläum. In der Rückschau blickte die Vorsitzende zurück auf die Feier des Ortsteils Stegen. In diesem Jahr wird 775 Jahre Schlagenhofen gefeiert. An den elften Geschichtsblättern, die sich allein diesem Thema widmen, arbeitet der Schlagenhofener Robert Volkmann mit Hochdruck. Jutta Göbber hofft, dass die Blätter am Marktsonntag schon angeboten werden können, damit Geld in die Kasse fließt für die Nummer 12. Die soll sich allein mit dem Ortsteil Buch beschäftigen. „Es ist längst fällig, dass der Ortsteil mal ein eigenes Heft bekommt, sonst wurde er immer nur mit erwähnt“, findet sie. Denn Buch mit seinem Villengesicht habe eine völlig andere Geschichte als Inning, Bachern oder Schlagenhofen.
Zwischendurch gibt es freilich jede Menge andere Geschichten zu erzählen, bei den Bildvorträgen zum Beispiel, die der Verein Heimatgeschichte in der Nachbarschaftshilfe anbietet. „Da kommen immer 30 bis 40 Leute“, freut sich die Vorsitzende. Beim nächsten Vortrag steht das Schusterjacklgütl im Mittelpunkt, eine Hausgeschichte des heutigen Rathauses, die 30 Seiten füllt und im Oktober zum Tag des offenen Archivs auch auf Papier veröffentlicht werden soll. Und dort im Archiv, dort gebe es momentan auch jede Menge zu tun, berichtet Jutta Göbber. „Durch den Umbau des Rathauses, konnten viele Sachen abgegeben werden. Es reißt nicht ab.“  grä

 

Süddeutsche Zeitung 11.04.2017

Ein Schiff wird kommen

Ganz langsam nähert sie sich ihrem Ziel, die neue MS Utting, die von Juli an Fahrgäste über den Ammersee schippern soll. 50 Meter ist sie lang, 500 Menschen können auf ihr Platz nehmen. Seit Mai 2016 wurde an ihr in der Lux-Werft in Niederkassel gebaut, etwa fünf Millionen Euro hat die Bayerische Seenschifffahrt in den Neuzugang in ihrer Flotte investiert. Am 31. März trat das neue Schiff zunächst übers Wasser seine Reise nach Stegen an: über Rhein, Main und Main-Donau Kanal bis nach Roth. Dort wurde das Schiff in zwei Teile zerlegt auf Tieflader verladen. Als planmäßige Abfahrt von Roth aus in Richtung Ammersee hatten die Werft und das Transportunternehmen Montagnacht angedacht. Am frühen Mittwochmorgen wird die Utting dann in Stegen am Ammersee erwartet. Im Laufe dieses Ankunftstages werden die beiden Teile des Schiffes via Kran in die Werft gehoben und dann wieder zusammengebaut. Einen Tag später soll noch das Steuerhaus eintreffen.

 

Starnberger Merkur 08.04.2017

An der Bildung wird trotz leerer Kassen nicht gespart
Z
weckverband weiterführende schulen

Gilching – Zwar sind die Kassen leer, doch an der Bildung soll nicht gespart werden. So beschloss der Zweckverband weiterführende Schulen im Westlichen Landkreis in seiner jüngsten Sitzung die Digitalisierung von 30 Klassenzimmern im Gilchinger Gymnasiums.
Pro und Contra Umstellung auf das Buchhaltungssystem Doppik stand auf der Tagesordnung des Zweckverbandes. Generell sehe man keine Vorteile, sich von der so genannten Kameralistik zu verabschieden, erklärte Geschäftsführer Stefan Amon. Die Umstellung würde um die 50 000 Euro kosten. Der Aufwand wäre erheblich, die Abschreibungen für Gebäude, EDV, Möblierung und mehr zu ermitteln und zu übertragen. Der Zeitaufwand für die Umstellung schätzt Amon auf zwei bis drei Jahre. Ein Beschluss dazu wurde nicht gefasst.
Neu ist, dass ab 2021 Turnhallen und Mehrzweckräume besteuert werden. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass ab diesem Zeitpunkt Vereine und Organisationen, die die Räumlichkeiten nutzen, gegebenenfalls zur Kasse gebeten werden. Überlegt wird nun ein Konzept, das beiden Seiten entgegenkommt.
Einstimmig verabschiedet wurde der Haushaltsplan 2017. „Die Schülerzahlen sind in der Realschule Herrsching im Vergleich zum Vorjahr um 35 Schüler von 941 auf 976 gestiegen“, erklärte Amon. Im Gymnasium Gilching hingegen ist die Schülerzahl von 1346 auf 1320 gesunken. Der Verwaltungshaushalt schließt mit rund drei Millionen Euro ab. Darunter fallen unter anderem der laufende Unterhalt der Schul- und Sportanlagen für das Gymnasium und ein zusätzlicher Bedarf von Lehrbüchern für die fünfte Jahrgangsstufe. Der Vermögenshaushalt wurde auf 1,8 Millionen Euro festgesetzt. Darin enthalten sind 30 000 Euro für die Digitalisierung von 30 Klassenzimmern im Gymnasium und rund 70 000 Euro für die Servererneuerung in der Realschule.
Die Umlage der jeweiligen Gemeinden für Gymnasium und Realschule: Andechs (58 300 Euro), Gilching (556 800), Herrsching (270 000), Inning (135 000), Seefeld (185 000), Weßling (141 000) und Wörthsee (155 000). Die Gesamtumlage gab Amon mit 1,5 Millionen Euro an. Der Landkreis schießt für Betriebskosten 1,8 Millionen, für Gastschulbeiträge 107 000 Euro zu.  ph

 

Starnberger Merkur 06.04.2017

„Eine Katastrophe“ mitten im Ort
Strassenschäden -
Frostschaden auf der Brucker Straße in Inning erzürnt die Gemüter – „Immer wieder Fast-Unfälle“
VON ANDREA GRÄPEL

Schlagloch 2017Das Loch in der Brucker Straße reißt mit jedem Regen und mit jeder Belastung weiter auf. Foto: Stefan Schuhbauer-von Jena

 

Inning – Dem ein oder anderen Inninger ist es möglicherweise eine willkommene Verkehrsberuhigung – das große Loch, das sich vor der Apotheke, mitten im Ort und mitten auf der Straße auftut. Aber es ist auch gefährlich. Es ist ein Frostschaden, wie er nach diesem strengen Winter vielerorts aufgetreten ist. Die Arbeiten wurden schon vergeben, so die Information aus dem Staatlichen Bauamt in Weilheim. Mit Baubeginn sei aber vor dem 8. Mai nicht zu rechnen. Auch nicht damit, dass in Inning damit angefangen werde. Barbara Wanzke (Grüne) fordert aber, dass sofort etwas gemacht werden müsse.
Bürgermeister Walter Bleimaier wollte eigentlich scherzen, als er in der Gemeinderatssitzung am Dienstag in die Runde warf, dass man dieses Loch als Verkehrsberuhigung verstehen könnte. Sowohl Barbara Wanzke als auch Michael Buchner (BIZ) war in diesem Zusammenhang wenig nach Scherzen zumute. „Das ist gefährlich“, schimpften beide. Ratskollege Buchner hatte wenig Verständnis dafür, dass dieses Loch nicht sofort beseitigt werden könnte. Dafür sei das für Staatsstraßen zuständige Staatliche Bauamt Abteilung Straßenbau in Weilheim verantwortlich, erklärte Bleimaier, der sich natürlich auch über dieses Hindernis auf der Brucker Straße ärgert.
Täglich kommt es in Stoßzeiten zu Staus, da die schadhafte Stelle eine Fahrbahnspur in Anspruch nimmt. „Und es wird immer größer“, stellte Barbara Wanzke fest, die mehrmals täglich dort vorbei kommt. Vor der Kirche habe es ein ähnliches Loch gegeben, das sei komischerweise sofort beseitigt worden, wundert sie sich. „Es ist eine Katastrophe“. Immer wieder könne sie beobachten, wie es an dem Loch zu gefährlichen Situationen komme, weil Autofahrer meinten, die Fahrbahnspur reiche für zwei Pkw, „aber es geht nur ein Auto durch“. Oder Radfahrer, die gefährlich nah von Autofahrern bedrängt würden, da jeder sie Situation falsch einschätze. Immer wieder käme es zu Fast-Unfällen. „Uns wurde gesagt, dass das gerichtet würde, sobald die Witterung es zulässt.“
Bauingenieurin Anne Döbert vom Staatlichen Bauamt versicherte auf Nachfrage des Starnberger Merkur, dass der Schaden registriert ist. „Aber es ist nicht der einzige“, fügt sie hinzu. Schäden wie diese gäbe es auf Staatsstraßen im ganzen Landkreis, in Oberpfaffenhofen, in Drößling oder auch in Gauting. Die Leistungen seien vergeben, die Arbeiten beginnen aber erst am 8. Mai. Wo allerdings damit angefangen wird, konnte sie nicht sagen.
Aus der Ratsrunde kam der Vorschlag, ein Foto von der Verkehrssituation zu machen und auch der Unteren Verkehrsbehörde im Landratsamt in Starnberg zuzuschicken, damit auch von dieser Seite ein bisschen Druck auf die Behörde in Weilheim ausgeübt werden könne. Bleimaier nahm den Vorschlag auf und will sich darum kümmern.

 

Starnberger Merkur 04.04.2017

Optische Bremse am Schorn
Verkehrskonzept - Gemeinde Inning beginnt, den Maßnahmenkatalog umzusetzen – Kreise sollen Tempo entschleunigen
von Michèle Kirner

IKreise Schornnning – Dort, wo sich die Schornstraße mit dem Höhenweg und der Bergstraße in Inning trifft, weisen seit einer guten Woche drei weiße Kreise auf die „rechts vor links“ Regelung hin. Die unterdessen vergilbte Zahl „30“ auf der Fahrbahn erinnert an das Tempolimit und wird erneuert. „Damit setzen wir in einem ersten Schritt Paul Bickelbachers Verkehrskonzept um“, erklärt Vize-Bürgermeisterin Monika Schüßler-Kafka auf Nachfrage des Starnberger Merkur.
Einen amtlichen Charakter hätten die Hinweise nicht. „Es ist wie ein Achtung, da ist was! Außerdem wirkt es als optische Bremse und macht auf Gefahrenstellen aufmerksam“, erklärt die Inninger Kommunalpolitikerin diese Art von Tempoentschleunigung. In einem zweiten Schritt soll zwischen Grundschule und Mehrzweckhalle eine erhöhte, mit Farbe gekennzeichnete Überquerungshilfe für Fußgänger entstehen.
Laut Monika Schüßler-Kafka wurden bei der jüngsten Verkehrszählung am Schorn 700 Bewegungen pro Tag gezählt. Damit gehört sie nicht zu den viel befahrenen Straßen in der Ammerseegemeinde. „Mit den Wohnungen für die Asylbewerber und mit den Grundschülern ist das hier ein Brennpunkt. Und an Tempo 30 hält sich kaum einer“, klärt sie auf. Der Fahrbahnhöcker soll einerseits die Geschwindigkeit drosseln und der wilden Parkerei entlang der Straße vor der Sporthalle ein Ende setzen. Diese Unart sei für die Kommunalpolitikerin besonders unverständlich, weil sich auf der gegenüberliegenden Seite ausreichend Parkfläche befinde und fast immer ein Stellplatz frei sei.
Weitere Maßnahmen zur Umsetzung des Verkehrskonzeptes sollen dann folgen. Als Nächstes werden alle Gefahrenstellen in der Gemeinde abgegangen und wenn notwendig vom Bauhof entsprechende Maßnahmen ergriffen, sagt sie. Allerdings reiche das nicht immer aus, denn Innings Straßen seien in manchen Bereichen arg in die Jahre gekommen. Allen voran die Hauptstraße, über die täglich mindestens 11 000 Fahrzeuge rollen, und wo ortseinwärts nach der Tankstelle seit dem Winter ein Straßenschaden im Belag in Stoßzeiten zu Staus führt. Und der Zustand vom Bacherner Weg und der Salzstraße lassen zu wünschen übrig. Am Bacherner Weg fehle ein durchgehender Gehsteig, so Monika Schüßler-Kafka, die Salzstraße sei „in sehr schlechtem Zustand“ und die Münchner Straße habe ein Problem mit der Entwässerung. Die Planungen für den Ausbau der Salzstraße seien aber schon in vollem Gange.
Monika Schüßler-Kafka wünscht sich, dass im Zuge dieses Ausbaus die aktuelle Einbahnstraße, die momentan wie ein Blinddarm das Ende in Richtung Herrsching bilde, für Fahrzeuge komplett gesperrt werde. Auch der Gehsteig werde dank der Erneuerung breiter ausgebaut.

 

Starnberger Merkur 29.03.2017

Zehn Jahre Café Huttner

Inning – Auf den Tag genau vor zehn Jahren hat Werner Huttner in Inning sein Café eröffnet. Der Bauleiter, der zuvor 29 Jahre bei einer Baufirma in Breitbrunn führend tätig war und plötzlich ohne Job dastand. „Das war ein Schlag. Ich habe jahrelang Projekte auch im Kloster Andechs geleitet“, erzählt er. Als er seinen Job verlor, hatte das Kloster ihm eine ähnliche Stelle angeboten. Der damals 49-Jährige lehnte aber ab und zog sein Ding durch. „Ich wollte schon immer so was machen“, sagt er und meint damit das Café. Wie passend, dass die Einliegerwohnung frei wurde. So konnte seine Mutter zu seiner Familie in das rückwärtige Gebäude ziehen und aus der Wohnung vorn an der Münchner Straße 13 wurde das Café Huttner.
Eines fügte sich zum anderen. Etwa das Angebot eines Kollegen aus der Baufirma, der im eigentlichen Beruf Konditormeister ist. „Da steht der plötzlich bei mir“, erinnert sich Huttner. Der Kollege wollte aussteigen aus dem Baugewerbe und Huttner sagte probieren wir’s. Eine andauernde Verbindung. Wolfgang Rothbauer ist bis heute in der Küche und sorgt täglich für selbstgemachten Kuchen und wechselnden Mittagstisch. Zusammen feiern sie heute Zehnjähriges mit Huttners Frau Eva (55), die schon seit 19 Jahren gleich nebenan einen Frisör-Salon hat. Vor zehn Jahren wurde über einen Mauerdurchbruch daraus ein Frisörcafé. „Die ersten drei Jahre waren schwer“, sagt Huttner. Heute will er nichts anderes mehr machen. „Ich hab’ mir meinen Traum erfüllt.“ Groß gefeiert wird natürlich auch, aber erst im Juli – draußen im Hof.  grä

 

Starnberger Merkur 28.03.2017

Ärger über rücksichtslose Radler
Naturschutz - Der Sieben-Brückerl-Weg zwischen Buch und Stegen ist für Radler tabu – Viele ignorieren das Verbot
von Michèle Kirner

Buch – Der Fußgängerweg entlang des Ammersees von Buch aus gesehen beginnt dort, wo die Ammerseestraße aufhört und der Sieben-Brückerl-Weg anfängt. Monika Schüßler-Kafka zeigt auf das blaue Verkehrsschild mit der Mutter und dem Kind. Es bedeutet: Hier beginnt der Fußgängerweg. Manch einer vergisst dabei, dass Radfahrer damit automatisch unerwünscht sind. Die Vize-Bürgermeisterin ärgert sich darüber sehr.
Das Nichtwissen oder Nichtwollen setze sich von hier bis nach Stegen fort, weiß die Kommunalpolitikerin. Es geht darum, den Naturpfad zu erhalten, sagt sie, und schlägt im Buch „111 Orte, die man im Fünfseenland sehen muss“ Seite 74 auf. „Spaziergang wie ein Abenteuer“ steht da und widmet sich auf einer ganzen Seite dem wilden Pfad zwischen Buch und Stegen. Die begeisterte Radfahrerin versteht durchaus den Reiz, mit dem Drahtesel über die Wurzelstrecke zu jagen – aber die Reifen reißen Furchen in den Boden.
Der Bauhof hat vor ein paar Jahren den Ein- beziehungsweise Ausstieg verengt und eine entsprechende Beschilderung angebracht. „Wir wollten nicht Verbotsschilder aufstellen“, erklärt Monika Schüßler-Kafka den freundlichen Hinweis, dass es sich hier um ein Landschaftsschutzgebiet handelt und die Radfahrer doch bitte die Strecke über den Schorn benutzen sollten. „Entweder es wird nicht gesehen oder ignoriert“, ärgert sich die Inningerin. Einige Radfahrer wuchten ihr Gefährt einfach über das Hindernis, andere umfahren es. Monika Schüßler Kafka bedauert, dass an einer eindeutigen Beschilderung kein Weg vorbei führt. Allen, die das Verbot selbst dann noch ignorieren, sollte die Fahrt in Zukunft mit Hürden möglichst lästig gemacht werden, findet die Inningerin.
Erst kürzlich sei Monika Schüßler-Kafka auf dem Spazierweg ein junger Mann begegnet, der unbeeindruckt auf dem Mountainbike über die Wurzeln holperte. „Das ist ärgerlich“, findet Monika Schüßler-Kafka. Ärgerlich sei auch der fehlende Längsbalken am Zaun in Stegen, deren verkohlte Reste im ausgebrannten Lagerfeuer liegen. Die fehlende Abgrenzung wiederum ermöglichte einen Trampelpfad um die „lästige“ Verengung. Optimal für Radfahrer.
Ein Fahrverbot sei keine Gehässigkeit, betont Monika Schüßler-Kafka und deutet auf Reifenspuren an einer matschigen Stelle, die trotz der vielen Sonnentage nicht trocknete. Um nicht mitten durch den Batz zu latschen, umgehen die Fußgänger den aufgewühlten Bereich – und verbreitern damit den Weg, verdichten den Boden. Fatal für die Natur. „Das ist hier ein wunderbares Landschaftsschutzgebiet“, sagt die Vize-Bürgermeisterion und bittet um mehr Sensibilität.
Gemeinsam mit dem Bauhof finde demnächst eine Begehung statt, bei der Maßnahmen für mögliche Hindernisse und Sanierungen etwa an den Brücken und Zäunen besprochen werden, so Bürgermeister Walter Bleimaier. Statt Hinweisschilder anzubringen, bevorzugt er offizielle Verbotsschilder.
Unterdessen ist Monika Schüßler-Kafka wieder in Buch angekommen, sperrt ihr Fahrrad auf und verabschiedet sich. Natürlich nicht über den Sieben-Brückerl-Weg, sondern über den Schorn.

 

Pendlers Freude, Pendlers Last
Eine Umgehung, ein großer Parkplatz, Geh- und Radwege, Deckensanierungen – die Straßenbaubehörden haben in diesem Jahr im Landkreis Starnberg viel vor. Einige Projekte werden Pendler massiv nerven. - Strassenbau - Von Michael Stürzer

Landkreis – Zehn größere Straßenbauprojekte sind in diesem Jahr im Landkreis geplant – nicht alle werden für Behinderungen sorgen. Die A 96 ist stark betroffen, ebenso Gauting. Eine Übersicht der größten Vorhaben:
Pendlerparkplatz bei Inning: Das Staatliche Bauamt Weilheim ist normalerweise für Straßen zuständig, aber nicht nur. Da es in Inning nachweislich viele Parker gibt, die ihre Autos im Ort abstellen, um dann in Fahrgemeinschaften nach München zu fahren, muss an der A 96 ein Pendlerparkplatz gebaut werden. Gegenüber der Einmündung der Straße aus Richtung Etterschlag wird im Sommer ein Stellplatz für zunächst 90 Fahrzeuge errichtet, der von der B 471 anfahrbar ist. „Das wäre noch ausbaufähig“, sagt Christian Probst, für den Landkreis zuständiger Abteilungsleiter im Weilheimer Amt. Die Behörde verzeichnete viele Beschwerden: Bei einer Zählung in Inning seien rund 30 Fremdparker festgestellt worden; nach der Erfahrung muss ein Parkplatz die dreifache Zahl aufnehmen. Der Bau kostet rund 300 000 Euro.
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Starnberger Merkur 27.03.2017

Mehr Einwohner, aber nicht mehr Retter
Feuerwehr Buch - Ehrenamtliche können Aktivenstand gerade so halten – Pfingsten Feier des 125-jährigen Bestehens
Von Michèle Kirner

Buch – Von einem „ruhigen Jahr“ sprach Kommandant Jürgen Aster am Freitagabend beim Jahresrückblick der Freiwilligen Feuerwehr Buch – was Innings Bürgermeister Walter Bleimaier widerlegte: Hochgerechnet entsprechen die 2016 geleisteten 44 Einsätze annähernd einem Einsatz pro Woche. Plus Übungen. 37 Mitglieder sind aktiv. Eine Zahl, die sich seit sieben Jahren kaum veränderte.
Das sei schön und stimme doch nachdenklich, denn mit dem Bauboom in Innings Ortsteil hat sich die Bevölkerungzahl in diesem Zeitraum erhöht. Fragt Aster bei den neuen Bürgern nach, ob sie in der Feuerwehr aktiv werden wollten, bekomme er etwa zu hören, sie müssten bis 18 Uhr arbeiten. Aber: „Das gilt ja für jeden von uns genauso.“ Für die Sicherheit der Bevölkerung opfern die Freiwilligen nämlich viel Freizeit, lassen alles stehen und liegen und eilen zum Unfallort, beseitigen Ölspuren oder sind zur Stelle, wenn ein Unwetter wütet.
Wie am 25. Juli in Herrsching, wo die Bucher sieben Stunden lang arbeiteten, mit einer Motorsäge eine Kellertür von außen aufschnitten oder einen Keller auspumpten, kurz bevor der Öltank aufschwimmen konnte. Es gab freilich auch Fehlalarme wie im August: Ein Schimmer auf dem Ammersee suggerierte „Öl auf Gewässer“ – eine Art Fata Morgana, denn Algen oder ähnliches waren für das Glitzern verantwortlich.
Das ist nur ein kleiner Auszug aus 306 Einsatzstunden, die die engagierten Kameraden leisteten. Die Übungen seien rege besucht, lobte Aster – und fügte leise Kritik an, dass immer die gleichen Wehrleute teilnehmen. „Die, die weniger mitmachen, müssen überlegen, ob sie mit ihrem Engagement leben können.“ Zu tun gebe es im Ernstfall für jeden etwas: Der eine schneidet Unfallopfer aus dem Auto, der andere regelt den Verkehr und noch ein anderer versorgt die Helfer mit Essen und Trinken. Hoffnungsvoll stimmt die Jugendabteilung, die unter Janosch Görner von zwei auf sechs Mitglieder angewachsen ist. Der leidenschaftliche Jugendwart hat sich für seine Truppe einiges einfallen lassen, verbrachte zwei Nächte im Tipi-Zelt, veranstaltete mit ihnen ein Kickerturnier und brachte in Andechs die Bowlingkugeln ins Rollen. 124 Stunden nahmen die Jungen an Übungen teil – dabei war ein ehrgeiziger junger Mann auf den Geschmack gekommen und forderte in der Sitzung noch mehr Übungen.
Vorstand Markus Lorenz kündigte fürs Pfingstwochenende eine Feier zum 125. Vereinsgeburtstag an – und ein Helferfest statt dem Feuerwehrausflug für alle, die mit anpacken. Ob die Wehr langfristig per SMS oder mit dem so genannten Feuerwehragenten alarmiert werde, prüfe man noch, sagte der Rathauschef – und es steigen schon Wetten, ob die Inninger (Wehren) heuer den – diesmal bewachten – Maibaum der Bucher klauen.

