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  Presse  September - Dezember 2015

Starnberger Merkur  31.12.2015

Beim SV Inning geht’s drunter und drüber

Abteilungsleiter zurückgetreten, Trainer entlassen - Von Tobias Huber

Inning – Von wegen Harmonie in der Winterpause. Wie am Mittwoch bekannt wurde, hat es bei den Fußballern des SV Inning um Weihnachten herum ein heftiges Erdbeben gegeben. Die Folge: Josef Müller legte sein Amt als Abteilungsleiter nieder. Kurz darauf wurde der Trainer der ersten Mannschaft, Jürgen Kiermeir, entlassen. Nachfolger ist ausgerechnet Kiermeirs Vorgänger Stefan Sturm.
„Es sind zwei Lager aufeinandergetroffen“, sagt SVI-Vereinsvorstand Bernd Köster. Auf der einen Seite stand die bisherige Führung um das Inninger Urgestein Josef Müller, auf der anderen die Jugendleitung mit Frank Wuthe und Jugendtrainer Markus Spiewok. „Es gab Anfang Dezember eine Sitzung, in der die weitere Zusammenarbeit besprochen werden sollte“, berichtet Köster. Müller habe auf die Fragen eher ausweichend reagiert und sich Bedenkzeit erbeten. „Für mich hat sich ein Abteilungsleiter um alle zu kümmern, auch um die G-Junioren“, stellt Köster klar. Müller habe sich in der Folge nicht weiter geäußert und stattdessen zwei Wochen später eine kurze Mail mit seinem Rücktritt versendet.
Der ehemalige Spartenchef will sich zu den Vorgängen noch nicht äußern. Deutlich auskunftsfreudiger ist Kiermeir. „Es wurde behauptet, ich würde die Mannschaft nicht mehr erreichen. Dabei wurde mit keinem Spieler gesprochen. Wenn sie gesagt hätten, dass sie mich einfach nicht mehr wollen, dann wäre das okay gewesen. Aber nicht mit so an den Haaren herbeigezogenen Argumenten“, sagt der 43-Jährige. Das will Köster so nicht stehen lassen: „Ich habe mit vielen Spielern gesprochen, unter anderem mit dem Spielführer.“ Vor allem die sportliche Situation hätte gegen Kiermeir gesprochen. „Wir sind der A-Klasse gefährlich nahe“, so Köster.
Nun soll also Sturm, der erst im Sommer zurückgetreten war, das Kreisklassen-Team in eine gute Zukunft führen. „Es spricht für ihn, dass er jetzt wieder bei uns anfängt“, sagt Spiewok, der die Abteilung zusammen mit Wuthe bis zu den Neuwahlen im Januar interimsmäßig leitet. Sturm hatte nach einer Dissonanz mit Müller vor einem halben Jahr die Flucht ergriffen. „Es war darum gegangen, dass der alte Trainer einige Spieler aussortieren wollte und dafür mit Geld neue Spieler holen wollte“, behauptet Kiermeir. Dem widerspricht Spiewok energisch: „Unser Konzept ist, dass wir unsere eigenen Spieler aus der Jugend fördern wollen. Bei uns wird kein Geld gezahlt werden. Das hat der neue Trainer bei seiner ersten Ansprache auch gleich klargestellt.“

 

Trotz Bedarfs bleiben viele Häuser leer

Die Diskrepanz ist offenkundig: Hier wird für Flüchtlinge und Einheimische viel Wohnraum benötigt – dort stehen ganze Häuser leer. Aber ihre Nutzung bleibt vielfach weiter offen. - von lorenz goslich

Landkreis – Das Landratsamt Starnberg ist auf Wohnungssuche. „Wir fragen ständig bei den Gemeinden, was sie haben“, sagt Kreissprecher Stefan Diebl. Viel Platz gerade für Flüchtlinge wird wohl auch im neuen Jahr benötigt werden. Dabei gibt es durchaus leer stehende Gebäude, die bisher nicht für Asylbewerber genutzt werden – während für die Menschen stattdessen Zeltlager und Containerdörfer errichtet werden.
In Tutzing ist seit langer Zeit das der Gemeinde gehörende Mayer-Haus neben dem Gymnasium ungenutzt. Weitere öffentliche Gebäude werden demnächst leer sein, so der alte Bauhof in Inning und nach der Planung vom 5. Mai an das alte Gilchinger Rathaus. Ob es für Flüchtlinge verwendet oder abgebrochen und dem Verband Wohnen zur Verfügung gestellt wird, ist aber noch offen. Und der alte Inninger Bauhof gilt als zu heruntergekommen. Beim Mayer-Haus in Tutzing ist es genauso.
In allen Gemeinden sind die Immobilienbestände angesichts der vielen Flüchtlinge auf Nutzungsmöglichkeiten hin untersucht worden. Aber geeignete Leerstände werden bis auf die bekannten Fälle kaum noch gefunden. Auch einige ehemalige Gasthöfe sind schon lange ungenutzt.
Neben den inzwischen geschaffenen zentralen Unterkünften – Zeltlagern, Containerdörfern, alten Firmengebäuden, Sporthallen – sind Asylbewerber zurzeit in mehr als 60 Wohnungen, Häusern und anderen Einzelobjekten des Landkreises Starnberg untergebracht, wie Kreissprecher Diebl sagt. Dazu gehört auch ein Rückgebäude hinter dem Andechser Hof in Tutzing, das das Kloster Andechs zur Verfügung gestellt hat. „Zurzeit gibt es eine hohe Bautätigkeit“, sagt Feldafings Vizebürgermeister Anton Maier, „aber es fehlt an preisgünstigem Wohnraum.“ Bei zahlreichen privaten Eigentümern ist schon viel nachgefragt worden, ob irgendwo Räume zur Verfügung gestellt werden können. Doch diese Erkundigungen sind offenbar von wenig Erfolg gekrönt. In Inning beispielsweise stehen nach Angaben von Bürgermeister Walter Bleimaier mindestens acht private Häuser leer. Doch für Flüchtlinge geöffnet werden sie nicht. Hier wird argumentiert, es gebe noch keine konkreten Pläne, dort wird Raumbedarf für Kinder genannt. Bleimaier zeigt Verständnis für die Privateigentümer: „Ich glaube, das muss man akzeptieren.“

 

Starnberger Merkur  29.12.2015

Nachholbedarf bei sozialem Wohnungsbau

Die Gemeinde Inning im Jahr 2016: Für Bürgermeister Walter Bleimaier stehen die nächsten Herausforderungen an

von Eveline Silkenstedt

Inning – Über Arbeitsmangel kann sich Innings Bürgermeister Walter Bleimaier seit dem Amtsantritt wirklich nicht beklagen. Einige Punkte auf der langen Aufgabenliste wie der kommunale Bauhof konnten inzwischen allerdings abgehakt werden. Auch das Großprojekt Interkommunaler Gewerbepark ist so gut wie abgeschlossen und trägt erste Früchte. Bei anderen Projekten hat sich die Gewichtung inzwischen verschoben – und es gibt neue Herausforderungen.

Wohnungsbau
„Bezahlbare Wohnungen zu schaffen, liegt mir sehr am Herzen“, betont Bürgermeister Walter Bleimaier. Beim Sozialen Wohnungsbau stehe Inning im Landkreis am hinteren Ende. Erste Gespräche mit dem Verband Wohnen haben bereits stattgefunden, um „den Zug aufs richtige Gleis zu setzen“. Auf hohe Standards wie Tiefgaragenstellplätze und Aufzug muss jedoch verzichtet werden. „Auch bei der Behindertengerechtigkeit werden wir Kompromisse eingehen müssen, um bezahlbare Wohnungen für Familien und Flüchtlinge zu schaffen.“ Ein geeigneter Standort sei das alte Bauhofgelände in der Gartenstraße. Ursprünglich sollte der Verkauf des Areals zur Finanzierung des Bauhofs dienen.

Rathaus
Die Baupläne liegen derzeit dem Landratsamt zur Genehmigung vor. Abgespeckt wurde die Planung der Außenanlagen. Sie fiel den Gemeinderäten zu aufwendig und zu teuer aus und ist deshalb noch nicht abgeschlossen. Baubeginn wird nach dem Ende der Frostperiode sein. „Im März geht’s los“, freut sich der Bürgermeister.

Verkehr
Das Verkehrskonzept für Fußgänger und Radfahrer wird weitergeführt, versichert der Rathauschef. Weil das Gutachten des Münchner Verkehrsexperten Paul Bickelbacher bis heute nicht im Rathaus angekommen ist, werden sich die Bürger noch eine Weile gedulden müssen: „Die Bürgerwerkstatt vor dem Bürgerentscheid zur Entlastungsstraße macht keinen Sinn.“ Deshalb wird die zweite Bürgerwerkstatt erst im zeitigen Frühjahr stattfinden.

Entlastungsstraße
Der Gemeinderat sollte den Beschluss der Bürger nicht aufheben, ist der Rathauschef überzeugt. Am Grundprinzip der direkten Demokratie dürfe nicht gerüttelt werden. Es müsse den Inninger Bürgern überlassen bleiben, ihre Meinung zu ändern. Das gilt auch für das Großprojekt Windkraftanlagen – die als Standortvorteil gesehen werden, den andere Gemeinden nicht haben.

Finanzen
Mehr als 40 Flüchtlinge sind in die Container am Schorn eingezogen. Bis auf das zur Verfügung gestellte Grundstück werden der Gemeinde vorerst kaum Kosten entstehen. „Ein großer Teil wird die Kreisumlage mit einigen Hunderttausend Euro sein“, so der Rathauschef. Momentan steht die Gemeinde dank Gewerbesteuerplus gut da. Bleimaier: „Wie es 2016 ausschaut, müssen wir sehen.“

 

Süddeutsche Zeitung 29.12.2015

17 Stunden für eine E-Mail

Von Astrid Becker

Eigentlich sollten die Gemeinderäte in ihrer jüngsten Sitzung über den Ausbau des Breitbandkabelnetzes befinden. Doch dann wurde der Tagesordnungspunkt kurzerhand abgesetzt. Aus einem einfachen Grund: Die Deutsche Telekom hat den Vertrag, der ihr zur Unterzeichnung überlassen worden ist, noch nicht an die Gemeinde zurückgeschickt. Genau über diesen sollte der Rat aber befinden. Obwohl es soweit also nicht kam, entspann sich über das Hochgeschwindigkeitsinternet eine längere Diskussion.
Jürgen Hatz (BIZ) berichtete von einem Gewerbetreibenden, der von seinem "Home Office aus" des öfteren sehr große Datenmengen nach Amerika schicken wolle - und daran offenbar nicht selten scheitere: "Das dauert dann 17 Stunden", sagte er. Oder funktioniere gar nicht. Denn die Verbindung werde häufig wegen der Zeitüberschreitung gekappt. Bürgermeister Walter Bleimaier (CSU), Monika Schüßler-Kafka oder auch Barbara Wanzke (Grüne) schienen nicht so recht verwundert darüber zu sein und gaben ihr Wissen zu diesem Thema zum Besten, das in etwa so aussieht: Je näher jemand am Verteilerkasten wohne, desto eher komme er in den Genuss der Glasfaserkabel, die eben genau die schnelle Verbindung ermöglichen. Für alle, die weiter entfernt von dem Kasten leben, bleibe nur mehr Kupfer. Und Kupfer ist eben wesentlich langsamer.
Auch Hatz muss wohl mit diesen technischen Finessen vertraut sein. Denn er regte an, die Telekom nach Inning zu bitten und so herauszufinden, wo genau die versprochene schnelle Verbindung dann auch wirklich gegeben sei. Einmütig zeigte sich der Rat bei dem Vorschlag, doch wenigstens den Bürgern selbst die Möglichkeit zu geben, auf eigene Kosten Glasfaser verlegen zu lassen, zum Beispiel wenn Straßen saniert würden, wie Wanzke anregte. Das Ratsgremium wird diesen Punkt wohl in einer seiner nächsten Sitzungen noch einmal behandeln.

 

Starnberger Merkur  28.12.2015

briefe an die redaktion

Wie viel Versiegelung verträgt unsere Natur noch? - Zum Bürgerentscheid zur Umgehungsstraße in Inning am 31. Januar

„Inning leuchtet Gelb“: Wenn man momentan durch Inning fährt, springen einem viele gelbe Vierecke mit der Aufschrift „Ja“ an allen nur möglichen und unmöglichen Stellen entgegen. Diese Vielzahl an Vierecken lenkt stark vom fließenden Verkehr ab. Seit neuestem landen nun diese gelben Vierecke auch noch im Briefkasten zwischen Weihnachtspost und Werbeprospekten.
Mehr Sicherheit auf den Straßen im Gemeindegebiet wird es damit nicht geben. Das Unfallrisiko wird lediglich von einer Straße auf die andere Straße umgelagert.
Bei einer höheren Geschwindigkeit auf der unnötigen Entlastungsstraße wird auch das Unfallrisiko höher. Des Weiteren steigt Lärm mit höherer Fahrzeuggeschwindigkeit extrem an. Berechnungen zufolge ist Lärm bei 100 km/h viermal so hoch wie bei Tempo 50 km/h. Auch der angeführte Feinstaub wird nicht weniger, die winzigen Partikel fliegen hunderte Kilometer weit.
Eine bürgerfreundliche Umgestaltung des Ortskerns wird schwierig, weil sehr viel Inninger Durchgangsverkehr hausgemacht ist. Die Bürger müssten dann schon zu Fuß gehen oder auf das Fahrrad umsteigen. Ach ja, die Bäume wurden bei der Plakatierung der gelben Vierecke vergessen. Aber die Natur und die Landschaft haben ja in Inning sowieso keine Lobby mehr. Wenn man nur die großflächige Bebauung des neuen Gewerbegebietes „Gewerbepark Inning/Wörthsee“ mit zig Gewerbebetrieben auf einer Fläche von insgesamt rund 8,2 Hektar bedenkt, dazu kommt noch der überdimensionale Bau- und Wertstoffhof am Eingangstor von Inning sowie das geplante vierte Gewerbegebiet „am Inninger Bach“. Die geplante Umgehungsstraße würde zudem mit einem Flächenverbrauch von mehr als 12 Fußballfeldern zu Buche stehen. Wie viel Versiegelung vertragen unsere Natur, unser Boden noch? Meine klare Botschaft: Nein zur geplanten Umgehungsstraße und Nein zum geplanten vierten Gewerbegebiet am Inninger Bach und Ja zur Natur für Innings Zukunft.

Annette Görlach-Wörl - Inning

 

Jahreswechsel unter positiven Vorzeichen

chirurgische klinik seefeld

Seefeld – Weihnachtsferien? Fehlanzeige, wenn es um die Sondierungsgespräche zwischen den Verantwortlichen der Chirurgischen Klinik in Seefeld, der Klinik in Starnberg und der Herrschinger Schindlbeck Klinik geht. Ein erstes Zusammentreffen hat Seefelds Bürgermeister Wolfram Gum als Vorsitzender des Krankenhauszweckverbands in einer Pressemitteilung „als Meilenstein“ bezeichnet.
Sämtliche Beteiligten hätten eine grundsätzliche Offenheit für ein kooperatives Versorgungsmodell bekundet, so Gum. Das Klinikum Starnberg stehe der Anfrage des Zweckverbands auf mehrheitliche Anteilsübernahme aufgeschlossen gegenüber und übernehme die medizinkonzeptionelle Federführung. Hauptziel sei es, ein konsensfähiges Versorgungsmodell zu finden, „in dem die Klinikstandorte Seefeld und Herrsching mit ihren jeweiligen Einweisernetzwerken wesentlicher Bestandteil der stationären Versorgung bleiben“. Durch Intensivierung der Zusammenarbeit solle dauerhaft die bestmögliche Qualität der Krankenhausversorgung für die Bürger wohnortnah bereitgestellt werden „Als Zweckverbandsvorsitzender bin ich sehr froh und dankbar, gemeinsam mit Landrat Roth und Starnbergs Geschäftsführer Dr. Thomas Weiler künftig eine noch breitere Basis für die kommunale Trägerverantwortung zu schaffen“, erklärt Gum.
Die Gespräche seien von Professionalität und konstruktiver Sachorientierung geprägt gewesen. „Partikular-interessen und Kirchturmpolitik sind nachrangig gegenüber dem Ziel der hochqualitativen und langfristig auch wirtschaftlich darstellbaren Gesundheitsversorgung am Standort Seefeld.“ Die Krise der Klinik biete eine Chance, die Stärken der beteiligten Kliniken zu bündeln und nachhaltig für die Region die Versorgungs- und Arbeitsplatzsicherheit zu verbessern. Noch im ersten Quartal sollen die gesellschaftsrechtlichen Grundlagen geschaffen, soll der jetzige Schwebezustand beendet werden. Starnbergs Geschäftsführer Weiler fühle sich, so Gum, besonders verpflichtet, ein nachhaltiges Gesamtkonzept zu entwerfen. „Bis das Feinkonzept und die formalen Grundlagen stehen, werden am Standort Seefeld Effizienzmaßnahmen zur Reduzierung der finanziellen Belastung der Trägergemeinden umgesetzt“, kündigt Gum an. Für ihn ende das Krisenjahr 2015 „unter sehr positiven Vorzeichen“.  hvp

 

 

Süddeutsche Zeitung 24.12.2015

Asyl  - Von Zeichen und Wundern

Von Astrid Becker

Für Beatrice Bourcier muss es ein schönes Weihnachten sein. Zumindest ein recht besonderer Wunsch geht für sie in Erfüllung: Die syrische Familie, die die 40-Jährige im Sommer in der Notunterkunft kennenlernte und der sie ein Buch widmete ("Mein Sommer mit den Flüchtlingen"), wird in die am Dienstag übergebene neue Containeranlage in der Ammerseegemeinde einziehen. Insofern ist das eine erstaunliche Nachricht, weil die Regierung von Oberbayern dem Wunsch vieler Inninger, die Flüchtlinge, mit denen sie in Kontakt stehen, wieder zurückzuholen, nicht entsprechen kann.
Geäußert hatten viele Bürger dieses Anliegen während der Informationsveranstaltung am 27. November. Landrat Karl Roth versprach daraufhin, sich persönlich dafür einzusetzen, dass genau diese Asylbewerber in die damals noch im Bau befindliche Anlage beziehen dürften. Doch die Regierung lehnte dies aus logistischen Gründen ab, die Liste der Inninger war wohl zu lang.
Umso erfreuter zeigte sich nun auch Roth, als er beim Tag der offenen Tür in der neuen Containeranlage am Dienstagnachmittag wenigstens von der Rückkehr der syrischen Familie erfuhr. Die Familie, um die es geht, hat drei Kinder, ein viertes soll im März geboren werden. Eine der Töchter hat bei einem Bombenangriff schwere Verbrennungen erlitten. Ihr will Bourcier mit den Einnahmen aus ihrer Buchveröffentlichung helfen. Dass dies nun für sie einfacher wird, weil das Mädchen in Inning leben wird, hat sie ihrer Mutter zu verdanken: "Sie hat die Regierung so lange genervt, bis diese nachgegeben hat."
Die Familie wird nun eine der 16 neuen Wohneinheiten in der Containeranlage beziehen, möglicherweise bereits noch im Laufe des Mittwoch - bis Redaktionsschluss erwartet das Landratsamt die ersten 53 Bewohner dort. Es handelt sich dem Vernehmen nach um Menschen aus Afghanistan, Syrien, Somalia, Irak und aus Nigeria. Wie es heißt, werden es sich wohl alleinstehende Flüchtlinge, aber auch um ganze Familien sein. 15 davon ziehen aus Steinebach nach Inning um, weil ihre Unterkunft in der Hauptstraße sich als nicht bewohnbar erwiesen hatte. Die Wände in den Zimmern wurden feucht und schimmelten, Nachbesserungen sind dort dringend vonnöten.
In der neuen Containeranlage direkt gegenüber der Mehrzweckhalle, die in diesem Jahr zwei Mal als Notunterkunft für etwa 200 Flüchtlinge gedient hatte, ist hingegen alles für die Ankunft der neuen Bewohner fertiggestellt. Und auch das Interesse der Bürger, wie diese Menschen untergebracht werden, ist groß. Mindestens 100 Inninger haben die Anlage am Dienstagnachmittag besichtigt und zeigten sich damit zufrieden. Zwar stießen sich manche zunächst an der Farbgebung - mintgrün für die Wohncontainer, terracottarot für die Sozialbauten -, mussten jedoch dann zugeben, dass die Alternative steriles Weiß auch nicht gerade hübsch gewesen wäre. Kleinere Nachbesserungen sollen dort ebenfalls noch geschehen: Da ist ein Fenster, das sich schlecht verriegeln lässt und von Roth höchstpersönlich bemängelt wurde, und da sind auch noch die Müllcontainer, auf die Spaziergänger und Autofahrer direkt blicken müssen. Dieser Anblick soll nun mit einer Hecke oder mit Büschen verschönert werden.

 

Starnberger Merkur  23.12.2015

Zweckmäßig, sozial, gut

asyl - Stunde der offenen Tür in Inninger Wohnanlage – Erste Flüchtlinge werden bereits heute erwartet

von eveline silkenstedt

Inning – Zeit ist ein gewichtiger Faktor, wenn es um die Unterbringung der bleibenden Flüchtlinge wie in Inning geht. Die Abnahme der neu errichteten Wohnanlage durch das Landratsamt war gestern gerade erst abgeschlossen, als die ersten Inninger Bürger am Nachmittag die angebotene Stunde der offenen Tür für einen Informations-Rundgang nutzten. Und es kamen viele, die sich ein Bild vom künftigen Zuhause der Inninger Neubürger wollten.
„Wir finden es gut“, sagte Maria Riedener nach der Wohnungsbesichtigung zufrieden. „Zweckmäßig und keineswegs luxuriös“ seien die Wohnungen eingerichtet, meinte die Nachbarin. „Vielleicht ein bisschen klein für sechs Leute“, und „es gibt wenig Stauraum für eine Familie mit Kindern“, urteilten andere Besucher. „Die Anlage ist ein großer Gewinn, wenn man von einer Erstaufnahmestelle in die Wohnanlage zieht“, war das Fazit von Kreisbaumeister Christian Kühnel. Grill- und Spielgelegenheit und die Möglichkeit, die Tür einmal zumachen zu können, böten ein Stück Sozialleben. Das alles sei durch die Flucht und den Aufenthalt in der Erstaufnahme unmöglich gewesen. Die ersten Bewohner – Familien und Alleinreisende – werden wahrscheinlich schon heute ihre Wohnungen beziehen. Sie kommen aus dem Irak, Somalia, Nigeria, viele aus Afghanistan und Syrien. Bei manchen ist die Herkunft nicht geklärt, sagt Landkreis-Sprecher Stefan Diebl. Einige der Neubürger gehören zu den 53 Flüchtlingen, die der Landkreis wöchentlich aufnehmen muss, andere kommen aus Wörthsee und eine Familie aus der Erstaufnahmestelle in Fürstenfeldbruck.
„Ich freue mich sehr, dass die Familie dabei ist, der ich mein Buch gewidmet habe“, sagte Beatrice Bourcier. Die Inninger Medienfachfrau hat ihre Erlebnisse in der Erstaufnahme in einem Buch geschildert (wie berichtet). Ihre Mutter habe weder Zeit noch Mühe gescheut, um die ihr ans Herz gewachsene Familie aus der Erstaufnahme in Fürstenfeldbruck nach Inning zu holen. Auch für Uwe Faust, den von der Gemeinde angestellten Koordinator zwischen Asylbewerbern und Helferkreis, hat sich gestern ein Problem gelöst. Anlagenbetreuer Jonas Better Place hatte den Arbeitsplatz im Sozialbereich der Anlage aus Datenschutzgründen abgelehnt. Er kann vorerst den großen Konferenzraum für Gespräche et cetera nutzen. Steve Hermann wird im Auftrag von Jonas Better Place die Anlage verwalten und tagsüber Anlaufstelle für Bewohner, Helferkreis und Landratsamt sein. Ein weiterer Mitarbeiter wird sich in den nächsten Wochen nachts um die Wohnanlage kümmern.

 

Süddeutsche Zeitung 21.12.2015

Containerwohnanlage ist fertig

Die Containerwohnanlage für Asylbewerber in Inning steht vor ihrer Fertigstellung. Gelegenheit zur Besichtigung gibt es am Dienstag, 22. Dezember, 14.30 bis 15.30 Uhr. Landrat Karl Roth, Bürgermeister Walter Bleimaier und Mitarbeiter des Landratsamts stehen für Fragen bereit. Die Wohnanlage am Sportgelände bietet Platz für 96 Bewohner. Nach Herrsching und Andechs ist es die dritte Anlage gleicher Bauweise im Fünfseenland. Die ersten Asylbewerber werden wohl am Mittwoch, 23. Dezember, einziehen.