 

Starnberger Merkur 17.03.2017

Freie Wähler Inning

Inning – Die Entscheidung kam für die meisten Mitglieder der Freien Wähler in Inning überraschend: Nach zehn Jahren Vorsitz trat Alexander Dietz am vergangenen Mittwoch nicht mehr für dieses Amt an. Natürlich war der Vorstand Vorstand 2017eingeweiht, wenn auch nicht so viel vorher. Aus diesen Reihen fand sich schließlich jemand, der an seine Stelle tritt, nämlich die einzige Frau unter „ihren Buben“: Innings Zweite Bürgermeisterin Monika Schüßler-Kafka.
Auch Monika Schüßler-Kafka war auf die Entscheidung von Dietz nicht vorbereitet gewesen, aber für sie sei nachvollziehbar. Denn der Gemeinderat ist seit 27 Jahren auch Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Inning und „leistet dort einen unglaublich guten Job“, findet seine Ratskollegin. „Und man wird ja auch nicht jünger“, meint der 55-jährige Dietz. Als er sie deshalb fragte, ob sie sich für den Vorsitz bereit erklären würde, sagte sie in der ihr eigenen Art: „Ich schlag mich nicht drum, aber wenn’s so ist, dann ist’s so.“ Als sie am

Neu gewählt: Thomas Dahmen, Peter Müller, Monika Schüßler-Kafka, Gerhard Leitmeier und Helmut Gall (v.l.). Foto: Jaksch

Mittwoch im Gasthaus zur Post auch noch einstimmig von den 18 Wahlberechtigen gewählt wurde, freute sie sich riesig. Und wer die sportliche Inningerin kennt, der weiß, dass mit ihr der frische Wind durch den Ortsverband bläst, den sich ihr Vorgänger gewünscht hat.
„Ich werde jetzt das Rad nicht neu erfinden“, bremst Monika Schüßler-Kafka jeden Gedanken daran ein, neue Seiten aufziehen zu wollen. Aber sie wolle sich darum kümmern, wie man die Arbeit für Inning unter die Leute bringt. „Ich finde auch wichtig, dass die Leute informiert werden“, sagt sie und will verstärkt fortsetzten, was sie schon begonnen hat: alle Neuigkeiten, die für die Inninger interessant sein könnten, über die Möglichkeiten im weltweiten Netz zu teilen.
Weiter im Vorstand bleibt auch Thomas Dahmen als Stellvertreter und Autor des aktuellen Reports aus der Gemeinde, den die Mitglieder der Freien Wähler Inning regelmäßig erhalten. Neu dazugekommen sind Gerhard Leitmeier (Kassierer) und Helmut Gall (Schriftführer). Und es gibt ein neues Amt, eines für Öffentlichkeitsarbeit, in das sich Monika Schüßler-Kafkas Ehemann Peter Müller einarbeiten möchte.  grä

 

 

 

Viel Lob für neues Gemeindeblatt

Viel Lob gab es in der Versammlung von Innings Vereinen für Katharina Fietz. Die neue Assistentin von Bürgermeister Walter Bleimaier sei eine zuverlässige Anlaufstelle etwa für die Ankündigung von Terminen im Gemeindeblatt. „Man muss nur rechtzeitig dran sein, dann klappt das sehr gut“, freute sich Fritz Billing vom Schützenverein. Genauso gut funktioniere die Organisation der Belegung der Mehrzweckhalle, freute sich Vereinsreferent Jürgen Hatz. Vor rund vier Jahren hatte er angeregt, den Belegungsplan auf der Gemeindeseite online bereitzustellen. Ansprechpartner war er selbst. Vor ein paar Monaten übernahm die neue Mitarbeiterin die Aufgaben – und erntet Beifall. Wer einen Termin für das monatlich Gemeindeblatt eintragen lassen will, der sollte diesen telefonisch oder per E-Mail in den jeweils ersten zehn Tagen des Vormonats anmelden. Mehr Infos unter www.inning.de/leben-in-inning/gemeindeblatt. Ein Überblick über die Hallenbelegung gibt es unter www.inning.de/vereinsleben/belegungsplan-mehrzweckhalle.  mk

 

Inning bereitet sich auf großen Lauf vor

Inning – Walter Bleimaier steht schon in den Startlöchern: Innings Bürgermeister läuft beim 33. Landkreislauf mit, der am 7. Oktober auf in der Ammerseegemeinde ausgetragen wird (wir berichteten). Auf der etwa 42 Kilometer langen Strecke laufen rund 200 Mannschaften in Staffel um die Zeit und um die Ehre. Sogar Jutta Göbber vom Verein Heimatgeschichte Inning verlässt an diesem Tag kurzfristig den historischen Pfad und schlägt einen sportlichen Weg ein. „Im Schneckentempo“, gesteht sie schmunzelnd – und schlug am Mittwoch bei der Versammlung der Vereinsvorstände vor, die Veranstaltung mit einem Fest zu schließen. Kuchenverkauf, Würstel, Leberkassemmel und Getränke seien geplant, erklärt der Vereinsreferent im Gemeinderat, Jürgen Hatz. Ansonsten „nutzt man das Dorf, um zu laufen. Das war’s“.
Claudia Sturm von der Nachbarschaftshilfe startet nicht zum ersten Mal – und weiß, dass viele Läufer gleich nach ihrem Einsatz wieder gehen. Unter anderem weil die Preisverleihung traditionell in Starnberg stattfindet. „Wir müssen schauen, dass die Organisation funktioniert, die Parkplätze gestellt und die Streckenposten besetzt sind“, weiß sie. „Der Sinn hinter dem Landkreislauf ist das Miteinander und der Zusammenhalt in den Vereinen.“ Auch sie gehört zu jenen Teilnehmern, die nach dem Lauf nach Hause fahren und ließ in den vergangenen Jahren den Tag am Bucher Weinfest ausklingen. Also doch in Feierstimmung, nur nicht unbedingt dort, wo sie gelaufen ist – und wie es der Zufall will, findet besagtes Fest in diesem Jahr eine Woche später statt. Also entstand die Idee alternativ ein Dorffest in der Inninger Mehrzweckhalle zu organisieren. Die Läufer aus den anderen Landkreisgemeinden hätten vielleicht kein Interesse, die Inninger aber vermutlich schon, finden auch Falk Zerling und Thomas Bauer von der Inninger beziehungsweise Bucher Feuerwehr.
Dass jeder der 54 Inninger Vereine eine Mannschaft stelle, sei unwahrscheinlich. Aber 20 sei durchaus realistisch, rechnete Bauer im Spectacel den Anwesenden vor. „Das sind 200 Sportler. Wenn jeder noch jemanden mitbringt, sind das 500 potenzielle Gäste.“ Zusätzlich regt der Bucher an, einen Gemeindepokal auszuloben, der dann beim Bucher Weinfest überreicht werden soll.
Hatz will sich kümmern, mit möglichen Organisatoren und dem Sportverein sprechen. Die Vereine sollten ihre Mitglieder zum Mitmachen anspornen, sagte er den rund 20 Vereinsvertretern. Für das vorbereitende Lauftraining stehen im Sportverein Inning dreimal wöchentlich geübten Läufer wie Helmut Gall und Monika Schüßler-Kafka bereit, um die Inninger vorzubereiten. „Der eine oder andere kommt auf diese Weise auf den Geschmack“, weiß die Vize-Bürgermeisterin aus Erfahrung.   mk

 

Starnberger Merkur 16.03.2017

Schilling zaubert für Veteranen Überraschung aus dem Hut
Soldaten- und Kriegerkameradschaft

Inning – Mit 102 Mitgliedern ist die Soldaten- und Kriegerkameradschaft Inning ein stolzer Verein, an dem sich manch andere Kameradschaft eine Scheibe abschneiden möchte – was die Mitgliederzahl angeht auf jeden Fall. Zuletzt kamen zwei junge Burschen dazu, die die eingeschworene Gemeinschaft der Böllerschützen unterstützen (wir berichteten). „Das drückt den Altersdurchschnitt“, freut sich Schriftführer Michael Wildegger. Das älteste Mitglied ist nämlich schon 95 Jahre alt. Gefreut hat sich das Vorstandsmitglied am Sonntag auch über viele Mitglieder, die der Einladung zur Jahresversammlung in den Gasthof zur Post in Inning gefolgt waren.
„25 waren wir diesmal, das ist ein guter Schnitt“, so Wildegger. Dieser war auch notwendig, denn es standen Neuwahlen auf der Tagesordnung. Allerdings hat sich nichts verändert mit Ausnahme eines neuen Kassiers, der in Abwesenheit gewählt wurde: Helmut Höflmayr. Ansonsten bleibt Anton Kiefmann Vorsitzender, Hans Demmel sein Stellvertreter und Wildegger der Schriftführer. Beisitzer sind Manuel Ott, Alfons Dorn und Jakob Eisenmann. Ehrenmitglied Alfons Schilling hatte dann am Ende noch eine Überraschung aus dem Hut gezaubert. Selbst lange Jahre Vorsitzender hatte er noch viele alte Unterlagen bei sich, die er am Sonntag der Vorstandschaft übergab. „Da müssen wir uns erstmal zusammensetzten“, sagt Wildegger, der weiß, dass solche Zeitzeugnisse natürlich in guten Händen landen müsse.

 

Süddeutsche Zeitung 16.03.2017

Umstrittener Supermarkt
Von Astrid Becker

Die Gemeinde Inning soll einen neuen Supermarkt bekommen. Darüber sind sich die Gemeinderäte einig. Klar wäre mittlerweile auch der Standort: Und zwar soll der Markt am südlichen Ortseingang gebaut werden. Investoren, die sich auf derlei Vorhaben spezialisiert haben, stehen bereits bei Rathauschef Walter Bleimaier Schlange. Allerdings hapert es noch am Grund für das Projekt - das Areal, das sich am besten dafür eignen würde, befindet sich noch in Besitz eines Landwirts.
Die Rede ist von einer Grünfläche am südlichen Ortseingang, in unmittelbarer Nähe des jetzigen "Edeka-Supermarkts". Nach langen Diskussionen im Ort hatte man wohl diesen Standort als den dafür geeignetsten auserkoren. Davor hatte das Thema Supermarkt allerdings schon wieder die Gemüter hochkochen lassen. Denn zunächst war auch immer wieder von einem Discounter die Rede, der genau am anderen Ende des Ortes entstehen hätte sollen - und zwar in der Nähe der Gärtnerei Hübsch. Die Flächen rund um diesen Betrieb sollen zum Gewerbegebiet werden. Die Einnahmen, die damit erzielt werden könnten, würde Bürgermeister Walter Bleimaier gern für die Renaturierung des Inninger Baches an dieser Stelle nutzen, in dem die streng geschützte Bachmuschel lebt. Zudem könnte auf diese Weise die Zufahrt verlegt und so ein Unfallschwerpunkt auf der Ortsdurchfahrt beseitigt werden. Doch das ist bislang noch Zukunftsmusik. Interessenten, dort einen Discounter zu bauen, habe es bereits genügend gegeben, sagt Bleimaier auf Anfrage. Allerdings stellte sich heraus, dass dieser Standort dafür nicht geeignet ist. Unter anderem auch, weil sich schon allein bei dem Gerücht, ein Supermarkt werde gebaut, erheblicher Widerstand unter den Anwohnern regte und sogar schon von einem neuerlichen Bürgerbegehren die Rede war, sollte eine entsprechende Entscheidung getroffen werden. Auch in den Gewerbegebieten - im interkommunalen Gewerbepark, den Inning sich mit der Gemeinde Wörthsee teilt und in dem angrenzenden Areal, das ein reines Inninger Gewerbegebiet werden soll - ist ein Discounter wohl nicht zu verwirklichen, weil die gewünschten Größenordnungen dort nicht zugelassen sind.
Eine Befragung zum Einkaufsverhalten unter den Bürgern hatte jedoch zweifelsfrei ergeben, dass sich die Inninger einen zweiten Supermarkt wünschen - auch, weil sie das bisherige Angebot als zu gering erachten. Nur 25,4 Prozent der Befragten kauften demnach in Inning ihre Grundnahrungsmittel ein, der Rest nutzt laut Gemeindeblatt vom Februar dafür offenbar die Supermärkte und Discounter der Umgebung. Daher hat sich die Gemeinde schon einmal Gedanken gemacht, wo so ein neues Einkaufszentrum entstehen könnte. Als die beste Wahl wurde das Nachbargrundstück zum jetzigen Edeka angesehen - allerdings ist dieses Areal nicht Eigentum der Gemeinde. Erste Gespräche mit dem Besitzer, einem Inninger Landwirt, sind dem Vernehmen nach bisher ohne Ergebnis verlaufen.

 

Starnberger Merkur 14.03.2017

Retter in jeder Not, auch wenn die Brücke zu niedrig ist
Freiwillige Feuerwehr - Retter in jeder Not, auch wenn die Brücke zu niedrig ist

ffw-jhv-2017

Inning – Innings Freiwillige Feuerwehr rückte im vergangenen Jahr 102-mal aus, im Vergleich zu 2015 doppelt so oft allein für Verkehrsunfälle. In der Auflistung der Einsätze taucht häufig die Autobahn 96 auf – und ein kurioser Vorfall in Kottgeisering, bei dem ein Fahrer sein vier Meter hohes Gefährt unter einer drei Meter hohen Brücke durchzwängen wollte. Die Inninger Kameraden fahren aber auch aus, wenn die Tür ins Schloss fällt und der Schlüssel von innen steckt, leisten Verkehrsabsicherung und ja, sie löschen auch, wenn es brennt. Im Mai etwa, als im Wald Unrat in Flammen stand oder im August beim Brand eines Abfallcontainers.
Zu jeder Tages- und Nachtzeit waren die Ehrenamtlichen vor Ort: Als der Kiosk am 1. Januar 2016 um fünf Uhr morgens brannte und nach Mitternacht, um die Ölspur beim Gewerbepark zu entfernen, und als sie in den Sommerferien ein Fehlalarm aus dem wohlverdienten Feierabend riss. Ein Engagement, das die 38 Aktiven, die am Montag im Gasthof zur Post in der Jahresversammlung zusammensaßen, ohne zu murren einbringen. 416 Stunden Freizeit steckten die Helfer 2016 in die Einsätze und verbrachten 1070 Stunden bei Übungen, damit im Ernstfall jeder Handgriff sitzt.
Die 14 Jugendlichen bereitete Jugendwart Constantin Grüner in 25 Übungsstunden und fünf Fortbildungen auf das Ehrenamt vor, baute mit dem Nachwuchs den Christkindlstand auf und bediente während des Verkaufs die Spülmaschine. Die Einnahmen aus dem Weihnachtsmarkt ermöglichten die Anschaffung ihrer neuen Jacken. Neu ist auch das Löschfahrzeug TSF-W, das der stellvertretende Kommandant Alexander Rohrmoser mit einem Team im Zillertal abgeholt hatte.
Die Kasse weist ein Plus auf, freute sich Kassier Gerhard Leitmeier. Traurig stimmte der unerwartete Tod vom langjährigen Schriftführer. Mehr als 40 Jahre hatte Rasso Kolb der Feuerwehr die Treue gehalten, erinnerte Kommandant Alexander Dietz. Benedikt Neubauer übernimmt das Amt des Verstorbenen.
Aus seinem neuem Büro im gerade eingeweihten Rathausanbau hat Bürgermeister Walter Bleimaier das Feuerwehrgerätehaus fest im Blick – nicht nur optisch, freute sich Kreisbrandmeister Josef Kraus über die Unterstützung der Gemeinde. Von seinem Fenster aus kann der Rathauschef allerdings auch die Parkplatzproblematik beobachten – ein Problem, das am verkaufsoffenen Sonntag sogar dazu führte, dass sich ein Einsatz verzögerte, weil die Ausfahrt komplett zugeparkt war. Das und die Parkprobleme der Freiwilligen sollen bald der Vergangenheit angehören: Über eine Schranke können die Aktiven in Zukunft auf den Sportweg ausweichen, um demnächst während des Einsatzes auf einer Fläche hinter dem Rathaus parken zu können, versprach Bleimaier. Abschließend spornte der Vorsitzende Falk Zerling die Mitglieder an, für den 33. Landkreislauf, der heuer in Inning ausgetragen wird, Mannschaften zusammenzustellen. Er gratulierte Alexander Hein und Stefan Müller zur Ernennung zum Oberfeuerwehrmann.  mk

 

Starnberger Merkur 13.03.2017

Ich adoptiere eine Familie
Heide Geiser aus Buch hat die Vormundschaft für den 17-jährigen Majid aus Afghanistan übernommen
von Michèle Kirner

Buch – Majid (17) aus Afghanistan lebt seit gut einem Jahr mit drei Cousinen, einem Cousin, Onkel und Tante in Buch – und hätte Heide Geiser vor einem guten Jahr nicht die Vormundschaft für den Jugendlichen übernommen, wäre er vermutlich irgendwo in einem Heim für minderjährige Flüchtlinge gelandet.
Für die 75-jährige Heide Geiser war das eine weitreichende Entscheidung. Die dreifache Mutter und Großmutter muss im Extremfall die Verantwortung einer Erziehungsberechtigten übernehmen, sollte dem jungen Mann etwas zustoßen oder er mit dem Gesetz in Konflikt kommen. „Ein bisschen Sorgen mache ich mir schon“, gesteht die Witwe. Doch außer normalen pubertären Anwandlungen habe sie mit ihrem Schützling bislang keine Probleme, sagt sie. Sie schaut bei ihm ganz genau hin, kontrolliert seine Hausaufgaben, stellt bei Ämtern Anträge für ihn und muss immer genau wissen, wo er sich gerade befindet.
Längst hat sie ihn und die ganze Familie ins Herz geschlossen. Das merkt man, wenn die Patin von „ihrer Familie“ erzählt. Vom Nesthäkchen der afghanischen Familie, das ihr trotzig entgegentrat, nachdem sie den dreijährigen Störenfried im Deutschunterricht ermahnte, ruhig zu sein. Heute freut sich die Kleine und umarmt die „Tante“, wenn sie ihr begegnet. Beschreibt die Patin die beiden Teenager-Mädchen, die die Mittelschule in Herrsching besuchen, sich knallig schminken und das freie Leben offensichtlich genießen, schmunzelt sie vergnügt. Respektvoll spricht sie über den fleißigen Vater, der in zwei Mini-Jobs arbeitet und seiner Frau im großen Haushalt hilft. Sie freut sich, dass die Mutter bereits etwas deutsch spricht und an einem Integrationskurs teilnimmt. Majid und sein Cousin besuchen die berufsvorbereitende Klasse in Starnberg. „Die Lehrerin sagte, sie gehören zu den besten der Klasse“, berichtet die 75-Jährige anerkennend.
Die Bucherin fühlt sich der Familie, die 2013 aus Afghanistan floh, tief verbunden. Die Familie hatte lange versucht, sich im Taliban-Gebiet zurechtzufinden, sie bezahlte Schutzgeld an die Fundamentalisten. Der Teenager Majid und sein Vater sollten sich der Terrormiliz anschließen. Aus Angst schickte ihn seine Mutter mit der Familie der Schwester mit, die über den Iran und die Balkanroute 2015 nach Deutschland gelangte.
Inzwischen sind die sieben Afghanen im wahrsten Sinne in Buch angekommen. „Ein Musterbeispiel für den Willen, sich zu integrieren“, betont Geiser. Gemäßigte Muslime seien sie, der Vater habe sich Ostern 2016 sogar vom katholischen Pfarrer die Füße waschen lassen.
Majid träumt davon, Arzt zu werden. An ein Studium sei jedoch nicht zu denken, sagt Heide Geiser gegenüber ihrem Schützling ganz offen. Aber sie zeigt ihm, wie er mit viel Fleiß erreichbare Ziele anpeilen kann.
„Träume hat jedes Familienmitglied“, weiß die 75-Jährige. Und auch große Sorgen, wie es ihren Lieben zu Hause gehe. „Sie haben hier kein soziales Netzwerk, ihr Deutsch ist noch recht dürftig und ihr Aussehen macht sie für den einen oder anderen sofort zum Feindbild.“ Im Inninger Ortsteil Buch aber sei die Familie beliebt. Heide Geiser: „Viele Bucher sagen mir, die Familienmitglieder seien immer freundlich.“

 

Starnberger Merkur 10.03.2017

Neuer Belag für den Dampfersteg

Mitarbeiter der Bayerischen Seenschifffahrt sind gerade damit beschäftigt, einen Teil des Dampferstegs in Buch zu erneuern. „Wir können lediglich ein Drittel auf einmal ersetzen“, erklärt der neue Chef der Schlösser- und Seenverwaltung in Stegen, Karl-Heinz Mückl. Deswegen muss der eine oder andere Pfeiler, der auch schon recht mitgenommen aussieht, noch warten. Damit der neue Belag eine Weile hält, ist er aus Lärchenholz. Den Arbeitern zur Seite steht das Arbeitsboot mit dem schönen Namen „Goppel“, das unter anderem schwere Hebearbeiten übernimmt. Ende nächster Woche müssen die Arbeiten beendet sein, Saisonauftakt ist am 8. April.
mk/Foto: Michèle Kirner

 

Süddeutsche Zeitung 09.03.2017

Die Zukunft muss warten
Von Astrid Becker

Die Idee hat Charme, ihre Umsetzung jedoch scheint unmöglich zu sein: Seit fast zwei Jahren will Hans-Peter Hübsch seine Gärtnerei am Anger erweitern. Ebenso lang hegt die Gemeinde Pläne, die Grünflächen, die die Gärtnerei umgeben, in ein Gewerbegebiet zu verwandeln - um einerseits Geld für die Renaturierung des Inninger Bachs zu generieren, andererseits einen Unfallschwerpunkt in der Gemeinde beseitigen zu können. Doch ob diese Idee je realisiert werden kann, ist fraglich: Das Vorhaben widerspricht dem Landesentwicklungsprogramm und ist daher nicht genehmigungsfähig. Trotzdem geben weder Hübsch noch die Gemeinde die Hoffnung auf, über einen Antrag auf Zielabweichung die Pläne am Ende doch noch durchsetzen zu können.
Bürgermeister Walter Bleimaier hatte sich das fein ausgedacht: Mit einem einzigen Schachzug glaubte er gleich mehrere Probleme in seiner Gemeinde lösen zu können. Da ist die alteingesessene Gärtnerei Hübsch, die "sich neu erfinden" will, wie ihr Chef es schon 2015 nannte, um "zukunftsfähig zu bleiben". Er hatte bereits mehrmals betont, wenn seinen Ideen von der Erweiterung und Umwandlung in eine Erlebnisgärtnerei nicht stattgegeben werden kann, an einen anderen Standort umzuziehen. Für die Gemeinde wäre dies bitter: Die Gärtnerei zieht Kunden aus der ganzen Umgebung an, besteht seit vier Jahrzehnten und wird von diesem Jahr an auch Gewerbesteuer zahlen müssen. Zudem ist Hans-Peter Hübsch Vorsitzender der hiesigen Gewerbetreibenden und ist als solcher auch recht engagiert.
Und da ist die vom Aussterben bedrohte Bachmuschel, die im Inninger Bach lebt und geschützt werden muss. Dafür allerdings müsste der an dieser Stelle begradigte und eingefasste Bach wieder renaturiert werden. Zudem hat sich die Zufahrt zur Gärtnerei zum echten Problem in der Gemeinde entwickelt. Sie geht direkt von der Ortsdurchfahrt ab und ist nicht nur so eng, dass zwei Kleinwagen kaum aneinander vorbeikommen, sondern auch so unübersichtlich, dass es an der Stelle recht häufig kracht. 2014 kam e s dort zu einem besonders tragischen Unfall, bei dem ein Mann starb, seine Frau schwer verletzt wurde.
Wenn das Areal nun zum Gewerbegebiet würde und Hübsch erweitern dürfte, könnte auch die Zufahrt verlegt werden - und das Areal künftig von der Staatsstraße, die dort parallel zur Lindauer Autobahn verläuft, erschlossen werden. So zumindest war der Plan. Doch so einfach ist es nicht. Denn seit 2012 gilt das neue Landesplanungsgesetz - und das bereitet nun Hübsch und der Gemeinde Kopfzerbrechen. Denn der Betrieb des Gärtners galt bislang als landwirtschaftlich und damit als privilegiert. Weil mittlerweile aber in einer Gärtnerei Produktionsflächen als Verkaufsflächen angesehen werden - der Kunde kann ja im Gewächshaus seine Pflanzen selbst aussuchen - gilt die Gärtnerei Hübsch nun als Einzelhandel, der gegenwärtig dort nicht vorgesehen ist. Die einzige Möglichkeit ist, einen "Antrag auf Zielabweichung" bei der Obersten Landesplanungsbehörde zu stellen. Sollte dieser genehmigt werden, könnte Hübsch erweitern. Und dann würde sich die Gemeinde auch wieder mit ihren Gewerbegebietsplänen befassen.