 

 

Starnberger Merkur  18.12.2015

Hohe Arbeitsbelastung: Fromme Wünsche stehen hinten an

Inning – Auch wenn es nur einige Wochen waren, die sie in der Inninger Erstaufnahmestelle verbrachten, haben einige der rund 400 dort untergebrachten Flüchtlinge die Hilfsbereitschaft in der Ammerseegemeinde schätzen gelernt. 34 von ihnen würden gern zurückkehren, obwohl sie nun über diverse Gegenden und Landkreise verstreut untergebracht sind. Die extreme Arbeitsbelastung der zuständigen Behörden lässt derzeit keinen Spielraum für den nachvollziehbaren Wunsch der heimatlosen Menschen, der unter Umständen darin gipfeln kann, dass eine Familie für Monate getrennt leben muss.
Dem Comedian Florian Simbeck, Kreisrat im Landkreis Pfaffenhofen a.d. Ilm, ist so ein Fall bekannt. Da eine syrische Frau zwei Monate nach ihrem Mann und den drei kleinen Kindern nach Deutschland kam, ist sie seit zwei Monaten im Osten Münchens untergebracht, Mann und Kinder im Landkreis Pfaffenhofen. Bis zu fünf Stunden muss sie mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren, wenn sie die Familie sehen will. Die Behörden scheinen auch in diesem Fall überfordert.
Für das Anliegen „unserer Schützlinge“ in Inning hat sich Sabina Eisenmann vom Organisationsteam des Helferkreises besonders eingesetzt. Auch Starnbergs Landrat Karl Roth versprach Anfang Dezember, bei der Regierung von Oberbayern ein gutes Wort zur Rückkehr der Erstaufnahmeflüchtlinge einzulegen (wir berichteten). Die Antwort fiel nicht so aus, wie erhofft. Die Regierung müsse ihre Kräfte im Moment darauf konzentrieren, überhaupt allen Asylbewerbern eine Unterkunft anbieten zu können und die Menschen rechtzeitig aus den Erstaufnahmeeinrichtungen in die Anschlussunterbringung zu bringen, heißt es auf Nachfrage. Alle Ebenen der Verwaltung würden derzeit an ihre Grenzen stoßen
Ein Teil der Menschen aus der Gilchinger Notaufnahmeeinrichtung könnte mehr Glück haben, im Landkreis untergebracht zu werden. „So gehen wir zum Beispiel davon aus, dass einige Familien aus der Turnhalle in Gilching, die mit unserem Landkreis schon vertraut sind, an der Schornstraße in Inning ein neues Zuhause finden können“, meint Stefan Derpa, Geschäftsbereichsleiter Asyl im Landratsamt.
Helferkreis-Sprecherin Anja Wagatha bedauert die getroffene Entscheidung: „Wir hätten darauf aufbauen können, was wir im Sommer geleistet haben.“ Lob gab es für Landrat Roth und das Landratsamt trotzdem: „Man sieht den guten Willen des Landratsamts.“ Wer auch ein bisschen auf die Hintergründe schaue, wisse, dass aus bürokratischer Sicht an Grenzen gestoßen werde und aus Zeitgründen nicht mehr zu leisten sei. „Wir müssen positiv nach vorne schauen und uns um die bald ankommenden Flüchtlinge kümmern“, sagt Anja Wagatha optimistisch.
Ob es im Fall der syrischen Familie ähnlich läuft, ist noch nicht bekannt. Die Ausländerbehörde Pfaffenhofen hat dem Kreisrat Simbeck versprochen, sich zu kümmern, ansonsten aber auf Datenschutz verwiesen.  si/grä

 

 

Starnberger Merkur  16.12.2015

Gewerbe und Buch: Zwei Welten, die nicht aufeinandertreffen

Inning – Geduld könnte einem Bucher Bürger doch noch zum geplanten Neubau eines Einfamilienhauses in der Straße Büchlfeld verhelfen. Dessen Bauantrag hatte der Gemeinderat Inning in der jüngsten Sitzung abgelehnt – aus rechtlichen Gründen. Das Grundstück liegt in einem als Mischgebiet ausgewiesenen Areal. Rund 60 Prozent der Fläche soll dem Wohnen dienen; die restlichen 40 Prozent der Ansiedlung von Gewerbebetrieben, sofern sie das Wohnen nicht wesentlich stören. Gewerbetreibenden auch im Ortsteil Buch eine Chance zur Ansiedlung zu geben, ist das Ziel dieser Regelung gewesen. Genutzt wurde sie bisher nicht.
Derzeit gibt es nur noch zwei Grundstücke, auf denen Wohn-Geschäfts-Häuser gebaut werden könnten. Die Grundbesitzer – einer von beiden ist der Bauantragsteller – sollen laut Bauamt jedoch kein Interesse an einer Gewerbeansiedlung haben. Deshalb stieß Thomas Bauers (CSU) Anregung, „sollten wir nicht ein allgemeines Wohngebiet daraus machen“, bei den Gemeinderatskollegen auf positive Resonanz. In einer Gemeinderatssitzung im Januar oder Februar soll die mögliche Umwandlung in ein Allgemeines Wohngebiet besprochen und darüber auch gleich abgestimmt werden. Es soll nach der geltenden Baunutzungsverordnung also vorwiegend dem Wohnen dienen.
Zugelassen ist jedoch auch hier Gewerbe, etwa Läden und Betriebe wie Bäckerei, Café und Metzgerei, die allein der Versorgung dieses Wohngebiets dienen. Eine Änderung der baulichen Nutzung würde nach Auskunft des Bauamts ohne großen Aufwand möglich sein. Sie könnte in das bereits laufende Änderungsverfahren zum Bebauungsplan eingebunden werden. In der nächsten Auslegungsrunde hätten die beteiligten Anlieger und betroffenen Behörden dann Gelegenheit Stellung zu nehmen.
Doch es gibt noch einen anderen Verfahrensweg: Auch das Landratsamt könnte feststellen, dass die Voraussetzungen für ein Mischgebiet nicht mehr gegeben sind, eine Nutzungsänderung notwendig und das Einvernehmen letztendlich doch zu erteilen ist. In beiden Fällen müsste sich die Gemeinde umschauen, in welchem Bereich des Ortsteils Buch es dann noch genügend Raum für eine gewerbliche Nutzung gibt.  si

 

Starnberger Merkur  14.12.2015

Inning  -  Anzeige gegen unbekannte Bannerdiebe

Das geht den Mitgliedern von Pro Inning nun doch zu weit. Nachdem bereits wiederholt Werbeplakate zur geforderten Entlastungsstraße zerstört worden seien, sei jetzt auch ein größerer Kunststoffbanner gestohlen worden, ärgert sich der Vorsitzende der Initiative, die einen zweiten Bürgerentscheid auf den Weg gebracht hat. "Der Verein hat nun Anzeige gegen Unbekannt gestellt", gibt er per Pressemitteilung bekannt. Pro Inning weist die Gegner des Bürgerentscheids und der Umgehungsstraße darauf hin, dass so ein Verhalten "einfach nur schlechter Stil" sei und "einen akuten Mangel an Sachargumenten darstellt".

 

Starnberger Merkur  10.12.2015

Vom schnellen Internet weit entfernt

Im Inninger Ortszentrum gibt es statt 50 Mbit/s teilweise nur 12 Mbit/s – Anwohner bittet Gemeinde um Hilfe

Inning – „Ein flächendeckender Breitbandausbau ist in Inning nicht vorhanden“, ärgert sich ein Anwohner der im Inninger Ortszentrum gelegenen Zweigstraße. Während das schnelle Internet für viele Ortsteilbewohner mit dem Baustart im Frühjahr immer näher rückt, scheint das bereits bestehende flächendeckende Angebot im Inninger Zentrum nicht zu halten, was es verspricht. Mit der Frage, „was ist ein schnelles Internet“, hatte Gemeinderat Jürgen Hatz (BIZ) das Problem des Inninger Bürgers zum Gesprächsthema der jüngsten Gemeinderatssitzung gemacht.
Während Nachbarn an der Moos- und Rosenstraße 50 Megabits (Mbit/s) pro Sekunde nutzen können, liegt die von der Telekom zugesicherte Übertragungsgeschwindigkeit an der Zweigstraße bei gerademal 16 Mbit/s. Tatsächlich seien es nur 12 Mbit/s, wenn vom Homeoffice aus große Datenmengen in den europäischen Raum und nach USA übertragen werden müssten, beschreibt der Bürger auf Nachfrage sein Problem. Er versuche seit langem zu klären, warum die auf der Homepage der Telekom für den Standort Zweigstraße angegebenen 50 Mbit/s nicht zur Verfügung stünden. Nach vielen Gesprächen und Runden in der Warteschleife habe sich jetzt herausgestellt, dass an diesem Standort nur 16 Mbit/s möglich seien und kein weiterer Ausbau geplant sei. „Das ist nicht Stand der heutigen Technik“, macht der Inninger seinem Ärger Luft. Bei einer Wohnungssuche würde er heute genau überlegen, ob er nach Inning zöge.
Die Vorschläge des Gemeinderats reichten von regelmäßige Tests und beim Anbieter anzurufen, bis zum Vorschlag, bei der Telekom einen Plan anzufordern, um zu wissen, wo 100 Prozent Breitbandversorgung möglich ist. Es wurde auch überlegt, Anliegern bei Straßensanierungen und -neubauten eine Glasfaserverlegung zum Haus auf eigene Kosten anzubieten. „Wir werden schauen, ob wir von der Telekom Infos bekommen“, versprach Bürgermeister Walter Bleimaier.  si

 

Mehr Fahrten auch zu den S-Bahnhöfen

Weßling/Seefeld – Der Fahrplanwechsel des MVV am kommenden Sonntag betrifft auch den Busverkehr im westlichen Landkreis. Die Linie 955 beispielsweise von der S-Bahn in Weßling nach Starnberg Nord fährt in Zukunft stündlich. Davon profitieren nicht nur die Weßlinger Bürger. Auch die Bürger aus Oberpfaffenhofen und Hochstadt können ab Montag stündlich die S 8 in Weßling und die S 6 in Starnberg Nord erreichen. Sollte ein Besuch im Klinikum Starnberg notwendig werden, kommen die Fahrgäste mit der Linie 955 mit der Haltestelle MediCenter nah ans Krankenhaus. Jede Stunde, beginnend um 6.05 Uhr, bis 21.05 Uhr fährt der Bus von Weßling nach Starnberg Nord. Zurück geht’s jede Stunde ab 5.37 Uhr bis 20.37 Uhr. Am Samstag startet die Linie in Weßling erst um 8.05 Uhr und in Starnberg um 7.37 Uhr. Die Linie 955 ergänzt in Weßling die bereits bestehenden vertakteten Busanbindungen der Linien 947 von/nach Gilching und der 952 von/nach Inning sowie der noch nicht im Takt fahrenden Linie 953 von/nach Wörthsee.
Die Linie 956 vom S-Bahnhof in Seefeld-Hechendorf über Inning zum Gewerbepark Inning, Wörthsee und Etterschlag wird ab 1. April 2016 um insgesamt 13 stündliche Fahrten von und zum S-Bahnhalt Seefeld-Hechendorf erweitert. Der Gewerbepark wird auch von Etterschlag aus stündlich erreichbar sein.  mm

 

 

Süddeutsche Zeitung 08.12.2015

Vorschnelles Votum

Von Astrid Becker

Es ist kein einfaches Votum, das die Inninger am 31. Januar abgeben müssen. Denn genau genommen entscheiden sie über Pest oder Cholera - und das dürfte Gegnern und Befürwortern der Umfahrung gleichermaßen bewusst sein. Eines ist beiden Seiten klar: Inning hat ein Verkehrsproblem. Nur, wie dies zu lösen ist, daran scheiden sich die Geister.
Dem Verein "Pro Inning" gilt die Umgehung als einzige Möglichkeit, den Ort und dessen Bewohner zu schützen. Sie klagen nicht zu Unrecht über das ständig wachsende Verkehrsaufkommen im Zentrum und die damit auch gestiegene Unfallgefahr, von Lärm- und Feinstaubbelastungen ganz zu schweigen. Läge der Ort günstiger, wäre wohl auch nie ein Streit über dieses Thema entbrannt. Denn es ist die Trasse, genauer ihre Lage, die die Gemüter erhitzt. Und auch hier kann nicht widersprochen werden, führt sie doch mitten durch eine der schönsten Ecken des Hauptortes und trennt diese vom See ab. Ob eine Umgehung das Inninger Problem wirklich löst und nicht noch mehr Verkehr anlockt, ist nicht eindeutig zu beantworten.
Eines ist hingegen sicher: Ist die Straße fertiggestellt, gibt es kein Zurück mehr - selbst wenn künftige Generationen anders darüber denken mögen. Vor diesem Hintergrund ist es schade, dass mit dem Entscheid nicht gewartet wurde, bis abschließende Ergebnisse aus Verkehrs- und Lärmschutzgutachten vorliegen. Auf deren Basis hätte womöglich doch noch eine Lösung für die Ortsdurchfahrt gefunden werden können - und wenn es sein muss auf höherer politischer Ebene. Auf diese Möglichkeit hatten die von der Gemeinde beauftragten Gutachter in Ratssitzungen hingewiesen. Dies ist jetzt auf Eis gelegt. Nun kann der Bürger nur für eines votieren: für die Gegenwart, nicht aber für die Zukunft. Bei einem Projekt dieser Größenordnung ist das aber keine gute Idee.

 

Inninger Patt

Von Astrid Becker

Genau vor zwei Jahren haben sich die Inninger in einem Bürgerentscheid gegen den Bau einer Umfahrung ausgesprochen. Nun werden sie am 31. Januar erneut über diese Frage entscheiden müssen - und schon jetzt ist klar, dass der Riss, der sich in diesem Punkt durch die Gemeinde zieht, nicht kleiner geworden ist. Sowohl die Befürworter des Projekts als auch seine Gegner kämpfen nun mit Broschüren um die Stimmen der Bürger. Die Argumente auf beiden Seiten haben sich allerdings kaum geändert - das klingt nach einer Pattsituation in Inning.
Viel Zeit bleibt beiden Seiten nicht, um um die Gunst der Wähler zu buhlen. In siebeneinhalb Wochen müssen jene darüber befinden, ob die Umgehung, die sie einst ablehnten, nun doch gebaut wird. Beantworten müssen sie im Entscheid im Wortlaut folgende Frage: "Sind Sie dafür, dass der Bürgerentscheid vom 8. Dezember 2013 aufgehoben, die Staatsstraße 2067 aus der Ortsmitte von Inning gemäß bereits vorliegender Planung in den Westen verlegt wird und dass diese Planung von der Gemeinde sofort mit Nachdruck fortgeführt und dann auch unverzüglich umgesetzt wird?" Anders als 2013 sind es diesmal die Befürworter der Entlastungsstraße, die Initiative Pro Inning, die Unterschriften gesammelt und sie im Mitte Oktober an Bürgermeister Walter Bleimaier übergeben haben. Insgesamt 736 Bürger haben dort gültig unterzeichnet - fast ebenso viele, exakt 730, haben die Gegner des Projekts, die Bürgerinitiative für Innings Zukunft (BIZ), zwei Jahre zuvor gesammelt und im Rathaus übergeben. Gefordert wurde damit damals ein Bürgerbegehren folgenden Inhalts: "Sind Sie dafür, dass keine Umgehung im Westen durch Inning geplant und gebaut wird, und dass die Gemeinde alles unternimmt, damit dieses Vorhaben gestoppt wird." Beide Seiten haben mit ihren Sammelaktionen, damals wie heute, mehr als doppelt so viele Unterschriften bekommen als für einen Entscheid erforderlich gewesen wären. Klar ging dann auch das Votum am 8. Dezember 2013 aus. Mit einer deutlichen Mehrheit von 204 Stimmen und einer mit 68,52 Prozent sehr hohen Wahlbeteiligung kippten die Gegner das Projekt und damit auch das Ratsbegehren, das die Straße durchsetzen sollte: Eine Überraschung für alle Beteiligten, die damals mit einer recht knappen Entscheidung gerechnet haben. Knapp allerdings dürfte es wohl diesmal tatsächlich ausgehen. Denn seit damals ist vieles geschehen, was die Gemüter weiter aufheizt.
Da waren beispielsweise die vielen Unfälle, die sich auf der Durchfahrtsstraße allein 2014 und 2015 ereigneten - einer davon mit tödlichem Ausgang. Genau die Gefährlichkeit dieser Straße führen nun die Befürworter an, um damit die Inninger für den Bau einer Entlastungsstraße im Westen der Gemeinde zu mobilisieren. Ein weiteres Argument von ihnen ist, dass die einst von der BIZ angeführten Alternativen - wie Tempo 30 auf der Straße und Fahrbahnverengungen - abgelehnt wurden, weil es sich bei der Ortsdurchfahrt um eine Staatsstraße handelt.
Die BIZ hingegen verweist in ihrer Broschüre, die am Dienstag verteilt wird, erneut darauf, dass die Straße den Ort brutal durchschneide, ihn vom See abtrenne und die Natur zerstöre. Dass sie keine Umgehung sei, weil sie direkt an Schule, Kindergarten und auch Wohngebieten vorbeiführe. Dass sie der Trassenführung wegen den Verkehr nicht reduziere - und dass das für den Bau aufgewendete Geld dann an anderen Stellen fehlen werde.

 

 

Starnberger Merkur  02.12.2015

Neue Öffnungszeiten und mehr Stellen

Inning – Der neue Wertstoffhof in Inning wird ab Januar länger geöffnet sein. Das hat der Werkausschuss des Abfallwirtschaftsverbandes AWISTA in seiner jüngsten Sitzung beschlossen. Hintergrund ist unter anderem die notwendige Entlastung benachbarter Annahmestellen.
Bisher hat der Wertstoffhof in Inning an vier Tagen in der Woche geöffnet, unabhängig von der Jahreszeit. In der Summe sind es zwölf Stunden. Das ist offenbar zu wenig, denn der AWISTA verzeichnet in Wörthsee insbesondere an Freitagen und Samstagen einen so großen Andrang, dass Kunden bisweilen abgewiesen werden müssen oder es lange Staus gibt. Inninger fahren auch schon mal nach Herrsching, weil dort länger geöffnet ist. Deswegen werden ab 1. Januar die Öffnungszeiten in Inning denen in Herrsching angeglichen.
In der Praxis wird es in Inning je nach Jahreszeit unterschiedliche Öffnungszeiten geben. Von April bis Oktober wird dienstags bis freitags an allen vier Tagen jeweils von 14 bis 18 Uhr geöffnet sein, samstags von 9 bis 13 Uhr. Im Schnitt ergibt das eine Stunde mehr Öffnung und mit dem Donnerstag einen Tag zusätzlich. Im Winterhalbjahr (November bis März) ist dienstags bis freitags von 13 bis 17 Uhr offen, samstags von 9 bis 13 Uhr. Montags sind übrigens alle Wertstoffhöfe geschlossen, weil nach den zumeist großen Anliefermengen am Samstag erstmal alle Container geleert werden müssen. Für die erweiterten Zeiten plant der AWISTA auch mehr Mitarbeiter einzustellen.  ike

 

Starnberger Merkur  01.12.2015

Vorbereitung auf die Neubürger

Asyl - Informationsveranstaltung zu Conntaineranlage und anschließendes Treffen des Inninger Helferkreises

VON EVELINE SILKENSTEDT

Inning – Während sich das Koordinationsteam des Inninger Helferkreises derzeit auf die Integration der bleibenden Asylbewerber vorbereitet, haben Bürgermeister Walter Bleimaier, Landrat Karl Roth und Kreisbaumeister Dr. hristian Kühnel ihre Hausaufgaben in Sachen Unterbringung bereits gemacht. Beides war Gesprächsthema der jüngsten Informationsveranstaltung und des anschließenden Helferkreistreffens im Haus der Vereine.
Dem Dank von Landrat Karl Roth für die intensive Begleitung der Flüchtlinge in der Erstaufnahmestation folgte ein informativer Sachstandsbericht: Jeden Monat wird im Landkreis eine Containeranlage in Betrieb genommen, um die jetzt 53 pro Woche ankommenden Flüchtlinge unterzubringen. Auch gemeldete Wohnungen gibt es immer mehr. Wann die angekündigten 96 Inninger Neubürger die hell und zweckmäßig ausgestattete Appartementanlage beziehen werden und wie die Gruppe zusammengesetzt ist, konnte Landrat Roth nicht sagen. Das entscheide die Regierung von Oberbayern. „Wahrscheinlich kurz vor oder nach Weihnachten“, war die vage Vermutung.
Von der Qualität der Anlage konnten sich die rund 60 Veranstaltungsbesucher anhand von Fotos der identischen Anlage in Herrsching ein Bild machen. „Zirka 2,1 Millionen wird sie für 100 Wohnplätze voll eingerichtet kosten“, erklärte Kreisbaumeister Christian Kühnel. Zur Ausstattung gehören Besteck und Handtücher ebenso wie der kleine Spielplatz und die Sozialräume.
Damit das Zusammenleben in dem Containerdorf reibungslos funktioniert, werden ein technischer Anlagenbetreuer, ein Sozialpädagoge und ein nächtlichen Sicherheitsdienst in den ersten vier Wochen vor Ort sein.
Nach fünf bis sieben Jahren sollen wie berichtet neugebaute Wohnungen die Container ersetzen. Der Verband Wohnen wird sie voraussichtlich bauen, sofern die Landkreiskommunen geeignetes Bauland zur Verfügung stellen. Mitgenommen hat Landrat Roth eine neue Aufgabe: Mehrere Besucher berichteten von Flüchtlingen, die gern nach Inning zurückkehren würden. Dazu gehört auch die durch ihren Auftritt bekannte und jetzt in Tegernsee untergebrachte Musikergruppe. „Wenn sich einige so integriert haben, dann sollten sie auch zurückkommen“, meinte der Landkreischef spontan.

 

Paten gesucht

Abwarten was kommt, heißt es momentan für den Helferkreis Asyl. Koordinatoren und Aktive werden künftig den gesammelten Erfahrungsschatz nutzen können, aber es wird auch eine Verschiebung der Prioritäten geben. Die engmaschige Begleitung in der Erstaufnahmestelle wird nicht mehr gefragt sein, eher die Hilfe zur Selbsthilfe. Dazu gehört die individuelle Sprachförderung, um einen Arbeits- und Ausbildungsplatz zu finden und Abschlüsse zu bestehen. Der Helferkreis will nun ein funktionierendes Patensystem aufbauen.
Der Rahmen für das erneute ehrenamtliche Engagement soll beim großen Treffen im Haus der Nachbarschaftshilfe am Mittwoch, 9. Dezember, ab 19 Uhr, genauer abgesteckt werden. Koordinator zwischen Asylbewerbern und Helferkreis wird ab 1. Dezember Uwe Faust sein. Der Grund für sein Engagement: „Es hat mich interessiert, noch einmal eine Herausforderung anzunehmen.“ Seine Arbeit unter dem Dach der Nachbarschaftshilfe finanziert die Gemeinde mit 450 Euro monatlich. Sein Schreibtisch wird im Sozialgebäude der Wohnanlage stehen.  si

 

Süddeutsche Zeitung 30.11.2015


Landkreis sucht freie Grundstücke

Von Astrid Becker

Inning - Seit Freitag ist es offiziell: Der Landkreis wird von kommender Woche an 212 Asylbewerber pro Monat unterbringen müssen - 28 mehr als bisher. Für den Bau weiterer Unterkünfte werden daher dringend Grundstücke benötigt. Der Appell von Landrat Karl Roth bei der Informationsveranstaltung in Inning über die dort im Bau befindliche Containeranlage am Freitagabend an Kommunen und Bürger fiel um so dringlicher aus: "Suchen, suchen, suchen".
In der Inninger Containerwohnanlage gegenüber der Turnhalle, die seit dem Sommer bereits zwei Mal als Notunterkunft für jeweils rund 200 Flüchtlinge diente, sollen 96 Menschen Platz finden - eine kleine Anlage, wie bei der Infoveranstaltung für Helferkreis und Bürger deutlich wurde. Der jüngste Bescheid der Regierung, der die Zahl wöchentlich eintreffender Asylbewerber im Landkreis von 46 auf 53 heraufsetzt, zeigt, dass künftig in größeren Dimensionen geplant werden muss. Es hätten sogar 60 Flüchtlinge pro Woche werden sollen, sagte Roth. Diese Zahl sei jedoch reduziert worden, weil in den vergangenen Monaten die Inninger Turnhalle sowie aktuell die Sporthalle in Gilching als Notunterkünfte zur Verfügung gestellt wurden. Dennoch muss das Landratsamt von steigenden Zahlen ausgehen. Kreisbaumeister Christian Kühnel sagte, 2016 würden nicht nur Containeranlagen, sondern auch Hallen gebaut, die später für die Landwirtschaft genutzt werden könnten. Darin könnten 120 Menschen und mehr untergebracht werden. Ungeklärt ist jedoch, wo diese Gebäude entstehen könnten. "Ich habe noch kein einziges Grundstück dafür", sagte Kühnel auf SZ-Anfrage.
In Inning sind alle Vorbereitungen für die Ankunft der Flüchtlinge getroffen. Der Helferkreis will bereits im Januar mit Deutschunterricht beginnen. Einige Bürger äußerten in der Veranstaltung den Wunsch, dass jene Asylbewerber, die bereits in Inning waren und jetzt in anderen Landkreisen untergebracht sind, in die neue Containeranlage zurückkehren sollten: Freundschaften sind entstanden, die Inninger halten Kontakt mit "ihren" Asylbewerbern. Gemeinderätin Anja Wagatha, die im Helferkreis sehr aktiv ist, hatte sich mit einer entsprechenden Anfrage ans Landratsamt gewandt. Eine Nachfrage bei der Regierung wurde jedoch negativ beschieden. Landrat Roth versprach, sich für die Rückkehr der Asylbewerber nach Inning stark zu machen. Dafür müsse er aber wissen, um wen es sich genau handele. Die Nachbarschaftshilfe sammelt nun in der kommenden Woche Namen und Telefonnummern dieser Flüchtlinge und will sie dann Roth aushändigen.
Bevor die 96 Asylbewerber voraussichtlich ab Mitte Dezember in die Containerwohnanlage einziehen, möchte der Inninger Helferkreis Asyl Dezember für die Bewohner ein gut funktionierendes Patensystem aufbauen. Alle, die Interesse daran haben, den Helferkreis als Pate für Familien, Ehepartner oder alleinstehende Frauen und Männer zu unterstützen, sind eingeladen, am Mittwoch, 9. Dezember, um 19 Uhr an einer Informationsveranstaltung in der Nachbarschaftshilfe Inning (Enzenhofer Weg 9), teilzunehmen. Interessenten, die an diesem Termin keine Zeit haben, aber dennoch gerne als Pate fungieren möchten, können sich per E-Mail an den Helferkreis unter der Adresse
info@asylhelferkreis-inning.de wenden.

 

Starnberger Merkur  28.11.2015

 

Starnberger Merkur  26.11.2015

Nachbarn wollen keine Konkurrenz

Inning Gewerbepark– Bei den Nachbarn Eching, Grafrath und Wörthsee kommt das von der Gemeinde Inning geplante, an den Gewerbepark angrenzende Gewerbegebiet gar nicht gut an (wir berichteten). Vor allem der in die Planung einbezogene Discounter wird wegen der befürchteten Konkurrenz zum eigenen Nahversorger abgelehnt. Der Zweckverband des Interkommunalen Gewerbeparks Inning-Wörthsee hingegen beschloss in seiner jüngsten Sitzung, keine Einwände zuzulassen. Allein die Inninger Gemeinderätin Barbara Wanzke (Grüne) votierte wegen der Nähe zum Landschaftsschutzgebiet gegen das Projekt.
Für die Wörthseer Gemeinderatsmitglieder war es kein leichter Entschluss. Die Gemeinde bemüht sich seit längerem um einen zweiten Einzelhändler im Ort. Die stellvertretende Zweckverbandsvorsitzende und Bürgermeisterin, Christel Muggenthal, brachte die Ablehnung der Nachbarn auf den Punkt: „Wir sehen das als echte Gefahr.“
Dieser Vermutung widersprach Verbandsvorsitzender Walter Bleimaier: „Nach unserer Ansicht ist die Auswirkung marginal.“ Dass die in Wörthsee angestrebte Nahversorgung und die in Inning gewünschte überregionale Versorgung für die Beschäftigten im Gewerbepark zwei Paar Schuhe seien, fügte Barbara Wanzke an. Der Inninger Wunsch, die Jet-Tankstelle aus dem Ortszentrum heraus an den Ortsrand zu verlegen, stieß bei den Nachbarn auf Verständnis. Für die Anbindung und Versorgung des neuen Inninger Gewerbegebiets ist jetzt schon gesorgt: Der Straßenanbindung über den Gewerbepark haben die Verbandsmitglieder bereits im Mai 2015 den Weg geebnet.
Die Anschlussleitungen für die Wasserver- und Abwasserentsorgung wurden bereits im Zuge der Erschließungsbaumaßnahmen 2013 gelegt. „Es ist nicht zu befürchten, dass die Versorgungsleitungen des Zweckverbandes bei tatsächlichen Anschlüssen überstrapaziert werden“, hieß es im Sachvortrag.
Ob es bald eine Überwachung des ruhenden Verkehrs im Gewerbepark geben wird, soll im Januar 2016 entschieden werden. Eigentlich wollte der Verband damit warten, bis alle Grundstücke bebaut sind. Doch das Bauende wird durch eine Neuparzellierung auf sich warten lassen, und die Probleme mit Falschparkern nähmen inzwischen überhand.  si

 

 

Starnberger Merkur  25.11.2015

Gesprächsrunde wird Schimpfrunde

Freier Bürgerblock

Inning – So nicht, sind die Mitglieder des Freien Bürgerblocks Inning (FFB) überzeugt – und das gleich in mehrfacher Hinsicht. Sie nutzten ihre Gesprächsrunde am Montag, um Kritik zu üben. „Wenn Politiker sich im kleinen Rahmen nicht an gesetzliche Vorgaben halten, wie läuft es dann im Großen“, schimpfte Birgit Schlögl mit Blick auf jüngste Gemeinderatsabstimmung zum Bürgerbegehren.
Gerade weil es keine Ermessensentscheidung, sondern ein Bürgerrecht sei, wäre das strikte Nein von BIZ und Grünen kein politisches Vorbild für die jungen Leute. Die Entscheidung sei nur Schaumschlägerei und Verhinderungstaktik, glaubt Johann Ritzer. Der FBB-Gemeinderat und seine Mitstreiter hoffen vielmehr, dass „die Wähler, die gegen die Umfahrung waren, jetzt mitbekommen haben, dass sie belogen wurden“.
Es tut sich was, konnte Ritzer zum Thema Sozialer Wohnungsbau zufrieden vermelden. Bezahlbare Wohnungen würden in Inning dringend gebraucht. Es gäbe eine Vielzahl finanzschwacher Familien, die sich ein Haus nicht leisten könnten. Ein Einheimischen-Modell als Lösung des Problems schade mehr als zu helfen. Mehr als „eine gewisse Entscheidung ist gefallen“ wollte der Gemeinderat jedoch nicht verraten. Die Standortdiskussion fand schließlich im nicht-öffentlichen Teil der jüngsten Gemeinderatssitzung statt. Deshalb ärgert sich Johann Ritzer über andere Gemeinderäte, die es mit der Schweigepflicht nicht so genau genommen haben sollen, „um sich bei ihren Wählern zu profilieren“.
Beim Thema Gewerbepark meldete sich Altbürgermeister Werner Röslmair zu Wort: „Bei den guten nachbarschaftlichen Bedingungen hätte die Gemeinde Grafrath auf den Einspruch beim geplanten Gewerbegebiet im Anschluss an den Gewerbepark verzichten sollen.“ Dass Inning zurückstehen soll, weil die Nachbargemeinde plant, den bestehenden Supermarkt zu vergrößern (wir berichteten), kam nicht gut an. Es komme doch der Umwelt zugute, dort einzukaufen, wo man arbeite. Röslmair erinnerte an 15 Jahre zurückliegende, vergebliche Bemühungen, einen Discounter im gemeindeeigenen Gewerbegebiet anzusiedeln  si

 

„Der Kleine nennt mich Opa“

Erwin Bretscher, 74, aus Inning lebt seit August mit einer Flüchtlingsfamilie zusammen – und empfindet das als große Bereicherung

Erwin Bretscher, 74, pensionierter Lehrer aus Inning und früherer Grünen-Kreisrat in Starnberg, lässt eine syrische Flüchtlingsfamilie – Vater, Mutter, zwei Buben – bei sich wohnen. Ein Interview über das Zusammenleben.

-Warum haben Sie Flüchtlinge aufgenommen?  Diese Menschen sind nicht aus Vergnügen zu uns gekommen. Sie brauchen Hilfe, ich hatte auf meinem Grundstück ein Ferienhaus frei.

-Was mussten Sie unternehmen, um zu helfen?  Bei einer Bürgerversammlung wurde die Gemeinde vorbereitet auf die Erstaufnahme von Flüchtlingen in der Turnhalle. Im Anschluss bin ich auf den Landrat zugegangen und habe ihm gesagt, ich hätte eine Wohnung frei. Zwei Tage später kamen zwei Mitarbeiterinnen und dann noch Vertreter vom Bauamt und haben das Haus begutachtet. Ich hatte noch Feriengäste, aber 14 Tage später, als die weg waren, zog die Familie ein. Das war im August.

-Haben Sie Bedingungen gestellt?  Nein, ich habe nur einen Wunsch geäußert: vielleicht eine christliche Familie aus Syrien. Aber da hieß es, das ist nicht so einfach, davon gibt es nicht so viele. Erst sollte eine albanische Familie kommen, die ich vorher kennenlernen sollte. Das hat aber nicht geklappt. Jetzt leben syrische Muslime bei mir, die ich vorher nicht getroffen habe. Aber das war mir egal. Entweder oder.

-Warum wollten Sie gerne Christen aufnehmen?  Ich bin Pfarrgemeinderatsvorsitzender, war Religionslehrer und dachte, das passt zu mir. Aber jetzt bin ich froh: Das sind gläubige Muslime, ich lerne viel über den Islam.

-Wie läuft der Alltag ab?  Sehr abwechslungsreich! Erst haben wir viele Klinik- und Arztbesuche sowie Behördengänge erledigt. Jetzt lernen wir täglich Deutsch, das habe ich als Lehrer am Gymnasium auch unterrichtet.

-Will die Familie bleiben?  Sie können nicht zurück, ihr Haus ist zerstört, für die Kinder ist es dort zu gefährlich. Täglich fallen Bomben. Ständig bekommen sie Nachrichten über Nachbarsfamilien, die ausgelöscht wurden. Derzeit haben sie eine Aufenthaltsgestattung, die erste Anhörung war vorige Woche.

-Darf der Familienvater schon arbeiten?  Er war Finanzbuchhalter an der Uni in Aleppo, sie hat dort Philosophie gelehrt. Der Mann hat einen Ein-Euro-Job am Recyclinghof in Aussicht, er hat sich schon vorgestellt.

-Wie reden Sie miteinander?  Meistens auf Englisch. Vor allem der Mann macht gute Fortschritte mit seinem Deutsch. Die Kinder lernen die Sprache fleißig im Kindergarten.

-Was bekommen Sie für Ihre Gastfreundschaft?  Das Landratsamt zahlt die Miete und die Nebenkosten. Bereichert werde ich durch die gute Nachbarschaft.

-Wie haben Ihre Nachbarn reagiert?  Nur positiv. Die Familie hat viele Kontakte, über das Einkaufen, den Kindergarten.

-Was bringt Ihnen das alles persönlich?  Die Eltern sind sehr höflich, freundlich. Vor allem die Kinder machen viel Spaß! Die Buben hängen an mir, wollen mit mir rumtoben. Abends bringen sie mir manchmal ein warmes Essen. Wenn sie an der Tür klopfen, schreit der Kleine: „Opa!“ An ihre eigenen Großeltern haben die Kinder keine Erinnerung. Dafür kann Herr Bretscher als Ersatzopa fungieren.

Das Interview führte Carina Zimniok

 

Süddeutsche Zeitung 25.11.2015

Starnberg  - Hallen statt Container

Von Astrid Becker

Die asylpolitische Lage im Kreis wird immer kritischer, denn schon jetzt zeigt sich, dass die Zahl der Unterkünfte für Flüchtlinge wohl nicht ausreichen wird. Das Landratsamt sucht daher dringend neue Grundstücke - und sieht sich auch gezwungen, seine Gesamtstrategie zu ändern. Denn künftig sollen die Menschen, die hier Zuflucht suchen, nicht nur mehr in Containern oder Traglufthallen untergebracht werden, sondern in neu errichteten Hallen. Der Grund: Die Zahl der im Kreis unterzubringenden Flüchtlinge wird sich nach derzeitigem Kenntnisstand bis Ende 2016 mindestens verdoppeln.
"Wir werden im Durchschnitt zwei Grundstücke pro Gemeinde brauchen", sagt Kreisbaumeister Christian Kühnel auf Anfrage der SZ. Der Mann, der sich seit Juni nahezu ununterbrochen mit der Frage beschäftigt, wie die Menschen, die hier im Kreis Zuflucht suchen, untergebracht werden können, bezieht sich in seinen Aussagen auf die bisher stets steigende Zahl von Ankömmlingen. So waren es noch bis zum Juni 20 pro Woche, von Juni an 33, dann von Ende Juli an 38, kurze Zeit später 39 Asylsuchende pro Woche. Mittlerweile sind es 46 Flüchtlinge pro Woche. Für all diese Menschen müsse gesorgt werden, meint Kühnel. Doch die bisher ständig steigenden Zahlen geben ihm zu denken: "Schauen Sie, wenn wir eine Anlage für 96 Flüchtlinge fertigstellen, ist diese schon jetzt innerhalb von zwei Wochen voll." Es zeichne sich zwar ab, dass es dem Kreis zwar gelingen werde, die bisher zu erwartenden Flüchtlinge bis zum Jahresende, knapp 2200, noch unterzubringen. Doch bei bis zu 5000 bis Ende 2016, so wie derzeit auf Basis der jetzt geltenden Zahlen prognostiziert werden könne, reichten die Kapazitäten im Landkreis nicht mehr aus, sagt er.
Daher strebt das Landratsamt nun nach neuen Lösungen. In all den Überlegungen, wie diese aussehen könnten, wurde dem Vernehmen nach schnell klar: Wie bisher für diese Menschen Containeranlagen zu bauen, wird nicht mehr möglich sein - schon allein aufgrund der Tatsache, dass vermutlich nicht so viele verfügbar sein werden, wie benötigt werden. Auch die bisherige Idee möglichst kleine Anlagen zu erstellen, um Konflikte zu vermeiden, wird nicht mehr umzusetzen sein. "Wir brauchen flächenmäßig größere Lösungen und werden nun auch auf Hallen setzen", sagt Kühnel. Bisher sind in allen Gemeinden, die Containeranlagen erhalten, abgetrennte Wohneinheiten für jeweils sechs Menschen vorgesehen. In Herrsching ist so eine Anlage bereits in Betrieb genommen, in Andechs und Inning werden sie derzeit gerade erbaut.
Um weitere Menschen unterbringen zu können, sucht das Landratsamt nun händeringend nach Grundstücken, die sich noch immer nicht allzu weit entfernt vom Ort befinden sollten , "um die Erschließungskosten nicht allzu sehr in die Höhe schnellen zu lassen", wie der Kreisbaumeister sagt. Allerdings, so räumt auch er ein, werde sich die Suche nach diesen Grundstücken nicht mehr nur auf die Hauptorte einer Gemeinde beschränken wie bisher. "Wir müssen dann auch mal eine schlechtere Infrastruktur in Kauf nehmen." Als Beispiel nennt er die Gemeinde Andechs: "Wir hatten dort bisher nur Erling im Fokus, womöglich werden wir aber auch Anlagen in Machtlfing oder Frieding bauen müssen."
Die Behörde steht also vor enormen Herausforderungen, zumal sie selbst bereits an ihre Kapazitätsgrenzen stößt. Schon jetzt sind dem Vernehmen nach fast alle Mitarbeiter dort mit dem Thema Asyl befasst. "Wir bräuchten mehr Personal", sagt auch Sprecher Stefan Diebl: "Im Grunde sogar eine eigene Asylbehörde."

 

Starnberger Merkur  23.11.2015

Infos für die Bürger

Inning – Die Gemeinde Inning lädt für Freitag, 27. November, zu einer Infoveranstaltung zum Thema Asyl ins Haus der Vereine ein. Beginn ist um 18.30 Uhr. Landrat Karl Roth und Bürgermeister Walter Bleimaier informieren über den aktuellen Sachstand in Bezug auf die Container-Wohnanlage für anerkannte Asylbewerber in Inning sowie über die aktuelle Entwicklung beim Thema Unterbringung von Flüchtlingen im Landkreis Starnberg. im Anschluss findet das vierte Helferkreistreffen statt.    grä

 

Starnberger Merkur  21.11.2015

Vorfreude auf „richtig schönen Familientag“

Das Programm für das Sommerfest im Rahmen der Feierlichkeiten „750 Jahre Stegen“ im nächsten Jahr steht

VON EVELINE SILKENSTEDT

Inning – Die Stegener Lebenslust stand diesmal im Mittelpunkt der jüngsten Sitzung des Arbeitskreises Historisches Stegen 2016. Bis auf wenige Programmpunkte steht inzwischen der Rahmen für das am 23. Juli 2016 geplante Sommerfest an der Stegener Badewiese.
„Das wird ein richtig schöner Familientag“, freute sich Mitorganisatorin Jutta Göbber. Für die kleinen und großen Festbesucher haben die Inninger Vereine eine Vielzahl spannender und unterhaltsamer Attraktionen aus der Ideenkiste hervorgeholt. Drei über den Tag verteilte Amper-Bootsfahrten laden zu einem seltenen wie auch außergewöhnlichen Flussabenteuer ein. Bei der Olympiade für die ganze Familie inklusive Trampolin- und Volleyballstation, Stand-Up-Paddeln und weiteren Herausforderungen geht es mehr um das Mitmachen. Werden alle Stationen passiert, wartet auf die Olympioniken mit etwas Glück ein Tombolagewinn.
Die Malkünste des Nachwuchses sind unter anderem im speziell für Kinder gestalteten Festtagsprogramm gefragt. Auch für die lukullischen Genüsse ist gesorgt, zum Beispiel beim gemütlichen Frühschoppen mit Fassbier, Brotzeit und Blasmusik. Feiner wird es beim Picknick in Weiß zugehen. Die royale Mischfarbe ist bei der Kleidung ebenso angesagt wie beim mitgebrachten Geschirr – genauso wie es die hochherrschaftlichen Picknick-Freunde einst beim Ausflug ins Grüne zelebriert haben. Ein Veranstaltungspunkt, der schon beim großen Ortsjubiläum großen Anklang fand.
Ab 19 Uhr ist Beachparty-Zeit. DJ Thomas Engelmann übernimmt das Aufwärmen der Partybesucher, bis sie zwei Stunden später die Flörb Crew mit Livemusik von boarisch bis modern in Sommer-Strand-Stimmung versetzten wird. Die Fans der beiden Sänger und Gitarristen Flo Negurescu und Hörb Feistle aus Schwabing und Buch, von Bassist Ludwig Heller und Schlagzeuger Johannes Kreilkamp aus Inning und Seefeld können sich auf ein fetziges Heimspiel freuen. Bis 2 Uhr dürfen Inninger Nachtschwärmer Rock, Pop, Reggae, Soul und Rock’n’Roll, Strandbar und Seeblick genießen.
Am 27. Januar 2016 wird das Zeitreise-Projekt offiziell vorgestellt. Und es gibt eine Änderung in Festjahr-Programm: Die für den 15. Mai geplante Eröffnung der Ausstellung „Historisches Stegen 2016“ im Spectacel wird aus organisatorischen Gründen auf den 4. Mai vorgezogen.

 

 

Süddeutsche Zeitung 14.11.2015

Inning - Wertstoffhof hat länger offen

Der Inninger Wertstoffhof ist der neueste und modernste Wertstoffhof im Landkreis Starnberg. Das soll sich nun auch im Service widerspiegeln. Vom 1. Januar 2016 an werden nicht nur die Öffnungszeiten ausgedehnt, es kommt auch ein zusätzlicher Öffnungstag - der Donnerstag - dazu. In Inning können dann in den Monaten April bis Oktober dienstags bis freitags von 14 bis 18 Uhr und samstags von 9 bis 13 Uhr Gartenabfälle, Styropor, Kartonagen und mehr abgegeben werden. Von November bis März ist dienstags bis freitags von 13 bis 17 Uhr und samstags von 9 bis 13 Uhr geöffnet. Dafür schafft der Abfallwirtschaftsverband Starnberg (Awista) eine Vollzeitstelle. Die Verbandsversammlung stimmte dem zu. Mit dem besseren Service erhofft sich der Awista eine Entzerrung der oft angespannten Anliefersituation in den Wertstoffhöfen Wörthsee und Herrsching.

 

Starnberger Merkur  18.11.2015

Meinungen in Kürze

Kein Grund für Straßenbau

Ortsdurchfahrt Inning: „Und wieder hat es auf Hauptstraße gekracht“ vom 11. November

Der Unfall eines Betrunkenen taugt nicht als Grund für eine Verlegung der Staatsstraße vom inneren ins äußere Dorf. Man stelle sich nur vor, dieser Unglücksknabe wäre einem auf einer Schnellstraße auf der falschen Seite entgegengekommen. So einer kann sich und andere auf jeder Straße ins Grab bringen.
Auch ein Traktorgespann, das Heuballen verliert, kann auf jeder Straße einen schweren Unfall verursachen. Statt neuer Straßen braucht es da Verzicht auf Alkohol und gute Absicherung der Ladung.

Manfred Lehner, Inning-Buch

 

Starnberger Merkur  17.11.2015

Bezahlbare Wohnungen geplant

Von Sabine Bader

Bezahlbare Mieten für Bürger mit unterdurchschnittlichem Einkommen zu ermöglichen, das ist die originäre Aufgabe des Verbands Wohnen, dem alle Landkreiskommunen außer der Stadt Starnberg angehören. Und damit man weiß, von welchen Dimensionen die Rede ist: Der Verband verfügt über insgesamt 2340 Mietwohnungen in 302 Häusern. Das ist kein Pappenstiel. Und das Vermögen von 170 Millionen Euro auch nicht. Es geht also um richtig viel Geld.
In der Haushaltssitzung am Montagmorgen ging es allerdings weniger um nüchterne Zahlen und Bilanzen als vielmehr um eine weitreichende Absichtserklärung im Zusammenhang mit der aktuellen Flüchtlingspolitik im Landkreis. Den Antrag dafür hat Bürgermeistersprecher Rupert Monn aus Berg dem Verbandsausschuss vorgetragen. "Wir wissen alle, vor welch großen Herausforderungen wir stehen", sagte Monn und beantragte, das bisherige Wohnbauprogramm auszuweiten. Dass in der Bevölkerung sehr leicht das Gefühl entstehen kann, für anerkannte Asylbewerber werde Wohnraum geschaffen, nicht aber für die heimische Bevölkerung, ist Monn sehr wohl bewusst. Darum zielt sein Antrag auf beide Gruppen ab. "Auch für Gemeindebürger brauchen wir zusätzlichen Wohnraum", so Monn. Und die Verbandschefin und Kraillinger Bürgermeisterin Christine Borst meinte: "Wir hätten uns des Themas sowieso annehmen müssen." Das heißt, anerkannte Flüchtlinge werden den sonstigen Bewerbern auf Sozialwohnungen gleichgestellt. So kommt die geändere Lage letztlich allen Anwärtern auf Sozialwohnungen zugute.
Auch Kreisbaumeister Christian Kühnel befasst sich seit etlichen Monaten mit der Frage, wie der Landkreis den neuen Herausforderungen begegnen kann. Er setzt auf kostengünstigeren Wohnraum mit vereinfachten Standards - sprich ohne Tiefgaragen, Keller und Aufzüge. Der Verband, und das ist ein wichtiger Punkt des Antrags, soll im eigenen Namen und auf eigene Rechnung bauen.
Die Gemeinden, das ist der Dreh- und Angelpunkt des Ganzen, sollen die erforderlichen Grundstücke zu günstigen Konditionen ausfindig machen und dem Verband zubringen. "Wenn jede Gemeinde auch nur ein Grundstück findet, wo wir anfangen können, ist das eine gute Sache", sagte Borst. "Dann muss nicht jede Gemeinde selbst bauen. Wofür haben wir denn den Verband Wohnen?" Das sahen auch die anderen Ausschussmitglieder wie sie und stimmten einhellig für den Antrag des Berger Bürgermeisters. Der Freistaat hat aktuell auch ein vierjähriges Förderprogramm mit einer Summe von 600 Millionen aufgelegt. Die Nutzungsdauer der Bauten soll auf 25 Jahre ausgelegt sein.
Da bebaubare Grundstücke im Landkreis aber nicht nur unverschämt teuer, sondern auch ausgesprochen rar sind, wird den Gemeinden nichts anders übrig bleiben, als die Ortsränder ins Visier zu nehmen. Das war den Bürgermeistern am Montag völlig klar.
Seit geraumer Zeit ist die Flüchtlingspolitik im Starnberger Landratsamt Thema Nummer eins. Dabei geht es noch gar nicht so sehr um anerkannte Asylbewerber. Um die Dimensionen aufzuzeigen, sagte Landrat Karl Roth: "Wir bauen jeden Monat eine Containeranlage für 100 Leute. Wir kriegen aber jeden Monat 200 Leute zugewiesen." Zahlen, die für sich sprechen.
In den kommenden zwei Jahren plant der Verband Wohnen, darüber hinaus vier neue Projekte - zwei davon in Krailling (37 Wohneinheiten), eines in Tutzing (65) und eines in Inning (12).