 

Starnberger Merkur 08.03.2017

Gärtnerei in den Mühlen der Bürokratie
Am Anger - Gärtnerei in den - Mühlen der Bürokratie

Inning – „Wir sind die idyllische Gärtnerei am Bach“, beschreibt Bianca Stroebel die Gärtnerei Hübsch – und die platzt aus allen Nähten. Die mögliche Erweiterung schaffte es am Dienstag auf die Tagesordnung der Inninger Gemeinderatsitzung, der auch Inhaber Hans-Peter Hübsch gespannt folgte. Notwendig für den Ausbau wäre ein kompliziertes „Zielabweichungsverfahren“ – was ein Schritt in Richtung Gewerbegebiet Am Anger sein könnte.
Auf rund 2700 Quadratmeter produziert und verkauft der Familienbetrieb seit den 1970er-Jahren Blumen und Pflanzen. „Wir müssen erweitern, damit wir überleben können“, sagt Geschäftsleiterin Stroebel. Gar nicht so leicht, denn die Gärtnerei liegt im baurechtlichen Außenbereich. Wohl besteht eine Privilegierung als „Produktionsbetrieb im Sinne der Landwirtschaft“, erklärt Bauamtsleiter Andreas Sauer, aber – und jetzt wird’s kompliziert – die würde er beim Bau der rund 800 Quadratmeter großen Verkaufsfläche nördlich vom Parkplatz verlieren. Das zumindest sagt die Regierung von Oberbayern, die in dem Verkaufsraum einen Gewerbebetrieb ohne Privilegierung sieht.
Die Verwaltung steht den Plänen hingegen durchaus positiv gegenüber. Warum also die Erweiterung nicht durch das Gewerbegebiet „Am Anger“ möglich machen? Geht nicht, wehrt der Bauamtsleiter ab. „Dann würde die Gärtnerei gewisse Maße überschreiten.“ Zu groß also für die zulässige Bebauung. Die einzige Möglichkeit sei ein so genanntes Zielabweichungsverfahren.
Barbara Wanzke (Grüne) befürchtet, dass damit Vollsortimentern in dem Areal Tür und Tor geöffnet wird. „Wenn wir das genehmigen, dann kann jeder andere auch.“ Sauer wehrte ab: „Die Genehmigung gilt ausschließlich für die Gärtnerei.“ Bürgermeister Walter Bleimaier wurde noch deutlicher: „Wir genehmigen heute gar nix. Dafür brauchen wir einen Bebauungsplan.“ Der wiederum wird dem Gemeinderat vorgelegt. Johann Ritzer (FBB) wollte wissen, ob man mit dem Verfahren die Möglichkeit ausschließe, ein Gewerbegebiet zu bauen. Sauer verneinte – was für viele gut ist. Vize-Bürgermeisterin Monika Schüßler-Kafka wies darauf hin, dass es sich um eine „lang eingesessene Gärtnerei“ handle, die ihre Existenz auch für die nachfolgenden Generationen sichern wolle. Kosten fielen für die Gemeinde keine an, stand im Beschluss zur Einreichung des Antrags auf Zielabweichung, dem das Gremium mit zwei Gegenstimmen zustimmte. Nimmt die oberste Landesplanungsbehörde diesen an, müsste der Flächennutzungsplan geändert und ein Bebauungsplan erstellt werden.
Die schwierige Zufahrt, die 2015 ein Todesopfer forderte, steht damit erneut im Fokus. Ein Gewerbegebiet könnte den Unfallschwerpunkt mit einer anders geführten Zufahrt lösen, glaubt Bauamtsleiter Sauer. Bis jetzt sei das allerdings lediglich eine Absichtserklärung.  mk

 

Zwei Engel für schwerstkranke Kinder
Hohe Auszeichnung für zwei engagierte Inninger: Das Ehepaar Bronner bekam am Dienstagabend das Bundesverdienstkreuz für ihre Stiftung „Ambulantes Kinderhospiz München“. - Bundesverdienstkreuz
Von Lena Grögor

Inning – Wie geht man damit um, wenn das eigene Kind nicht mehr lebensfähig ist? Wenn es – gerade auf der Welt – für immer die Augen schließt? Oder wenn die Diagnose „unheilbar“ einem den Boden unter den Füßen wegzieht? Wer hilft bei einem derartigen Schicksalsschlag?
Christine und Florian Bronner (beide 54) haben diese Situation gleich zweimal durchlebt. 1994 verloren sie Sohn Simon durch eine unglücklich gewickelte Nabelschnur, zwei Jahre später Tochter Stephanie durch eine Frühgeburt. „Wir haben erlebt, wie es ist, keine professionelle Hilfe zu haben“, erinnert sich Christine Bronner. „Zum Glück haben wir ein stabiles soziales Umfeld.“ Das gab den Bronners Halt – und daraus wuchs der Wunsch, anderen Menschen in ähnlichen Situationen zu helfen.
2004 gründete das Ehepaar das Ambulante Kinderhospiz München (AKM). Es betreut Kinder mit stark lebensverkürzenden und lebensbedrohlichen Krankheiten – und deren Eltern – rund um die Uhr (siehe Kasten).
„Sie sind für betroffene Familien ein Engel“, sagte Landrat Karl Roth am Dienstagabend, als er die Bronners im Landratsamt mit der Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland auszeichnete. „Sie versuchen Tag für Tag, mit Ihrer Arbeit ein Stück Hoffnung und Lebensfreude zurückzugeben“, sagte er vor rund 40 Angehörigen und engen Freunden der Familie.
Darunter war auch Christa Stewens. Sie war bei der Gründung des AKM 2004 Bayerische Sozialministerin und „hat den kleinen unsortierten Haufen von Anfängern geordnet“, wie sich Christine Bronner in ihrer Dankesrede erinnerte. „Diesen Orden dürft ihr euch alle anstecken“, sagte die 54-Jährige in Richtung ihrer Gäste. „Und ohne meinen Mann hätte ich nicht den Mut gehabt, die Stiftung zu gründen.“ Florian Bronner hielt sich bescheiden im Hintergrund und überließ seiner Frau das Feld.
Vielleicht, weil sie es „mit ihrem Charme überall schafft“, wie Roth es formulierte. Denn diesen Charme und das herzliche Lächeln hat sie trotz des Verlusts zweier Kinder nicht verloren, ebenso wenig ihren Elan. Dabei steht der Leitsatz des AKM immer im Mittelpunkt: „Nicht das Leben mit Tagen, sondern die Tage mit Leben füllen.“
„Wir wollen den Kindern Highlights bieten, damit sie ihr Leben leben und nicht leiden“, betonte Christine Bronner. Und so durften einige Kinder auch schon in Feuerwehrautos fahren oder in Polizeihubschraubern mitfliegen.
Bronner selbst kommt aus Bozen, ist studierte Musikpädagogin und -therapeutin, Sozialpädagogin, hat berufsbegleitend soziale Arbeit studiert und eine Ausbildung zur Psychotraumatologin absolviert. Wie viele ihrer ehrenamtlichen Mitarbeiter ist sie geschult für Palliative Care und Krisenintervention. Sie ist das Herz und die Seele der Stiftung. „Sie fährt sogar durch Schnee mitten in der Nacht zu einer Familie, wenn sie gebraucht wird“, erzählte Barbara Schachtschneider, eine enge Freundin und Mitarbeiterin im Hospiz. Florian Bronner stammt aus Inning. Er ist Diplom-Ingenieur, leitet ein mittelständisches Bauunternehmen in München und ist ehrenamtlicher Finanz- und Vorstandschef der Stiftung.
Heute hat das Ehepaar drei gesunde Kinder im jungen Erwachsenenalter: Lena (27), Max (25) und Severin (19). Für Christine Bronner sind es „meine Familie, mein Hund, mein Reh und meine Schildkröten“, die ihr helfen, den täglichen Umgang mit den lebensbedrohlich kranken Kindern zu meistern. Und die Arbeit ist noch nicht getan: In Planung sind ein stationäres Hospiz im Klinikum Rechts der Isar sowie eine Fachstelle.

 

Starnberger Merkur 01.03.2017

Vom Huhn, dem Ei und dem Vergnügen
Asyl - Auch das gehört zur Integration: Ehemaliger Ingenieur aus Inning bringt Flüchtlingen Grundrechenarten bei
von Michèle Kirner

Inning – Klaus Schmitt setzt einen Fuß vor den anderen und zählt „7, 8, 9...“. Vor der jungen Afghanin liegt ein aufgeschlagenes Heft, in der Hand hält sie einen Stift. Aufmerksam verfolgt die 19-Jährige die Bemühungen ihres Lehrers, ihr das Zahlensystem zu veranschaulichen. Vor einem Jahr meldete sich der Vermessungsingenieur beim Helferkreis Asyl in Inning, um die Flüchtlinge zu unterstützen. „Wer nichts kann, bekommt keine Arbeit – und wer nicht arbeitet, kann nicht für sich sorgen“, sagt der Inninger und ist unterdessen sechs Tage mit einer 35-Stunden-Woche als Mathematiklehrer im Einsatz.
Besonders die Vorbereitung kostete den 76-Jährigen viel Zeit. „Ich bin ja kein Pädagoge, sondern Ingenieur.“ Ein anderes Problem sind die meist dürftigen Deutschkenntnisse. Also kreierte er Bilder, mit denen er den Syrern, Eritreern und Afghanen die Grundrechenarten beibringt. So erklärt er das Prozentrechnen mit 100 Hühnern, die je ein Ei legen – und hockt sich zum Vergnügen der Schüler auf den Boden, als sei er das Huhn und lege gerade ein Ei. Ein „Kikeriki“, ein Prozent. Zwei Kikerikis sind zwei und so weiter.
Einige seiner Schützlinge haben nie die Schulbank gedrückt, andere zwölf Jahre lang. Im Einzelunterricht geht er auf die jeweilige Könnensstufe ein. Aber so unterschiedlich wie das Bildungsniveau, so unterschiedlich ist das Engagement. „Leider warte ich oft vergebens zur vereinbarten Zeit auf meine Schüler.“ Er schlussfolgert, dass die deutsche Pünktlichkeit für einige wohl noch gewöhnungsbedürftig sei. Aber immerhin: Zwei Drittel seiner Schüler sind gewissenhaft im Unterricht dabei, das verbleibende Drittel mal mehr, mal weniger.
Unterdessen zog er beim einen oder anderen die Notbremse: „Ich habe gesagt, ich setze den Unterricht aus. Jetzt müssen sie zu mir kommen, damit ich wieder mit ihnen arbeite.“ Der Leidenschaft für den Unterricht tut das keinen Abbruch. „Ich mache es gerne“, betont Schmitt und einige seiner Schüler seien auf einem guten Weg.
Wie der junge Eritreer, der unterdessen eine Ausbildung zum Bauhelfer macht. Schmitt: „Ich werde auf keinen Fall aufgeben und mit denen, die sich engagieren, mache ich weiter.“ Nicht aus reiner Selbstlosigkeit, gesteht der ehrenamtliche Lehrer. „Der Umgang mit den Menschen aus anderen Kulturen ist für mich eine Bereicherung. Sie sind nicht ,verbildet‘, mit wenig zufrieden und freuen sich über Kleinigkeiten.“
Im Unterricht wird viel gelacht. Zum Beispiel, wenn er die Schwätzer ruhigstellt, indem er sie das 1x1 aufsagen lässt. Unterdessen ein „running gag“, denn trifft er einen seiner Schützlinge auf der Straße, dann ruft dieser schon mal: „Herr Schmitt! Sieben mal acht?“ Bei aller Freude, den Staat kritisiert er: „Nach meinem Gefühl benützt der Staat die ehrenamtlichen Helfer, um sich den Anschein zu geben, dass er sich um die Integration kümmert.“
Auf der Tafel hat er für die Afghanin unterdessen eine Tabelle aufgezeichnet, die sie ins Heft überträgt. Auch sie kommt dank Schmitt mit jeder Stunde den Grundrechenarten ein Stück näher, die man im Alltag braucht – und nähert sich damit Selbstständigkeit und Integration.

 

Starnberger Merkur 27.02.2017

Mit Staubsauger auf Insektenjagd
Welche Mücken in der Gemeinde Inning leben und stechen, erforscht Felix Sauer von der Carl-von-Ossietzky-Universität in Oldenburg für seine Doktorarbeit. Inning ist eines der 20 Gebiete, das er bundesweit untersucht. - Mückenplage
Von Sandra Sedlmaier

Inning – Der nächste Sommer kommt bestimmt und mit ihm die Mücken. Die Gemeinde Inning erhält jetzt Aufschluss darüber, welche Mückenarten in ihrer Gemeinde unterwegs sind. Felix Sauer, ein Doktorand der Carl-von-Ossietzky-Universität Oldenburg, hat sich im Inninger Rathaus gemeldet, weil er die Mückenpopulation in der Ammerseegemeinde erforschen will. Bürgermeister Walter Bleimaier freut sich und sichert dem 27-Jährigen die Unterstützung der Gemeinde zu. „Es wird viel geredet über Mücken, aber man hat kaum Datengrundlagen“, sagt der Rathauschef. Deshalb begrüßt er Sauers Vorstoß und bietet an, dass die Gemeinde die Mückenfallen ausleert. „Oldenburg ist so weit weg von Inning – er kann ja nicht ständig vorbeischauen, um die Fallen zu leeren“, sagt Bleimaier. Zwischen Innung und Oldenburg liegen 823 Kilometer.
Sauer stammt aus der Pfalz und hat in Landau Biologie studiert. Nach Oldenburg kam er wegen seiner Promotion. Für seine Doktorarbeit will er erforschen, welche Mückenarten in Deutschland vorkommen und welche Lebensraumbedingungen sie haben. „Ich versuche, typische Stechmückenhabitationen zu finden“, sagt er im Gespräch mit dem Starnberger Merkur. Deshalb sei er nach Gesprächen und Tipps von anderen Forschern auf den Ammersee gestoßen: „Ich suche Gebiete, wo es viele Stechmücken gibt. Mein Fokus liegt auf naturnahen Gebieten.“ Deshalb sei der Ammersee ideal.
An drei Stellen im Gemeindegebiet will Sauer Mückenfallen aufstellen. Laut Bleimaier im Ampermoos, im Bacherner Moos und im Waldgebiet zwischen Schlagenhofen und Buch. Die Mückenfallen seien so genannte CO2-Fallen, sagt der Biologe. Ein kleiner Ventilator ziehe die Tiere hinein. „Die Mücken sterben nicht direkt in der Falle“, berichtet Sauer. Man könne sie nicht in eine Tüte kippen, sondern müsste sie tiefkühlen. Das sei wichtig, weil sie zum Teil genetisch untersucht würden. Man sehe nicht immer auf Anhieb, um welche Arten es sich handle.
Gleichzeitig will Sauer auch selbst ins Gelände gehen und mit einer Art Staubsauger Mücken sammeln. „Ich werde etwa dreimal im Jahr vor Ort sein und mir Bruthabitate anschauen.“ Die Hilfe und Unterstützung der Inninger freut ihn sehr.
Sauers Forschungen sind Teil eines größeren Projekts. Es gehe um Ausbreitungskarten von Stechmücken und um die Übertragung von Krankheiten durch Mückenstiche. „Ich bin der Ökologe in dem Projekt.“

 

Engagiert wie eh und je
Kulturkreis Inning

Inning – Seit bald einem halben Jahrhundert bereichert der Kulturkreis Inning (KKI) mit seinem kulturellen Bildungsangebot die Ammerseegemeinde. Teil des Vereins ist auch die im Ort beliebte und gut angenommene Bücherei. 800 Bücher, Hörbücher und DVDs im Wert von 7700 Euro kamen im vergangenen Jahr für die momentan 441 eingetragenen Leser hinzu, berichtete Büchereileiterin Andrea Handke bei der Jahresversammlung im „Gasthof Post“. Und dass Kinder nicht mehr lesen, widerlegt die Bestenliste: Dauerbrenner wie „Gregs Tagebuch“, „Harry Potter“, Klassiker wie „Die drei ?“ oder „Fünf Freunde“ bleiben nie lange in den Regalen liegen.
Jugendliche unter 18 Jahren, Studenten und Schüler können ohne Mitgliedschaft und somit kostenlos auf die insgesamt 81 000 Medien zugreifen. „Schließlich wollen wir durch die Bücherei Lesen fördern“, begründete Vorsitzende Renate Rehm die Entscheidung. Die jungen Leser fest im Blick veranstalteten die „wunderbaren Mädels, die durch die Bücherei wirbeln“ (Rehm) eine Bücherrallye oder verteilten Taschen mit einem Set für Lesestarter. Heuer planen die Ehrenamtlichen am Marktsonntag einen Jugendbasar und im Ferienprogramm eine gespenstische „Büchereinacht mit Geisterstunde“. Kaum nachgefragt allerdings waren die bilingualen Bücher für Asylbewerber. „Vermutlich, weil die meisten Flüchtlinge nur vorübergehend im Dorf bleiben“, sagte die langjährige Vorsitzende. „Wir geben die Bücher jetzt direkt an die entsprechenden Deutschkurse weiter.“
Ein Erfolg hingegen war die Fahrt für alle angemeldeten Schüler aus Innings Grundschule, die von einer Spende der Bürgerstiftung an den Kulturkreis profitierten und im Residenztheater „Pinocchio“ mit Schauspieler Rufus Beck erleben durften.
Natürlich kommen die Erwachsenen auch nicht zu kurz: Kreative treffen sich viermal wöchentlich zum Aquarellmalkurs bei Brigitte Meyer, es finden Theaterfahrten, Sprachkurse, Führungen oder Rundgänge im Fünfseenland statt, zählte Vize-Vorsitzende Gisela Riedler auf. Und wer an der Tagesfahrt nach Berchtesgaden Ende Juli teilnehmen möchte, muss sich beeilen: Sie ist fast ausgebucht. Die mehrtägige Kulturkreis-Reise führt diesmal in die nördliche Toskana, nach Florenz, Pisa und Lucca. Alle Termine und mehr sind auf der neu erstellten Homepage www.kulturkreis-inning.de eingetragen. Über einen Link sind dort auch Ausleihverlängerungen in der Bücherei möglich. Abschließend präsentierte Kassenwartin Dorothea Dietrich eine „solide Vermögenssituation“ mit einem kleinen, dreistelligen Überschuss. Das Plus spülte die letztjährige Erhöhung der Mitgliederbeiträge in die Kassen, die kaum Austritte zur Folge hatte, freute sich Rehm. Und finanziell hilfreich seien natürlich auch die großzügigen Zuschüsse der Gemeinde.  mk

 

Starnberger Merkur 24.02.2017

Falschparker müssen nun blechen
Interkommunaler Gewerbepark - Mitarbeiter weichen zum Parken auf die Straße aus – Zweckverband: „Das ist nicht in unserm Sinne“
VON ANDREA GRÄPEL

Inning – Es war eine Veranstaltung der gwt (Gesellschaft zur Förderung der Wirtschaftsentwicklung im Landkreis Starnberg), ein Frühstück im Inninger Hotel Ammi, bei der Bürgermeister Walter Bleimaier von Unternehmern aus dem Interkommunalen Gewerbepark Inning/Wörthsee auf die Parkprobleme dort angesprochen worden war. Bleimaier ist zugleich Vorsitzender des dazugehörigen Zweckverbandes und als solcher machte er die Problematik in der jüngsten Sitzung zum Thema. „Wir haben schon zweimal darüber gesprochen“, sagte Bleimaier. Nachdem sich nun weitere Gewerbetreibende beschwerten, dass Autos die Straßen zuparkten, wollte er etwas unternehmen. Und mit ihm die Versammlung: Künftig wird überwacht, Falschparker müssen zahlen.
Tatsächlich stünden nicht alle Autos auf den Firmengrundstücken, weil die Parkplätze dort belegt seien, musste Bleimaier feststellen. Einem Unternehmerwunsch, Grünstreifen in Parkbuchten umzufunktionieren, wollte er aber nicht nachkommen. „Das wäre genau gegen unser Konzept“, sagte er und konnte sich damit der Zustimmung der übrigen Zweckverbandsräte sicher sein. Vornehmlich tauche das Problem im südlichen Teil des Gewerbeparks auf. Dort ist auch eine Kinderbetreuungseinrichtung von „Denk mit!“ zu Hause. Wörthsees Bürgermeisterin Christel Muggenthal merkte an, dass nicht allein Eltern die Straßen zuparken. Sie wusste, dass dort mittlerweile rund 20 Angestellte beschäftigt seien. Inklusive „Denk mit!“-Verwaltung im Obergeschoss. „Die haben schon Probleme“, wusste sie zu berichten.
Andreas Diethelm sprach aus, was andere möglicherweise dachten: „Der Ehrliche ist immer der ...“ – Dumme. Die einen bauten Tiefgaragen, die anderen nicht, dafür bauten sie groß und ließen kaum Platz auf den Grundstücken. Dr. Harald Lossau wollte gar nicht lange fackeln: „Ich würde Parkautomaten aufstellen oder eine Jahresgebühr erheben.“ Zuvor müsse man vielleicht herausbekommen, zu welchem Betrieb diese Autos gehörten. Dirk Bödicker empfahl erst einmal, von jeder Maßnahme abzusehen und stattdessen abzuwarten, bis alle Parzellen fertigbebaut sind. „Dann sollten wir alle an einen Tisch holen.“ Bis dahin sollten alle Unternehmen ihre Mitarbeiter jedoch auf der eigenen Fläche unterbringen. „Also Parkübwachung“, folgerte Bleimaier daraus. Die Versammlung beschloss in diesem Sinne das angeordnete Parkverbot durchzusetzen und zu überwachen.