 

A 96 - Ausbau beginnt im Frühjahr

Gilching/Germering – Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) hat gestern im Rathaus von Germering bestätigt: Die Bauarbeiten zur sechsstreifigen Erweiterung und Lärmschutz-Optimierung der A 96 zwischen Gilching und Germering beginnen im Frühling 2016 und dauern bis 2020. Dobrindt, CSU-Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt und der neue Chef der Autobahndirektion Süd, Wolfgang Wüst, erläuterten die lange Geschichte zum Autobahnausbau. Anlass war die Tatsache, dass die Bauarbeiten schon im Januar oder Februar mit Rodungsarbeiten beginnen. Lediglich ein heftiger Winter könnte diesen Zeitplan noch durcheinanderbringen, meinte Wüst. Aus Sicht des Ministers ist die Zeitspanne von den ersten Planungen bis zum Baubeginn für einen Autobahnausbau ungewöhnlich kurz gewesen. Auf Germeringer Flur sorgt eine fast einen Kilometer lange Halbgalerie dafür, dass der Lärm „eingefangen“ werde. Auf Gilchinger Gebet wird noch einmal ein 500 Meter langes Galerie-Bauwerk errichtet.  mm

 

Starnberger Merkur  13.11.2015

Nächtliches Lkw-Fahrverbot erwünscht

Inning – Die Verkehrsbelastung der Inninger Hauptstraße ist inzwischen zum Dauerthema Inninger Gemeinderatsitzungen geworden. Damit die Anwohner der Durchfahrtsstraße wenigstens nachts ruhiger schlafen können, will die Gemeinde mit der Eröffnung der Weßlinger Umfahrung ein nächtliches Durchfahrtsverbot für Lkw erreichen. Vorbild für den beim Landratsamt gestellten Antrag ist die Initiative der Nachbargemeinde Herrsching, die ihren Bürgern im Ortsteil Breitbrunn zu mehr Nachtruhe verhelfen will. „Die Antwort wird nicht allzu lang auf sich warten lassen“, weiß Bürgermeister Walter Bleimaier aus Erfahrung. Was aus dem Feldversuch Tempo 30 auf der Hauptstraße geworden ist, wollten einige Bürger noch wissen. Katrin Nicolodi (BIZ) hatte den Antrag vor einem Jahr gestellt. Der Feldversuch sei im Landratsamt als nicht durchführbar bezeichnet und abgelehnt worden.  si

 

Nachbarn protestieren

Gewerbegebiet Inning-Nord -Die Nachbargemeinde Inning will ihr Gewerbegebiet an der A 96 vergrößern. Den Grafrathern schmeckt das aber überhaupt nicht. Gründe haben sie viele.von andreas daschner

Inning/Grafrath – Eine geplante Erweiterung des Gewerbegebietes an der B 471 durch die Gemeinde Inning lehnt der Grafrather Gemeinderat im Nachbarlandkreis Fürstenfeldbruck strikt ab. Peter Kaifler (Grüne) regte sogar an, das gemeindliche Interesse zur Not mit einem Anwalt durchzusetzen.
Die Gemeinde Inning plant, südlich und östlich des neuen Kreisverkehrs an der Anschlussstelle zur A 96 einen neuen Standort für die derzeit im Ort angesiedelte Jet-Tankstelle zu schaffen. Diese wäre neben der bereits bestehenden Aral-Tankstelle die zweite im Umkreis des Gewerbegebiets. Darüber hinaus will die Nachbargemeinde Grundstücke für einen Discounter und weiteres „nicht erheblich belästigendes Gewerbe“, wie es im Antrag heißt, nutzen. Für Kaifler ist das nicht akzeptabel.
Als Gründe für seine Ablehnung führte er die Nähe zum Landschaftsschutzgebiet an. „Die Ammersee-Region verkraftet das nicht mehr“, sagte der Grünen-Rat. Ins gleiche Horn stieß auch CSU-Fraktionssprecher Gerald Kurz: „Angesichts der Nähe zum Landschaftsschutzgebiet ist es schon verwunderlich, dass der bereits bestehende Teil des Gewerbegebietes genehmigungsfähig war.“ Das bestehende ist das erste interkommunale Gewerbegebiet. Die geplante Erweiterung, die nicht interkommunal erfolgt, bezeichnete er als Unding. Außerdem erinnerte Kurz daran, dass die Gemeinde Grafrath in der Ortsmitte einen Supermarkt ansiedeln will. „Mit dem geplanten Einzelhandel in Inning bekämen wir eine Konkurrenzsituation“, sagte er. Christian Strasdat (GE) hielt dagegen, dass in Inning nach derzeitiger Rechtslage nur ein Discounter möglich sei, während in Grafrath ein Vollsortimenter geplant ist. Er und sein Fraktionskollege waren die einzigen, die die geplante Erweiterung nicht kritisch sahen. „Es ist eine notwendige Konsequenz zur Abrundung des bestehenden Gewerbegebietes“, sagte Bernd Traut. Eine logische Fortschreibung der Planung. „Wer so naiv war zu glauben, dass die Flächen brach liegen bleiben, der hat sich getäuscht“, so Traut weiter. Außerdem könne Grafrath auch profitieren, da in der Nachbargemeinde neue Arbeitsplätze entstünden.
Bürgermeister Markus Kennerknecht verwies neben der Landschaftsschutz-Thematik auch auf den Verkehrszuwachs. Das sah auch die große Ratsmehrheit so.

 

 

Süddeutsche Zeitung 14.11.2015

Mächtige Müllbranche

Von Christian Deussing

Das Bundeskartellamt prüft, ob in der Abfallbranche Preise zu hoch sind und der Wettbewerb unter der starken Stellung einzelner Firmen leidet. Dabei könnte auch die Rolle des Entsorgers Remondis unter die Lupe genommen werden; die Umladestation in Weßling ist unverzichtbar für den Abfallwirtschaftsverband Starnberg (Awista). Diese Abhängigkeit ist Bernhard Sontheim, dem stellvertretenden Verbandsvorsitzenden, ein Dorn im Auge. "Remondis hat bei uns eine Monopolstellung und nutzt das gnadenlos aus", klagte er in der Kreisversammlung der Freien Wähler (FW) in Inning.
Mit einem neuen Müllkonzept will nun der Awista reagieren. Ziel ist es, die hohen Kosten bei der Entsorgung in den Griff zu bekommen und damit die Hausmüllpreise pro Tonne zu stabilisieren oder sogar zu senken. Bisher ist Remondis seit Jahren meistens der einzige Anbieter, wenn Aufträge zu vergeben sind. In anderen Gebieten mit "fairem Wettbewerb" koste die Entsorgung einer Tonne Hausmüll nur 100 Euro, im Landkreis Starnberg aber 220 Euro, ärgert sich Sontheim. Der "Knackpunkt" ist seiner Ansicht nach, dass der Verband über keine eigene Umladestation verfügt, sagte Verbandsrat Ferdinand Pfaffinger in der FW-Versammlung am Donnerstag. Der ehemalige Bürgermeister von Starnberg berichtete, dass das Kartellamt die großen Abfallentsorger, die sich bundesweit die Gebiete aufteilten, wegen wettbewerbsrechtlicher Verstöße "im Blickfeld" habe. Dabei sei auch namentlich die Firma Remondis erwähnt worden, so Pfaffinger.
Auch der FW-Kreisvorsitzende Albert Luppart griff in Inning das Thema auf und betonte: "Das Kartellamt passt jetzt auf." Es sei auffällig, dass hier in der Region "immer nur einer" zum Zuge komme. Als Grund sieht auch er, dass der Awista auf die Müllumladestation von Remondis angewiesen sei.
Ein Sprecher des Bundeskartellamtes in Bonn bestätigte am Freitag, dass eine "Sektoruntersuchung" vorbereitet werde. Hierbei müssten Vorgespräche mit der Branche geführt werden. Es sei etwa zu prüfen, ob der Wettbewerb noch funktioniere oder ob Monopolisten einen bestimmten Markt beherrschten. Jedenfalls fällt der Wettbewerbsbehörde bereits auf, dass sich von Jahr zu Jahr immer weniger Entsorger an Ausschreibungen beteiligen. Die Kontrolleure wollen jetzt die Gründe ermitteln und klären, warum die Preise in vielen Kommunen und Landkreisen so unterschiedlich hoch sind. Nach Angaben des Kartellamtes gebe es aber noch keinen konkreten Verdachtsfall. Dazu müssten zunächst Fragebögen an Firmen und Kommunen verschickt und "tiefer gebohrt " werden, hieß es.
Das Thema wird wohl in der nächsten Verbandssitzung am kommenden Mittwoch zur Sprache kommen. Es geht darum, Konzepte und Wege zu finden, sich von Remondis zu emanzipieren und auf mehr Wettbewerb zu setzen. Die Sammel- und Verwertungsverträge laufen in den kommenden zwei Jahren aus. Auch das wurde in der Kreisversammlung der Freien Wähler angesprochen. Es ergeben sich also womöglich neue Chancen.
Der Awista strebt den Bau einer eigenen Umladestation auf Weßlinger Flur an, doch die Gemeinde lehnt dieses Projekt ab, womit das neue, propagierte "Abfallwirtschaftskonzept 2030" kaum mehr zu realisieren ist. Mit dem Müllkonzept soll Bewährtes erhalten und die hohe Wertstoffquote gesichert werden, die hohen Entsorgungskosten sollen aber verringert werden. Um Einfluss auf die Preise ausüben und echten Wettbewerb gewährleisten zu können, hält der Verband eine zweite Umladestation im Fünfseenland für notwendig. Nun könnte es einen Mitstreiter im Kampf um mehr Konkurrenz und Anbieter geben: die Wettbewerbshüter aus Bonn.

 

Inning  - Große Herausforderung

Von Christian Deussing

Der richtige Umgang mit den vielen Asylbewerbern im Landkreis Starnberg und die Zukunft des Klinikums Seefeld nach dem Finanzdebakel waren unter anderem die Themen, mit denen sich die Freien Wähler (FW) in ihrer Jahreskreisversammlung am Donnerstag in Inning befasst haben. In punkto Klinik warnte der stellvertretende FW-Vorsitzende Matthias Vilsmayer davor, sich voreilig für eine Fusion mit dem Kreiskrankenhaus Starnberg auszusprechen. "Erst müssen alle Zahlen und möglichen Konzepte auf den Tisch", betonte der Gilchinger Gemeinderat. Dann erst sollte man entscheiden und nicht von vornherein sich gegen einen Weg der Kooperation aussprechen. Der einstige Starnberger Bürgermeister Ferdinand Pfaffinger sagte, dass er "kindisches Verhalten und die Eifersüchteleien" gegenüber dem Klinikum Starnberg nicht mehr nachvollziehen könne. Er plädierte für eine schnelle Zusammenarbeit mit der wirtschaftlich erfolgreichen Kreisklinik.
Beim Thema "Asyl" sprach der Kreisvorsitzende Albert Luppart von einer großen Herausforderung für den Landkreis, auch wegen der unbegleitenden Minderjährigen unter den Flüchtlingen. Wichtig sei es, auf die Asylbewerber "menschlich zuzugehen" und dankte hierbei besonders den haupt- und ehrenamtlichen Helfern. Allerdings gelte es, auch "Regeln und Leitplanken" aufzustellen, damit die Stimmung in der Bevölkerung nicht kippt. Hier mahnte Pöckings Bürgermeister Rainer Schnitzler, bei Einbrüchen die "Schuld nicht Asylbewerbern in die Schuhe zu schieben". Er habe zum Beispiel in drei Fällen von der Polizei erfahren, dass es dafür "nicht den geringsten Hinweis" gegeben habe. Vielmehr handele es sich um "organisierte Banden, die seit 20 Jahren durch Deutschland ziehen".
Die Freien Wähler haben im Landkreis 100 Mitglieder. Dessen Chef Luppart ist zuversichtlich, mit "sachbezogener und ehrlicher Politik" weiter Bürger zu gewinnen. Gerade deshalb sei das offenbar eigennützige Verhalten zweier FW-Landtagsabgeordneten "unakzeptabel", sagte Luppart der SZ.

 

Starnberger Merkur  13.11.2015

Knappes Votum für Zulässigkeit

Bürgerentscheid Umgehung - Sieben Räte von Grünen und BIZ stimmen dagegen

VON EVELINE SILKENSTEDT

Inning – Das politische Tauziehen um den Bau der seit Jahren geplanten Entlastungsstraße für Inning geht weiter. Mit zehn Ja- und sieben Nein-Stimmen (Grüne/BIZ) wurde am Dienstag der 31. Januar 2016 als Termin für den erneuten Bürgerentscheid festgelegt.
765 Unterstützer-Unterschriften konnte der Verein Pro Inning als Antragsteller vorlegen (wir berichteten); 736 wurden als gültig anerkannt. Der Grenzwert liegt bei 355 Unterschriften, also zehn Prozent der wahlberechtigten Bürger. Vor der Entscheidung stand diesmal die Finanzierung des auf zwei bis drei Millionen geschätzten Projekts im Zentrum der lebhaft geführten Diskussion. Grüne- und BIZ-Gemeinderäte begründeten ihr Nein zur Zulässigkeit des Bürgerbegehrens mit der drohenden hohen Verschuldung der Gemeinde. Das Argument von Bürgermeister Walter Bleimaier, Vizebürgermeisterin Monika Schüssler-Kafka und weiteren Gemeinderäten, dass es sich um eine reine Rechts- und keine Ermessensentscheidung handle, wollten die Umfahrungsgegner nicht gelten lassen. Schließlich gäbe es den neuen Bauhof, den Rathausanbau und noch weitere Projekte, die bezahlt werden müssten.
Die Rechtsaufsicht sieht die Inninger Haushaltskasse nicht in Gefahr. „Alle Planungen der Gemeinde sind im Antrag enthalten und von der Rechtsaufsicht für Okay befunden worden“, erklärte Kämmerin Silke Krause. Vorausgesetzt werde, dass die Bezahlung durch einen Grundstücksverkauf in Millionenhöhe gewährleistet sei. Hubert Vögele (Grüne) hatte die Verwaltung schon vor der Sitzung gebeten, zu prüfen, ob die Zulassung des Begehrens gegen die Gemeindeordnung und andere Gesetzte verstößt. Nach den Stellungnahmen der Kommunalaufsicht im Landratsamt und des Bayerischen Gemeindetags liegt jedoch keine Rechtsverletzung vor. Nur wenn dass Haushaltsgleichgewicht massiv gestört wird und die stetige Aufgabenerfüllung nicht mehr gesichert sei, sei ein Bürgerbegehren unzulässig. Auch die von Vögele befürchtete Amtshaftung als Mitglied des Haushaltsausschusses wurde ausgeschlossen.
Jürgen Hatz (BIZ) hatte noch andere Gründe: Planungs- und tatsächliche Kosten lägen oft zu weit auseinander. Erst bei der Haushaltsplanung für 2016 könne man sehen, ob etwas gekürzt oder geändert werden müsse, antwortete die Kämmerin. „Eine Kostenbeteiligung von zwei, drei Millionen Euro ist auch für die Gemeinde kein Pappenstiel, aber laut Rechtsaufsicht finanzierbar“, betonte Bleimaier.

 

Innings Turnhalle wieder bespielbar

Innings Turnhalle wieder bespielbar

Inning – Die Inninger Schüler und Sportler können sich freuen. Nachdem die letzten Flüchtlinge vor kurzem die Halle verlassen haben, wurde die Turnhalle gestern wieder der Gemeinde übergeben. „Große Schäden sind nicht zu erwarten“, betonte Bürgermeister Walter Bleimaier. Zufrieden ist der Rathauschef, dass die fachmännisch verlegte Folie den empfindlichen Hallenboden tatsächlich geschützt und gut gehalten hat. Auch befürchtete Druckstellen durch die Etagenbetten habe es nicht gegeben. „Der Sportbetrieb wird voraussichtlich ab diesem Wochenende wieder losgehen können“, meint der Rathauschef. Auch die Punktspiele der in der Bayernliga spielenden 1. Damenmannschaft im Volleyball können wieder zu Hause ausgetragen werden. Die große Erleichterung ist dem TSV-Vorsitzenden Bernd Köster anzumerken: „Wir sind den Nachbargemeinden und der Montessori-Schule dankbar, dass sie uns geholfen haben.“ Es sei gut, dass der Sportbetrieb wieder losgehen könne, auch weil die Hallensaison inzwischen begonnen habe. Die leergeräumte Halle hat sich der Vereinschef bereits angesehen. Alles sei optisch im guten Zustand und auch die befürchteten Schäden an den Sanitäranlagen gebe es nicht.  si

 

Starnberger Merkur  12.11.2015

Pro Inning fällt Bleimaier in Rücken

Umgehung: Verein wirft Bürgermeister Zurückhaltung wichtiger Untersuchungsergebnisse vor

VON EVELINE SILKENSTEDT

Inning – „Wir müssen davon ausgehen, dass wir bewusst von unserem Bürgermeister angelogen wurden, um unbequeme Ergebnisse der Bürgerwerkstatt vor der Durchführung des neuerlichen Bürgerbegehrens geheim zu halten“, stellte Pro-Inning-Vorsitzender Herbert Klausnitzer gestern bei einem Pressetermin verärgert fest. Für Bürgermeister Walter Bleimaier kommt die ernste Anschuldigung völlig überraschend: „Die Vorwürfe sind vollkommen haltlos.“
Weil es vier Monate nach der ersten Bürgerwerkstatt Anfang Juli immer noch keine offiziellen Ergebnisse gibt, hat der Verein Pro Inning den Münchner Verkehrsexperten Paul Bickelbacher vor kurzem nach dem Grund gefragt. Die Ergebnisse seien bereits am 18. August an die Gemeinde geschickt worden, lautete die kurze E-Mail-Antwort des Verkehrsexperten. Was in dem Bericht von Bickelbacher steht und weshalb das Ergebnis so lange nicht veröffentlicht wurde, darüber macht sich Klausnitzer seine eigenen Gedanken. Bleimaier aber versichert, die Gemeinde warte immer noch auf die Ausarbeitung von Bickelbacher.
Der Verkehrsexperte könnte das Untersuchungsergebnis von Professor Kurzak, dass eine Halbierung des innerörtlichen Verkehrs verspricht, bestätigt haben, vermutet Krausnitzer. Eventuell sei der Planer zu dem Schluss gekommen, „dass nur durch den Bau der Entlastungsstraße eine echte Verbesserung für alle Inninger erreicht werden könne“. Beides sei für ihn eine Erklärung, warum der Ergebnisbericht seit August unter Verschluss gehalten werde. Der Verein hätte den Bürgermeister mehrmals darauf angesprochen – zuletzt bei der Übergabe der Unterschriften für das von Pro Inning beantragte Bürgerbegehren zum Bau der Entlastungsstraße Mitte Oktober – und sei immer wieder vertröstet worden. „Wir wollen keinen Unfrieden stiften, müssen aber solche Themen auf den Tisch bringen“, sagt Altbürgermeister Werner Röslmair und stellt sich damit an Klausnitzers Seite. Der Verein wolle ja mit der Gemeinde zusammenarbeiten.
Bleimaier reagierte auf den Vorwurf gestern sehr überrascht. Die sich aus der ersten Bürgerwerkstatt ergebenden Vorschläge sollten ja die Grundlage für die zweite Bürgerwerkstatt sein. „Was nicht gelaufen ist“, räumt Bleimaier mit Bedauern ein, sei, dass die Dokumentation der ersten Werkstatt im Rathaus liegt und nicht veröffentlicht wurde. Das sei der hohen Arbeitsbelastung der Verwaltung geschuldet. „Da steht nichts drin, was geheim zu halten ist“, versichert Bleimaier. Warum Pro Inning ihn nicht direkt auf die Vorwürfe angesprochen hat, ist dem Rathauschef ein Rätsel.
Trotz aller Querelen werden die Inninger am Sonntag, 31. Januar, das letzte Wort haben, ob eine Entlastungstraße gebaut wird oder nicht. Dieses Datum wurde am Dienstag im Gemeinderat festgelegt.

 

Süddeutsche Zeitung 12.11.2015

Erneuter Bürgerentscheid

Von Christian Deussing

Der Streit um die westliche Umgehungsstraße in Inning geht in die nächste Runde: Die Einwohner werden am 31. Januar nächsten Jahres aufgerufen, in einem erneuten Bürgerentscheid über die Trasse abzustimmen. Mit zehn zu sieben Stimmen wurde der Entscheid am Dienstagabend im Inninger Gemeinderat befürwortet - gegen das Votum der Grünen und der Gemeinderäte von der "Bürgerinitiative für Innings Zukunft" (BIZ), die am 8. Dezember 2013 den Bau der Entlastungsstraße per Bürgerentscheid verhindert hatte. Jetzt versucht der "Verein für Verkehrsberuhigung und Ortsentwicklung - Pro Inning", das Ruder herumzureißen.
Ex-Bürgermeister Werner Röslmair gehört zu den Initiatoren, die im Rathaus 736 gültige Unterschriften von Unterstützern übergeben hatten. Bereits 355 Unterzeichner hätten genügt. Der Antrag sei geprüft und rechtlich zulässig, wie Innings Bürgermeister Walter Bleimaier (CSU) in der Ratssitzung mitteilte. Per Votum werden die Bürger jetzt gefragt, ob sie dafür sind, den Entscheid vom Dezember 2013 aufzuheben und die Staatsstraße aus der Ortsmitte von Inning nach bereits vorliegender Planung in den Westen zu verlegen. Verknüpft wird die Frage damit, ob die Planung von der Gemeinde "sofort mit Nachdruck fortgeführt und dann auch unverzüglich umgesetzt" werden sollte. Bürgerschaft und Gemeinderat sind bei diesem Reizthema tief gespalten. So forderte Hubert Vögele (Grüne) die Verwaltung auf, die finanziellen Konsequenzen auf den Haushalt und somit auch die Zulässigkeit zu prüfen. Denn die Gemeinde müsste sich bei dem Bau der Trasse mit bis zu 2,5 Millionen Euro beteiligen. Diese Kosten seien sicher "kein Pappenstiel" für Inning, doch finanziell verkraftbar, entgegnete Bleimaier. Allerdings habe die Rechtsaufsicht darauf hingewiesen, dass die Gemeinde ein Millionen-Grundstück verkaufen müsse, um das Projekt "finanzierbar" zu machen.
In einem anderen wichtigen Punkt war sich der Gemeinderat aber schnell einig: Wenn die Weßlinger Umfahrung eröffnet wird, sollten Lastwagen zumindest nachts nicht mehr durch Inning fahren dürfen, hieß es.

 

Starnberger Merkur  05.11.2015

Inning springt auf Herrschings Zug auf

Am Dienstag entscheidet das Inninger Ratsgremium darüber, Durchfahrtsverbot für Lkw zu beantragen

VON ANDREA GRÄPEL

Inning/Breitbrunn – Der Antrag Herrschings, für den Ortsteil Breitbrunn ein Lkw-Durchfahrtsverbot zu erwirken, zumindest nachts, hat den Inningern offenbar imponiert. Die Inninger Verwaltung hat einen ähnlich lautenden Antrag, der natürlich in diesem Fall die Inninger Ortsdurchfahrt betrifft, auf die Tagesordnung der nächsten Gemeinderatssitzung am kommenden Dienstag gestellt.
„Es wäre wohl sinnvoll, wenn wir uns dem anschließen“, findet Bürgermeister Walter Bleimaier. „Wenn in Breitbrunn ein Durchfahrtsverbot möglich würde, müsste man die Lkw sonst durch die Gegend schicken.“ Die Ortsdurchfahrt Inning ist der große Zankapfel im Ort. Ihre Entlastung durch eine eigene Umgehungsstraße über Schorn war vor zwei Jahren per Bürgerentscheid abgelehnt worden, mit Beteiligung des damals amtierenden Bürgermeisters Werner Röslmair gibt es nun ein neues Bürgerbegehren – pro Umfahrung (wir berichteten). Auch darum wird es in der Gemeinderatssitzung am Dienstag gehen. Denn innerhalb von drei Monaten muss bei Zulässigkeit darüber abgestimmt werden. „Das wäre aber Faschingssonntag“, sagt Bleimaier. Sollte das Gremium das Begehren für zulässig erklären, „wird die Abstimmung deshalb vermutlich am 31. Januar stattfinden“. Später gehe nicht und früher wegen Weihnachten und Neujahr auch nicht.
Um gleichwohl alle Möglichkeiten einer Verkehrsberuhigung der Ortsdurchfahrt auszuschöpfen, will sich Bleimaier dem Wunsch der Herrschinger für Breitbrunn anschließen und stellt einen Antrag analog zu dem der Nachbarn seinem Ratsgremium zur Abstimmung. Die Herrschinger beantragen auf Initiative der SPD, mit der Eröffnung der Weßlinger Umfahrung im nächsten Jahr das Lkw-Durchfahrverbot durchzusetzen. Auch wenn dies nur nachts gelten würde, sei den Inningern geholfen sagt Bleimaier. Nachts führen die Lastwagen oft mit leeren Anhängern über die Kanaldeckel. Dass das laut scheppert, könne sich jeder ausmalen. Bleimaier: „Es wäre schon, ich hoffe es, eine Entlastung.“

 

Süddeutsche Zeitung 05.11.2015

Inning -"Mama, das müssen wir mal alles erzählen"

Interview von Astrid Becker

Sie versteht sich als Einheimische, aber auch als Zugereiste: Beatrice Bourcier. Im Alter von wenigen Monaten ist die heute 40-Jährige nach Inning gekommen, lebte aber zehn Jahre, bis 2009, in Frankreich. Als im Sommer in der Inninger Turnhalle eine Notunterkunft eingerichtet wurde, beschloss sie, sich für die dort untergebrachten Asylbewerber zu engagieren. Über ihre Erlebnisse hat sie nun ein Buch geschrieben, mit dem sie einem kleinen kranken Mädchen aus Syrien helfen will, wie sie der SZ im Gespräch erzählt. "Mein Sommer mit den Flüchtlingen" ist im Verlag Brandes & Apsel erschienen.

SZ: Frau Bourcier, Sie arbeiten ja eigentlich in der Sportkommunikation. Was hat Sie bewogen, Ihr Buch zu schreiben?
Beatrice Bourcier: Die Asylbewerber haben mich immer wieder mal gebeten, ihre Geschichten zu erzählen. Den letzten Ausschlag gab aber schließlich meine 14-jährige Tochter, die sich auch engagierte und mit ihnen Volleyball spielte. Sie meinte, Mama, das müssen wir mal alles erzählen. Na ja, jedenfalls habe ich mich hingesetzt, und nach sechs Tagen und vielen Tassen Tee war es fertig. Das war vor etwa fünf Wochen.

Respekt, wie haben Sie das geschafft?
Es war mir klar, dass das Thema vielleicht schon bald durch sein würde. Und dass ich nicht die Einzige sein werde, die auf diese Idee kommt. Deshalb ging es darum, dieses Buch so schnell wie möglich herauszubringen. Ich habe dafür einfach sieben Literaturagenten aus der Gegend angeschrieben. Die Resonanz war durchwegs positiv. Ich habe mich dann für den "Kleinsten" davon entschieden. Das war richtig, denn er dachte wie ich: So schnell wie möglich einen Verlag dafür zu finden. Das ist ihm geglückt, worüber ich wirklich froh bin. Denn in der Zwischenzeit hatte ich es den Flüchtlingen ja auch versprochen, ihre Geschichten zu erzählen. Das Ganze war ein Herzensanliegen.

Wie kam es zu dieser Aufforderung?
Als die Asylbewerber nach Inning kamen, wollte ich mit dem helfen, was ich kann: reden und zuhören. Ich dachte, mit meinem Französisch könnte ich vielleicht übersetzen und den Menschen helfen, Zugang zum Deutschen zu finden. Daher habe ich mich der Gruppe Sprachförderung von Jutta Göbber im Helferkreis Asyl angeschlossen. Unter den Flüchtlingen der sogenannten Erstbelegung der Halle waren aber gar nicht so viele Französisch sprechende Menschen, dafür aber viele Syrer mit akademischer Ausbildung, die sehr gut Englisch sprachen. Mit der Zeit entwickelt sich da ein Vertrauensverhältnis, die Menschen erzählten von ihrer Flucht und wollten auch, dass ihre Geschichte bekannt wird. Anas zum Beispiel, ein Biochemiker, sagte mir, dass er geflohen ist, weil er Biowaffen bauen sollte. Er hat mir eine besonders schlimme Geschichte über seine Flucht erzählt. Er wurde sogar gefoltert. Und das nur, weil er seinen Fingerabdruck nicht hergeben wollte! Er hatte gehört, wenn er seinen Fingerabdruck in einem anderen Land abgibt, muss er dort bleiben. Er wollte aber nach Deutschland. Er war einer derjenigen, die mich gebeten haben, seine Geschichte aufzuschreiben.

Wie ging das vor sich?
Ich hatte ohnehin immer ein Notizbuch dabei, um alles aufzuschreiben, was an dem jeweiligen Tag passierte. Beispielsweise, wenn wieder einmal ein Düsenjet über die Halle flog und die Menschen "Bomb, bomb" schrien. Es war vielleicht auch eine Art Therapie für mich selbst, um zu verarbeiten, was ich da hören musste. Irgendwann haben sich die Flüchtlinge dann schon immer lustig über mich gemacht, wenn ich wieder mein Buch zückte. Zum Beispiel auch im Fall eines sehr jungen albanischen Paares, das ohne die Erlaubnis ihrer Eltern geheiratet hat und daher fliehen musste. Oder einer syrischen Familie, deren heute vierjährige Tochter heftige Verbrennungen bei einem Bombenangriff erleiden musste. Diesem Mädchen möchte ich nun gern helfen.

Wie?
In dem ich alles, was ich durch das Buch einnehme, für die weitere medizinische Behandlung dieses Mädchens ausgebe, ihr damit helfe, operiert werden zu können. Übrigens auch toll: Als ich mit meinem Steuerberater darübergeredet habe, wie man das macht, damit es keinen Ärger gibt, haben er und seine Kollegen sofort angeboten, in diesem Fall auf ihr Beratungshonorar zu verzichten. Auch bei allen Lesungen, die ich machen werde, verlangte niemand eine Raummiete, um auf diese Weise Unterstützung zu leisten. Das finde ich unglaublich toll, damit hatte ich nicht erwartet. Aber das Engagement und die Hilfsbereitschaft hier ist ohnehin sehr groß.

Auch darüber erzählen Sie in Ihrem Buch.
Ja, ich fand es wichtig, auch "unsere" Seite zu beschreiben. Aber nicht nur die positiven Aspekte. Ich wollte auch über unsere Erfahrungen, Erlebnisse, Ängste, Enttäuschungen berichten. Und eben darüber, wie uns dieses Aufeinandertreffen der Kulturen verändert. Ich denke da nur an meine eigene Mutter, die selbst aus einer Flüchtlingsfamilie kommt wie so viele andere hier. Sie hatte anfangs totale Berührungsängste, vielleicht auch der Sprachbarriere wegen. In ihrer Generation, mit Mitte 60, ist es nicht so normal wie heute, gut oder gar fließend Englisch zu sprechen. Heute ist sie diejenige, die mit dem kleinen syrischen Mädchen und ihren Eltern zu den Ärzten fährt.

 

Süddeutsche Zeitung 31.10.2015

Wörthsee  - Klinik-Fusion steht zur Debatte

Landrat Karl Roth redet gar nicht lange um den heißen Brei herum. "Die Lage ist wirklich ernst", beantwortete er in der Bürgerversammlung Wörthsee die Frage nach der Zukunft des Krankenhauses Seefeld. Und zum ersten Mal sprach er auch öffentlich aus, was die Chirurgische Klinik und die Bürgermeister im Westen des Landkreises so fürchten: "Wir können uns eine Fusion mit dem Kreiskrankenhaus Starnberg vorstellen." Offensichtlich gibt es schon Überlegungen, welche Abteilungen Seefeld künftig hätte: Die Unfallchirurgie sowie die Notfall- und Akutversorgung sollen bleiben, "und eine Abteilung müssten wir noch dazu nehmen", sagte Roth.
So schnell wie möglich solle in Seefeld ein Interims-Geschäftsführer eingestellt werden, der für 2016 einen Haushalt plant. Das von der Klinik vorgelegte Sparprogramm solle ein externer Prüfer unter die Lupe nehmen. Übernächste Woche findet die nächste Sitzung des Zweckverbands Krankenhaus Seefeld statt. "Wir wollen den Beschäftigten eine Perspektive bis Ende 2016 aufzeigen", sagte Roth. Wegen des Defizits von 4,5 Millionen Euro bestehe "akuter Handlungsbedarf- "Je länger wir warten, desto schlimmer wird es", sagte Roth. Er sagte aber auch, eine Fusion mit Starnberg sei nur sinnvoll, "wenn Bürgermeister und Bürger es wollen". Der Landkreis hat im Zweckverband keine Mehrheit.

 

Süddeutsche Zeitung 30.10.2015

Seefeld  -  "Wir können nur als Fachklinik überleben"

Interview von Christine Setzwein

Die Aufregung ist groß im westlichen Landkreis Starnberg, seitdem feststeht, dass die finanzielle Lage der Chirurgischen Klinik nicht so rosig ist, wie sie vom mittlerweile entlassenen Geschäftsführer immer dargestellt wurde. Die Rede ist von einem Defizit in Höhe von 4,5 Millionen Euro. Regine Hahn ist seit Anfang 2014 Ärztliche Direktorin und Chefärztin des kleinen kommunalen Krankenhauses mit 72 Betten. Und sie sieht die Zukunft gar nicht so schwarz.

SZ: Wenn ich Arzt wäre, würde ich Sie jetzt fragen: Na, wie geht's uns denn heute?
Regine Hahn: Und ich würde antworten: Ihnen wahrscheinlich besser als mir. Als ich 2014 in der Seefelder Klinik anfing, war ich eigentlich schon sehr zufrieden, 2015 war ich noch zufriedener. Und jetzt das. Das hat uns alle wie ein Schlag getroffen, das haben wir wirklich nicht erwartet.

Wie sind Sie darauf gekommen, dass etwas nicht stimmt?
Das war ganz banal. Ich wollte - vor allem aus ökologischer Sicht - ein neues Klammernahtgerät anschaffen, das wir für Darmoperationen brauchen. Das gab es bisher nur als Einmalgerät. Jetzt gibt es eines mit Magazin, das man 50 Mal verwenden kann. Das wollte ich bestellen. Aber es hat lange gedauert, darum habe ich immer wieder nachgefragt. Bis es schließlich hieß, dass es gerade schwierig sei. Da bin ich hellhörig geworden und habe intensiver nachgefragt. Und dann ging ja alles ganz schnell.

Als bekannt wurde, dass das Defizit der Klinik hoch ist, haben Sie sofort ein Sparprogramm angekündigt.
Wir saßen plötzlich ohne Geschäftsführer da. Also haben wir eine Task-Force aus Abteilungsleitern gebildet und uns zusammengesetzt. Die tatsächlichen Zahlen haben wir auch erst am Dienstag erfahren. Da hatten wir aber schon Vorstellungen, wo es Einsparpotenziale gibt, zum Beispiel bei den Sach- und Materialkosten, bei den Personalkosten und durch Umstrukturierungen. Für uns alle war und ist wichtig, dass wir an der Qualität der Patientenversorgung nichts ändern wollen.

Die in allen Klinikbewertungen sehr gelobt wird.
Wenn Sie mich vor fünf Jahren gefragt hätten, wie ich mir die optimale Patientenversorgung vorstelle, hätte ich mit Seefeld geantwortet. Wir sind pflegerisch und ärztlich perfekt aufgestellt. Das wünscht sich doch jeder Mensch. Jeder Kranke möchte eine Versorgung auf hohem Niveau. Darum habe ich mich damals in Seefeld beworben. Das Tragische daran ist, dass unser Gesundheitssystem das anscheinend nicht vorsieht.

Können Sie konkrete Sparmaßnahmen nennen?
Wenn wir von den reinen Zahlen ausgehen, sind wir beim Personal nicht weit von der bundesweiten Norm entfernt. Wir haben nur einen Touch mehr. Man kann Schichtsysteme verändern und Prozesse optimieren. In manchen Bereichen geht das besser, in manchen schlechter. Wir haben einen hohen Anteil an Operationen, und im OP brauchen sie mehr Personal. Aber auch dort kann man besser strukturieren.

Aber Sie wollen nicht entlassen, sondern die natürliche Fluktuation nutzen.
Wir haben 135 Vollstellen, insgesamt etwa 170 bis 180 Leute. Wir hatten in den vergangenen Jahren eine natürliche Fluktuation von 16 Vollkräften in allen Bereichen, durch Rente, Mutterschutz, aber auch durch Arbeitsplatzwechsel. Wenn wir 16 Kräfte einsparen könnten, hätten wir den Sparplan schon geschafft. Aber auch im Sach- und Materialkostenbereich gibt es Einsparmöglichkeiten. Darauf haben wir bisher zu wenig geachtet.

Heißt das, Sie konnten aus dem Vollen schöpfen?
In gewisser Weise schon. Wir haben Einkaufsgemeinschaften und Kooperationen mit anderen zu wenig genutzt, weil es vermeintlich keinen Bedarf gab.

Es hat nie jemand gesagt, Vorsicht, das ist zu teuer, geht das auch günstiger?
Nein, nie.

Wie ist jetzt die Stimmung im Haus?
Die Leute sind betroffen, aber auch sehr motiviert. Auch die Patienten stehen zu uns, fragen, was sie tun können. Das spüren die Mitarbeiter auch, sie merken, dass sie vieles richtig gemacht haben. Aber es ist nicht so, dass alle durchs Haus gehen und nur lachen.

Die Klinik Seefeld hat eine eigene Küche. Könnte die ausgelagert werden?
Küche ist natürlich für ein kleines Krankenhaus immer ein Kostenpunkt. Aber wir müssen unsere Patienten natürlich versorgen. Unser Küche beliefert zehn Kindertagesstätten. Sie trägt sich nicht nur selbst, sie verdient auch.

Wie sehen sie jetzt die Zukunft der Seefelder Klinik?
Ich sehe die Situation sehr positiv. Wir haben auf der Einnahmen- und Ausgabenseite Kapazitäten, das eine nach oben, das andere nach unten. Wir können schon 2016 auf der Ausgabenseite sehr viel verbessern. Auf der Einnahmenseite tun wir es schon. Wir hatten 2013 einen Rückgang bei den schweren Fällen. Wir werden ja von den Kassen nicht nur nach Patientenzahl, sondern auch nach Fallschwere vergütet. 2014 und 2015 hatten wir aber wieder einen Zuwachs bei der Fallschwere. Da sind wir auf einem guten Weg. Diese Entwicklung bestärkt mich in der Meinung, dass die Selbstständigkeit und damit die Selbstverwaltung das Ziel dieser Klinik sein muss.

Also keine Zusammenarbeit mit der Kreisklinik in Starnberg?
Ich bin ein absoluter Freund von Kooperationen. Eine Klinik dieser Größe kann aber nur als Fachklinik überleben. Wenn sie mehr Abteilungen hier einrichten wollen, brauchen sie viel mehr Personal, weil ja jeder Fachbereich abgedeckt werden muss, auch am Wochenende. Das ist für mich überhaupt nicht vorstellbar.

Mit der Schindlbeck-Klinik Herrsching kooperieren sie schon lange.
Das funktioniert seit Jahren sehr gut. Wir haben zum Beispiel einmal im Monat eine Tumorkonferenz, bei der wir alle unsere Tumorpatienten besprechen. Hier sitzen die Starnberger Pathologie, die Weilheimer Strahlentherapie, die Herrschinger Onkologie, die Herrschinger Radiologie und wir zusammen. Es gibt eine Kooperation mit einem Labor, mit einem Mikrobiologischem Institut, mit der Pathologie in Starnberg. Selbstverständlich ist Kooperation sinnvoll.

Also doch auch mit dem Klinikum Starnberg?
Ich habe nicht das Gefühl, dass von der Starnberger Seite eine Kooperation gewünscht wird, sondern eine Fusion. Und eine Fusion bedeutet den Verlust der Selbstständigkeit. Dann haben wir keine Möglichkeit mehr mitzugestalten. Einer Kooperation stehe ich absolut offen gegenüber. Wenn wir es schaffen, ein gemeinsames Ziel zu verfolgen und Synergien zu schaffen, bin ich absolut dafür.

Wo bleibt dann die Schindlbeck-Klinik?
Wir dürfen keinesfalls die Schindlbecker außen vorlassen. Das ist so eine gute Klinik, die von den Patienten akzeptiert wird und uns als kommunalem Haus auch Patienten zuweist. Wir haben fantastische Synergien. Wenn wir das aufgeben, befürchte ich, dass diese Patienten für die kommunalen Kliniken verloren gehen.

Aber Ihre Patienten kommen nicht nur aus dem Landkreis Starnberg.
In meiner Sprechstunde sitzen täglich zwei, drei Patienten aus München, die hier eine Zweitmeinung einholen wollen und sich auch hier operieren lassen. Die bringen natürlich Werbung, denn was sie hier erleben, bekommen sie in keinem städtischen Haus. Und ich höre immer wieder von Patienten, sie hätten sich hier gefühlt wie im Urlaub. Ein größeres Kompliment können sie als Krankenhaus nicht bekommen. Und das soll so bleiben.

 

Starnberger Merkur  30.10.2015

 

„Wir wissen, dass wir die Zähne zusammenbeißen müssen“

das interview

Seefeld – Die Finanzen der Chirurgischen Klinik in Seefeld sind in Schieflage geraten. Insgesamt fehlen aus den Jahren 2012 bis 2015 etwa 4,4 Millionen Euro (wir berichteten). Chefärztin Dr. Regine Hahn (50) hat dem Zweckverband ein engagiertes Sparprogramm vorgelegt, das die Klinik retten soll, wenn es denn greift. Ihr Konzept wird derzeit geprüft. Gestern Nachmittag nahm sie sich eine kurze Auszeit vom OP-Tisch und sprach mit uns.

-Sie haben ein Sparkonzept erarbeitet. Wo kann eine Klinik wie Seefeld denn sparen?
Das Konzept steht auf zwei Säulen. Da wäre die Einnahmeseite. Die kann und müssen wir verbessern. Wir sind schon seit 2014 auf einem guten Weg, auch in der Zusammenarbeit mit unseren externen Partnern, da gibt es auf beiden Seiten Interesse die Zahlen zu erhöhen. Und es gibt die Ausgabenseite: Ein Block sind dort die Materialkosten, die zum Beispiel durch Einkaufsgemeinschaften reduziert werden könnten. Das haben wir bisher zu wenig genutzt. Es gibt aber schon kostenoptimierende Kooperationen wie beispielsweise mit der Klinik Dr. Schindlbeck, deren Labor wir nutzen.

-Ein Kostenfaktor ist das Personal. Wird es Kündigungen geben?
Nein, das wollen wir auf keinen Fall. Wir setzen auf eine natürliche Fluktuation. Jedes Jahr verlassen die Klinik etwa 16 Vollkräfte. Über einen Zeitraum von zwei Jahren kann man da Einsparungen machen. Es ist klar, das dauert. Aber die Mitarbeiter sind sehr motiviert. Wir wissen alle, dass wir die Zähne zusammenbeißen und Abläufe überdenken müssen.

-Das Modell Zweckverband: Hat es versagt?
Nein, es wäre nicht fair, dem Zweckverband die Verantwortung dafür zu übertragen, dass er die Manipulationen der Bilanzen nicht gesehen hat. Die Experten bestätigen, dass das sehr geschickt gemacht und nur schwer nachzuvollziehen war. Der Zweckverband hat immerhin erreicht, dass diese Perle, also dieses Krankenhaus, bis heute nicht gefressen wurde. Da waren sechs Bürgermeister, die sich dafür eingesetzt haben, jahrelang.

- Ist eine Klinik wie Seefeld überhaupt überlebensfähig?
In dieser Größenordnung macht nur eine Fachklinik Sinn. Das zeigen auch die Kliniken privater Träger, die alle auf Spezialisierung setzen. Wir können als Fachklinik in Seefeld eine hohe Leistung bei hoher Patientenzufriedenheit bringen. Ich bin seit 25 Jahren in diesem Beruf, und ich war noch nie in einem Haus, in dem der Patient so achtsam und liebevoll abgeholt wurde.

-Falls das Sparprogramm nicht greift: Wie kann eine Kooperation mit dem Krankenhaus Starnberg funktionieren?
Es geht nicht um die Krankenhäuser im einzelnen, sondern um die Versorgung der Bevölkerung. Keiner darf glauben, dass der eine dem anderen etwas wegnimmt. Bei einer Fusion wird das natürlich schwieriger.

-Was ist für Sie das Entscheidende?
Es geht um die qualitativ hochwertige Versorgung der Patienten, aber auch darum, dass der Zweckverband und damit auch der Steuerzahler aus dieser Krise herauskommen. Ein defizitäres Haus bringt niemandem etwas. Wenn es langfristig keine Chance hat, muss man andere Gedanken zulassen. Das muss fair geprüft werden.

Das Gespräch führte Hanna von Prittwitz

 

 

Süddeutsche Zeitung 29.10.2015

 

Seefeld  - Hoffen und Bangen

Von Christine Setzwein und Christian Deussing

Die Ernüchterung ist groß, aber geschlagen gibt sich der Zweckverband Krankenhaus Seefeld immer noch nicht. "Die Hoffnung stirbt zuletzt", sagte die Wörthseer Bürgermeisterin Christel Muggenthal am Mittwoch, nämlich die Hoffnung auf die Eigenständigkeit der kommunalen Chirurgischen Klinik. Doch wie es weitergeht, ist auch einen Tag nach der Bekanntgabe des 4,5 Millionen Euro-Defizits des kommunalen Eigenbetriebs unklar.
Während der Gilchinger Gemeinderat bereits für die Zusammenarbeit mit der Starnberger Kreisklinik plädiert hat, ist das für Evelyn Villing wenig erstrebenswert. Die Seefelderin sitzt als Kreisrätin der Grünen im Zweckverband und ist eine Verfechterin der Eigenständigkeit. Sie ist auch der Überzeugung, dass dies gelingen kann. Die Klinik habe "genug Eigenkapital", um einen Teil des Defizits zu decken. Sie spricht von "Managementfehlern" des gefeuerten Geschäftsführers, die "solide korrigierbar" seien. Gemeinden und Landkreis müssten nicht mit einer Umlage belastet werden, der nötige Kredit könne aus den Einnahmen der Klinik zurückbezahlt werden. Gespart werden könne außerdem, sagt Villing. In der Klinik mit ihren 150 Beschäftigten gebe es einen "Personalüberstand", der abgebaut werden soll. Nicht durch Kündigungen, sondern durch Fluktuation. Dem Vernehmen nach liegt diese bei etwa zehn Prozent jährlich.
Ähnlich äußerte sich am Mittwoch auch der Weßlinger Bürgermeister Michael Muther. Die Defizite aus den Jahren 2012 bis 2014 könnten durch Rücklagen gedeckt werden, letztendlich bleibe ein Fehlbetrag von etwa 2,5 Millionen Euro übrig, der über einen Kredit gedeckt werden müsse, meint Muther. Sein Ziel sei weiterhin die Selbständigkeit der Seefelder Klinik. Wenn das doch nicht klappt, "müssen wir den Weg nach Starnberg wohl gehen". Das sieht Villing anders. "Ich bin für jede Kooperation offen", sagt sie. Die Seefelder Klinik müsse nicht unbedingt kommunal bleiben. Die Kooperation mit der privaten internistischen Schindlbeck-Klinik in Herrsching klappe hervorragend. Villing: "Alle Schindlbeck-Patienten, die operiert werden müssen, gehen nach Seefeld und nach der OP wieder zurück." Sollte es doch auf eine Zusammenarbeit mit Starnberg hinauslaufen, "dann nur auf Augenhöhe".
Die Kreisklinik in Starnberg schreibt seit mehreren Jahren schwarze Zahlen, hat eine Rendite von sechs Prozent. Seit 2012 hat sie mit dem Krankenhaus Penzberg auch eine 100-prozentige Tochter. "Wir sind sehr froh und dankbar, dass wir so einen guten Partner haben", sagt die Penzberger Geschäftsführerin Jasmin Taube. In den schwarzen Zahlen sind die Penzberger noch nicht, "aber auf einem guten Weg", meint Taube. Mehr will sie dazu nicht sagen.
Es wird noch einige Monate dauern, bis wirklich feststeht, ob es die Seefelder aus eigener Kraft schaffen. Das herauszufinden, ist nun Aufgabe eines externen Prüfers, aber auch eines neuen Interims-Geschäftsführers. Der entlassene Klinikleiter hat unterdessen eine zweite schriftliche Kündigung erhalten, teilt seine Anwältin mit. Auch dagegen werde aber ihr Mandant vorgehen, der weiterhin nicht von Prüfern zur Sache befragt worden sei. Es liegt zwar bislang keine Strafanzeige gegen den Ex-Geschäftsführer vor, dennoch hat die Staatsanwaltschaft den Fall bereits im Blick. Es müssten aber noch die Unterlagen angefordert werden, um festzustellen, ob hier "strafrechtlich relevante Dinge passiert sind", so ein Sprecher.