 

Bäckerei und ihre Kunden helfen Kinderhospiz

Die Gutsbäckerei Kasprowicz verkaufte bereits zum zweiten Mal für den guten Zweck ein ganz besonderes Brot. Bereits ein Jahr zuvor kamen Julian Kasprowicz und seinem Vater Fritz Kasprowicz die Idee, das alljährliche Weihnachtsbrot zu einem „AKM-Brot“ umzugestalten, um der Stiftung Ambulantes Kinderhospiz München – AKM zu helfen. Begeistert von der Idee stimmte Stifterin Christine Bronner direkt zu. So verkaufte die Bäckerei im November und Dezember zum zweiten Mal in den Filialen in Bernried, Dießen, Germering, Pähl, Inning, Pöcking, Schondorf, Utting, Weilheim, Weßling, Wielenbach, Windach und Herrsching das besondere Brot. Viele, viele Brote wurden verkauft und auch die Spendendosen wurden von den Kunden rege bedacht. Nun fand die große Übergabe statt in der neu eröffneten Filiale an der Gewerbestraße in Herrsching beim Rewe City. Insgesamt kamen über 6200 Euro zusammen.  mm

 

Starnberger Merkur 23.02.2017

Auf einmal zahlt Pöcking nichts mehr
Steuer-Rückzahlung

Landkreis – Nicht nur die Gemeinde Pöcking schaut sorgenvoll auf die drohende Rückzahlung von Gewerbesteuern in Millionenhöhe. Auch im Landratsamt ist man hochgradig nervös. Denn sollte der Bundesfinanzhof im kommenden Jahr tatsächlich entscheiden, dass Pöcking rund 25 Millionen Euro Steuern an die Leasingfirma LHI zurückzahlen und diesen Betrag auch noch mit mehr als sechs Millionen Euro verzinsen muss, dann würde das direkte Auswirkungen auf alle Gemeinden im Landkreis Starnberg haben.
„Sollte die Rückzahlung kommen, würde Pöcking im Jahr 2020 exakt 0 Euro an Kreisumlage bezahlen“, so Bürgermeister Rainer Schnitzler am Dienstagabend bei der Vorstellung des Haushalts. Die Gemeinde Pöcking – zwar klein, aber finanziell seit Jahrzehnten auf Rosen gebettet – ist allerdings traditionell einer der größten Kreisumlagezahler im Landkreis. Heuer überweisen die Pöckinger fast elf Millionen Euro nach Starnberg.
Sollten sie mit einem Mal gar nichts mehr zahlen müssen, würde das bedeuten, dass im Haushalt des Kreises ein Millionenloch klafft. Das von den 13 anderen Gemeinden geschlossen würde. „Die Kreisumlage würde wahrscheinlich um drei bis vier Prozentpunkte steigen“, schätzte Schnitzler weiter im Finanzausschuss.  set

 

Starnberger Merkur 21.02.2017

Vorsichtiger Optimismus in Inning
Bürgerversammlung - Finanzen stabil – Bürgermeister setzt Schwerpunkte 2017 auf Verkehr und Wohnraum
von Michèle Kirner

Inning – Was die Finanzen angeht, ist der ehemalige Banker und aktuelle Bürgermeister in Inning, Walter Bleimaier, „vorsichtig optimistisch“, sieht jedoch in Form der Kreisumlage „dunkle Wolken aufziehen“. Nachdem die Inninger im Januar 2016 der Entlastungsstraße zum zweiten Mal an der Urne eine Abfuhr erteilten, rückt heuer ein ausgereiftes Verkehrskonzept verstärkt in den Fokus. Außerdem entsteht sozialer Wohnraum – und die Gemeinde wuchs um vier Prozent auf 5118 Einwohnern an, berichtete der Rathauschef bei der Bürgerversammlung am Montag im gut besuchten Vereinsheim „Spectacel“.
Trotz Befürchtungen vor einem Jahr, dass die Pro-Kopf-Verschuldung ansteigt, sank diese sogar um etwa 30 Euro auf 190 Euro ab. Das ist weit unter dem Landkreisdurchschnitt von 463 Euro. Dies und der befürchtete Rückgang der Rücklagen durch den nun fertiggestellten Rathausanbau blieb aufgrund der hohen Gewerbesteuereinnahmen aus. Sogar Kredite wurden weiter getilgt. So sind von den in den 90er Jahren investierten 18 Millionen Mark in die Grundschule noch 192 000 Euro Schulden übrig. „Ich erinnere mich noch an Diskussionen, dass die Gemeinde pleite ginge, wenn sie das baut“, blickte Bleimaier zurück. Das Ziel ist es, alles abzuzahlen, bevor größere Renovierungsarbeiten angegangen werden.
Alles gut also, wären da nicht jene Gewitterwolken: „Die hohen Investitionen des Kreises schlagen sich logischerweise in der Kreisumlage nieder.“ Diese lag im vergangenen Jahr mit gut 2,5 Millionen Euro auf Platz eins der Inninger Ausgaben. Tendenz steigend, meinte Bleimaier in Anbetracht von Gymnasiumsbau in Herrsching und der FOS/BOS in Starnberg. In Inning in Angriff genommen wird das Verkehrskonzept, die Priorität liegt bei der Erneuerung der Ortsdurchfahrt. Davon übernimmt das Staatliche Bauamt die Planung und den Bau des Straßenkörpers – was bedeutet, dass für Bürgersteige und Straßenbeleuchtung die Anlieger mitbezahlen. Ein weiteres Projekt ist es, wie berichtet, die leer stehende, ehemalige Weinstube mit Leben zu füllen. Bleimaier warb vor der Bürgerschaft für ein „Kulturhaus“. Ebenfalls neu entstehen soll sozialer Wohnraum im alten Bau- und Wertstoffhof. Jenen übernimmt der Verband Wohnen, das Achtfamilienhaus in Buch baut wie berichtet die Gemeinde in Eigenregie.
In Sachen Asyl bekamen die Helfer ein dickes Lob, das der Bürgermeister auf die Nachbarschaftshilfe, die Freiwilligen von Wasserwacht und Feuerwehr, die Vereine, die Aktiven des „Highlights 750 Jahre Stegen“ sowie die fleißigen Gemeinderäte ausweitete.

 

Süddeutsche Zeitung 21.02.2017

Explosionsgefahr in Inning
Von Christian Deussing

"Akute Explosionsgefahr" bestand nach Einschätzung der Feuerwehr am Montagmorgen in Inning. Ein Ventil am Verschluss eines Flüssiggastanks sei undicht gewesen, berichtete der Einsatzleiter der Inninger Feuerwehr, Alexander Rohrmoser. Aufgrund der Explosionsgefahr wurden angrenzende Häuser evakuiert, zudem musste der Edeka-Markt gegenüber für zwei Stunden schließen. Laut Polizei wurde niemand bei dem Vorfall verletzt. Ein Mitarbeiter einer Druckerei an der Hauptstraße hatte gegen 7.30 Uhr am Flüssiggastank neben der Werkstatt stechenden Geruch bemerkt und sofort Alarm geschlagen. Die Feuerwehr sperrte daraufhin die Ortsdurchfahrt für zweieinhalb Stunden, zeitweise betraf dies auch die Ausfahrt an der Lindauer Autobahn. Im Einsatz waren insgesamt 35 Feuerwehrleute - auch aus Buch, Eching und Weßling. Etwa 20 Einwohner, darunter auch Familien mit Babys und Kleinkindern, wurden in der Turnhalle außerhalb der Gefahrenzone von Sanitätern betreut. In der Grundschule in der Nähe durften die Kinder nicht auf den Pausenhof, die Fenster und Türen waren zu schließen. "Für fünf Minuten durften meine Schüler aus dem Fenster schauen und die Feuerwehrleute beobachten", erzählte eine Lehrerin. Den Einsatz "spannend" fand ein Bub aus der Nachbarschaft der Druckerei.
Deren Chef, Manfred Grabowski, war jedoch erschrocken, was passiert ist. Denn sein 4800 Liter fassender Propangastank sei erst vor fünf Monaten vom TÜV überprüft worden. "Das war ein Schreck in der Morgenstunde und hat den betrieblichen Ablauf gehörig durcheinander gebracht", sagte der 61-jährige Firmeninhaber. Sein Mitarbeiter habe aber alles richtig gemacht. Der Druckerei-Chef sah später zu, wie der Lieferant aus Geretsried das restliche Gas abpumpte. Das marode Ventil muss ausgetauscht werden. Die Messgeräte der Feuerwehr schlugen zuvor im Keller der Druckerei aus, aber nicht in den Untergeschossen der evakuierten Häuser in der Schornstraße und "Am Kehlfeld". Nach der Entwarnung konnten sämtliche Bewohner in ihr Heim zurückkehren.
Wegen des Gasalarms und der schnellen Sperrung konnte zwei Stunden lang kein Kunde den Edeka-Markt mehr betreten. Den Parkplatz benötigten zudem Einsatzfahrzeuge. "Das hat uns natürlich erheblich getroffen", sagte Inhaber Jürgen Graf der SZ. Er befürchtet dadurch Umsatzeinbußen von "rund 20 Prozent". Graf hat vor wenigen Wochen ähnliches Pech gehabt: Damals war die Straße vor seinem Supermarkt wegen eines schweren Verkehrsunfalls zwischen Inning und Buch stundenlang gesperrt. Auch das habe Kunden gekostet, aber gegen solche Fälle könne man nichts machen, betonte der Marktleiter
Nach dem Gasunglück auf dem Gelände der Druckerei am Montagmorgen schließt die Herrschinger Polizei ein fahrlässiges Handeln oder eine Manipulation am Tankverschluss bislang aus. Die Ermittler gehen davon aus, dass das Ventil womöglich durch den Frost im Erdreich marode geworden ist und somit das Flüssiggas in geringer Menge entweichen konnte.

 

Starnberger Merkur 16.02.2017

Tausche zwei Gäch gegen einen Scheidl
Fußballabteilung des SV Inning verkauft ein eigenes Sammelbild-Album – 9000 Euro zugunsten der Jugendarbeit
Von Michael Baumgärtner

Inning – Wer kennt sie nicht, die Panini-Alben. Alle zwei Jahre, wenn Welt- oder Europameisterschaften stattfinden, packt die Fußballfans das Sammelfieber. Groß und Klein kaufen, tauschen und kleben die Bildchen der Nationalspieler in ihr Heft. In Inning grassiert seit einigen Wochen auch das Sammelfieber. Fußball-Abteilungsleiter Markus Spiewok hatte mit Özcan Koc, Geschäftsführer eines Lebensmittelgeschäfts in Eching, die Idee, ein Stickeralbum mit allen Spielern des SV Inning aufzulegen. Der Erfolg gab den beiden Recht: Bislang konnte Koc knapp 9000 Euro an Spiewok überreichen, die durch den Verkauf der Klebebilder erlöst wurden und die der Jugendarbeit des SVI zugute kommen.
„Beim Bäcker, im Sportgeschäft, auf Hallenturnieren. Überall werde ich auf dieses Projekt angesprochen.“ Markus Spiewok hätte nie und nimmer gedacht, dass die Idee, ein vereinseigenes Sammelalbum anzubieten, so einschlägt. „Alle Spieler, ob jung oder alt, sind im Kaufrausch und im Tauschfieber. Ob in der Schule oder im Training, überall wird getauscht“, freut sich der Fußball-Abteilungsleiter des SV Inning.
Ganz neu war das Konzept für ihn nicht. Er kannte die Idee bereits vom MTV Berg. Und als ihm Özcan Koc den Vorschlag machte, für den SV Inning ein eigenes Heft zu erstellen, war er sogleich Feuer und Flamme. „Gemeinsam mit einer Spielermama suchten wir uns das passende Layout für das Album und die Sticker aus“, erzählt der 40-Jährige. „Auch welche Chronikfotos reinkommen, die Werbepartner, das Präsidium und welche Angaben auf den Stickern erscheinen, wählten wir individuell aus.“
Nun mussten nur noch sämtliche Spieler, Trainer und Funktionäre abgelichtet werden. An einem Samstag lud Spiewok zum Fotoshooting ins Vereinsheim ein. 236 Spieler sowie 33 Trainer aus 15 Mannschaften, von den G-Junioren bis zur AH, wurden im 20-Minutentakt fotografiert. „Und auch unsere größten Sponsoren und Werbepartner erhielten einen Platz im Stickeralbum und konnten sich dort verewigen“, sagt Spiewok.
Nach monatelanger Vorarbeit war es am 11. November 2016 endlich so weit: Die Alben und Bilder standen bei REWE Eching zum Verkauf. Seitdem heißt es „Tausche zwei Christian Gäch gegen einen Xaver Scheidl“ oder „Du bekommst von mir die Meister-Mannschaft von 1951, wenn du mir dafür das Bild mit dem DFB-Pokalspiel von 1983 gegen den TSV 1860 München gibst“. Das wird auch am kommenden Wochenende so sein, wenn der SV Inning bei seinem Jugendturnier in der Halle eine Stickertauschbörse organisiert.
Ein Album kostet 6 Euro, ein Tütchen mit vier Klebebildchen 2 Euro. Vier Tage nach dem Verkaufsstart „waren schon 2600 Euro in der Kasse. Der Wahnsinn“, erzählt Spiewok. Wenige Wochen später hatte sich der Erlös fast vervierfacht. Über Weihnachten war die Nachfrage gar so hoch, dass die Sticker kurzfristig ausgingen. Aber es wurde schleunigst nachbestellt, und bis heute haben Koc und Spiewok rund 200 Alben und etwa 4000 Sticktertüten an den Mann gebracht – was summa summarum rund 9000 Euro Reingewinn in die Kasse der Jugendabteilung spült. „Ich komme aus dem Staunen nicht mehr heraus, mit so einer riesigen Summe hatte ich nicht gerechnet“, sagt Spiewok.
Was er mit dem Geld anfängt, weiß der Abteilungsleiter auch schon: „Mit dem Erlös werden wir uns neue, zeitgemäße Jugend- und Trainingstore anschaffen und die alten abschaffen. Außerdem können wir unsere Mannschaften finanziell für Ausflüge, Events, Turniere und andere Dinge unterstützen.“

 

 

Süddeutsche Zeitung 13.02.2017

Gewerbegebiet Inning - Gemeinsam zum Ziel
Von Patrizia Steipe

Der Kaufvertrag für die drei letzten freien Flächen soll am 9. März unterschrieben werden: Dann sind alle Parzellen des interkommunalen Gewerbeparks Inning/Wörthsee vergeben. Kurz vor dem Ende der Vermarktung hatte Christoph Winkelkötter von der gwt (Gesellschaft für Wirtschafts- und Tourismusentwicklung) gemeinsam mit den beiden Bürgermeistern Walter Bleimaier aus Inning und Christel Muggenthal aus Wörthsee zu einem Unternehmergespräch eingeladen. "Das Ganze ist eine Erfolgsgeschichte", sagte Winkelkötter zu den Firmenvertretern, die zahlreich ins Hotel Ammi gekommen waren.
Vor etwa fünf Jahren hatte die Vermarktung des 8,2 Hektar großen neuen Gewerbestandorts begonnen. Die Kooperation der beiden Gemeinden war ein Experiment, der interkommunale Gewerbepark der erste in Oberbayern. Und keiner wusste, ob das Ganze tatsächlich funktionieren würde. Das Treffen war deswegen auch eine Gelegenheit, sich gegenseitig auf die Schultern zu klopfen. "Wir haben uns schon immer gut verstanden", betonte Muggenthal. Jetzt, da in beide Gemeindekassen die in zwei Hälften geteilten Gewerbesteuern eintrudeln, verstehen sich die Kommunen noch besser. Im vergangenen Jahr hatte es bereits 352 000 Euro zum Verteilen gegeben.
Die Gewerbeflächen, die in der Inninger Peripherie liegen, mussten nicht mühsam an den Mann gebracht werden. "Im Mai 2012 begann die Vermarktung, zwei Jahre später waren bereits 60 Prozent verkauft", berichtete Alexander Eberl von der Entwicklungsgesellschaft DSK. Dabei habe längst nicht jeder, der wollte, den Zuschlag für ein Grundstück bekommen. "Wir haben genau ausgewählt", so Eberl. "Hochwertig" sollte das Gewerbe sein, und die Bauwerber sollten möglichst aus der Region stammen.
Für die Unternehmer sei die Ansiedlung vor allem wegen der Anbindung an die Autobahn interessant gewesen. Einige wie beispielsweise Codello, das Modeunternehmen für Schals und Tücher, hatte in Hechendorf nicht expandieren können. Auch die Firma Brodbeck aus Etterschlag und Metz aus Inning konnten am neuen Standort endlich erweitern. Der Branchenmix der 51 Unternehmen reicht vom Kindermöbelhersteller und einem Geschäft für Garten- und Landwirtschaftsgeräte über den Hersteller von Zielfernrohren und Ferngläsern bis hin zum Projektentwickler für Wohnungsbau, dem Unternehmen für Medizintechnik, dem Versicherer für Juwelen, dem Glückwunschkartenverlag, dem Softwareentwickler und dem Katamaranhersteller. Außerdem gibt es die Kinderkrippe von Karin Bader, deren Kinderbetreuungsunternehmen "Denk mit" am Gewerbepark seinen Verwaltungssitz hat.
Dem Zweckverband war es wichtig, nicht eines der üblichen zugepflasterten und zugeparkten Gewerbegebiete zu realisieren. Fast ein Drittel der Fläche wurde deswegen begrünt. Den Unternehmern ist das mittlerweile zu viel. Denn die Parkplätze reichen nicht mehr aus. Vor allem die Eltern, die in der Früh ihre Kinder zur Krippe bringen, bräuchten mehr Parkplätze, betonte Karin Bader. Die Idee eines Unternehmers, aus den Grünstreifen Parkbuchten zu machen, wies Bleimaier jedoch zurück. "Wir wollten viel Grün, deswegen gibt es das Wort 'Park' im Namen." Die Gemeinden werden aber nach einer Lösung suchen, versprach er. Eventuell könnte ein Parkhaus errichtet werden.
Das Parkproblem kennt Winkelkötter auch von anderen Gewerbegebieten. Der Grund dafür sei die steigende Anzahl an Computerarbeitsplätzen. In den Firmengebäuden könnten somit mehr Beschäftigte untergebracht werden - und dafür reichten die vorgeschriebenen Stellplätze nicht. Abhilfe könnte eine verbesserte Anbindung an die S-Bahnlinien S 4 und S 8 bringen. Es gibt zwar eine Bushaltestelle im Gewerbepark, aber die Busse fahren viel zu selten, kritisierten die Firmenvertreter. Beim nächsten Fahrplanwechsel im Dezember soll es eine Verbesserung geben, wusste Winkelkötter. Ein Problem haben die Firmen selbst gelöst: die Verköstigung. Um die Kantine auszulasten, öffnete Codello das Firmenrestaurant für die Mitarbeiter der anderen Betriebe. Von allen Seiten gab es dafür Lob.

 

Starnberger Merkur 11.02.2017

Weg frei für den Tankstellen-Umzug
Gewerbegebiet - Weg frei für den Tankstellen-Umzug

Inning – Die Inninger kommen dem Wunsch nach weiteren Gewerbefläche ein Stück näher. Wie berichtet, ist südlich des interkommunalen Gewerbeparks eine weitere Fläche für Gewerbe – diesmal allein von der Gemeinde Inning – in Planung. Die Gemeinde hofft mit dieser Planung, auch die noch mitten im Ort befindliche Jet-Tankstelle an den Ortsrand zu verlegen. „Das war ja der Wunsch“, so Bauamtsleiter Andreas Saur.
In der jüngsten Ratssitzung nickten die Damen und Herren im kalten Sitzungssaal vom Haus der Vereine die Einwendungen und Anregungen der frühzeitigen Beteiligung der Öffentlichkeit meist einstimmig durch. Auch den Einwand des Aral-Konzerns, dem die näher rückende Konkurrenz einer Billig-Tankstelle so gar nicht schmecken mag. „Das darf aber nicht dazu führen, dass die gemeindlichen Belange zur innerörtlichen Entwicklung hinten anstehen müssen“, heißt es in der Antwort darauf von der Bauverwaltung. Sie verweist zudem darauf, dass sich im Vorfeld natürlich Gedanken über eine Standortsicherung und den Fortbestand der Aral-Tankstelle gemacht wurden. Mehr als diese beiden Tankstellen sollen es im Ortsbereich Inning deshalb auch auf keinen Fall werden. An dem vorgesehenen Standort des künftigen Gewerbegebiets hält die Gemeinde deshalb fest. Zur Entschärfung der Verkehrssituation an der Bundesstraße ist am südlichen Ende des Plangebiets nun eine Stichstraße vorgesehen, über die die Jet-Tankstelle angefahren werden soll. Gegen drei Stimmen wurde dem zugestimmt. Und weil ein Teil des Umgriffs noch im Landschaftsschutzgebiet (LSG) liegt, soll die Planung in A und B geteilt werden. Damit in A schon begonnen werden kann, so lange das Herausnahmeverfahren aus dem LSG noch läuft.  grä

 

Zuschlag für die letzten drei Unternehmer

Interkommunales Gewerbegebiet Inning und Wörthsee in Zusammenarbeit Vorreiter in der Region – Neue Kosten nach archäologischen Grabungen - von sebastian raviol

Wörthsee/Inning – Sechseinhalb Jahre nachdem das interkommunale Gewerbegebiet Inning-Wörthsee in die Wege geleitet wurde, zeichnet sich der Abschluss ab. Bis 9. März sollen zu den 51 ansässigen Unternehmen drei weitere hinzukommen – dann sind alle Parzellen der 82 000 Quadratmeter großen Fläche belegt. Bei einem Treffen blickten Christoph Winkelkötter (gwt-Chef), Alexander Eberl (Leiter der beauftragten Entwicklungsgesellschaft DKS) sowie Wörthsees Bürgermeisterin Christel Muggenthal und deren Inninger Amtskollege Walter Bleimaier zurück – und voraus. Denn die anwesenden Unternehmer hatten auch etwas zu monieren.

Entstehung - „2009 gab es den ersten Kontakt der beiden Gemeinden“, sagt Eberl. Zwei Jahre später habe sich das Projekt konkretisiert, Verträge wurden geschlossen. Muggenthal erklärt: „Die Basis war, dass sich die beiden Gemeinden sehr ähnlich waren.“ Beide wollten Gewerbeflächen entwickeln und taten dies nach Hinweis von Winkelkötter gemeinsam. „Der Wörthseer Gemeinderat war schnell dabei, die Inninger haben die Vorteile nicht gleich gesehen.“ Bürgermeister Bleimaier erinnert sich: „Weil die Fläche und Ausgleichsflächen auf Inninger Flur liegen.“ Dennoch werden die Gewerbesteuereinnahmen 50:50 aufgeteilt. „Inzwischen wissen die Inninger aber, dass es ein Erfolgsmodell ist“, sagt Bleimeier. Es sei das erste Interkommunale Gewerbegebiet in ganz Oberbayern gewesen.

Entwicklung - Im Mai 2012 begannen die Planer, die Fläche an der A 96 und B 471 zu vermarkten. Schon fünf Monate später war die Hälfte der Parzellen reserviert. Im November 2014 waren mehr als 60 Prozent verkauft. „Es gab dann eine kleine Durststrecke, weil die Flächen so groß waren“, sagt Eberl. Über 150 Unternehmer waren interessiert – die Branchen Logistik, Einzelhandel, Kfz und Industrie schieden aber von vornherein aus. Mittlerweile sind 51 regionale Unternehmen angesiedelt. Sie bilden die unterschiedlichsten Branchen ab: von Juwelen-Versicherung, Katamaran-Herstellung bis hin zu Rasenmäher-Reinigungstechnik sind besondere Dienstleistungen vorhanden. „Viele kleine mittelständische Unternehmen mit Expansionsbedarf“, sagt Winkelkötter, „von denen wir ja auch profitieren. Wir wollen ihnen eine Heimat bieten.“ Die Nachfrage ist weiter enorm. Eberl berichtet: „Es vergeht kaum eine Woche, in der nicht ein Unternehmen anfragt.“

Finanzen - 14,4 Millionen Euro nehmen Inning und Wörthsee mit dem Flächenverkauf ein. 10,83 Millionen Euro hat das Projekt bis dato gekostet, davon sind 5,61 Millionen Euro Erschließungskosten. Noch haben nicht alle Unternehmen den Geschäftsbetrieb aufgenommen. Im vergangenen Jahr flossen 352 000 Euro an Gewerbesteuer. „Das Steueraufkommen ist gut“, sagt Muggenthal. Zum Überschuss für Wörthsee sagt sie: „Wir werden sicher nicht den ganzen Topf aufbrauchen.“ Auch Amtskollege Bleimaier betont, mit dem Überschuss wolle Inning Rücklagen bilden. Derzeit wird mit insgesamt 3,58 Millionen Euro gerechnet, die übrig bleiben.

Probleme - Der Überschuss wird allerdings noch geschmälert. „Es kommt noch eine unerwartete Rechnung auf uns zu“, sagt Bleimeier. Archäologische Grabungen (April 2012 bis Mai 2013) förderten zu Tage, dass der Boden der unbebauten Fläche belastet ist. „Für Landwirtschaft wäre die Grenze nicht überschritten, für einen Erdwall schon.“ Die „Reinigung“ koste mehrere hunderttausend Euro. Unternehmer kritisierten die Parkplatzsituation im Gewerbepark. „Wir haben schon über ein Parkhaus nachgedacht“, sagte Bleimeier, „am Kreisverkehr würde es sich anbieten.“ Während die Kantine eines Unternehmers von mehreren Betrieben genutzt wird, könnte die ansässige Kita mehr Zulauf aus dem Gewerbepark vertragen. Bislang kommen dort nur fünf „Unternehmenskinder“ unter.

Zukunft - Die vorerst letzten Parzellen des Gewerbeparks sollen bei einem Notartermin am 9. März an Unternehmen übergehen werden.

 

Starnberger Merkur 10.02.2017

„Wir stoßen an unsere Grenzen“
helferkreis Asyl - Innings Aktive sehen sich vor veränderte Herausforderungen gestellt und suchen dringend Unterstützung
VON ANDREA GRÄPEL

Inning – Nach eineinhalb Jahren Flüchtlingsbetreuung ist das Engagement in Inning ungebrochen. Es gab aber auch ein tiefes Tal. „Wir wollen gar nicht Dampf ablassen. Aber wir wollen zeigen, was wir leisten und wo wir an Grenzen stoßen“, sagt Anja Wagatha. Die Gemeinderätin ist Sprecherin des Koordinationsteams des Helferkreises Asyl in Inning. Am Mittwochabend setzten sich alle zusammen, zogen Bilanz und baten um Unterstützung, denn die Anforderungen haben sich geändert: „Wir brauchen neue Helfer, Paten, Sprachtrainer, Arbeitsvermittler und ab März auch eine neue 450-Euro-Kraft.“
Zirka 80 Helfer sind in der Ammerseegemeinde aktiv. Sie betreuen insgesamt 117 Flüchtlinge aus neun Nationen. Seit Ende vergangenen Jahres unter der Ägide der Regierung von Oberbayern. „Die sind anders strukturiert, es ist eindeutig besser“, finden die Inninger Helfer. Statt Jonas Betterplace stellt nun European Homecare Personal. Dafür hakt es bei der Sozialbetreuung durch Hilfe von Mensch zu Mensch – Krankheit, Urlaub und Kündigung führten offenbar dazu, dass diese Stelle in Inning seit Dezember nur noch sporadisch bis gar nicht besetzt ist. „Wir haben uns viel geärgert“, gesteht Anja Wagatha. Seit vergangener Woche ist eine zweite Kraft angestellt. „Wir hoffen, dass die uns eine Hilfe wird.“
Die Arbeit der Helfer wird unterdessen vor immer neue Herausforderungen gestellt, auch die der Paten wie Dr. Hartmut und Marianne Gieseler oder Heide Geiser. Nach eineinhalb Jahren baut sich Nähe auf. Vormundschaften werden übernommen. Das ist ein Problem, vor allem wenn das Thema Abschiebung wie ein Damoklesschwert über allem schwebt. In Inning kommt der Großteil der Flüchtlinge aus Ländern mit geringer Aufenthaltswahrscheinlichkeit. Die meisten dieser Menschen zum Beispiel aus Nigeria oder Somalia leben hier, lernen Deutsch, wollen sich integrieren und können es kaum, weil ihre Integrationskurse nicht gefördert werden. Und die Arbeitgeber, die es trotzdem mit ihnen probieren wollen, auch nicht. „Wir brauchen dringend Niedrigjobs“, sagt Christa Niehaus, die sich dem schwierigen Bereich Arbeitsvermittlung widmet. Immerhin konnten 14 Flüchtlinge vermittelt werden. Und natürlich reicht Alltagsdeutsch im Beruf in der Regel nicht mehr aus. „Die Gruppen werden kleiner, der Aufwand größer“, sagt Jutta Göbber, Sprecherin der 20 Sprachtrainer. „Wir müssen aufpassen, dass wir uns nicht verzetteln.“
Astrid Arlt gehört zu diesem Trainerteam. Die gelernte Hotelkauffrau ist von Anfang an dabei. Die Arbeit macht ihr Spaß. So viel, dass sie sich für rund 500 Euro in einem Wochenseminar in Köln zur kulturellen Sprachtrainerin weiterbildete. Die Betreuung habe sich verändert, bestätigt sie. Sprachtraining für Schüler reiche mittlerweile in den Bereich Nachhilfe hinein. „Eigentlich hätte ich nicht in Rente gehen brauchen“, sagt auch Klaus Schmitt. Der Vermessungsingenieur gibt Mathe-Unterricht für Schüler, Auszubildende und Berufstätige. 15 Stunden unterrichtet er in der Woche.
Innings Zweite Bürgermeisterin Monika Schüßler-Kafka freut sich über dieses Engagement sehr. „Nur so ist es möglich, dass wir friedlich miteinander leben – Integration muss funktionieren“, sagt sie und fordert die Regierungen auf zu handeln. „Es gibt Defizite, die müssen angegangen werden.“ Heide Geiser nennt es Expertenwissen der Helfer, das bedauerlicherweise nie abgefragt würde, wenn Entscheidungen getroffen werden.

 

Inning - Einladung zum Dauerflohmarkt

„Die Hilfsbereitschaft der Inninger ist groß, aber in den Köpfen der Inninger ist es noch immer eine Flüchtlingseinrichtung“, bedauert Bettina Gabler vom Dauerflohmarkt „Hand in Hand“. Dabei würden sich alle freuen, wenn noch mehr Inninger kämen. Der Flohmarkt ist seit gut einem Jahr im alten Bauhof in Inning (Gartenstraße 5) untergebracht. Dienstags von 16 bis 18 Uhr und samstags von 11 bis 13 Uhr ist geöffnet. Wenn etwas Besonderes gesucht wird, wird es regelmäßig unter www.asylhelferkreis-inning.de veröffentlicht. Mitstreiter zum Beispiel sind auch willkommen. grä

 

Starnberger Merkur 09.02.2017

Was haben Ratsrunden und Fußball gemeinsam?

Inning – Als Ehemann der zweiten Bürgermeisterin Innings, Monika Schüßler-Kafka, hat Peter Müller von Haus aus ein Interesse an der Gemeindepolitik und ist deshalb häufig Zuhörer bei Inninger Gemeinderatssitzungen. So auch am Dienstagabend. Diesmal hat es ihn zu seiner Sicht der Dinge verleitet:

„DFB-Pokal oder Gemeinderatssitzung? Es war eine schwierige Entscheidung. Ich habe mich für Inning entschieden. 30 Tagesordnungspunkte, die am Anfang schnell abgehandelt wurden. Es sah nach einem hohen Sieg für den Gemeinderat aus. Abstimmungsergebnisse mit 17:0 zeigen Einigkeit. Ohne große Diskussion konnte ,Spielführer’ Bürgermeister Bleimaier verschiedenste Bauanträge abhaken. Bei dem Tempo sehe ich die zweite Halbzeit des Spiels FCB gegen Wolfsburg auch noch! Dachte ich. Aber ich habe die Rechnung ohne Frau Wanzke gemacht.
In der zweiten Halbzeit der Sitzung kam die Wende. Das Spiel wurde zerfahren. Die Taktik über den Haufen geworfen, dem Zuschauer wurde gezeigt, dass es auch anders geht. Zu viel Harmonie schadet der Aufmerksamkeit. Was sind schon Bauanträge für Mehrfamilienhäuser gegen einen Erlass für Redaktionsrichtlinien des Gemeindeblattes?
Es ging um Werbung im Gemeindeblatt, die man verhindern möchte. Macht Sinn. Der Bürgermeister möchte keine Werbebroschüre, sondern möglichst ein Gemeindeblatt mit viel Information auf zwölf Seiten. Jetzt kam es zum Schlagabtausch. Denn diese Redaktionsrichtlininien, die kein Mensch später wieder lesen wird, sind laut Barbara Wantzke unstrukturiert und müssten neu verfasst werden. Auch der Hinweis, dass diese Richtlinien nur zum Schutz gegen Werbung dienen, beruhigten sie nicht.
Das ein oder andere Gemeinderatsmitglied nutzte die Diskussion für einen Gang zur Toilette und war bei Wiedererscheinen erstaunt, dass die einseitige Diskussion noch immer anhielt. Auch der Hinweis vom Bürgermeister, dass die Redaktionsrichtlinien aus einer Vorlage des Bezirkes Oberbayern übernommen wurden, hielt Frau Wanzke nicht davon ab, darauf zu bestehen, dass man diese komplett überarbeitet müsse. Dies sollte die erste Aufgabe des neuen Geschäftsleiters sein. Endlich forderte ein Gemeinderatsmitglied den Bürgermeister auf, abstimmen zu lassen. Ergebnis: 13:4. So kann man Sitzungen verlängern.
Dann kam der Höhepunkt. Ein Antrag der BIZ und der Grünen für einen nicht nur beratenden, sondern beschließenden Bauausschusses. Jetzt wurde es konfus. Ein Mitglied der antragstellenden Fraktion stellte tatsächlich die Frage: ,Verstehe ich es richtig, dass ich das, was wir beantragt haben, verstanden habe? Haben wir beantragt, dass die Bauauschussmitglieder jetzt beschließen dürfen oder nicht. Was haben wir denn eigentlich beantragt?’ Das war dann das Eigentor. Im Pokal wären sie jetzt draußen. Die letzten Minuten Bayern-Wolfsburg habe ich übrigens noch gesehen. 1:0 gewonnen, aber langweilig, laut Reporter. Hatte ich mich doch richtig entschieden?“

 

Wie modern darf ein Gemeindeblatt sein?
Wie modern darf ein Gemeindeblatt sein?

Inning – Das Gemeindeblatt der Gemeinde Inning hat eine Tradition, die weiter zurückreicht als die der üblichen Gemeindeblätter, die Verlage für Gemeinden durch Anzeigen finanzieren. In Inning gibt es dazu eine ganz klare Meinung: „Das wollen wir nicht.“ Vielmehr sollte das Gemeindeblatt weiter allein dafür stehen, Vereinen und Organisationen und natürlich auch der Gemeinde zu ermöglichen, Mitteilungen zu veröffentlichen und Innings Bürger somit auf dem Laufenden zu halten. Und doch hat es in jüngster Vergangenheit eine überarbeitete Neuauflage geben. Das ehedem schwarz-weiß bedruckte Faltblatt hat nicht nur Farbe bekommen, sondern auch einige Seiten mehr – insgesamt zwölf. Die Attraktivität hat soweit zugenommen, dass es auch Nachfragen gab, ob Anzeigen geschaltet werden können. Die eindeutige Antwort aus Rathaus und Gemeinderat: Nein.
Um ein Argument in der Hand zu haben, hat der Gemeinderat am Dienstag Redaktionsrichtlinien verabschiedet. Darin heißt es unter punkt 2c: „Nicht veröffentlicht werden... unter anderem eben Anzeigen gewerblicher Organisationen.“ Auch Wahlwerbung soll in dem Infoblatt nicht auftauchen. „Das ist nicht Inhalt des Gemeindeblattes“, sagte Bürgermeister Walter Bleimaier und war deshalb froh, als seine Assistentin eine Vorlage des Bezirks Oberbayern fand, die genau das regelt. Die übrigen Richtlinien ändern nichts – aufgenommen werden weiter Termine, Berichte und Ankündigungen von Gemeinde, Eigenbetrieben, Zweckverbänden und Gesellschaften sowie andere öffentliche Betriebe und Stellen – in gewohnter, der neu überarbeiteten Form: Knapp und mittlerweile sogar auch mit Bild. „Es hat sich viel, viel verbessert“, lobte Jürgen Hatz (BIZ), was Thomas Palaske (Grüne) zu einer leisen Spitze verleitete: „Besser ist aber, sich kurz zu fassen.“ Ja, genau, fand Bleimaier. Es seien zwölf Seiten, mehr nicht.
Barbara Wanzke (Grüne) war nicht nur damit, sondern grundsätzlich nicht einverstanden. „Gliederung und Inhalte müssten ganz anders gefasst sein“, meinte sie. Man erkenne an den Richtlinien, dass das niemand gemacht habe, der mit Medien zu tun habe, schimpfte sie und bat, den Punkt zu vertagen. Sie arbeite an einem Konzept, dass modernen Ansprüchen genüge – inklusive Schrifttyp, -größe und dergleichen. Da kaum einer an der äußeren Erscheinung des Gemeindeblatts etwas ändern wollte, stieß der Einwand auf größtes Unverständnis. Und ihr Vorschlag, das Gemeindeblatt sollte in der Verantwortung des künftigen Geschäftsleiters liegen, erzeugte zusätzlich Kopfschütteln: „Der hat anderes zu tun, als sich um ein Gemeindeblatt zu sorgen.“ Über diesen übrigens stimmten die Räte im Anschluss nichtöffentlich ab. Die Richtlinien wurden gegen vier Stimmen angenommen.  grä

 

Der Bürgermeister wird zum Vermieter
Gemeinderat Inning - Schaffung von bezahlbarem Wohnraum – Gemeinderat gibt Startschuss für gefördertes eigenes Bauvorhaben
VON ANDREA GRÄPEL

Inning – Bezahlbarer Wohnraum ist in einem Landkreis wie Starnberg Mangelware. Jede Gemeinde kämpft darum, der Verband Wohnen versucht nach Kräften, Lücken zu füllen. Die Bürgermeister treibt das Thema trotzdem weiter um. Innings Rathauschef Walter Bleimaier brütet schon länger über eine Idee, das Ruder selbst in die Hand zu nehmen. Die Studie liegt schon länger auf seinem Schreibtisch. Über das Kommunale Wohnraumförderprogramm (KommWFP) ist zudem eine 30-prozentige Förderung zu erwarten. Der Gemeinderat hatte ihm bereits seinen Segen dafür gegeben. Als es am Dienstag um den Startschuss ging, tauchten dennoch Zweifel auf.
Mit dem Kommunalen Wohnraumförderungsprogramm unterstützt der Freistaat Bayern die Gemeinden dabei, selbst Wohnraum zu planen und zu bauen. Mit dem Vierjahresprogramm soll der Neubau von jährlich mindestens 1500 Wohnungen gefördert werden. Für das Programm sollen von 2016 bis 2019 jährlich 150 Millionen Euro, insgesamt 600 Millionen Euro bereitgestellt werden. Mit dem Programm sollen Wohngebäude gefördert werden, die langfristig nutzbar sind und dem Ziel einer geordneten städtebaulichen Entwicklung entsprechen. In Inning ist dafür ein 1200 Quadratmeter großes Grundstück an der Schlossstraße in Buch vorgesehen. Acht Wohneinheiten sollen dort einmal entstehen. Auch für Gemeindebeschäftigte, die sich die im Landkreis marktübliche Objekte nicht leisten können. Seien es Rathausmitarbeiter oder Kinderbetreuer. Ein Vorhaben wie dieses macht es für sie attraktiv und bezahlbar, sich an den Ort zu binden. „Ich finde, das ist eine gute Sache“, hatte Bleimaier schon im Jahresgespräch mit dem Starnberger Merkur begeistert gesagt. Damit hatte er im Vorfeld auch seine Ratskollegen begeistern können. Am Dienstag, als es um die Vergabe der Planung ging, kamen Thomas Bauer (CSU) dennoch Zweifel auf, „ich bin der Meinung, dass die Gemeinde das nicht stemmen kann. Ich glaube, wir übernehmen uns damit.“ Der CSU-Gemeinderat sprach damit auch die spätere Verwaltung des Objektes an. Er fand aber keine Mehrheit (15:2). Ratskollgen wie Johann Ritzer (FBB) meinten, dass ein eindeutiges Votum bereits gegeben worden sei, „also sollten wir auf dieser Schiene auch weiterfahren“.
Die Planungskosten insgesamt, Leistungsphase 1 bis 9, betragen rund 150 000 Euro. Am Dienstag ging es um die Phasen 1 bis 3, Grundlagenermittlung, Gespräche mit Fachbehörden und Vorplanung inklusive Kostenschätzung. Die Skizzen einer Studie liegen im Rathaus schon vor. Darin ist ein großes Objekt vorgesehen, dass sich durch ein modernes gläsernes Treppenhaus allerdings kleinteilig und auch luftig präsentiert. Wie das Objekt am Ende aussieht, daran sollen die Planer nun arbeiten.

 

Süddeutsche Zeitung 06.02.2017

Ausbau der Lindauer Autobahn geht voran
Von Astrid Becker

Wer diesen Dienstagabend auf der Lindauer Autobahn unterwegs ist, sollte sich auf Verkehrsbehinderungen einstellen. Zumindest von 20.30 Uhr an. Um diese Zeit bis zum Mittwoch morgen will die Autobahndirektion die Behelfsbrücke in Eching abbauen. Damit der nötige 200 Tonnen schwere Kran die Brückenteile sicher wegheben kann, soll der innerörtliche Verkehr in Eching immer wieder angehalten werden.
Eine Umleitung wird eingerichtet - und kann sich eben auch auf den Autobahn-Verkehr bei Eching und Etterschlag auswirken. Offenbar ist man bei der Autobahndirektion mit dem Fortschritt der Arbeiten am sechsspurigen Ausbau der A 96 zwischen Germering und Oberpfaffenhofen zufrieden. Das geht zumindest aus einer entsprechenden Pressemitteilung hervor. Wer in diesen Tagen im Ausbaubereich unterwegs ist, wird zudem bemerken, dass die angekündigten Baumfällarbeiten in Höhe der Kerschensteiner Straße südlich von Germering bereits abgeschlossen sind. Noch bis zum Beginn der Vogelbrutzeit - bis Ende Februar - sollen weitere Gehölzpflegearbeiten laufen. Weitere Baumfällungen an der Ausbaustrecken sollen dann in den kommenden Jahren jeweils in der vegetationsarmen Winterzeit und vor dem Beginn der jeweiligen Bauarbeiten vorgenommen werden. Auch hier kann es zu Behinderungen kommen. Wenn beispielsweise größere, exponiert stehende Bäume gefällt werden, muss zeitweise ein Fahrstreifen gesperrt werden.
Auch die Bauarbeiten an den Tunneln Etterschlag und Eching sind beendet. Die Bauwerke mussten aus Sicherheitsgründen nachgerüstet werden. Kurz vor Weihnachten, am 22. Dezember 2016, konnte die Autobahndirektion Südbayern in diesen Bereichen den Verkehr von den provisorischen Umfahrungen wieder zurück auf die Lindauer Autobahn und in die Tunnel zurückverlegen.
Nun haben die Baufirmen bereits begonnen, diese provisorischen Umfahrungen wieder zurückzubauen. Die Arbeiten sollen bis Mitte des Jahres abgeschlossen sein - sofern das Wetter mitspielt. Von März an wird der Verkehr dann erneut umverlegt, um so die Bauarbeiten nördlich von Germering, im Bereich der südlichen neuen Fahrbahn zwischen Oberpfaffenhofen und Gilching sowie an der Verbreiterung der südlichen Fahrbahn zwischen Gilching und dem Parkplatz Kreuzlinger Forst zu ermöglichen.


Immobilienpreise  - Teuer, teurer, Gauting
Von Wolfgang Prochaska

Der Immobilienmarkt im Landkreis bleibt angespannt. Einer großen Nachfrage nach Wohneigentum steht weiterhin nur ein kleines Angebot an Bauland, Wohnungen und Häusern gegenüber. Die Preise für Immobilien um bis zu 15 Prozent gestiegen, wie etwa im Würmtal. Allerdings hat sich die Steigerungskurve abgeflacht. In einigen Kommunen wie in Tutzing ist sogar ein neuer Trend zu erkennen: Es werden die "unrealistisch hohen Preise des vergangenen Jahres nicht mehr bezahlt", schreibt in seiner aktuellen Erhebung das Marktforschungsinstitut des Immobilienverbands Deutschland (IVD). Das IVD hat in seiner Studie die Kommunen Starnberg, Gauting, Herrsching, Inning, Krailling, Tutzing und Wörthsee genauer analysiert.

Starnberg
"Obwohl immer noch ein erhöhter Siedlungsdruck zu verzeichnen ist und das Angebot eher stagniert, legen die Kaufpreise nur marginal zu und die Vermarktungszeiten verlängern sich", erläutert das IVD. Auch seien die "Bieterorgien" und die "Explosion der Preise" bei unbebauten Grundstücken vorbei. Dennoch muss mit 1300 Euro pro Quadratmeter gerechnet werden. Besonders teuer weiterhin: die guten und sehr guten Lagen. Dort hätten die Preise überdurchschnittlich stark angezogen. Günstiger Wohnraum bleibe politisches Wunschdenken - trotz geplantem Einheimischen Modell und Starnberger Wohngenossenschaft. Wer sich eine neu gebaute Doppelhaushälfte zulegen will, muss mit bei einer Wohnfläche von 180 Quadratmetern mit bis zu 1,1 Millionen Euro rechnen - wie in den Jahren zuvor. Neue Reihenhäuser liegen bei 790 000 Euro, ältere bei 720 000 Euro (plus jeweils 30 000 Euro). Die Wohnungsmieten in der Kreisstadt kommen durchschnittlich auf 13,20 Euro pro Quadratmeter. Fazit der Studie: "Alle Signale des lokalen Immobilienmarktes deuten darauf hin, dass eine Ruhephase eintritt und der Preisauftrieb eine kurze Verschnaufpause einlegt."