 

Kommentar  - Guter Ruf steht auf dem Spiel

Von Christine Setzwein

Kann ein Krankenhaus mit nur 72 Betten wirklich eigenständig betrieben werden? Kann so ein kleines Haus tatsächlich eine schwarze Null erwirtschaften? Wer die Entwicklung des Gesundheitswesens und den Niedergang vieler Kliniken in den vergangenen Jahren verfolgt hat, muss eigentlich beide Fragen mit einem klaren Nein beantworten. Nicht so der Zweckverband Krankenhaus Seefeld. Das schlimmste Szenario für die Bürgermeister der sieben Trägergemeinden und den langjährigen Ärztlichen Direktor Nikolaus Hermes war die Übernahme durch die Kreisklinik in Starnberg. Also legte man sich ins Zeug, sanierte, baute um und an, kaufte modernes medizinisches Gerät, stellte hochqualifizierte Ärzte und engagiertes Pflegepersonal ein. Es zahlte sich aus. Die Fallzahlen stiegen, die Umlage für Gemeinden und Landkreis sank. Und dann die erlösende Nachricht: Wir schreiben eine schwarze Null. Dass der Geschäftsführer den Haushalt nur schön gerechnet hatte, konnte niemand ahnen und laut Kommunalem Prüfungsverband auch nicht erkennen.
Nun ist das Kind in den Brunnen gefallen. Ein Defizit in Höhe von 4,5 Millionen Euro in vier Jahren bedeutet rein rechnerisch pro Jahr eine Million. Hier von einem "Managementfehler" zu sprechen, ist schon gewagt. Ob die Seefelder Klinik künftig eigenständig bleiben kann, wird ein externer Prüfer herausfinden. Wenn nicht, hat der Landrat die Richtung vorgegeben. Für ihn kommt nur eine Zusammenarbeit mit dem Kommunalkrankenhaus in Starnberg in Frage. Und das ist gut so. Sowohl Starnberg wie auch Seefeld waren jahrelang Zuschussbetriebe und hatten jahrelang einen denkbar schlechten Ruf. Dass Landkreisbürger in ihren Portemonnaies Zettel hatten, auf denen stand, sie wollten im Ernstfall auf keinen Fall ins Starnberger Krankenhaus gebracht werden, ist kein Witz.
Heute haben beide Häuser einen sehr guten Ruf über die Landkreisgrenzen hinaus. Der darf nicht ruiniert werden durch Kaputtsparen oder überhebliches Auftreten der großen Starnberger den kleinen Seefeldern gegenüber, sollte es zur Kooperation oder gar Fusion kommen. Das Feld einer großen Krankenhauskette zu überlassen, wäre zumindest unklug. Und überhaupt nicht im Sinne der Andechser, Gilchinger, Herrschinger, Inninger, Seefelder, Weßlinger und Wörthseer. Das sind immerhin 53 600 Menschen. Und um die geht es doch, oder?

 

Süddeutsche Zeitung 28.10.2015

 

Seefelder Klinik  - Neues Millionengrab entdeckt

Von Christine Setzwein

Die Verluste, die das Krankenhaus Seefeld in den vergangenen Jahren eingefahren hat, gehen in die Millionen. Zum Ende des Jahres wird sich das Defizit auf etwa 4,5 Millionen Euro belaufen. Das gaben der Vorsitzende des Krankenhauszweckverbands, Wolfram Gum, und Landrat Karl Roth am Dienstagabend gemeinsam bekannt. Zuvor waren Roth und die Bürgermeister der Mitgliedsgemeinden Andechs, Gilching, Herrsching, Inning, Seefeld, Weßling und Wörthsee in einer Krisensitzung über das Ergebnis der überörtlichen Rechnungsprüfung informiert worden. Damit die Klinik weiterarbeiten kann, hat der Zweckverband beschlossen, ein langfristiges Darlehen aufzunehmen, "zu günstigen Zinsen", wie Wolfram Gum sagte.
Eingebrockt hat der Klinik das Desaster der ehemalige Geschäftsführer, der Anfang Oktober fristlos entlassen worden war. Er habe die Zahlen geschönt, damit das Krankenhaus nach außen gut dastehe, aber nicht, um sich zu bereichern, hieß es. Der Kommunale Prüfungsverband sprach am Dienstag von "bilanzrechtlichen Verstößen", berichtete Gum.
Begonnen haben die Zahlenspiele schon 2012, haben die externen Prüfer herausgefunden. Danach ist in den Jahren 2012 bis 2014 ein Defizit in Höhe von 2,85 Millionen Euro aufgelaufen. Für 2015 liegen noch keine Zahlen vor, aber Landrat Roth rechnet damit, dass noch einmal knapp 1,65 Millionen dazukommen.
Die Ärztliche Direktorin und Chefärztin Regine Hahn habe in der Sitzung ein "engagiertes Einsparprogramm" vorgelegt, sagte Gum. Ein externer Prüfer soll dieses Programm so schnell wie möglich untersuchen. Damit will der Zweckverband herausfinden, ob die Chirurgische Klinik Seefeld nicht doch weiterhin eigenständig bleiben kann. Das ist nach wie vor Wunsch einiger Bürgermeister. Wie Landrat Roth sagte, soll möglichst rasch ein Interimsgeschäftsführer gefunden werden, der dann schon den Wirtschaftsplan 2016 verantworten soll. Sollte das Sparpotenzial nicht ausreichen für den eigenständigen Weiterbetrieb, müsse ein Strategiepapier entwickelt werden unter dem Motto: "Wo geht es hin mit der Seefelder Klinik?"
Für den Landrat ist das jetzt schon klar: nach Starnberg. Für ihn kommt nur eine Kooperation mit dem kommunalen Klinikum in der Kreisstadt in Frage. "Das kann ich mir gut vorstellen", sagte er. Mit Starnberg und Seefeld sei die Rundum-Versorgung der Landkreisbürger gewährleistet. "Vielleicht bekommt Seefeld dann ja zusätzliche Abteilungen", meinte Roth. Auf alle Fälle soll die Klinik erhalten bleiben, da zieht der Landrat mit den Bürgermeistern an einem Strang. "Die Bürger im westlichen Landkreis brauchen sie." Eine Kooperation mit einem privaten Klinikbetreiber lehnt er rigoros ab.
Auf der Homepage der Klinik befand sich bis vor kurzem noch das Foto des früheren Geschäftsführers, jetzt ist dort eine weiße Fläche. "Krankenhausleitung (z. Zt. vakant)" steht dort. 2008 hatte der gebürtige Westfale seinen Job in Seefeld angetreten. Der Ex-Geschäftsführer hat jetzt über einen Anwalt gegen die fristlose Kündigung Klage beim Arbeitsgerichts München eingereicht. Strafanzeige wird der Zweckverband wohl nicht erstatten, sagte Gum am Dienstag. "Aber Staatsanwälte lesen auch Zeitung."
Eine überörtliche Rechnungsprüfung steht normalerweise nur alle drei Jahre an. Dazwischen kontrolliert der Rechnungsprüfungsausschuss des Zweckverbands die Unterlagen. Dem waren die Zahlenspiele des Geschäftsführers über Jahre nicht aufgefallen. "Das war ganz geschickt gemacht", sagte Gum.

 

Starnberger Merkur  24.10.2015

Erlebtes auf Papier

Beatrice Bourcier (40) aus Inning veröffentlicht Buch über ihre Arbeit mit Flüchtlingen

Inning – „Es war schon eine besondere Erfahrung.“ Das ist Beatrice Bourciers zufriedenes Resümee nach sechs Wochen freiwilligen Engagements im Inninger Helferkreis Asyl. Das Besondere am Betreten des unbekannten Terrains Sprachförderung und Vermittlung zwischen unterschiedlichen Kulturen hat die 40-jährige Inningerin in ihrem Buch „Mein Sommer mit den Flüchtlingen“ festgehalten.
Geplant war der bewegende, in nur sechs Tagen geschriebene Erfahrungsbericht nicht, wie seine Autorin versichert. Eher sei Bruder Zufall in Form eines stetig wachsenden Notizbuchs für die ersten Schritte in der fremden Sprache, Tochter Océans Idee („Schreib doch mal ein Buch“) und eine Reihe ungewöhnlicher Begegnungen Pate des Projekts gewesen. „Ich war nur ein kleines Rädchen im Kreis der Aktiven und wollte einfach nur helfen“, sagt Beatrice Bourcier bescheiden. Ihr hat damals das Motto des Helferkreises gefallen, dass jeder macht, was er kann. Die angebotenen Französischkenntnisse waren dann doch nicht gefragt, aber das Kommunikationstalent der Medien- und PR-Fachfrau mit dem offenen, freundlichen Blick.
Dem Start als Helferin sah Beatrice Bourcier unbedarft entgegen: „Anfangs habe ich gedacht, ich bringe den Flüchtlingen zweimal pro Woche Deutsch bei.“ Doch aus dem Sprechen sei intensives Zuhören geworden. Auch wenn man das aus Selbstschutz eigentlich nicht tun sollte. Bei den abendlichen Gesprächen vor der Turnhalle hat die Mutter von zwei Kindern viele „schlimme Bilder und Geschichten“ gesehen und gehört. Psychologische Unterstützung, wie seit kurzem angeboten, gab es im Sommer noch nicht. „Das Buch schreiben war eine Art von Therapie“, beschreibt Beatrice Bourcier ihre Art, mit dem oft bedrückenden Schicksal der Flüchtlinge umzugehen.
Eine ihrer Geschichten erzählt von der jungen, fünfköpfigen Handwerkerfamilie aus dem syrischen Aleppo. Das Bettchen der damals einjährigen Nour hatte zu nah am Fenster gestanden, als vor fast drei Jahren die Bomben fielen. Die Behandlung ihrer schweren Verbrennungen in der ersten Fluchtstation Libanon war aussichtslos. Und so wurde Deutschland und somit die Inninger Erstaufnahmestelle als zweiter Zielort gewählt. Die sympathische Familie hat Beatrice Bourcier besonders ins Herz geschlossen und ihr das am 21. Oktober im Handel erschienene Buch gewidmet. Am Donnerstag, 12. November, wird „Mein Sommer mit den Flüchtlingen“ daheim im Inninger Spectacel vorgestellt. Lesung und Gesprächsrunde gehören zur Kooperationsveranstaltung mit dem Kulturkreis Inning.  si

„Mein Sommer mit den Flüchtlingen“ aus dem Verlag Brandes & Apsel kostet 14,90 Euro

 

Süddeutsche Zeitung 23.10.2015

Klinik Seefeld  - Unter Druck

Von Christine Setzwein und Christian Deussing

Die Stunde der Wahrheit schlägt am kommenden Dienstag. Dann erfahren die Mitglieder des Zweckverbands Krankenhaus Seefeld, wie tief sie in die Tasche greifen müssen, um die Löcher in der Klinik-Kasse zu füllen, wenn der Kommunale Prüfungsverband das Ergebnis seiner Untersuchung vorlegt. Dazu kommt ein juristisches Nachspiel. Der fristlos entlassene Geschäftsführer hat beim Arbeitsgericht München Klage gegen die Kündigung eingereicht. Damit nicht genug, wächst im Landkreis die Kritik an der Arbeit des Zweckverbands, dessen Vorsitzender der Seefelder Bürgermeister Wolfram Gum ist.
Warum hat der Zweckverband nicht früher gemerkt, dass der Geschäftsführer ganz offensichtlich die Zahlen geschönt hat? Das fragen sich viele. Vor allem Gemeinde- und Kreisräte der Trägerkommunen Andechs, Gilching, Herrsching, Inning, Seefeld, Weßling, Wörthsee und Landkreis Starnberg. Immerhin habe der Rechnungsprüfungsausschuss - seit der Kommunwahl sind das die Bürgermeisterinnen Christel Muggenthal, Wörthsee, und Anna Neppel, Andechs, sowie Grünen-Kreisrätin Evelyn Villing - die Bilanz jährlich im Herbst geprüft. Doch niemandem ist aufgefallen, dass etwas nicht stimmt. "Das war zu geschickt gemacht", sagte Wolfram Gum am Freitag erneut. Draufgekommen sei man dem Geschäftsführer erst, als die Ärztliche Direktorin und Chefärztin der Klinik, Regine Hahn, ein neues medizinisches Gerät anschaffen wollte. Es war kein Geld mehr da, der Kassenkredit in Höhe von 700 000 Euro ausgeschöpft. Trotzdem hat, so die Information der SZ, der Geschäftsführer noch vor wenigen Wochen auf die Frage des Kreiskämmerers, ob er für 2016 eine Umlage einplanen solle, mit Nein geantwortet.
Über Zahlen erfuhr die Öffentlichkeit in den vergangenen Jahren ohnehin wenig. Die Presse war zu den Verbandsversammlungen nicht eingeladen. In der Zweckverbandssatzung, die am 1. Januar 1996 in Kraft trat, ist das nicht geregelt, eine Geschäftsordnung hat sich der Verband nie gegeben. Die letzte Veröffentlichung der Haushaltssatzung im Amtsblatt des Landkreises Starnberg stammt aus dem Jahr 2010. Damals mussten die Gemeinden und der Landkreis eine Umlage in Höhe von 180 000 Euro zahlen. 2004 waren es noch knapp 360 000 Euro. 2011 soll die schwarze Null erreicht worden sein. Bei einem so kleinen Haus wie der Chirurgischen Klinik Seefeld mit nur 72 Betten schien das immer unmöglich zu sein.
Sicher ist jetzt: Der ehemalige Krankenhaus-Verwaltungsleiter will die Kündigung nicht akzeptieren und wehrt sich gegen die Vorwürfe. Der 48-Jährige hat eine Rechtsanwältin eingeschaltet, die eine Klage gegen den Arbeitgeber - also gegen den Zweckverband - eingereicht hat. Die Kanzlei wartet jetzt ebenfalls auf die Ergebnisse des Kommunalen Prüfungsverbandes. Allerdings wundert sich die Anwältin, dass der betroffene Geschäftsführer von den Prüfern noch immer nicht selbst befragt worden ist. Die Kanzlei hält jedenfalls die Klage ihres Mandanten für "begründet", sie ließ durchblicken, dass sich die Sache "noch ganz anders darstellen" könne.
Eins dürfte klar sein: Der Geschäftsführer muss unter enormem Druck gestanden haben. Allein schon mit dem Wissen, dass seine Vorgängerin, eine ausgewiesene Krankenhausexpertin, kurz vor dem Ende ihre Probezeit gekündigt worden war. Zwischenmenschlich habe es nicht geklappt zwischen Verwaltung und Chefarzt Nikolaus Hermes, hieß es damals. Diese Erfahrung musste der Verbandsvorsitzende Gum öfter machen, wie er jüngst beim Benefizessen des Freundeskreises Krankenhaus Seefeld sagte. "Ich musste ständig ausgleichen zwischen einem starken, kantigen Chefarzt und der Verwaltung und immer wieder neue Verwaltungschefs einstellen."
Der Geschäftsführer musste also spuren, wenn er seinen Job behalten wollte, und vor allem musste er verhindern, dass die Seefelder Klinik ihre Eigenständigkeit verliert. Das war sowohl für Chefarzt Hermes als auch für die Bürgermeister der Westgemeinden oberstes Ziel. Eine Kooperation mit der Kreisklinik in Starnberg sollte um jeden Preis verhindert werden. Ein hoher Preis, wie ein ehemaliger Verbandsrat einräumt: "Ich fühle mich moralisch verantwortlich. Wir haben zu viel Druck gemacht, weil wir unbedingt schwarze Zahlen schreiben wollten."

 

Starnberger Merkur  23.10.2015

 

Gewerbepark - Kleine „Häppchen“ sind mehr gefragt

Inning – Flexibilität ist derzeit das Stichwort beim Zweckverband des Interkommunalen Gewerbeparks Inning/Wörthsee. Weil die Nachfrage nach kleineren Gewerbegrundstücken deutlich größer ist, soll auch die über 8000 Quadratmeter große Parzelle 2 geteilt werden. Drei 1700 bis 1800 Quadratmeter große Parzellen und eine Parzelle mit zirka 2600 Quadratmetern werden nach der jüngsten Entscheidung des Zweckverbands demnächst zum Verkauf stehen.
Trotz der erneuten Planänderung ist Vorsitzender Walter Bleimaier mit der Entwicklung des Gewerbeparks sehr zufrieden: „Wir liegen im Zeitplan, und wenn die nächsten zwei, drei Grundstücke verkauft sind, auch finanziell im grünen Bereich.“ Dann sei der Zweckverband schuldenfrei. Dabei sei bei Projektbeginn des Öfteren geunkt worden, dass es mit der Vermarktung und höheren Gewerbesteuereinnahmen nicht klappen werde. „Vom ersten Tag an sind Gewerbesteuern dagewesen“, betont der Vorsitzende.
Am Dienstag war das Gemeinschaftsprojekt der Nachbargemeinden Inning und Wörthsee das Besuchsziel von 20 Wirtschaftsförderern der Region. Der Planungsverband Äußerer Wirtschaftsraum München hatte zu dem informativen Treffen eingeladen. Das Projektkonzept stellte gfw-Geschäftsführer Christoph Winkelkötter den interessiert zuhörenden Gästen vor. Wie die eigene Idee nach jahrelangem Bohren dicker Bretter letztendlich doch Gestalt annahm, schilderte Alt-Bürgermeister Werner Röslmair; Einblicke in die Vermarktung gewährte Felix Boenigk von der Deutschen Stadt- und Grundstücksentwicklungsgesellschaft. „Die Wirtschaftsförderer sind der Meinung, dass es wirklich ein erfolgreiches Projekt ist“, freut sich Bleimaier.   si

 

Tempolimit bleibt abgeschafft

An der Straße von Gauting nach Unterbrunn wird es keine Wiedereinführung des Tempolimits geben. Das hat die Regierung von Oberbayern entschieden.

VON MICHAEL STÜRZER

Gauting/Inning – Das Landratsamt muss nachgeben: An der Staatsstraße von Gauting nach Unterbrunn wird die über Jahre gültige Geschwindigkeitsbegrenzung von 70 km/h nicht wieder eingeführt. Die Regierung von Oberbayern forderte das Landratsamt auf, die Schilder entgegen einer früheren Entscheidung nicht wieder anbringen zu lassen. Die Gemeinde Gauting hatte das mit Nachdruck verlangt.
Johannes Bauer, Verkehrssachbearbeiter der Polizei für den Landkreis Starnberg, hatte die Regierung eingeschaltet, nachdem das Landratsamt nur wenige Wochen nach Aufhebung das Tempolimit wieder einführen wollte. Die 70-km/h-Begrenzung war nach einer ausgiebigen Prüfung durch die Untere Verkehrsbehörde am Landratsamt, das Staatliche Bauamt Weilheim und die Polizei im Zuge der Aktion „Licht in den Schilderwald“ aufgehoben worden, weil die Notwendigkeit nicht erkennbar war. Jede Verkehrsregelung, erklärt Bauer, sollte eigentlich regelmäßig auf ihre Sinnhaftigkeit überprüft werden. Als die Gemeinde Gauting auf die Barrikaden ging und Sicherheitsbedenken geltend machte, schloss sich das Landratsamt dem wieder an und wollte das Tempolimit wieder anordnen. Bauer hatte zuvor noch nie um eine Art Schiedsspruch zwischen Polizei und Landratsamt gebeten.
Die Regierung von Oberbayern gab nun der Polizei Recht, wie eine Sprecherin der Behörde und Kreissprecher Stefan Diebl bestätigten. Bei einer Verkehrsschau sei zunächst festgestellt worden, dass die „verkehrsrechtlichen Voraussetzungen“ für die bisherige Geschwindigkeitsbeschränkung auf 70 km/h nicht mehr gegeben seien, teilte die Regierung mit. Die Entscheidung sei seitens Behörde nicht zu beanstanden und entspreche dem Verkehrssicherheitsprogramm 2020. „Eine, wie von der Gemeinde Gauting vorgebrachte, besondere Gefahrenlage ist nicht erkennbar“, so die Behördensprecherin.
Das hatte die Regierung dem Landratsamt mitgeteilt und es gebeten, von der Wiedereinführung des Tempolimits abzusehen. Nachdem die Regierung Aufsichtsbehörde fürs Kreisamt ist, muss das Landratsamt der „Bitte“ Folge leisten und tut dies auch. Diebl lässt jedoch erkennen, dass das Amt weiter auf dem Standpunkt steht, die Argumente der Gemeinde Gauting seien stichhaltig. Unter anderem hatte Gauting die Asklepios-Klinik angeführt und die nahe Kindereinrichtung. Im Rathaus war dazu gestern keine Stellungnahme zu bekommen
Die Entscheidung hat eine gewisse Signalwirkung für ähnlich gelagerte Fälle, etwa Tempolimits am Ortseingang von Buch. Auch dort hatte die Gemeinde die Wiedereinführung verlangt, Betroffene sammelten Unterschriften. Diebl zufolge dauere die Prüfung noch an. Angesichts der Gautinger Entscheidung dürften die Erfolgaussichten gering sein.

 

 

Süddeutsche Zeitung 22.10.2015

Krankenhaus Seefeld

auch wir sitzen in dem Boot  - Gilching rät zu Kooperation

Die finanziellen Verluste und ungewisse Zukunft der Seefelder Klinik beunruhigen die Gemeinde Gilching. Deren Bürgermeister Manfred Walter ist Mitglied im Krankenhaus-Zweckverband, dem am kommenden Dienstag die genauen Zahlen und Prüfergebnisse der Jahresberichte präsentiert werden. Dem Vernehmen nach könnte das Defizit mehr als 1,5 Millionen Euro betragen - was der fristlos entlassene Klinik-Geschäftsführer offenkundig verheimlicht hatte. Nach Ansicht Walters könne das kleine 72-Betten-Haus künftig nicht mehr als eigenständige Klinik geführt werden und brauche daher mittelfristig einen "großen Bruder" wie das Kreiskrankenhaus Starnberg. Walter bekundete dies am Dienstag im Gemeinderat, der ihn in dieser Meinung unterstützte. Trotzdem soll der Standort in Seefeld mit seinem "hervorragenden medizinischen Angebot für die Bevölkerung" erhalten bleiben - aber hierfür müsse man kooperieren und dürfe nicht auf eine "eigene Trägerschaft beharren". Denn nur so könne diese Klinik überleben. Allerdings räumte Walter ein, dass es im Zweckerverband auch andere Meinungen gebe.
Dort soll auch geklärt werden, warum die offenkundig geschönten Bilanzen erst so spät entdeckt wurden und welche "Kontrollmechanismen" nicht gegriffen haben. CSU-Gemeinderat Manfred Herz fragte sich, wie bei gestiegenen Fallzahlen ein so hohes Defizit entstehen konnte. Und: Warum sei man "nicht darauf gekommen, dass Kassenkredite von hohem Betrag maximal ausgenutzt" wurden? Peter Unger (Grüne) forderte bessere Finanzkontrollen und im Zweckverband einen "Profi, der was davon versteht".