Gauting
Im Gegensatz zu Starnberg ziehen die Immobilienpreise in Gauting stark an. So kostet eine Doppelhaushälfte mit 170 Quadratmetern Wohnfläche im gehobenen Segment 890 000 Euro und ein frei stehendes Haus mit 200 Quadratmetern Wohnfläche der gleichen Kategorie 1,39 Millionen Euro (plus 70 000 Euro seit 2015). "Besondere Dynamik" registrierte der IVD wegen vielen Neubauten auf dem Wohnungsmarkt. Es entstehen vor allem hochpreisige Wohnungen. Daher stieg der durchschnittliche Kaufpreis auf 6900 Euro pro Quadratmeter. "Im Sog dieses Preisanstiegs legten auch die gebrauchten Wohnungen nach und verteuerten sich auf etwa 4800 Euro pro Quadratmeter", heißt es in der Studie. Ein Plus von 1000 beziehungsweise 500 Euro pro Quadratmeter. Fazit: Durch die Neuordnung des Ortskerns und Verbesserung der Infrastruktur wird Gauting nicht an Attraktivität verlieren, ein Ende des Siedlungsdruckes ist nicht zu erwarten.

Krailling
Die Gemeinde sei geprägt von Wohngebieten mit großzügig geschnittenen Grundstücken. Etwa ein Drittel aller Wohnungen
befänden sich in Einfamilienhäusern. Entsprechend groß sei die durchschnittliche Wohnungsgröße, so die IVD-Studie. Wie in allen anderen Würmtalgemeinden übersteigt die Nachfrage das Angebot deutlich. Ob die Bebauung der Sanftlwiese und des Braun-Grundstücks zu einer Entspannung führt, bleibt abzuwarten. Die Grundstückspreise bewegen sich zwischen 670 und 1200 Euro pro Quadratmeter. Ein kleines Plus von 20 Euro. Selbst für Einfamilienhäuser in mittlerer Wohnlage muss man 720 000 Euro hinblättern, sagt das IVD. Ein neues Reihenhaus kommt auf 580 000 Euro (plus 20 000 Euro). Fazit: Es gibt kaum Baugrundstücke, aber eine hohe Nachfrage.

Herrsching
Auch hier ist Bauland Mangelware, hat das IVD festgestellt. Herrsching ist aber speziell: . Während herrschaftliche Villen besonders den Ortsteil Wartaweil prägen, bestimmen ländliche Strukturen Breitbrunn und Widdersberg. Deshalb liegen die Immobilienpreise weit auseinander. So reichen die Kaufpreise für gebrauchte Wohnungen von 3650 bis 5900 Euro pro Quadratmeter. Eine Doppelhaushälfte mit 170 Quadratmeter Wohnfläche im gehobenen Segment kommt auf 780 000 Euro und ein frei stehendes Haus der gleichen Kategorie kostet 1,35 Millionen Euro. Villen am See sind die großen Ausreißer nach oben mit bis zu fünf Millionen Euro. Insgesamt sind die Preise um gut fünf Prozent gestiegen, Bauland ist unter 600 Euro pro Quadratmeter nicht mehr zu haben (plus 30 Euro). Fazit: Herrsching erreicht nicht das Niveau von Starnberg, wird aber wegen des Gymnasiums an Attraktivität weiter gewinnen.

Inning
Wer in Inning in sehr guter Lage bauen möchte, muss mittlerweile tief in die Tasche greifen. Eine Doppelhaushälfte kommt auf 700 000 Euro und ein Einfamilienhaus auf 820 000 Euro. Das ist ein Anstieg um 40 000 Euro. Und die Nachfrage nach Wohnimmobilien wächst dort immer weiter bei kaum vorhandenen Angeboten. Nachgefragt werden sowohl Eigenheime als auch Eigentumswohnungen in guten Wohnlagen, weshalb das Kauf- und Mietpreisniveau weiterhin steigende Tendenz aufweist, prophezeit das IVD. Die Gemeinde sei nicht nur touristisch, sondern auch wirtschaftlich sehr attraktiv. Mehr als 400 Unternehmen haben sich hier angesiedelt. Fazit: Auch im noch dörflich geprägten Inning werden die Preise noch weiter anziehen.

Tutzing
In der Gemeinde wurde in den vergangenen Jahren viel gebaut und verdichtet, haben die Marktbeobachter festgestellt. Neben mehreren kleinen, aber recht hochpreisigen Mehrfamilienhäusern entstanden viele Doppel- und Einfamilienhäuser. Das Preisniveau ist deshalb überdurchschnittlich hoch. Aber: Die Käufer zahlen nicht mehr jeden Preis - vielleicht mit Ausnahme des thailändischen Prinzen, der sich eine große Villa zugelegt hat. So schaut die Situation aus: Baugrundstücke kosten pro Quadratmeter bis zu 1130 Euro. Für frei stehende Einfamilienhäuser muss bis zu 1,8 Millionen Euro bezahlt werden. Günstiger zu bekommen sind allerdings gebrauchte Reihenhäuser mit 636 000 Euro in guter Wohnlage. Das Plus ist minimal, teilweise stagnieren die Preise sogar. Allerdings muss für Eigentumswohnungen ein Quadratmeterpreis von bis zu 7000 Euro bezahlt werden. Fazit: Mit höheren Preisen rechnen die Marktbeobachter im Moment nicht mehr. Das Niveau bleibt aber stabil hoch.

Wörthsee
In Wörthsee werden kleine Wohnungen zur Kapitalanlage gesucht, heißt es in der Studie. Besonders begehrt bei den Häusern seien Villen am See. Hier einige Details: Die Preise für Baugrundstücke liegen zwischen 600 und 1250 Euro pro Quadratmeter. Frei stehende Einfamilienhäuser kosten zwischen 550 000 und 1,2 Millionen Euro. Gebrauchte Doppelhaushälften beginnen bei 550 000 Euro. Groß ist die Schwankungsbreite bei den Eigentumswohnungen. Bei neuen geht es bei 3900 Euro pro Quadratmeter los und endet bei 5500. Bei Mietwohnungen liegt der Preis zwischen 9,50 und 14,50 Euro pro Quadratmeter. Fazit: Aufgrund einer anhaltend starken Nachfrage und eines überschaubaren Angebotes nimmt das Kauf- und Mietpreisniveau in der Gemeinde Wörthsee kontinuierlich zu.

Starnberger Merkur 06.02.2017

Warten auf die Windräder

Die Energiewende kommt im Landkreis Starnberg weiter nur im Kriechgang voran. Neueste Zahlen aus dem Landratsamt sind jedoch besser, als sie aussehen – und ein großer Wurf kommt in einem Jahr. - Von Michael Stürzer

Landkreis – Der Energieverbrauch im Landkreis ist nach dem neuen Energiebericht weiter gestiegen, der Anteil erneuerbarer Energiequellen aber auch. Der CO2-Ausstoß pro Kopf ist ein bisschen gesunken.
Von der Energiewende ist der Kreis allerdings noch 85 Prozent entfernt. Erst einmal die Grunddaten: Im ganzen Kreis wurden 2015 – neuere Zahlen gibt es nicht – 3,730 Milliarden Kilowattstunden Energie verbraucht für Strom, Heizung und Verkehr. Das ist ein Zuwachs von 0,6 Prozent und eigentlich ein Rückgang, denn die Einwohnerzahl ist im selben Zeitraum um rund 1,3 Prozent gestiegen.
Die Verteilung (gerundete Werte): 13,7 Prozent der Energie sind Strom, 52,5 Prozent Heizung und 33,9 Prozent Verkehr – letzterer ist mit zwei Prozent am stärksten gestiegen. Pro Kopf ging der Energieverbrauch damit leicht zurück, was schon mal positiv ist. Ebenso positiv bewertet Herbert Schwarz, Umweltbeauftragter im Landratsamt, die Entwicklung erneuerbarer Energiequellen. Deren Anteil am Gesamtverbrauch liegt bei 8,4 Prozent und ist 2015 um 6,4 Prozent gestiegen. Der CO2-Austoß betrug nach den Berechnungen des Landkreises pro Bürger 9,18 Tonnen pro Jahr (- 1,0 Prozent). So positiv die Zahlen sind: Das ist alles viel zu wenig. Das weiß auch die Politik. Vizelandrat Georg Scheitz forderte bei der Verleihung des Energiepreises vor wenigen Tagen eine „radikale Trendwende“, da bisher keine erkennbar sei. Die US-Politik unter Donald Trump sei dem nicht förderlich. Schwarz bringt sie regelrecht auf die Palme. „Das ist so unglaublich, dass einem die Worte fehlen“, sagt er angesichts genehmigter Pipelines, gelöschter Umweltziele und dergleichen. Der Anstieg der Temperatur weltweit um 1,5 Grad, der eigentlich bei diesem Wert gestoppt werden sollte, werde schon in drei Jahren erreicht. Schwarz zweifelt daran, „dass unsere Intelligenz für eine Trendwende reicht“. Die Daten aus dem Energiebericht unterstreichen das. Nach wie vor wird zu 86 Prozent mit fossilen Brennstoffen (Kohle, Öl, Gas) geheizt, wobei ein Rückgang beim Öl und ein Trend zum Gas festzustellen sei. Im Jahr zuvor war es noch ein Prozentpunkt mehr.
Beim Stromverbrauch sind die positiven Zeichen deutlicher: Er ist um 0,9 Prozent gesunken auf 3601 Kilowattstunden im Jahr pro Landkreisbürger – und deren Zahl ist gestiegen. Damit verbraucht ein Kreisbewohner weiter weniger als die Hälfte des Bundesdurchschnitts, was auf das Fehlen energieintensiver Schwerindustrie zurückzuführen ist.
Wie sehr Gewerbe den Verbrauch beeinflusst, zeigen Andechs und Weßling – Brauerei, Molkerei und DLR sind Großverbraucher. Den größten Rückgang beim Strom verzeichnete Tutzing mit - 4,6 Prozent, den größten Anstieg Krailling mit 2,5 Prozent. Um einen Maßstab für die Energiewende zu haben, rechnet der Landkreis aus, wie viel Strom aus regenerativen Quellen in jeder Gemeinde erzeugt wird. Spitzenreiter 2015 war Seefeld (18 Prozent) vor Gauting (17,4 Prozent dank Wasserkraft an der Würm) und Inning (16,2 Prozent). Schlusslicht ist Weßling mit 3,5 Prozent. Auf den ganzen Landkreis gerechnet wurden 9,4 Prozent des Stroms erneuerbar erzeugt, ein Plus von 0,8 Prozent.
In der so genannten Solarkreisliga, in der die installierte Leistung von Fotovoltaikanlagen auf Einwohner umgerechnet wird, liegen Andechs und Seefeld mit großem Abstand vorne, wobei Seefeld einen Rückgang wegen gestiegener Einwohnerzahlen hinnehmen musste.
Den größten Zuwachs verzeichnet Tutzing. Die übrigen Plätze: 3. Inning, 4. Tutzing und Wörthsee, 6. Weßling, 7. Berg, 8. Gilching, 9. Pöcking, 10. Gauting und Starnberg, 12. Feldafing, 13. Krailling, 14. Herrsching.
Der Energiebericht des kommenden Jahres wird eine deutliche Verbesserung bringen. Denn: Die vier Berger Windräder fließen dann komplett in die Berechnung ein. Dann, so rechnet Schwarz vor, dürfte die Quote regenerativer Stromerzeugung im Landkreis von 9,4 auf mehr als 14 Prozent hochschnellen. Der Umkehrschluss: Um die Energiewende beim Strom aus eigener Kraft zu schaffen, müssten noch viele Dutzend Windräder gebaut werden – was keiner will und kaum jemand vorhat. Lediglich Pöcking spielt lose mit diesem Gedanken (wir berichteten).

 

Starnberger Merkur 04.02.2017

Die Hüter von Innings Schätzen
Gemeindearchiv

Inning – Der Weg in den ersten Stock des Feuerwehrhauses zum Gemeindearchiv ist lang. Alle paar Stufen bleibt man stehen, betrachtet aktuelle Luftaufnahmen Innings oder rätselt, wann das Bild des vereisten Wörthsees bei der Mausinsel entstanden sein könnte. Besonders ausgiebig beschäftigen den Betrachter die Fotos von oben aus dem Jahr 1965. Darauf zu sehen ist eine Kiesgrube, dort, wo einst der Recyclinghof war und Felder da, wo heute Häuser stehen. Seit Februar ist der Öffentlichkeit das Archiv jeden Freitagvormittag zugänglich.
Jutta Göbber öffnet die Tür, deutet auf einen Findling am Boden. „Das ist ein 3000 Jahre alter Steinamboss aus dem neuen Gewerbegebiet“, erklärt die Vorsitzende des Vereins Heimatgeschichte und zieht aus einem Karton vorsichtig zwei mit Grünspan überzogene Kupfer-Waagschalen für Münzen aus dem sechsten Jahrhundert. „Wir sind kein Museum“, betont die Inningerin. Ausnahmsweise habe das Amt für Denkmalschutz und das prähistorische Museum ihnen die beiden Schätze überlassen.
„Das Archiv ist eine Pflichtaufgabe der Gemeinde. Wir sichern, archivieren, bewahren, dokumentieren, recherchieren und präsentieren“, fasst die 72-Jährige zusammen. Ausgemistete Akten wie Satzungen oder Haushaltsbücher wandern aus der Verwaltung in die Schränke im Feuerwehrhaus. Das heißt: Vorher überprüfen die Ortshistorikerin und ihr Team Horst und Edeltraud Schramm, Gabriele Kellerer und Franz Meier jedes Papier auf seinen historischen Wert hin. Auf diese Weise gelangte ein handgeschriebenes Haushaltsbuch der Gemeinde von 1855 hierher. Aus der gleichen Zeit stammen auch die Zeugnisse der Grundschüler. Interessant nicht nur für Nachfahren der damaligen Schüler, die unter anderem für sittliches Betragen oder nützliche Kenntnisse benotet wurden.
Sittliches Betragen ahndeten auch die Ordnungshüter vor 100 Jahren, wenn sie in Stegen die Badegäste auf ihre schickliche Kleidung hin prüften, wie die Polizeisatzung aus dem Jahr 1910 vorgibt. Göbber greift nach alten Fotos. Auf einem lächelt Thomas Gottschalk neben dem verstorbenen Alt-Bürgermeister Georg Glas in die Kamera, auf anderen sind gleich zwei Kramerläden in Buch abgelichtet. 1909 gab es schon einmal eine Musikschule, stellt sich heraus und im Kaufhaus Sedlmayr lagen bereits Waren aus, als die Hauptstraße noch reiner Schotter war.
Die Bilder werden sicherheitshalber eingescannt und dreimal gespeichert. Der Umzug ins neue Rathaus beförderte einen neuen Schatz ans Tageslicht: Eine Glocke, mit der Ex-Bürgermeister Franz Pupeter einst den Anfang der Sitzung einläutete. Wer sich also am Treppenaufgang doch noch von den Bildern löst und es rechtzeitig ins Archiv schafft, versinkt dort umgehend in den fein säuberlich verstauten und in einem Findbuch registrierten Presseartikel, Fotos, Sterbebilder, Karten und Briefen.
Das Gemeindearchiv ist jeden Freitag von 8.30 bis 10 Uhr im Feuerwehrhaus, rechter Eingang, 1. Stock, geöffnet. Außerhalb können telefonisch oder per Mail Termine ausgemacht werden bei Jutta Göbber, z (0 81 43) 15 15 oder Horst Schramm, z (0 81 43) 14 65.  mk

 

Süddeutsche Zeitung 24.01.2017

Inning  - "In den Leuten steckt Potenzial"
Interview von Sophie Laskus

Sie hat bereits einige Kinderbücher über Zaubermädchen und Magie geschrieben. Nun kehrt Politologin Jenny Schuckardt mit ihrem neuen Buch wieder auf den Boden der Realität zurück: "Beyond Survival" heißt die Geschichtensammlung, die von Erlebnissen geflüchteter Kinder und Jugendliche erzählt.

SZ: Wie sind Sie auf die Idee gekommen, ein Buch über Flüchtlingskinder zu schreiben?
Jenny Schuckardt: Es war der Sommer 2015, als so viele Menschen nach Europa flohen. Ich wollte nach Griechenland fahren, um zu helfen. Dort hab ich dann gesehen, wie die Menschen ankamen und hausten. Das war schrecklich. Mich interessierte ihre Geschichte, besonders die der Kinder. Man hört ja immer, die fliehen mit dem Boot. Aber die Details, die Kleinigkeiten, zehn Tage oder länger nicht duschen oder mit Kakerlaken schlafen zu müssen, die nicht. Man kann sich so eine Flucht gar nicht vorstellen. Außerdem wollte ich wissen, wie ihr Leben vorher war, was für Menschen sie sind und wie ihr Weg weitergeht. Daraufhin habe ich ein Jahr lang mit den verschiedensten Kindern gesprochen.

Wie haben Sie es geschafft, dass sich die Kinder Ihnen gegenüber so öffneten, und wie sind Sie damit umgegangen?
Ich kann mich noch sehr gut an Malaika, ein junges Mädchen aus Somalia, erinnern. Sie war die Erste, die mir ihre Geschichte anvertraut hat. Wir saßen in einem völlig überfülltem Fastfood-Restaurant. Ich hatte Tränen in den Augen, als sie von ihrer schrecklichen Flucht und ihrer Freundin, die verbrannte, erzählt hat. Ich habe generell sehr viel geweint, wenn die Kinder mir ihre Erlebnisse schilderten. Aber ich glaube, sie waren froh. Ich habe nach ihren Freunden, nach ihrer Lieblingsfarbe oder ihren Träumen gefragt. Sie konnten berichten, was sie bewegt und nicht nur auf Fragen antworten, welche Krankheiten sie haben, woher sie kommen und wohin sie wollen. Ich habe einfach andere Fragen gestellt, durch die sie das Gefühl hatten, wichtig zu sein. Vielleicht haben sie auch gespürt, dass es mir eine Herzenssache war, etwas über sie zu erfahren. Es ging eine so große Herzlichkeit von den Kindern aus. Ich bin sehr dankbar dafür.

Wie sehen Sie die Chancen der Kinder in Deutschland? Wie können sie hier ihr Leben weiterleben?
Ein Syrer hat auf der Flucht sein Bein verloren. Es schloss sich der Organisation "Refugee Openware" an und lernte, wie man einen 3D-Drucker bedient. Heute stellt er damit Prothesen für Menschen her, die im Krieg Körperteile verloren haben. In den Leuten steckt Potenzial. Sie sind jung, sie haben ihre Flucht meist selbst geplant und mussten bei Schwierigkeiten improvisieren, um zu überleben. Einige von ihnen können so schnell die deutsche Sprache lernen. Mit einem 15-jährigen Jungen, der erst seit einem halben Jahr hier war, konnte ich mich bereits auf Deutsch unterhalten. Man muss ihnen nur mit einer anderen Stimmung entgegenkommen, ihnen sofort eine Aufgabe geben, auch wenn es nur Rasenmähen oder Schneeschippen ist. Die Leute sind froh, dass sie überlebt haben, aber sie wollen auch weiterleben. Ihr Leben endet nicht nachdem sie angekommen sind: Es beginnt erst wieder.

Wie kann man Kinder besser integrieren?
Man muss sie möglichst schnell normal behandeln, sie mit anderen Kinder zusammenbringen. Kinder verhalten sich untereinander unkompliziert, sie brauchen keine Kommunikationsanweisung, um miteinander klarzukommen. Vor allem die Jüngeren sind neugierig aufeinander. Außerdem sind Pflegefamilien nicht unbedingt das beste, was man den alleinreisenden Minderjährigen bieten kann, auch wenn diese gute Absichten hegen. Meist fühlen sich Kinder unter Gleichgesinnten mit ähnlichen Erfahrungen wohl. Vor allem in Angstsituationen können die Pflegefamilien nicht nachvollziehen, was in den Kindern vor sich geht, anders als Freunde, die auch fliehen mussten. Die sind dann meistens die bevorzugten Ansprechpartner und können Trost spenden.

In Ihrem Nachwort betonen Sie, dass Sie dran bleiben. Haben Sie noch Kontakt zu den Flüchtlingen?
Oh ja. Ich helfe einigen beim Ausfüllen von Dokumenten und erkundige mich nach ihnen. Zur Zeit bin ich auf der Suche nach einer Puppe, die sich Atefa, ein kleines Mädchen aus Syrien wünscht, da sie ihre auf der Flucht zurücklassen musste. Ich will ihr damit eine Freude machen.

Welches Ziel verfolgen Sie?
Ich will die Herzen der Menschen erreichen. Emotionen hervorrufen. Ich finde es entsetzlich, wie wenig Verständnis und Toleranz einige Bürger gegenüber Flüchtlingen aufweisen. Aussagen wie "Die haben ja alle Handys" und "Die laufen ja in neuen Klamotten rum" hört man leider oft. Die Leute müssen jedoch verstehen, dass ein Handy zur Orientierung auf der Flucht lebenswichtig ist. Ein Handy ist der einzige Weg die Familie zu kontaktieren und sich zu erkundigen, ob noch alle am Leben sind. Zudem spenden Bekleidungsunternehmen fehlerhafte Produkte an Notaufnahmestellen. Ich will zeigen, dass Individuen, verschiedene Gesichter und Geschichten hinter der anonymen Flüchtlingswelle stehen. Das müssen die Menschen begreifen. Sie müssen Herz zeigen.