 

Neue Pläne für Asylunterkünfte

Wöchentlich kommen inzwischen 70 Flüchtlinge in den Landkreis Starnberg und müssen noch vor dem Winter in einer geeigneten Notunterkunft versorgt werden. Den notwendigen Platz für bis zu 300 Asylbewerber bietet hierzu die Rathausturnhalle in Gilching: Dem Plan des Landkreises Starnberg folgten die Gemeinderäte am Dienstagabend einstimmig, es blieb ihnen wegen der politischen Vorgaben auch gar nichts anderes übrig. So werden in Kürze bereits die ersten Asylsuchenden in die Halle einziehen, die vorerst bis Ende Februar 2016 zur Verfügung steht - mit möglicher Fristverlängerung. Sportverein und Mittelschule müssen in andere Hallen ausweichen, die erweiterte Öffnungszeiten anbieten sollen.
In der Ratsversammlung bat der im Fünfseenland für Asylunterkünfte zuständige Starnberger Oberregierungsrat Stefan Derpa um Verständnis darum, die Gemeinde so "kurzfristig mit dem Thema überfallen" zu haben. Der Jurist wusste, dass die Gilchinger Kommunalpolitiker von der Turnhallen-Lösung überrascht wurden, weil diese Variante noch vor Kurzem noch gar nicht zur Debatte stand. Vielmehr war das Gremium davon ausgegangen, dass mit den langfristigen Unterkünften wie der Traglufthalle, die im Dezember auf dem Gilchinger Festplatz bezugsfertig sein soll, schon viel geholfen worden sei. Zudem wurde bereits vor Monaten dem Plan zugestimmt, dass auf dem Areal an der Landsberger Straße neben der Straßenmeisterei zügig eine Container-Wohnlage für Flüchtlinge errichtet wird. Doch auf dem pachtfreien Gelände, die dem Freistaat gehört, passierte bislang nichts.
Das versuchte nun Starnbergs Kreisbaumeister Christian Kühnel den Gemeinderäten zu erklären: Er berichtete, dass die Verträge schon unterschriftsreif gewesen seien, die Immobiliengesellschaft des Freistaates dann aber plötzlich darauf verwiesen habe, dass dieses Grundstück nicht bebaut werden dürfe. "Wir hatten es fast in der Hand, dann wurde es uns weggezogen", bedauerte Kühnel den Ablauf. Allerdings teilte er auch mit, dass seine Behörde im Landkreis jetzt selbst Flüchtlingsheime errichten dürfe. Das könnte voraussichtlich das Tempo für Unterkünfte erhöhen.
Auch an einer mittelfristigen Lösung für anerkannte Flüchtlinge und Obdachlose ist der Landkreis jetzt dran. Zusammen mit Vertretern des Verbands Wohnen hatten Landrat Karl Roth und Kühnel kürzlich in München einen Termin bei der Regierung von Oberbayern zur Vorgehensweise.
Das Ergebnis: In Kürze werde man dem Innenministerium eine Projektskizze zukommen lassen, so Kühnel, um Fördermittel auszuloten. Gedacht sei an ein System aus robusten Häusern in Ziegel- oder Holzständerbauweise. Der Grundriss soll standardisiert sein, aber so flexibel, "dass wir einfach eine Scheibe abschneiden könnten, wenn wir weniger Grund haben", wünscht sich Kühnel. Dazu soll ein Bieter-Wettbewerb ausgeschrieben und Planung sowie Bauleistung möglichst in eine Hand gegeben werden, was dann Sache des Kreistags wäre. "Flaschenhals" aller Vorhaben sei die Beschaffung von Grundstücken, wobei am ehesten Ortsränder in Frage kommen dürften.

 

Starnberger Merkur  22.10.2015

Briefe an die Redaktion

Einer muss den Anfang machen - Umgehungsstraße Inning: Leserbrief „Überregional“ vom 19. Oktober

Wer sich ein klein wenig mit dem Verkehrsproblem in Inning beschäftigt hat, wird wissen, dass die so poetisch gepriesenen westlichen Flure die einzige und letzte Möglichkeit sind, den Ort vom Verkehr zu entlasten. Es muss auch jedem klar sein, dass diese Flure nicht erhalten bleiben, weil sie mittelfristig Bauland werden, mit oder ohne Umgehung.
Die angesprochene überregionale Lösung ist Utopie und wird zum St. Nimmerleinstag kommen. Auch wer allen Ernstes glaubt, dass Autofahrer den Umweg über Weßling nehmen, um dann genauso in Herrsching zu stehen, dem ist nicht zu helfen. Im übrigen ist der Inninger Gemeinderat nebst Bürgermeister von Inningern gewählt. Er hat die Belange der Inninger Bürger zu berücksichtigen und ist nicht für die Lösung der Verkehrsprobleme in anderen Gemeinden wie Breitbrunn oder Herrsching zuständig. Es ist genau andersherum: Eine Gemeinde muss den Anfang machen, nur dann kommen die anderen unter Druck, auch etwas tun zu müssen.

Herbert Klausnitzer, Pro Inning

 

Inning - Instrument des Monats

Als moderne Schule für Musik ist die Pierre-van-Hauwe-Musikschule immer wieder auf der Suche nach spannenden Projekten. Beginnend mit einer öffentlichen Infostunde, können Interessierte in der Folge ein Instrument in vier Unterrichtseinheiten von jeweils 30 Minuten ausprobieren und schauen, ob Instrument und Musiker zusammenpassen und – wie es für Musik doch so wichtig ist – miteinander harmonieren. Diese vier Stunden sind unverbindlich. Dieses Angebot soll für verschiedenen Instrumente möglich sein. Eine Altersgrenze gibt es hier nicht. Egal ob jung oder reifer, jeder ist aufgerufen, sein musikalisches Talent zu entdecken. Gestartet wird am Montag, 9. November, um 18 Uhr in der Grundschule Inning (Am Wasenfeld 15) mit Akkordeon. Die weiteren Termine sind im Internet unter www.musikschule-inning.de aufgelistet.  

 

Bürokratie

Die Arbeitgeber im Landkreis Starnberg sind bereit, Flüchtlinge zu integrieren und ihnen Arbeit zu geben. Doch mit der Bürokratie verlieren sie langsam die Geduld.

Von Lorenz Goslich

Landkreis – Willy Renner konnte es schier nicht fassen. „Ich würde sofort jemand einstellen“, sagte der Inhaber der Traubinger Firma Rennerdesign, als kürzlich bei einer Veranstaltung der Kreishandwerkerschaft über die Beschäftigung von Asylbewerbern gesprochen wurde. Aber Arbeitsgenehmigungen für Flüchtlinge seien kaum zu bekommen.
Kein Einzelfall. Etliche Unternehmen im Landkreis warten nur darauf, Asylbewerber bei sich aufzunehmen. In einigen Fällen hat das geklappt, so bei Praktikumsstellen. Aber generell macht sich immer mehr Frust breit unter denen, die Flüchtlingen gern zu Arbeit verhelfen würden.
Jetzt soll sich etwas ändern. Kurzfristig haben die Spitzenorganisationen der bayerischen Wirtschaft mit der bayerischen Staatsregierung und der Agentur für Arbeit in der vorigen Woche eine Vereinbarung unterzeichnet. Titel: „Integration durch Ausbildung und Arbeit“. Sie soll für zwei Gruppen gelten: anerkannte Asylbewerber und Geduldete mit guter Bleibeperspektive.
Bis die neuen Maßnahmen tatsächlich zu Verbesserungen führen, dürfte es noch dauern. Industrie- und Handelskammer-Präsident Eberhard Sasse, der in Herrsching wohnt, hat nach der Unterzeichnung der Vereinbarung augenzwinkernd von einer gewissen „Sickergeschwindigkeit“ gesprochen: Gewöhnlich dauert es eine Weile, bis Regelungen, die auf höchster Ebene vereinbart wurden, zu den auf lokaler Ebene zuständigen Behörden durchsickern.
Bei vielen Unternehmen schwindet aber langsam die Geduld. Andrea Zanker, Marketingchefin der Starnberger Elektrofirma Saegmüller, fordert einen Schritt zu einer Integration, „der die Menschen möglichst schnell in Beschäftigung bringt“. Gerade den weniger qualifizierten und schlecht deutsch sprechenden Asylbewerbern eine Möglichkeit zu verschaffen, die Arbeitswelt kennenzulernen, hält auch Dr. Simon Machnik für sinnvoll, der Geschäftsführer der Tutzinger Artemed-Klinik. Die Klinik ist ein gebranntes Kind: Bei Asylbewerbern, die noch keine drei Monate in Deutschland waren, hatte sie es vor Wochen vergeblich mit Ein-Euro-Jobs versucht: Die Ausländerbehörde war dagegen.
Mittlerweile gibt es immer mehr Versuche, unkonventionelle Wege einzuschlagen. In Gilching etwa versucht der dortige Helferkreis für Flüchtlinge, ortsansässige Betriebe auf unbürokratische Weise mit Asylbewerbern zusammenzubringen. Bereits eingeklinkt haben sich die Bäckereien Boneberger und Reis. Sozialreferentin Margarete Blunck spricht über „vorsichtige Signale auch anderer Firmen“ mitzumachen. Sie weiß um die Schwierigkeiten, ist aber zuversichtlich: „Wir nutzen die Lücken.“
„Es ist fast schon egal, auf welchem Weg – aber eine Beschäftigung muss möglich sein“: Das forderte jüngst der Chef der für den Landkreis zuständigen Wirtschaftsfördergesellschaft gfw, Christoph Winkelkötter und ergänzte. „So früh wie möglich.“ Doch viele Hürden stehen nach wie vor auf diesem Weg. Die Tutzinger Artemed-Klinik hat dieser Tage wieder eine Anfrage für zwei Asylbewerber erhalten. Aber ob sie sie beschäftigen kann, weiß Machnik auch diesmal nicht.

 

 

Starnberger Merkur  19.10.2015

Böse Überraschungen, die sehr viel mehr kosten - Bauhof

Inning – „Beim Bau des neuen Bauhof sind deutlich höhere Kosten aufgelaufen“, musste Bürgermeister Walter Bleimaier in der jüngsten Gemeinderatssitzung berichten. Nach dem derzeitigen Stand wird der neue Bauhof die Inninger Gemeindebürger zirka 2,2 Millionen Euro kosten. Eine erste grobe Kostenschätzung im Juli 2011 hatte noch Baukosten in Höhe von „nur“ 1,4 Millionen Euro prognostiziert.
Heute schlagen allein die reinen Baukosten inklusive der anteiligen Kosten für die Erschließungsstraße mit Abbiegespur mit 1,8 Millionen Euro zu Buche. Der Grund für die erheblichen Mehrkosten: Weil das Grundstück zwei Jahre lang nicht genutzt werden konnte, ergaben sich Preisanpassungen bestehender Werkverträge (89 000 Euro) und dadurch erhöhter Planungskosten (52 000 Euro). Dem schlechten Baugrund am heutigen Bauhofstandort sind hauptsächlich die Mehrkosten von 283 000 Euro geschuldet. „Die Empfehlung des beauftragten Gutachters, neue Untersuchungen während der Bauphase zu machen, hat sich bewahrheitet“, erklärte der Rathauschef. Deshalb sei das beauftragte Unternehmen auf Nummer sicher gegangen und habe weitere Bohrungen veranlasst.
Die Standsicherheit sei mit Sicherheit kein Problem mehr, meinte Walter Bleimaier. Weshalb die Planung statt einer automatischen Toranlage nur ein Flügeltor und keine Schiebetore für die Lagerhalle vorsah, ist auch Bürgermeister Bleimaier ein Rätsel. Inklusive der später geänderten LED-Beleuchtung erhöhte sich der Minusbetrag um weitere 42 000 Euro. „Wir sollten zur alten Praxis zurückgehen, solche Planungsunterlagen dem Bauausschuss vorzulegen“, schlug Barbara Wanzke (Grüne) vor. Dort gäbe es genügend Kompetenz, um manchen Fehler zu vermeiden.  si

 

Briefe an die Redaktion

Bürgerbegehren für eine Umgehungsstraße in Inning: „Das Dorf retten“ vom 13. Oktober

Warum Herr Röslmair unbedingt unsere westlichen Flure zerstören will, kann man sich als Inninger einfach nicht vorstellen. Die Gründe der anderen Umgehungsstraßen-Besessenen ebensowenig. Aber das sind ja alles keine Inninger.
Dass die Dorfstraße entlastet werden muss, ist klar, aber bitte nicht mit diesem Stückwerk. Breitbrunn und Herrsching haben dasselbe Problem wie wir und zum Teil noch schlimmer. Deshalb müssten, wenn überhaupt, dann alle Seeorte von der Durchgangsstraße befreit werden. Die geplante Umgehunsstraße um Weßling, auf die man vor Inning den Durchgangsverkehr leiten könnte, um sie dann weiterzuführen über das Hinterland nach Herrsching und über Starnberg die Olympiastraße – das wäre die Lösung aller Probleme.
Warum klammert man sich an ein Stückwerk, wenn die Lösung der Probleme nach einer überregionalen Lösung schreit? Hier sind unsere großen Landschaftsplaner gefragt. Ich hoffe händeringend, dass sich die maßgeblichen zuständigen Stellen „ganz oben“ noch rechtzeitig dieser Sache annehmen.

Maria A. Ekert - Inning

 

 

Süddeutsche Zeitung 17.10.2015

Eine Unermüdliche

Von Astrid Becker

Der Schreibtisch stammt noch von ihrer Mutter. Er steht in einer Nische mitten im Wohnzimmer, dort, wo andere Menschen vermutlich einen Esstisch oder gar die Couch drapiert hätten. Aber für Jutta Göbber ist das Mobiliar genau an dieser Stelle absolut richtig platziert. Hier hat sie früher ihre Kinder beim Spielen im Garten beobachtet, gleichzeitig studiert, Hefte korrigiert, an den Inninger Geschichtsblättern geschrieben oder Anträge für die nächste Gemeinderatssitzung formuliert. Vor kurzem hat sie ihren 70. Geburtstag gefeiert, natürlich mitten in Inning.
Wenn sie heute über die Gemeinde am Ammersee spricht, sagt sie: "Das ist mein Zuhause". Heimat, diesen Begriff mag sie nicht dafür verwenden, aber "ich bin hier angekommen". Man muss schon in ihre persönliche Lebensgeschichte blicken, um zu begreifen, was sie mit dieser Aussage meint. Denn Jutta Göbber ist, bevor sie nach Inning kam, sehr viel herum gekommen. Vielleicht weil sie auf der Suche nach diesem Zuhause war, vielleicht, weil ihre familiären Umstände dies so bedingten. Die langjährige Gemeinderätin und Ortshistorikerin wurde am 4. Oktober 1945 in Hessen, genauer gesagt in Witzenhausen, geboren. Nach einem halben Jahr jedoch zog sie mit ihrer Großmutter nach Thüringen, auf den Bauernhof von deren Schwester. Es ist eine typische Nachkriegsgeschichte, die sich hinter diesem Umzug verbirgt. Göbbers Mutter, "ihre Mutsch", wie sie sie nennt, studierte zu dieser Zeit noch Medizin in Berlin. Vom Vater hatte sich die Mutter getrennt. Der Großvater, Friedrich Sauermilch, ein recht erfolgreicher Architekt, war im März 1945 gefallen.
Jutta Göbber hat also ihren Großvater nie kennengelernt, ihre Oma dagegen umso besser. Sechs Jahre verbringt sie mit ihr auf dem Bauernhof der Großtante, zwischen "Kuhschwänzen" und allen anderen Freuden, die das Landleben so bringt - vor allem in Sachen Ernährung. Denn genau dieser Punkt dürfte auch der Grund gewesen sein, warum die Großmutter sich entschloss, ins Thüringische zu gehen: " Mama half da mit, und wir beide hatten Kost und Logis frei", erzählt Jutta Göbber. "Mama", das ist die Oma bis heute für sie geblieben. Niemand, so sagt sie, habe sie so sehr geprägt wie diese Frau. Von ihr habe sie den Realitätssinn, den Pragmatismus, der sie später, im Berufsleben als Gymnasiallehrerin, aber auch in ihren vielen Ehrenämtern so auszeichnen sollte. Mit zwölf Jahren zog Jutta Göbber mit der "Mama" von Thüringen wieder näher zur "Mutsch" Richtung Berlin. In der ehemaligen DDR ging sie auch zur Schule. Ihre Mutter arbeitete zu dieser Zeit in der in Ost-Berlin gelegenen Charité-Klinik als Neurologin, hatte aber wieder geheiratet, einen Westberliner, und musste, auch um ihre Familie zu sehen, permanent die Grenze passieren.
Es ist wohl Angst, die die Familie wieder einmal zum Umzug bewegt, diesmal in die Eifel. Ihr Mutter eröffnet dort eine eigene Praxis für Allgemeinmedizin. Jutta Göbber besucht zu dieser Zeit ein Gymnasium in der Eifel, legt dort auch das Abitur ab. In Bonn und Tübingen studiert sie Germanistik und Geschichte. Sie lernt ihren späteren Mann Friedrich kennen, einen Physiker. Bereits damals liebäugelt sie mit dem Beruf der Gymnasiallehrerin: "Aber um ganz sicher zu sein, habe ich viele Praktika absolviert, bei einer Zeitung und sogar sechs Monate als Vertretung in einer Schule gearbeitet." Ihre eigentliche Stärke entdeckt sie dort: Wissen zu vermitteln, mit Menschen zu kommunizieren und sich dabei immer genau auf den jeweiligen Adressaten einzulassen: "Es ist ja ein Unterschied, ob ich vor jungen Menschen stehe oder vor längst Erwachsenen einen Vortrag halte."
Mit ihrem Mann geht sie zunächst nach Nordrhein-Westfalen, arbeitet in einer Gesamtschule. Eine interessante Erfahrung nennt sie das heute, auch, weil es ihr später, als sie nach Bayern kam, erst einmal negativ angerechnet wurde. "Das fand man wohl anfangs nicht so passend, dass eine nichtbayerische Beamtin nach Bayern ins Gymnasium wollte und von einer Gesamtschule kam." Ebenfalls nicht passend war ihr Studium von zwei Hauptfächern, das sie vorweisen konnte: Denn in Bayern waren für diesen Job ein Hauptfach und zwei Nebenfächer Pflicht. Jutta Göbber ließ sich davon nicht schrecken. Sie studierte mit Mitte 30 noch einmal - Politikwissenschaften an der Ludwig-Maximilians-Universität in München: "Ich wollte einfach unbedingt meinen Beruf ausüben können."
Sie lebte mit ihrer Familie bereits in Inning. Denn 1980 war sie wieder einmal ihrem Mann gefolgt, der eine Stelle bei der DLR bekommen hatte. Ihre Tochter Margret war damals fünf Jahre alt, der Sohn ein halbes Jahr. Als sie mit dem Kleinen im Kinderwagen durch Inning spaziert, erfährt sie vom Jugendheim, das geschlossen werden sollte. Mit dem Kulturkreis kämpft sie für dessen Erhalt. "Da lernt man schnell den Pfarrer kennen", denn das Gebäude, in dem die Institution untergebracht ist, gehört der Kirche. "Und wenn dann die ersten leeren Bierflaschen davor liegen, lernt man auch schnell den Bürgermeister kennen." Für eine Zugezogene ein relativ rasanter Einstieg ins Gemeindeleben, wie sie noch heute, 35 Jahre später, ein wenig verwundert feststellt.
Auch in der Politik, genauer in der SPD, landet sie schnell, ein Nachbar wirbt sie an. Erstaunlich sei das aber nicht gewesen, erklärt sie. Zum Einen, weil sie immer ein politischer Mensch gewesen sei. Zum Anderen, weil sie die damals viel gepriesenen Werte der SPD wie Solidarität, Freiheit und Gerechtigkeit ohnehin vertreten habe: "Wobei Gerechtigkeit der schwierigste Begriff ist, weil er ja immer einen Bezug braucht", sagt sie und da bricht dann doch die Germanistin in ihr hervor. Doch "oberlehrerhaft" klingt das trotzdem nicht, eher wie etwas, über das sie gern noch mehr diskutieren würde. Genauso gern wie über das Wort "Gemeinschaft", denn "wir haben ja längst den Trend zu mehr Individualität." Das sei auch gut so, wie sie aus ihrer Zeit in der DDR weiß. Aber die Grundsätze, die Werte dürfe man nicht "aus den Augen verlieren": "Alleine können wir nicht leben, wir brauchen die Gemeinschaft, auch die politische."
Vielleicht ist das der Grund, warum sie sich noch immer engagiert, etwa im Helferkreis Asyl, im Verein Heimatgeschichte Inning und in der Organisation des Festjahres 2016 "Historisches Stegen". Entspannt zurücklehnen kann sie sich dann also doch nicht ganz - obwohl sie sich vor fünf Jahren aus dem Direktorium des Viscardi-Gymnasiums in Fürstenfeldbruck in den Ruhestand verabschiedet hat und 2014 auch nicht mehr für die SPD als Gemeinderätin kandidieren wollte.
Dabei hätte sie sogar die CSU, beispielsweise der jetzige Bürgermeister Walter Bleimaier, gern noch in dem Gremium gesehen. " Wir saßen 18 Jahre gemeinsam im Gemeinderat, und ich habe sie ermuntert weiterzumachen", sagt er. Eben, weil sie sich nicht von ihren Überzeugungen abbringen lasse, aber nicht stur sei: "Sie hatte bei allem, was sie durchsetzen wollte, auch immer den Haushalt der Gemeinde im Kopf, sie wusste genau, was finanzierbar und daher auch machbar ist."
Doch auch Bleimaier gelang es nicht, sie zu einer erneuten Kandidatur zu überreden: " Es sollten mal Jüngere ran", sagt sie. Und: "Ich habe mir das drei Jahre lang sehr gut überlegt." Wahrscheinlich an ihrem Schreibtisch im Wohnzimmer. Immer mit direktem Blick in den Garten.

 

Inninger Bauhof wird teurer

Der Neubau des Bauhofes in der Gemeinde in Inning wird teurer als erwartet. Die ursprünglich geschätzten Kosten für das Bauwerk an der Herrschinger Straße lagen bei 1,85 Millionen Euro. Mittlerweile hat sich diese Summe auf 2,2 Millionen Euro erhöht. Bürgermeister Walter Bleimaier führt dies vor allem auf den weitaus späteren Baubeginn zurück. Die zeitliche Verzögerung war maßgeblich dadurch entstanden, dass die Gemeinde beim Kauf des Grundstücks nicht wusste, dass ein Teil der Flächen an einen Landwirt verpachtet war. Über den Pachtvertrag und dessen Kündigung wurde schließlich auch vor Gericht gestritten. Erst zwei Jahre nach dem Kauf konnte über das Areal verfügt werden. In der Zwischenzeit jedoch waren die Preise und Ingenieurhonorare gestiegen. Das allein schlage nun mit 140 000 Euro zu Buche, sagte Bleimaier. Hinzugekommen sei die Umstellung auf die LED-Technik sowie der Einbau von Toren, der ursprünglich nicht geplant gewesen sei. Zudem sei auch die Zufahrt nun mit einer Automatik versehen worden. Bleimaier: "Wenn beispielsweise ein Räumfahrzeug im Winter ausrückt, steigt niemand gern aus, um das Tor zu öffnen. Das wäre nicht zeitgemäß."

 

Inning -Flächen für Windkraft bleiben in Gemeindehand

Es gibt Entscheidungen, bei denen sich sogar einstige Kontrahenten einig sind - wenngleich aus unterschiedlichen Gründen. So geschehen in Inning. Dort sollte der Gemeinderat darüber abstimmen, ob Inning weiterhin für Flächen bezahlen will, die für Windräder vorgesehen waren. Deren Bau war in Inning durch einen Bürgerentscheid abgelehnt worden. Die Stadtwerke aber hatten die Grundstücke dafür bereits angepachtet und Kosten dafür auf die Gemeinde umgelegt. Der Vertrag hätte nun, nach der Ablehnung durch die Inninger, gekündigt werden können, wie auch Bürgermeister Walter Bleimaier sagte. Doch die Mehrheit im Rat entschied sich dagegen. Lieber will man noch ein weiteres Jahr dafür bezahlen. Die Befürworter der Windkraft hoffen damit offenbar, sich die Flächen weiter sichern zu können. Auch die Windkraftgegner im Rat dürften gute Gründe für ihr Votum haben: Sind die Flächen durch einen gültigen Vertrag blockiert, können andere Investoren dort keinen Zuschlag bekommen.