Die Organisation Beyond Survival

Das Buch "Beyond Survival" von Jenny Schuckardt unterstützt die gleichnamige Organisation, die von Co-Autor Kilian Kleinschmidt ins Leben gerufen wurde. Der Experte für humanitäre Hilfe arbeitete bereits fürs Flüchtlingskommissariat der Vereinten Nationen (UNHCR) und schaffte als "Bürgermeister" des Flüchtlingslagers Zaatari an der syrisch-jordanischen Grenze eines der innovativsten Flüchtlingscamps der Welt. Heute arbeitet er als Sonderberater für Regierungen, zum Thema Flucht und Migration entwickelt er neue innovative Konzepte fürs deutsche Entwicklungsministerium.
Beyond Survival arbeitet in Kooperation mit den Organisationen "Child of Play", "More than Shelter" und der solidarischen Sozialgenossenschaft "KARUNA", um durch innovative Projekte Kindern und Jugendlichen Zugang zu einer modernen Welt zu verschaffen, in der Kunst, Kultur und Technologie feste Bestandteile ihres Lebens sind. Derzeit wird unter anderem für sogenannte DOMOs - ein flexibles Shelter-System - Spenden gesammelt, um Müttern, Kinder und Jugendlichen einen Rückzugsort und einen geschüzten Raum zu bieten. Außerdem bieten DOMOs Platz für Kindergärten oder Unterrichtsräumen. Ausführliche Informationen zu diesen Projekten gibt es unter www.beyondsurvival.de. sola

 

Starnberger Merkur 16.01.2017

Schlagenhofen rockt 775. Geburtstag

Noch herrscht Ruhe im beschaulichen Inninger Ortsteil Schlagenhofen. Dort oberhalb des Wörthsees scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Erst im Mai rückt das wenige Häuser und Bauernhöfe zählende Dorf ins Zentrum des Geschehens. Dann nämlich wird groß der 775. Geburtstag gefeiert. - dorfjubiläum - von uli singer

„Schlagenhofen – ein sehr abgelegener Ort“ lautet der Titel der Festschrift anlässlich des 775. Dorfjubiläums, das am letzten Wochenende im Mai gefeiert wird. Verfasser ist Ortschronist Robert Volkmann, der in den vergangenen Monaten nicht nur die Chronik über Breitbrunn verfasst, sondern sich nebenher auch noch der Schlagenhofener Geschichte gewidmet hat.
Kommt Volkmann ins Erzählen, ist er schwer zu stoppen. „Mir liegt unsere Vergangenheit sehr am Herzen und ich will auch, dass sie nicht in Vergessenheit gerät“, betont der gebürtige Schlagenhofener. Und was den 67-Jährigen besonders freut: „Ich hab’ ja schon viel über Schlagenhofen geschrieben. Im Laufe der jüngsten Recherchen aber bin ich auf Geschichten gestoßen, die bisher sogar mir nicht bekannt waren.“
Nicht ganz neu, jedoch im Laufe der Zeit etwas in Vergessenheit geraten, ist die Verfilmung des Kampfes um Troja. Gedreht hat ihn die Münchner Bavaria-Filmgesellschaft anno 1923 bei Schlagenhofen am südlichen Wörthseeufer. „Das Drehbuch nahm es mit der wirklichen Geschichte nicht so ganz genau. Schlug man doch eine gewaltige Seeschlacht auf dem Wörthsee, die die Griechen und Trojaner nun wirklich so nicht miteinander geschlagen haben“, erzählt Volkmann. „Der Aufwand für den Film war für die damalige Zeit enorm. Man beschäftigte bei den Massenszenen über 400 Menschen, der größere Teil davon waren Einheimische.“
Wie genau es damals abgegangen ist, erzählt Volkmann in der 120 Seiten fassenden Festschrift, die der Heimatverein als Heft 11 der Inninger Geschichtsblätter herausbringt. Außerdem ist geplant, den historischen Film als Open-Air-Kino zu zeigen. „Der Termin steht noch nicht genau fest, wird aber rechtzeitig bekannt gegeben“, sagt Volkmann.
Außer historischen Begebenheiten und einem Spaziergang durch alte Flur- und Hausnamen kommen auch politische und durchaus kritische Themen vor. Unter anderem geht Volkmann auf die legendäre Entwicklung des Weilers Hufschlag ein, der seitens der Behörden „am liebsten ausradiert“ werden soll. Aber auch die Zeit des Nationalsozialismus wird thematisiert. „Ich weiß, dass viele Bürger nichts mehr darüber lesen und hören möchten. Sie gehört aber dazu, wie alles andere auch.“
Organisiert wird das zweitägige Fest von einem eigenen Ausschuss, dem der Gemeinderat der Grünen, Hubert Vögele, vorsitzt. Start ist am Samstag, 27. Mai, am Nachmittag mit Festbetrieb am alten Feuerwehrhaus. Am Abend wird es rockig. Dann nämlich packt die Band „Hundling“ ihre Instrumente aus. Am Sonntag, 28. Mai, geht es mit einem Frühschoppen mit der Inninger Blaskapelle etwas gemütlicher zu. Bis zum Abend ist dann laut Volkmann „noch a bisserl Unterhaltungsprogramm für Jung und Alt“ vorgesehen.

 

Starnberger Merkur 16.01.2017

Inning - Salzstraße rutscht auf Liste vor

Auf Innings Straßen schaut es teilweise nicht besonders gut aus: Notdürftig geflickte Löcher oder abgewetzte Bürgersteige hatte 2009 eine von der Gemeinde ausgearbeitete Zusammenstellung mit dringend sanierungsbedürftigen Straßen nach sich gezogen. Die aktuelle Prioritätenliste sieht eigentlich vor, dass heuer der Bacherner Weg erneuert wird. Weil das anfallende Regenwasser auf dieser Straße allerdings nicht ordentlich versickert, musste kurzfristig ein so genanntes Wasserrechtsverfahren auf den Weg gebracht werden. Und das koste Zeit, erklärte Bürgermeister Walter Bleimaier in der jüngsten Sitzung. „Wir schlagen vor, die Salzstraße vorzuziehen.“ Die parallel zur Hauptstraße verlaufende Salzstraße sollte ursprünglich erst in zwei oder drei Jahren in Angriff genommen werden. Thomas Bauer (CSU) gab zu bedenken, dass die Anlieger ebenfalls zur Kasse gebeten werden und „einen gewissen Vorlauf“ bräuchten. „Schließlich müssen sie bezahlen.“ Da die Rechnung nicht sofort gestellt werde, sah der Rathauschef in dieser Hinsicht kein Problem. Auch die geplante Erneuerung des Bürgersteigs in der Marsstraße wurde verschoben. „Es muss geklärt werden, ob wir wirklich auf beiden Seiten einen Bürgersteig brauchen und wenn nein, dann auf welcher.“  mk

 

Historische Revue auf der Leinwand

Der Inninger Verein Heimatgeschichte wollte Bleibendes. Darum wurde die Historische Revue, die zum „Ortsjubiläum“ von Stegen im Herbst vergangenen Jahres aufgeführt worden ist, aufgenommen und verfilmt. Den Auftrag dafür erhielt Franz Maier. Der hat den Schnitt nun vollendet. Zu sehen ist der Film am Montag, 23. Januar, im Inninger Spectacel (Haus der Vereine). Nicht nur die damals Mitwirkenden auch alle Interessierten sind eingeladen. Beginn ist um 19.30 Uhr.  grä

 

Kommissarischer Übergang

Inning – Die Pierre-van-Hauwe-Musikschule Inning hat noch immer keinen neuen Leiter. Seit Matthias Riedel gekündigt hat (wir berichteten), leitet Michael Reiserer seit Jahresanfang Innings Musikschule kommissarisch. Das könnte sich allerdings bald ändern, freut sich die Beisitzerin im Vorstand und Inninger Gemeinderätin Angelika Wenisch auf Nachfrage.
„Wir hatten sechs Bewerbungen, von denen zwei in der engeren Auswahl stehen“, verrät sie. In dieser Woche fänden zum Beispiel noch einige Gespräche mit Verwaltungsmitarbeiterin Stefanie Abromeit statt. „Schließlich arbeiten die beiden eng zusammen“, so Wenisch.
Die Kandidaten seien auf jeden Fall vielversprechend, findet die Beisitzerin. Bereits im Vorfeld und vielleicht mit Blick auf den häufigen Wechsel nach dem Weggang von Musikschulgründer Peter Schuhmann, hofft sie, dass der zukünftige Musikschulleiter oder eventuell auch eine Musikschulleiterin länger am Ruder und deshalb wenigstens fünf bis zehn Jahre erhalten bleibt. Das würde Ruhe in den Betrieb bringen. Wenisch wirkte zuversichtlich, dass er oder sie schon ab kommenden März die Führung übernehmen kann.  mk

 

Starnberger Merkur 15.01.2017

Kaufhaus Sedlmayr ist wieder im Gespräch

Inning – Seit vielen Jahren steht das Kaufhaus Sedlmayr leer. Im November 2014 ersteigerten zwei Starnberger Brüder das Gebäude und wollen darin Geschäfte, einen Supermarkt oder einen Drogeriemarkt ansiedeln. Allerdings befinden sie sich mit den ehemaligen Besitzern noch im Rechtsstreit.
„Ich geh‘ mal schnell zum Sedlmayr“ war eine gängige redewendung unter den Inningern. Damals, als sie im gleichnamigen Kaufhaus von Lebensmitteln über Haushaltswaren, Spielwaren bis hin zu Trachten alles kaufen konnten. In der Münchner Straße 2 bis 4 gingen Mütter mit ihrem Nachwuchs ein und aus und das Personal erlebte mit, wie die Kleinen größer wurden. Jahrein-jahraus saß die Ladeninhaberin persönlich an der Kasse und begrüßte fast jeden mit Namen. Wenn es notwendig war, packte die ganze Familie Sedlmayr an. Ein Erfolgsmodell, das in den Sommermonaten sogar an Sonn- und Feiertagen für seine Kunden die Türen öffnete.
Vielen in Erinnerung geblieben ist wohl die Euroumstellung, als auf jedem Produkt neben dem D-Mark-Preis der feinsäuberlich und auf den Cent genau umgerechnete Euro-Betrag klebte. Und dann kam der Tag, an dem plötzlich niemand mehr um Punkt 7 Uhr die Türen entriegelte: Das Kaufhaus Sedlmayr war 2003 insolvent.
Während die Gerüchteküche über das Warum brodelte, wurden die Fenster mit Kartons verklebt. Seither steht ein Geisterhaus im Herzen Innings. Als Starnberger Brüder das Gebäude 2014 ersteigerten, wollten sie dies ändern. „Wir möchten ein Einkaufshaus daraus machen. Vielleicht mit einem Rewe oder einem Edeka“, erklärt einer der Brüder, der nicht genannt werden will. Auch ein Drogeriemarkt wäre vorstellbar oder kleinere Einzelhandelsgeschäfte. Mit den Parkplätzen, die nicht direkt am Gebäude, sondern auf der anderen Straßenseite liegen, sehen die Investoren kein Problem.
Das spielt den Räten in die Hände, die nach einer Haushaltsbefragung in der jüngsten Sitzung nach weiteren Einkaufsmöglichkeiten für ihre Bürger suchten. Im geplanten Industriegebiet „Östlich der B 471 und südlich des Verkehrskreisels“ ist Einzelhandel bis maximal 250 Quadratmeter erlaubt. „Ein Supermarkt braucht mindestens 800 Quadratmeter“, erklärte Bauamtsleiter Andreas Sauer.
Gegen große Supermärkte entschieden sich die umliegenden Gemeinden Wörthsee, Eching und Grafrath, weil sie um die Existenz ihrer eigenen Läden fürchteten.
„Die Inninger sollen nicht wieder mit dem Auto zum Einkaufen fahren müssen, sondern zu Fuß gehen können“, finden die Räte. Optimal eigne sich dafür das Kaufhaus Sedlmayr, betonte Bürgermeister Walter Bleimaier. Gäbe es nicht eine „Mietproblematik“, wie der Käufer es nennt. „Die Familie Sedlmayr zieht nicht aus, obwohl sie keinen gültigen Mietvertrag hat. Es gibt zwar ein Urteil, aber sie gingen in Berufung.“ Im März ist der Prozess.
„Die ganzen Einrichtungsgegenstände und Waren aus den 90er Jahren sowie die alten Einkaufswagen stehen noch drinnen.“ Der Rathauschef bestätigt beides auf Nachfrage. Dazu äußern will sich die Familie Sedlmayr nicht. Nur so viel: „Das liegt bei der Behörde und ist nicht abgeschlossen.“
Bleimaier hat noch einen weiteren Standort als geeigneten Marktplatz im Visier, nämlich das Areal auf dem Nachbargrundstück des Edeka am Ortsausgang. Dort träumt er neben einem großzügigen Supermarkt von einem „Indoor-Wochenmarkt“. Nur der Grundstückbesitzer muss noch überzeugt werden. Es tut sich also was in Sachen „Stärkung des innerörtlichen Einzelhandels“, einer Aufgabe, zu der sich das Gremium in der jüngsten Sitzung deutlich bekannte. Ausgeschlossen ist aber auch nicht, dass sich das ehemalige Kaufhaus Sedlmayr trotz Besitzerwechsel wiederbelebt wird und die Inninger wieder sagen können: „Ich geh’ mal schnell zum Sedlmayr“.  mk

 

Starnberger Merkur 14.01.2017

Kindergarten: Neubau ist unumgänglich

Inning – Handlungsbedarf sieht Bürgermeister Walter Bleimaier beim katholischen Haus für Kinder St  Johannes in Inning: „Als das Gebäude vor 40 Jahren gebaut wurde, haben die Kinder hier noch nicht mittaggegessen. Heute sind es 70 Prozent.“ Eine Konsequenz daraus, dass oft beide Elternteile berufstätig sind. Architektonisch sei das Haus aber nicht darauf eingerichtet, sagte er in der jüngsten Gemeinderatssitzung.
Die Bereitstellung von Betreuungsplätzen gehört zur Pflichtaufgabe einer Gemeinde. Deshalb war der Kindergarten bereits 2013 um eine Kinderkrippe erweitert worden, aber die Raumeinteilung des Hauptgebäudes bleibt trotz der Sanierung von 1999 bis 2004 suboptimal. Eine Sache ist das Essen, die andere der Eingangsbereich.
„Wir brauchen einen vernünftigen Wartebereich, wo die Eltern warten können, ohne dass direkter Sichtkontakt mit den Kindern entsteht“, betonte Bleimaier. Auch ein Raum für die Kindergartenleitung sei überfällig. Und wenn die Kleinen auf das 3000 Quadratmeter große Freigelände gehen oder von da aus auf die Toilette wollen, müssen sie jeweils durch einen Gruppenraum. „Dabei tragen sie Dreck rein“, erklärte die stellvertretende Kindergartenleiterin Ute Ballert auf Nachfrage.
Der Neubau sieht einen Ausgang zum Garten vor und eine zentrale Verteilerküche für alle vier Gruppen. Der Anbau für die Krippe bleibt bestehen. Die Baukosten liegen bei rund 1,9 Millionen Euro, davon soll die Gemeinde eine Million übernehmen. „Die Diözese sagt, sie brauche den Kindergarten nicht. Wenn wir also Nein sagen, müssen wir ein Grundstück finden und bauen. Bei drei Kindergarten- und einer Krippengruppe sind wir locker mit dem Doppelten dabei“, sagte Bleimaier in die Ratsrunde. Die Kirchenstiftung hat angekündigt, sich mit maximal 200 000 Euro zu beteiligen, sie tritt auch als Bauherr auf. Der staatliche Zuschuss beträgt schätzungsweise 350 000 Euro.
Pläne lagen den Räten bereits vor, Barbara Wanzke (Grüne) stolperte dabei über aufwändige Dachkonstruktionen. Sie regte an, in dem Beschluss auf kostensparende Bauweise zu bestehen. „Wir deckeln mit maximal einer Million Euro ab, da muss dann vom Abriss bis zur Fertigstellung alles drin sein“, so Bleimaier. Kommt es teurer als geplant, bleibt also die Gemeinde außen vor. Einstimmig beauftragte das Gremium den Rathauschef, die vorgelegten Bauvereinbarungen zu prüfen und mit der Kirchenstiftung einen Vertrag auszuhandeln, der dem Gemeinderat erneut vorgelegt werden soll.

 

Süddeutsche Zeitung 14.01.2017

Salami-Taktik im Dönerstand
Von Astrid Becker

Vor allem die Jugend Innings dürfte die jüngste Entscheidung des Gemeinderats hart treffen: Das Gremium leitete in seiner jüngsten Sitzung den Abriss einer bei vielen jungen Bürgern beliebten Imbissbude in die Wege. Die Betreiber hatten ihren Stand ohne Genehmigung erweitert und einen entsprechenden Antrag erst nachträglich gestellt. Dieses Vorgehen wollte sich der Gemeinderat offenbar nicht gefallen lassen.
Genau genommen handelt es sich bei dem Imbiss Kale an der Herrschinger Straße, der seit Jahren in Inning eine Institution ist, um einen Schwarzbau. Zumindest mittlerweile. Ursprünglich hatten die Betreiber ihre Döner, Hamburger und Pizzen aus einem mobilen Wagen heraus verkauft. Der war Bürgermeister Walter Bleimaier zufolge nicht genehmigungspflichtig. Doch dann wurde der Wagen durch zwei Container ersetzt. Die Betreiber versteckten sie zunächst hinter einer Holzverschalung. Später wurde diese wiederum durch eine ordentliche Fassade nebst Eingangstür ersetzt. Auch das Essensangebot wurde ständig erweitert. In seiner Sitzung musste sich der Rat jetzt mit dem dafür nötigen Bauantrag befassen. Genauer gesagt ging es darin um die "Errichtung eines stationären Imbissbetriebes" auf 27,5 Quadratmeter Fläche, der sechs Stehplätze aufweisen sollte.
Für den Gemeinderat ist damit das "Maß überschritten", wie die recht einhellige Meinung lautete. Für die Imbissbude, die einzelne Kommunalpolitiker sogar als "Schandfleck" betrachten, lag offenbar noch nie ein Bauantrag vor. Zumindest war er dem Vernehmen nach nicht auffindbar. Das Bauamt forderte daher den Betreiber auf, einen Antrag nachzureichen. Damit ließ der sich offenbar mehr als ein Jahr Zeit. Zudem zeigte der nachgereichte Plan dann etwas, was wohl der Hauptgrund für die Gemeinderäte war, das Ansinnen rundweg abzulehnen: Der Imbiss, den der jetzige Betreiber erst vor vier Jahren übernommen hatte, steht mitten auf ausgewiesenen Stellplätzen für Autos und direkt vor zwei angrenzenden Garagen. Die eine wird von einem Fußbodenverleger als Lager genutzt, die andere ist an einen Arzt vermietet, der, so die Meinung im Rat, in einem Notfall jederzeit ein- und ausfahren können muss. Wenn dort darüber hinaus noch Autofahrer parkten, um sich ihr Essen abzuholen, wäre der direkte Zugang versperrt, lautete ein Kritikpunkt an den Plänen.
Vize-Bürgermeisterin Monika Schüßler-Kafka stieß sich an dieser Art der Essenskultur. Jede Gaststätte werde "x-mal" geprüft, ein Imbiss aber nicht. Werner Huttner, der für das Thema Fremdenverkehr zuständig ist, monierte, dass "bei jedem anderen bei einer Abweichung sofort der Bau eingestellt" werde. Dritter Bürgermeister Hubert Vögele sieht den Fall gelassener: "Er wäre ja dumm, wenn er es nicht probieren würde."
Allerdings kann das Ganze nun fatale Folgen haben: Denn das Nein des Gemeinderats bedeutet den Abriss der Imbissbude. Zumindest theoretisch. Denn das Starnberger Landratsamt muss nicht der Auffassung des Inninger Gremiums folgen und könnte die Bude doch noch nachträglich genehmigen. Für den Betreiber liegt in der Kreisbehörde nun die letzte Chance: Er hat angeblich sein ganzes Geld in den Imbiss investiert.

 

Süddeutsche Zeitung 13.01.2017

Streit um Discounter beendet
Von Astrid Becker

Die umstrittenen Pläne für einen Discounter im neuen Gewerbegebiet der Gemeinde östlich der B 471 und südlich des Verkehrskreisels sind wohl endgültig ad acta gelegt. Der Gemeinderat hat sich in seiner jüngsten Sitzung einstimmig darauf geeinigt, in diesem Areal nur Verkaufsflächen von bis zu 200 Quadratmetern zuzulassen - zu wenig für einen der Billigsupermärkte. Zuvor hatten die umliegenden Gemeinden bereits mit rechtlichen Schritten gedroht, sollte Inning an der Discounteridee festhalten. Die Entscheidung des Gemeinderats hat dieser Umstand allerdings wohl nicht beeinflusst: Das Gremium träumt vielmehr von einem neuen Lebensmittelmarkt im Ort selbst.
In diesem Punkt scheint die Einigkeit unter den Räten groß zu sein. Bereits Ende Juli 2016 hatten sie sich in ihrer Klausurtagung im Kloster Holzen bei Augsburg neben dem neuen Verkehrskonzept auch mit infrastrukturellen Fragen befasst. Hintergrund dafür dürften auch die Diskussionen um die Discounter-Pläne unter den Inningern selbst gewesen sein. Ein Teil der Bevölkerung, die das Vorhaben auch im Hinblick auf das womöglich damit verbundene Verkehrsaufkommen kritisch beäugte, hatte bereits laut über einen neuen Bürgerentscheid in dieser Sache nachgedacht. Bürgermeister Walter Bleimaier begegnete dem mit einer Haushaltsbefragung zum Thema Einkaufsverhalten. Diese ergab zweifelsfrei, dass sich die Inninger eine bessere Grundversorgung mit Lebensmitteln in ihrer Gemeinde wünschen. Bislang gibt es - seit der Insolvenz und der Schließung des Kaufhauses Sedlmayr vor mehr als 15 Jahren - nur mehr einen Supermarkt am südlichen Ortseingang der Gemeinde. Dieser wird jedoch als zu klein und zu beengt angesehen.
Daher war auch die Idee entstanden, in dem neuen Gewerbegebiet südlich des interkommunalen Gewerbeparks Einzelhandel bis zu einer Verkaufsfläche von 800 Quadratmetern zuzulassen. Bereits Ende 2015 wurden die Pläne öffentlich ausgelegt - mit fatalen Folgen. Denn die Nachbargemeinden Wörthsee, Grafrath und Eching fürchteten offenbar die Konkurrenz zu ihren eigenen Märkten und drohten als Träger öffentlicher Belange mit rechtlichen Konsequenzen. "Unverschämt" nannte die zweite Bürgermeisterin Monika Schüßler-Kafka dieses Gebaren. Allerdings äußerte wohl auch die Regierung von Oberbayern Bedenken. Sie verwies direkt auf das Landesentwicklungsprogramm und die fehlende Anbindung des bislang dort zulässigen Discounters an den Ort.
Auch wenn die Räte diese Einwände offensichtlich kalt ließen, stimmten sie dennoch dafür, einen Supermarkt dort in dieser Größenordnung nicht zuzulassen. Sie verwiesen in der Diskussion einhellig auf die Idee, einen neuen Supermarkt im Ortsbereich zu bauen. Ein Standort dafür ist offenbar auch bereits angedacht: Direkt in der Nachbarschaft des jetzigen Edeka könnte dieser Markt entstehen. Dafür müsste allerdings der Grundstückseigentümer das besagte Areal an einen Investor verkaufen oder in Erbpacht vergeben. Erste Gespräche mit einem Investor haben dem Vernehmen nach bereits stattgefunden. Dieser soll die Bereitschaft gezeigt haben, nicht nur das Gebäude zu errichten, sondern auch die Betreiber des jetzigen Supermarkts wieder zum Zug kommen zu lassen. Für Bürgermeister Walter Bleimaier wäre diese Lösung ideal: "Die Zufahrt zu dem neuen Markt könnte über den dortigen Kreisel erfolgen - und der jetzige Bau anderweitig genutzt werden."

 

Starnberger Merkur 13.01.2017

Kontrolle statt Automat
Parkgebühren - Gemeinderat entscheidet gegen Kostenpflicht im Dorfzentrum

Inning – Wer in Herrsching einkauft oder den Arzt besucht, der muss für den Parkplatz bezahlen. Im Inning dürfen Autofahrer noch kostenfrei parken – und viele Parkplätze in der Pfarrgasse sind nicht selten von Dauerparkern belegt. Ginge es nach dem Willen der Verwaltung, sollte sich das ändern. Aber der Gemeinderat sprach sich in seiner jüngsten Sitzung dagegen aus. Auch weiterhin bleibt die Parkdauer auf zwei Stunden beschränkt. Eine Parkscheibe, gut sichtbar am Auto angebracht, reicht aus. Wer diese Zeit überschreitet, muss fortan jedoch mit schärferen Kontrollen rechnen.
Das Problem seien nicht die Kurzzeitparker, die zum Physio oder zum Arzt müssen, sondern diejenigen, die den ganzen Tag ihr Auto dort stehen haben. „Das ist schlecht für die Betriebe, weil ihre Kunden keinen Parkplatz finden“, wusste Bürgermeister Walter Bleimaier und schlug eine Gebührenpflicht vor. Als Vorbild diente ihm Stegen, wo die ersten 30 Minuten gebührenfrei sind – und jede weitere halbe Stunde aber 30 Cent, eine Tageskarte vier Euro kosten.
Dies sei viel zu günstig, verwarf Jürgen Hatz (BIZ) die Idee. „Ich finde, wir sollten die Parkscheibe behalten.“ Wer die Parkzeit überschreitet, solle zehn Euro Strafe zahlen. Außerdem schlug er vor, die Zeit auf eine Stunde zu reduzieren. „Wenn ich beim Arzt bin und es länger dauert, muss ich nach einer Stunde rausrennen“, sagte Johann Ritzer (FBB) und war gegen den Vorschlag. Monika Schüßler-Kafka kritisierte die Geschäftsleute, die aus Bequemlichkeit nicht ihre Tiefgaragenplätze nutzten. Barbara Wanzke (Grüne), Inhaberin des Schreibwarenhandels Schroeren, konterte sofort, dass nicht jeder Geschäftstreibende auch automatisch Anspruch auf einen Tiefgaragenplatz habe.
Hubert Vögele (Grüne) erkannte das Problem nicht: „Wenn ich in Herrsching zum Arzt gehe, schmeiße ich für zwei Stunden ein.“ Bleibt noch Zeit übrig, dann mache er eben noch ein paar Besorgungen, was spräche gegen eine Parkuhr? Die Ratskollegen wollten aber die Parkscheibe. Die Verkehrsüberwachung soll jedoch zwei Mal die Woche kontrollieren.  mk

 

Ammersee nur bedingt tauglich
Brandschutz - Löschwasserproblem in Stegen bleibt noch ungelöst

Stegen – Den Inninger Gemeinderäten brennt ein Problem besonders unter den Nägeln: das Löschwasser in Stegen. Das Ratsgremium hat sich zum wiederholten Mal mit diesem Wasserproblem beschäftigt. Brennt es nämlich im Bereich der Liegewiese, kann die Feuerwehr, wie berichtet, nicht aus dem Ammersee entnehmen. Das Ufer sei zu flach. Damit bestehe im Sommer die Gefahr, dass die Pumpen aufgrund der Verschlammung dichtmachen. Und im Winter könnten die Brandschützer eine durchgehende Eisschicht am Wasserholen hindern. Nur bei der Werft der Seenschifffahrt sei es tief genug. Das gefilterte Seewasser könnte über Rohre zum Hydranten geführt und von dort entnommen werden. Das Problem: „Die Entnahmestelle darf maximal 300 Meter vom Einsatzort entfernt liegen“, erklärte Bürgermeister Walter Bleimaier das Dilemma.
Es würde zu lange dauern, bis das Löschwasser vorne an der Spritze ankommt, erklärte der Rathauschef. Ein Rohr über das Ufer hinweg in den tieferen Bereich des Sees zu legen, um zum Beispiel Feuer in der Brauerei zu löschen, kommt nicht in Frage. Die Schlösser- und Seenverwaltung erkennt darin eine Stolpergefahr. Die beiden Probebohrungen nach einer Löschwasserquelle im betreffenden Areal waren auch nicht erfolgreich. Es bleibt noch eine Lösung, deren Kosten auf rund 60 000 Euro geschätzt werden. „Dies wäre, im Werftbereich einen Kanal zu errichten, der frostsicher unter der Straße bis in Reichweite der Brauerei zu einem Hydranten führt“, so Bauamtsleiter Andreas Sauer. Der Rathauschef verhandele gerade mit Alte-Brauerei-Eigentümer Paul Schneider, ob dieser sich an den Kosten beteiligen würde. Ein Ingenieurbüro ermittelt zurzeit die schnellste und günstigste Variante.
Beim Überschwemmungsproblem des Inninger Ortsteils kristallisiert sich auch eine Lösung heraus. „Es wird geprüft, ob wir statt einer unterirdischen Leitung unter der Autobahn das Regenwasser überirdisch in einem Graben mit einem Gefälle zur Amper ableiten können“, so Sauer.  mk

 

Starnberger Merkur 12.01.2017

Dönerbude: Zu dick aufgetragen?
Ohne Genehmigung erweitert -
von Michèle Kirner

Inning – Imbiss Kale ist in Inning eine Institution. Bislang. Denn die Gemeinde fordert nach eigenmächtigen Umbaumaßnahmen nun den Abriss. Entscheiden muss das Landratsamt.
In der Bude an der Hauptstraße, so heißt es, gibt es die besten Döner weit und breit, sagt man. So herrscht in der Herrschinger Straße 18 stets reges Treiben und auch die Polizei bleibt mal dort stehen – nicht als Ordnungshüter, sondern aus kulinarischen Gründen. Ordnung schaffen wollte allerdings am Dienstag der Gemeinderat und schmetterte den für die Umbaumaßnahmen nachgereichten Bauantrag des Grundstückseigentümers ab. Für den Imbiss-Inhaber könnte dies bedeuten, abreißen zu müssen.
Wäre der Betreiber dabei geblieben, das schnelle Essen für Zwischendurch wie vor rund 20 Jahren über die Theke seines mobilen Wagens zu reichen, hätte sich die Situation nicht derart zugespitzt. Der Wagen war nämlich nach Aussage von Bürgermeister Walter Bleimaier nicht genehmigungspflichtig. Als aber der Wagen verschwand und durch zwei Container ersetzt wurde, veränderte sich die Situation komplett. Die Container verschwanden erst hinter einer schlampig gestrichenen Holzverschalung. Später bekamen sie eine ordentliche Fassade mit Tür und Fenstern. Unterdessen gibt es außer Döner eine ganze Reihe mehr Gerichte im Angebot.
„Ein Schandfleck“, waren sich die Räte in der Sitzung am Dienstag einig. „Damit hat er das Maß überschritten“, fand nicht nur Bleimaier. Einen Bauantrag hatte die Gemeinde nämlich bis zu diesem Zeitpunkt nicht gesehen. Das Bauamt ermahnte den Betreiber dies nachzuholen. „Er sagte, uns müsste eine Genehmigung vorliegen.“ Im Gemeindearchiv lag aber nichts. Auch der Eigentümer konnte nichts Entsprechendes vorlegen. Es dauerte mehr als ein Jahr, bevor die Planung dem Gemeinderat nun vorlag.
Grund für das entschlossene Nein der Räte war nicht nur eine fehlende Toilette für die Gäste. Die es tatsächlich jedoch gibt. Der Imbiss nehme aber darüber hinaus den Platz ausgewiesener Stellplätze ein. Diese wurden im nachgereichten Plan kurzerhand quer vor die beiden angrenzenden Garagen verlegt, das räumt Murat Baspinar unumwunden ein. Er hat den Imbiss erst vor vier Jahren übernommen.
„Die Garagen sind an einen Arzt und einen Fußbodenleger als Lager vermietet“, wusste der Rathauschef. Würden Fahrzeuge davor stehen, hätte niemand mehr einen direkten Zugang. Monika Schüßler-Kafka hatte ein grundsätzliches Problem mit der Esskultur, die mit dem Imbiss Einzug nahm. Und monierte, dass „jede andere Gastwirtschaft x Mal geprüft wird“, das sei bei dem Imbiss nicht der Fall. Werner Huttner (CSU) verwies auf eine weitere Ungerechtigkeit: „Bei jedem anderen wird bei jeder Abweichung sofort der Bau eingestellt.“ Hubert Vögele (Grüne) war in dieser Hinsicht pragmatisch. „Er wäre ja dumm, wenn er es nicht probieren würde.“ Auf jeden Fall dumm für den Imbiss ist das einstimmige Nein. Schließlich bedeutet das den Abriss. Allerdings ist der Vollzug nicht Sache der Gemeinde. Und das Landratsamt, ließ Bleimaier süffisant und ganz nebenbei fallen, könnte den Imbiss möglicherweise doch in dieser Form genehmigen.
Darauf muss Murat Baspinar nun hoffen. Der 43-jährige Betreiber ist Türke und kennt sich daher mit Döner besonders gut aus. Trotzdem hat er das Angebot um Grillhendl, Pizza, Hamburger und dergleichen so genanntes Fastfood ausgebaut. Er hat erst gestern Nachmittag von dem Ergebnis der Diskussion im Gemeinderat erfahren. Vor einem Jahr habe man ihm gesagt, sein Verkaufsstand sei einen Kubikmeter zu groß. Den habe er dann auch zurückgebaut. „Ich habe alles gemacht, was von mir verlangt wurde.“
Nun ist er zutiefst enttäuscht und stark verunsichert. „Jetzt verliere ich alles, ich habe mein ganzes Vermögen hier investiert, kürzlich sogar eine neue Theke gekauft“, sagt er. Er habe das alles zusammen mit seiner Frau aufgebaut. „Ich wollte nur das Beste für die Kunden, damit sie bei kaltem und windigen Wetter im Warmen sein können.“ Das klingt ehrlich, nur hat er von den rechtlichen Gepflogenheiten möglicherweise tatsächlich nichts geahnt.
Der Imbiss, der seit kurzem gegenüber vom Edeka-Markt steht, ist Bleimaier ebenso ein Dorn im Auge. Aber es ist ein Wagen, also genehmigungsfrei.

 

Süddeutsche Zeitung 12.01.2017

Mitten in Inning  - Der Hecht im Gemeinderat
Von Astrid Becker

Die Berufe von Architekten und Bauern haben auf den ersten Blick so wenig gemeinsam wie der Inninger Gemeinderat mit einem Hecht. Wer einmal in einer Sitzung dieses Gremiums gewesen ist, wird die Autorin dieser Zeilen sogar für vollkommen wahnsinnig halten, dass sie beides, Gemeinderat und Hecht, in einem Atemzug zu nennen wagt. Aber nur vorübergehend.
Beginnen wir doch mal beim Bauern. Der lernt heute für seinen Beruf nicht nur, wie er Traktoren bedient oder Kühe melkt, sondern vor allem, wie er die Formulare ausfüllt, die ihm nötige und unnötige Subventionen für seinen Betrieb bescheren. Ähnliches muss auch der Architekt beherrschen. Er muss genau wissen, mit welchen Mitteln er eine Baugenehmigung bekommt, auch wenn das Vorhaben, das er zu planen hat, überhaupt niemals genehmigungsfähig ist. Vor allem für die Bereiche, wo es keinen Bebauungsplan gibt, haben die Architekten mittlerweile eine effektive Strategie entwickelt. Dann kommt nämlich der Paragraf 34 ins Spiel, über dessen Interpretation man vortrefflich streiten kann. In der Praxis wenden sich die Planer hierzulande gern an die Kreisbaubehörde. Die erklärt ihnen dann offenbar, was alles zu klären ist und verweist auf die Gemeinde, die die ganze Angelegenheit schlussendlich dem Gemeinderat übergibt. Der sieht sich dann wegen eines Bauantrags für eine Dachgaube vor schier unlösbare Probleme gestellt. Denn beantworten soll er gefühlte 300 Fragen, die nur einen Zweck haben: sich klammheimlich aus der einstigen Dachgaube eine Genehmigung für einen zehnstöckigen Mietsblock zu erschleichen. Gut, das mag jetzt übertrieben sein. Aber tendenziell geht es in diese Richtung. Glaubt zumindest der Gemeinderat Inning, und will bei diesem Spiel nun nicht mehr mitspielen.
In der Sitzung am Dienstag lehnte das Gremium es schlichtweg ab, noch einmal Antworten auf Fragen zu finden, deren Inhalt es gar nicht versteht. Weil keine Unterlagen vorliegen, weil vorgelegte Pläne nicht verraten, um was es eigentlich geht und weil man ohnehin der Meinung ist, dass das Landratsamt das Ganze am Ende genehmigt, ohne den Willen des Rats zu berücksichtigen. Diese Meinung, ob zutreffend oder nicht, beweist jedoch eines: Je länger der Gemeinderat im Amt ist, desto erfahrener wird er. Und damit gleicht er dann doch dem Hecht. Beispielsweise. Dieser Raubfisch jedenfalls fällt mit zunehmendem Alter auch nicht mehr auf jeden Köder rein, den ihm Angler vorsetzen. Im Gegenteil: Er gilt als äußerst schwierig zu fischen, aber auch als perfekter Jäger. Liebe Planer, nehmt Euch also in acht.

 

Seegemeinde sucht Löschwasser
Von Astrid Becker

Monika Schüßler-Kafka hat wohl recht. Die Zweite Bürgermeisterin Innings kommentierte mit den Worten "Damit schaffen wir es in die Zeitung und wahrscheinlich auch noch ins Fernsehen" ein kurioses, aber auch derzeit nahezu unlösbares Problem ihrer Gemeinde. Denn falls es in Stegen einmal brennen sollte, fehlt es an Löschwasser - und das, obwohl dieser Ortsteil Innings direkt am Ammersee liegt.

Bereits seit längerem sucht die Verwaltung der Kommune nach einer Lösung für dieses Problem. Sowohl der Landesfeuerwehrverband als auch der Kreisbrandrat Markus Reichart hatten die Gemeinde auf das Manko aufmerksam gemacht - und offenbar auch auf eine gewisse Dringlichkeit hingewiesen. Denn es muss, so ist den Worten des Bürgermeisters Walter Bleimaier am Dienstag in der Gemeinderatssitzung zu entnehmen, je nach Gegebenheiten unterschiedlich viel Löschwasser bereit gestellt werden. Für Stegen ist das wohl die Höchstmenge - also 96 Kubikmeter für die Dauer von mindestens zwei Stunden. Dies klingt zunächst nach übertrieben viel für eine Gegend, in der gerade einmal ein paar Häuser zu finden sind. Nachvollziehbar wird diese Forderung aber dann, wenn man bedenkt, dass viele dieser Gebäude als Gastronomien genutzt werden und dort entsprechend viele Menschen verkehren. Kein Wunder also, dass man sich in Inning den Kopf darüber zerbricht, wie man all diese Leute im Falle eines Brandes retten kann. Aufgabe einer Kommune ist es dabei ohnehin, die Grundversorgung mit Löschwasser sicher zu stellen. So die Ausgangslage.

In Inning, oder besser gesagt in Stegen, gestaltet sich das aber extrem schwierig. Denn den Ammersee sehen die Brandschutzexperten der dafür zuständigen Institutionen als nicht geeignet an, mit seinem Wasser Feuer zu löschen. Das klingt absurd, hat aber, zumindest aus Sicht der Feuerwehr, berechtigte Gründe. Weil die Uferbereiche des Sees ziemlich flach sind, kann sich dort viel Schlamm bilden, der wiederum die Einsatzgeräte der Feuerwehr verstopft. Zudem, so argumentieren sie, friere der See an dieser Stelle schneller zu, was in diesem Fall eine Entnahme von Wasser unmöglich mache. Also muss die Sache mit dem Löschwasser auf andere Weise gelöst werden - etwa durch den Bau eines Brunnens. Gleich zwei Stellen hatte die Gemeinde dafür auserkoren und brav eine Firma mit Probebohrungen beauftragt. Doch vergeblich: Beide Stellen erwiesen sich als untauglich. Die zweite Idee - eine Rohrleitung am Seegrund bis in tiefere Bereiche zu verlegen - lehnte die Bayerische Schlösser- und Seenverwaltung ab. Badegäste könnten darüber stolpern und sich verletzen, hieß es. Bleibt derzeit nur Variante Nummer drei. In diesem Fall soll eine Leitung durch die Werft, genauer gesagt im tiefen Hafenbecken, verlegt werden. Die Kosten dafür wurden schon einmal vor Jahren auf etwa 60 000 Euro geschätzt. Viel zu teuer, befand damals die Gemeinde, und legte das Vorhaben zu den Akten. Nun wird sie sich erneut damit befassen müssen. Der Rat beauftragte die Verwaltung, sämtliche Vorarbeiten wie Kostenkalkulation sowie erste Verhandlungen mit der Schifffahrt voranzutreiben. Wenn genauere Daten vorliegen, will das Gremium erneut darüber diskutieren, wie Stegen vor Feuersgefahr zu schützen ist. Und falls die Verwaltung dann immer noch keine vernünftige Lösung gefunden hat, dann muss wohl doch eine Fantasie von Bürgermeister Bleimaier realisieren werden: ein neuer Löschweiher direkt neben dem Ammersee.

 

Starnberger Merkur 01.01.2017

Von wegen ruhiges neues Jahr
Gemeinde will Straßenbau voranbringen sowie Sportlern und Musikschülern eine neue Heimat schaffen
von andrea gräpel

Inning – „Das Rathaus hat uns gefordert“, sagt Bürgermeister Walter Bleimaier ganz offen. Aber mit dem Blick durch sein neues Büro schaut er zufrieden dabei aus. Seit Mitte des Monats ist der Erweiterungsbau in Betrieb und gibt Kraft für neue Taten. Davon gibt es im nächsten Jahr viele, auch wenn sie nicht so offensichtlich sind.

Verkehr
Anders als im vergangenen Jahr, als der Bürgerentscheid zur Umgehungsstraße anstand, startet 2017 ruhig. Die Wogen haben sich geglättet, auch der Gemeinderat arbeitet nach diversen Klausurbegegnungen „sehr gut“ zusammen. Dabei ging es auch um Verkehr und Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung. Der Prioritätenkatalog wird nach Ansicht Bleimaiers in diesem Jahr erste Ergebnisse bringen. „Startschuss für die grundhafte Erneuerung der Ortsdurchfahrt ist der Vertrag mit dem Staatlichen Bauamt“, sagt er. Der soll in den nächsten Wochen über die Bühne gehen. „Planung und Fußwege muss die Gemeinde zahlen“, erklärt der Rathauschef. Die Planung braucht Zeit, aber 2019 hofft er, ist Baubeginn.

Gemeindeimmobilie
Das klingt nach einem ansonsten ruhigen Jahr. Aber das beherzte „Nein“, das darauf folgt, macht neugierig. „Das will ich gar nicht, ein ruhiges Jahr“, sagt Bleimaier. Ein Projekt sei die alte Weinstube gleich neben dem Gasthaus Zur Post, das der Gemeinde gehört. „Die Weinstube war damals bei der Post dabei“, erklärt er. Die letzte Inhaberin habe dann den Schriftzug „Ammerseer“ auftragen lassen, der bis heute an der Hauswand zu lesen ist. Aber die Weinstube und das ganze Gebäude stehen seit langem leer. „Wir würden gern mit der Sanierung starten“, sagt Bleimaier. „Man könnte das Dachgeschoss ausbauen, das ist eine riesige Fläche“, weiß er, obwohl er noch nicht oben war. „Da muss man über eine Leiter über die Heizung. Das hab’ ich im Anzug noch nicht gemacht. Und in Jeans war ich noch nicht da“, sagt er lächelnd und schwärmt trotzdem von einem „tollen Raum“.
Das mit dem Dachgeschoss habe nur einen Haken, „das Haus steht unter Denkmalschutz, in erster Linie die Fassade“. Genügend Platzbedarf für gemeindliche Institutionen wäre da. „Die Nachbarschaftshilfe platzt aus allen Nähten. Die sind halt rührig, da werden wir uns etwas überlegen müssen“, weiß Bleimaier. Man müsse auch an die Senioren denken. Vielleicht sei auch Platz für Gastronomie oder Handel, „das müssen wir uns überlegen“. Wohnungen wolle die Gemeinde dort nicht. Der Bürgermeister ist sicher, dass eine Sanierung „einige Hunderttausende“ kostet. Seit vielen Jahren sei halt überhaupt nichts gemacht worden.

Sportplatz
Ein anderes Thema ist die Sportanlage. Auch in der letzen Gemeinderatssitzung dieses Jahres saß wieder ein Besucher in den Reihen, der nach dem Stand der Dinge fragte. Fakt ist, dass ein neuer Platz her muss. Vorgesehen war eine Lösung südlich der Mehrzweckhalle, die an den Grundstücksverhandlungen scheiterte. Neue Pläne gibt es nördlich der Halle, neben der Grundschule – eigentlich auf der ehemals als Umgehung vorgesehenen Trasse. Aber auch in diesem Fall laufen noch schwierige Grundstücksverhandlungen mit drei Eigentümern, obwohl Bleimaier diesmal zuversichtlich ist. „Ich hoffe, Mitte nächsten Jahres ist das erledigt.“ Die Planung laufe parallel, der Änderungsbeschluss für den bestehenden Bebauungsplan ist auch schon gefasst.
Gewünscht wird ein Fußballplatz und ein Gebäude mit Lager, Duschen, Versammlungsraum – eine Mehrfachnutzung, bei der auch die Musikschule berücksichtigt werden könnte, die dringend Räume brauche. „Da können die im Keller dann trommeln so laut sie wollen und stören nicht“, meint Bleimaier. Auch dieser Wunsch ist nicht billig. Der Bürgermeister rechnet mit ein bis zwei Millionen Euro Kosten.

Straßenbau
Gebaut werden in Inning 2017 nur Straßen. Wie berichtet, gibt es eine Prioritätenliste, auf der der Bacherner Weg an der Reihe wäre. „Da bauchen wir länger für die Planung“, so Bleimaier. Deshalb werde die Salzstraße vorgezogen. Gerne würde Bleimaier auch in Stegen einiges ändern. „Außerhalb des Parkplatzes wünschte ich mir Stegen autofrei.“ Um die Verkehrssituation zu entflechten gibt es sogar konkrete Pläne, die in vier Bauabschnitten umzusetzen wären. Durchgegrünte Parkflächen zum Beispiel. Anfang des Jahres waren die Maßnahmen vorgestellt worden. Bleimaier hofft, 2017 beginnen zu können. „Das wird interessant, äußerst schwierig, aber interessant. Stegen würde unheimlich profitieren. Was natürlich den Nachteil hat, dass noch mehr Leute kommen.“ Dieses Risiko würde er eingehen.

Herausforderung
Und noch eine Herausforderung wartet, wenn auch ganz anderer Art: Beim Landkreislauf, der 2017 in Inning durchgeführt wird, läuft Bleimaier mit. „Ich starte im Winter mit dem Training. Meine Frau lässt mir keine Ruhe.“ Dazu muss man wissen, dass Heidi Bleimaier äußerst sportlich unterwegs ist und Bleimaier einst viel Tennis gespielt hat. „Jetzt mache ich fast nichts mehr. Aber der Landkreislauf 2017 ist eine feste Größe.“