 

Süddeutsche Zeitung 15.10.2015

windkraft - Inning hält an Pachtverträgen fest

Inning – Obwohl die Gemeinde Inning das im Gemeinderat beschlossene Windkraftprojekt aufgrund des Bürgerentscheids am 8. Februar 2015 auf Eis legen musste, wollen die Gemeinderäte ihr Mitspracherecht nicht aus der Hand geben. Mit großer Mehrheit beschloss das Gremium in der jüngsten Sitzung, dass die Sicherungsentgelte für die gesicherten Flächen möglicher Windkraftanlagen in Höhe von 1000 Euro pro Jahr und Standort bis zum 31. Januar 2016 übernommen werden. Bis dahin könnte durch das anhängige Gerichtsverfahren geklärt sein, ob die von der Staatregierung festgelegte 10 h-Abstandsregelung rechtmäßig ist oder nicht. Wann darüber entschieden wird, kann Bürgermeister Walter Bleimaier nicht sagen: „Der Gerichtstermin ist noch nicht angesetzt“.

Andreas Diethelms (CSU) ablehnender Haltung, „in einem Jahr tut sich auch nichts“, wollten 13 von 15 Gemeinderäte nicht zustimmen. Sie wollen auch weiterhin mitreden, falls die Abstandsregel fällt und private Inverstoren ihr Recht wahrnehmen. Letzteres kann nur verhindert werden, wenn die Pachtverträge weiterlaufen, stellte Bleimaier fest. Auch wenn die Gemeinde selbst nicht baue. Ohne eine Pachtverlängerung könne die Gemeinde das ideelle Ziel vergessen, die Gemeindebürger am Windkraftprojekt zu beteiligen und den Interkommunalen Gewerbepark mit selbst produzierter Windenergie zu versorgen, gab Barbara Wanzke (Grüne) zu bedenken. Ein weiteres Argument pro Verlängerung: Private Investoren könnten so rechnen, dass am Ende nichts an Gewerbesteuer bliebe.  si

 

Süddeutsche Zeitung 14.10.2015

Inning  - Mitten auf der Trasse

Von Astrid Becker

Wenn es um den Verkehr in Inning geht, ist die Gemeinde offenbar noch immer in zwei Lager gespalten. Während die einen den Bau einer Umgehungsstraße fordern, lehnen die anderen diese, vor allem der Trassenführung wegen, strikt ab. Die Befürworter einer Entlastungsstraße wollen nun einen neuen Bürgerentscheid anzetteln und am Freitag 740 Unterschriften an Bürgermeister Walter Bleimaier übergeben. Dieser allerdings räumt der Realisierung einer Umfahrung zumindest für die nächsten Jahre nur wenig Aussicht auf Erfolg ein. Denn auf einem Teilstück der einst geplanten Trasse sollen nun die Containeranlagen für die Unterbringung von Asylbewerbern entstehen.
Es handelt sich dabei um ein Grundstück in der Schornstraße, das sich direkt hinter dem Parkplatz an der Mehrzweckhalle befindet, die bisher als Notunterkunft gedient hatte. Für die Situierung der Container, die dort für etwa 100 Menschen entstehen sollen, gab es gleich mehrere Optionen. So hatte das Landratsamt der Möglichkeit in der Ausschreibung zugestimmt, die Anlagen auch auf einem Teil des Parkplatzes errichten zu können. Die Firma, die nun die Ausschreibung gewonnen habe, habe davon allerdings keinen Gebrauch gemacht, wie Kreisbaumeister Christian Kühnel auf Anfrage der SZ sagte.
Konkret bedeutet dies nun, dass die Container hinter dem Parkplatz, von der Herrschinger Straße aus gesehen, in Richtung Hang gebaut werden. Teilweise sollen sie also auf einem Stück Fläche stehen, die einst für die Trassenführung der geplanten Westumfahrung vorgesehen war. Diese Entlastungsstraße war Ende 2013 in einem Bürgerentscheid von der Mehrheit der Inninger abgelehnt worden. Dennoch gehen die Diskussionen angesichts der vielen Unfälle auf der Durchgangsstraße weiter. 2014 hatte ein Unglück einen tödlichen Ausgang genommen.
Das Landratsamt hat der Gemeinde daher schriftlich bestätigt, die Anlagen zu entfernen, sollte die Umfahrung trotz des bisherigen Votums doch noch gebaut werden. Dass dies jedoch bis 2020 geschehen wird - bis dahin läuft die Genehmigung für Container im Außenbereich - glaubt derzeit auf behördlicher Ebene niemand. Dies, so sagt auch Bürgermeister Walter Bleimaier, sei ihm "eindeutig signalisiert" worden. Einem Bürgerbegehren blickt er daher gelassen entgegen.

 

Entsorgung  - Vorbild Inning

Von Astrid Becker

Lange Jahre wurde darum gestritten, doch nun ist der Wertstoffhof an der Herrschinger Straße fertiggestellt. Am Dienstagvormittag hat der Abfallwirtschaftsverband Starnberg (Awista) das knapp 700 000 Euro teure Projekt nach einem Jahr Bauzeit eingeweiht. Die Arbeiten am neuen Bauhof der Gemeinde, der in unmittelbarer Nachbarschaft entsteht und ebenfalls heftig diskutiert wurde, sollen bis zum Jahresende abgeschlossen sein.
Es war vor allem der jetzige Standort, der in der Vergangenheit immer wieder zu Auseinandersetzungen geführt hatte - auch vor Gericht. "Lang und verdrießlich" hatte Innings Bürgermeister Walter Bleimaier diese Geschichte daher schon vor einem Jahr beim Spatenstich für das Projekt genannt. Mittlerweile, so sagte er am Dienstag, sei es um dieses Thema "ruhig geworden". Vor etwa vier Jahren war klar geworden, wie marode der Bau-und Wertstoffhof in der Gartenstraße im Ortszentrum war. Schon zuvor war über dessen Enge und Lage gejammert worden - sowohl von denjenigen, die dort ihre Arbeit verrichteten als auch von denjenigen, die dort ihren Müll entsorgen mussten. Als sich herausstellte, dass nur eine schnelle Investition von 40 000 Euro das Gebäude vor der Schließung durch das Gewerbeaufsichtsamt bewahren kann, fiel 2011 die Entscheidung für einen Neubau von Bau- und Wertstoffhof, die seit 1990 auf einem Grundstück gemeinsam in der Dorfmitte untergebracht waren. Nun mussten neue geeignete Grundstücke dafür gefunden werden. Die Entscheidung fiel auf ein Areal nahe des Inninger Kreisels, das von der Staatsstraße Richtung Buch und Herrsching angefahren werden sollte. Die Gemeinde kaufte 2011 dort zwei Grundstücke, ohne zu wissen, dass dortige Flächen an einen Landwirt verpachtet waren. Die Auseinandersetzungen dazu endeten vor Gericht. Es dauerte etwa zwei Jahre, bis die Gemeinde den Pachtvertrag kündigen und über das Areal verfügen konnte. Zwischenzeitlich hatte die Bürgerinitiative für Innings Zukunft (BIZ) auch noch ein Bürgerbegehren gegen den Standort angezettelt, das am Ende jedoch der Gemeinderat als "unzulässig" abwies. Am 14. Oktober 2014 konnten dann mit dem Spatenstich die Bauarbeiten beginnen.
Ein Wunder ist es also nicht, dass der Landrat genau diesen Standort in seiner Rede am Dienstag besonders lobte und den neuen Wertstoffhof "vorbildhaft für andere neue Wertstoffhöfe im Kreis" nannte. Derzeit gibt es davon insgesamt 17, ein neues Wertstoffzentrum soll in Gilching entstehen. Ein weiteres steht ebenfalls auf der Agenda. Wo es gebaut werden kann, ist aber noch offen. Der neue Wertstoffhof in Inning wird aber wohl tatsächlich als Vorbild dienen, denn die Container - 14 statt wie früher sechs - sind tiefer gelegt und können komfortabler als bisher beladen werden: "Ich hoffe, dass dies positiv von der Bevölkerung angenommen wird", so Roth. Er kündigte für 2016 eine Erweiterung der Öffnungszeiten an - etwa am Samstag, an dem Müll nur bis 12 Uhr entsorgt werden kann. Roth: "Da fängt man aber gerade mit der Gartenarbeit an." Eine Verlängerung bis 17 Uhr sei daher wünschenswert. Bis dahin bleiben die alten Öffnungszeiten bestehen: dienstags, mittwochs und freitags von 15 bis 18 Uhr, samstags von 9 bis 12 Uhr.

 

 

Süddeutsche Zeitung 13.10.2015

 

Inning -740 Inninger für neues Begehren

Es soll jetzt erneut einen Bürgerentscheid in Inning zum Verkehr geben. Diesen Freitag wollen Vertreter des Vereins Pro Inning 740 Unterschriften an Bürgermeister Walter Bleimaier übergeben. In dem Bürgerbegehren sprechen sich die Inninger dafür aus, die Staatsstraße 2067 aus dem Ort heraus Richtung Westen zu verlagern, und zwar gemäß den bereits vorliegenden Plänen der Gemeinde. Dazu soll der Bürgerentscheid von 2013 aufgehoben werden, mit dem damals Inninger genau diese Pläne vereitelt hatten.
Seit etwa drei Wochen hat "Pro Inning, Verein für Verkehrsberuhigung und Ortsentwicklung", Unterschriften für das neue Begehren gesammelt. Knapp 400 wären nötig gewesen. Dass man in kurzer Zeit fast die doppelte Anzahl zusammen bekommen hat, sieht der frühere Bürgermeister und Unterstützer der Initiative, Werner Röslmair, als Signal für eine breite Unterstützung. Abgestimmt werden soll über folgende Frage: "Sind Sie dafür, dass der Bürgerentscheid vom 8. Dezember 2013 aufgehoben, die Staatsstraße 2067 aus der Ortsmitte von Inning gemäß vorliegender Planung in den Westen verlegt wird und dass diese Planung von der Gemeinde sofort mit Nachdruck fortgeführt und dann auch unverzüglich umgesetzt wird?" Begründet wird das Begehren unter anderem damit, dass nur eine Westumfahrung Lärm und Feinstaub im Ort vermindere, Sicherheit für Radler und Fußgänger schaffe sowie eine Gestaltung des Ortskerns nach den Bedürfnissen der Bürger ermögliche. Es sei dort auch mit einer Wiederbelebung durch neue Einzelhandelsgeschäfte zu rechnen.
Nach Abgabe der Unterschriften müssen die Inninger Gemeinderäte innerhalb eines Monats über die Zulässigkeit des Begehrens entscheiden. Wird es zugelassen, so ist innerhalb von drei Monaten ein Termin für die Abstimmung festzulegen. "Da pressiert es uns jetzt nicht", unterstreicht Röslmair. Der 72-Jährige, der 1976 von München nach Inning gezogen ist, "lebt für das Dorf", wie er sagt.

 

Starnberger Merkur  13.10.2015

Das Dorf retten

Bürgerbegehren -Inninger Initiative sammelt 740 Unterschriften pro Umfahrung

Inning – Die Ortsdurchfahrt Innings ist durch die jüngsten Unfälle umstrittener denn je. Nach dem tödlichen Unfall im Juni 2014 und dem Unfall mit einem Lkw, der einen Kinderwagen mit einem zwei Monate alten Baby erfasst hatte, im Juli ist der Schrei nach einer Umgehungsstraße wieder laut geworden. Per Bürgerentscheid war diese vor zwei Jahren abgelehnt worden. Abgestimmt worden war über ein Bürgerbegehren kontra Umgehung und ein Ratsbegehren pro. Mit Beteiligung des damals amtierenden Bürgermeister Werner Röslmair gibt es nun ein neues Bürgerbegehren – pro Umfahrung.
„Die Chancen sind besser denn je“, glaubt Röslmair. Als Rathauschef hatte er leidenschaftlich dafür gekämpft, eine Umgehung am Schorn vorbei zu bauen, um Innings Ortsmitte zu entlasten. Ebenso leidenschaftlich will er nun „das Dorf retten“, wie er sagt. Gemeinsam mit Herbert Klausnitzer, Harald Trepte, Sabina Eisenmann, Gerhard Breitbeil und Birgit Schlögl hat er deshalb diesmal ein Bürgerbegehren „zur Verlagerung der Staatsstraße 2067“ initiiert. „Sind Sie dafür, dass der Bürgerentscheid vom 8. Dezember 2013 aufgehoben, die Staatsstraße 2067 aus der Ortsmitte von Inning gemäß bereits vorliegender Planung in den Westen verlegt wird und dass diese Planung von der Gemeinde sofort mit Nachdruck fortgeführt und dann auch unverzüglich umgesetzt wird?“, lautet die Frage.
Seit Ende September gibt es die Listen. Knapp 400 Unterschriften wären notwendig gewesen, 740 haben die Initiatoren gesammelt. Per Hausbesuch, von Straße zu Straße. Einer der Unterschriftensammler traute sich sogar an den Schorn, wo naturgemäß die Umgehungsgegner leben. „Da war natürlich nichts zu holen“, sagt Röslmair.
Die Abstimmung vor zwei Jahren war denkbar knapp. In einer komplizierten Arithmetik hatten die Umgehungsgegner mehr Stimmen erhalten. Allerdings so wenig, dass der Demokrat Röslmair der Meinung ist, dass ein neuerliches Bürgerbegehren dem Bürgerwillen gegenüber durchaus nicht respektlos sei, und er ist sich zudem sicher, dass heute anders entschieden würde. Am Freitag sollen die Listen an Bürgermeister Walter Bleimaier übergeben werden.  grä

 

Im Zeichen von Inklusion und Integration

LG Würm Athletik siegt erneut bei den Damen und Herren – Nächstes Jahr gastiert der Landkreislauf in Feldafing

Von Matthias Frühauf

Hechendorf – Der 31. Starnberger Landkreislauf stand ganz im Zeichen von Inklusion und Integration. Während die Inklusion mit der IWL Machtlfing um den Mannschaftsführer Andreas Brunner bereits seit 1998 fester Bestandteil ist, ist das Thema Integration neu.
Der SV Inning hatte mit dem Team United Nations eine komplette Flüchtlingsmannschaft mit Läufern aus vier verschiedenen Nationen am Start. Mit Gesamtplatz 30 konnte sich das Ergebnis des Teams auch durchaus sehen lassen. Auch der lokale Ausrichter TSV Hechendorf hatte sechs Flüchtlinge aus Eritrea und einen aus Albanien in seinen zehn Mannschaften integriert. An alle Flüchtlinge verschenkte der TSV Hechendorf Kuchen. Dieser Umstand freute auch Schirmherr und Landrat Karl Roth bei der Siegerehrung. „Auch die Flüchtlinge waren eine besondere Freude“, sagte der Landkreis-Chef und bedankte sich bei den Betreuern: „Vielen Dank fürs Coaching.“ Auch läuferisch war Roth als Schlussläufer seiner Mannschaft Landrat, Bürgermeister & Friends aktiv. „Wir waren nicht Letzter, das ist schon gut“, stellte Roth zufrieden fest.
Es war Punkt 12 Uhr als der Seefelder Bürgermeister Wolfram Gum den Startschuss abfeuerte. Schnell zeichnete sich bei den Herren ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen der LG Würm Athletik und dem KJR Regen ab. Nach der fünften Etappe, die LG war zu diesem Zeitpunkt hinter die Gäste aus Regen, LC Hassloch und den Skizug Berchtesgaden auf Rang vier zurückgefallen, zeichnete sich der Gesamtsieg der Regener aber bereits ab. Am Ende hatten die Gäste 45 Sekunden Vorsprung vor der LG Würm Athletik als Gesamtzweiter und Landkreissieger.
„Wenn wir gegen eine Auswahl aus dem bayerischen Wald, Rheinland-Pfalz und der Bundeswehr antreten, wird es doch irgendwann eng“, stellte Florian Popella von der LG Würm Athletik fest. Im Siegerteam der LG liefen Florian Wenzler, Florian Popella, Wolfgang Bunz, Andreas Schaper, Michael Stettner, Ayanle Nuur, Stefan Giehl, Fabian Fehn, Joe Rieger und Tobias Giehl.
Ein überraschendes Comeback feierte der frühere Seriensieger vom LC Buchendorf als Zweiter der Landkreiswertung. „Letztes Jahr hatten wir noch zwölf Minuten Rückstand auf den Sieger, dieses Jahr nur noch fünf. Da ist schon noch Potenzial da“, freute sich Wolfgang Mandl vom LCB. Zusätzlich wurde die zweite Buchendorfer Mannschaft Achter. Auf Platz drei der Männerwertung folgte der SC Pöcking-Possenhofen Ski and Run.
Ein sehr einseitiges Rennen gab es hingegen bei den Damen. Hier ließ die LG Würm Athletik von Anfang an nichts anbrennen und erhöhte von Etappe zu Etappe den Vorsprung. Zwölf Minuten lagen die Würmathletinnen vor dem TSV Gilching und gar 19 Minuten vor dem TSV Feldafing. Für die LG liefen: Nada Balcarczyk, Luca-Anna Liersch, Kerstin Sollinger, Vroni von Dehn, Hanna Frühauf, Maria Flack, Johanna Frühauf, Iris Urban, Susanne Specht und Amelie Trautmann.
Das schnellste Kinderteam stellten die Wilden Kerlchen Gilching vor den TSV Feldafing Kids und den SF Breitbrunn Kinder I. Die erstmalig ausgetragene Firmenwertung gewannen auf Landkreisebene die Bundeswehr „Vorne kürzer“ vor dem MPIO Seewiesen und den 3M ESPE Wadlbeißern. Bei den Damen lagen das Landratsamt 1 vor der LG Pharmatechnik und dem Landratsamt 2.
Sehr zur Freude des 1. Vorsitzenden des TSV Hechendorf Thomas Rogorsch und Organisationschef Bernhard Frühauf lief die Organisation wie am Schnürchen. Kurz nachdem der letzte Läufer im Ziel war, wurden die Ergebnisse via WLAN ins Landratsamt gesendet, wo die Urkunden und Ergebnislisten gedruckt wurden. Dadurch konnte auch die Siegerehrung früher beginnen. Auch im Netz waren die Ergebnisse bereits am Samstagabend zu finden.
Sehr zufrieden zeigten sich auch Bettina Ruhdorfer und Günter Hertlein, die auf Seiten des TSV Hechendorf den Organisationshut aufhatten. „Wir haben mit dem Roten Kreuz, Feuerwehr, Polizei, Gemeinde und Bundeswehr Hand in Hand gearbeitet. Das lief völlig unkompliziert. Der Landkreislauf war für mich weniger Aufwand als unsere Waldlaufmeisterschaften“, stellte Hertlein fest. Ruhdorfer stieß ins gleiche Horn und dankte „den Streckenposten, Kuchenbäckern und den Helfern am Verkaufsstand“. „Das Rote Kreuz hatte keinen einzigen Einsatz“, sagte Frühauf. Am meisten freuten ihn die 21 Kindermannschaften: „Da mache ich mir keine Sorgen um den Nachwuchs.“
Für den nächsten Einsatz kann der Nachwuchs bereits zum Trainieren anfangen. Am Samstag, 8. Oktober 2016, ist der 32. Starnberger Landkreislauf im Rahmen der 900-Jahr-Feierlichkeiten der Gemeinde Feldafing zu Gast. Für Frühauf fällt das Lauftraining in den nächsten Wochen aber erst einmal aus. Er bekommt in dieser Woche eine neue Hüfte und hat den Termin extra nach den Landkreislauf gelegt.

 

Süddeutsche Zeitung 12.10.2015

"Vereinte Nationen" gerade noch gerettet

Von Otto Fritscher

"Ein Sack Flöhe ist leichter zu hüten als diese Jungs", sagt Hans Dellinger. Wenn man die lebhaften jungen Männer miteinander reden, herumspringen und gestikulieren sieht, kann man sich das gut vorstellen. "United Nations" nennt sich dieses Laufteam, und das darf man durchaus wörtlich nehmen. Fünf Männer aus Afghanistan, drei aus Senegal, drei aus Pakistan und einer aus der Türkei bilden das Team, das sich erst vor wenigen Tagen gebildet hat. Es sind Flüchtlinge, die in der Erstaufnahmeeinrichtung in Inning untergebracht sind, und die am Lauftreff des Sportvereins teilgenommen hatten. "Einige kamen in Flip-Flops und Jeans zum Training, aber wir haben die Ausrüstung beschafft."

Beinahe hätte es das Team am Freitag noch urplötzlich auseinander gerissen. "Es hieß, dass einige Asylbewerber noch am Freitag aus der Erstaufnahme in Inning in andere Einrichtungen weiterverteilt werden sollen", berichtet Dellinger. "Entsprechend war dann die Stimmung vor dem letzten Training". Doch "von höherer Stelle", so Dellinger sei die Aktion abgeblasen worden, das Team konnte komplett antreten. Oder sogar mehr als komplett, denn statt eines Schlussläufers hatten die "Vereinten Nationen" derer drei, die gemeinsam über die Ziellinie liefen. "Wir wollten einfach niemand ausschließen", sagt Dellinger. Und schnell waren seine Jungs auch noch: Die bunte Truppe belegte den guten 30. Platz.

 

Starnberger Merkur 08.10.2015

AWISTA: Neuer Wertstoffhof startet

Der Abfallwirtschaftsverband AWISTA hat nach der Erneuerung der Wertstoffhöfe in Seefeld und Starnberg einen weiteren auf Vordermann gebracht – nämlich jenen in Inning komplett neu gebaut. Der Betrieb an der Herrschinger Straße 41 beginnt am kommenden Dienstag, 13. Oktober; fast genau ein Jahr nach dem ersten Spatenstich. Die Öffnungszeiten bleiben: dienstags, mittwochs und freitags von 15 bis 18 Uhr, samstags von 9 bis 12 Uhr. Montags haben alle Wertstoffhöfe geschlossen. Deswegen endet der Betrieb der alten Annahmestelle an der Gartenstraße bereits am kommenden Samstag, 10. Oktober. Weitere Infos gibt es auf www.awista-starnberg.de oder unter z (0 81 51) 2 72 60.  

 

 

Starnberger Merkur 30.09.2015

 

Feiern wie zu Urgroßvaters Zeiten

750 Jahre Stegen  - Vor der Party im kommenden Jahr blickt Verein für Heimatgeschichte mehr als 100 Jahre zurück

von eveline silkenstedt

Inning – Zum 750-jährigen Ortsteiljubiläum im kommenden Jahr hat sich Stegen bis auf die anstehende verkehrstechnische Schönheitskorrektur bereits fein herausgeputzt. Ein markanter Ort mit Geschichte war die Perle am Ammersee bereits zu Kaiserzeiten. Damals steckte die örtliche Presse noch in den Kinderschuhen. Welche Neuigkeiten Land- und Seebote sowie Andechser Rundschau zwischen 1876 und 1914 für ihre relativ kleine Leserschar bereithielten, ist in der jüngsten Ausgabe der Inninger Geschichtsblätter des Vereins Heimatgeschichte nachzulesen.
Legendäre Vorläufer der 2015 geplanten „Stegener Lebenslust“ mit Beachparty, Amper-Bootsfahrt und vielerlei lukullischen Attraktionen waren die alljährlich stattfindenden Sommerfeste des Verschönerungsvereins Inning-Stegen-Buch im Wirtsgarten der Schreyegg’schen Brauerei. „Dass dieselbe jedoch so enorme Dimensionen annehme, das hätte niemand erwartet“, war im ausführlichen Zeitungsbericht vom 13. August 1903 zu lesen. Attraktionen, wie die „sehr wacker“ konzertierende Kapelle Inning, ein mit „prächtigen Gewinnen“ ausgestatteter Glückshafen, Angelfischen und Wettrudern hatten für einen Besucheransturm gesorgt. Über das Lob, „umso anerkennenswert ist es darum, dass trotz dieser Menschenmengen alle Veranstaltungen vorzüglich durchgeführt wurden“, würden sich auch die Organisatoren des Sommerfestes 2015 freuen.
Auf das Wetter war damals kein Verlass, und so wird es auch im nächsten Sommer sein. „Ganz eigene Lichteffekte boten jedoch die zum Himmel sausenden Raketen und die aus dunklen Wolken zuckenden Blitze eines von Südwesten anziehenden Gewitters“, beschrieb der Zeitungsreporter den „seltenen und merkwürdig schönen“ Ausklang des Stegener Sommerfestes anno 1903. 2015 ziehen es die Veranstalter vor, wettermäßig mit einem Ausweichtermin auf Nummer sicher gehen.
Um zum Stegener Ammerseestrand zu kommen, hat der Sommerfestbesucher von heute die Wahl zwischen Rad, Bus und Auto. Zur Kaiserzeit mussten die Münchner Sommerfrischler den Flussdampfer nach Grafrath nehmen, um pünktlich den kurz vor 20 Uhr abgehenden Zug nach München zu erreichen. Am 14. Juni 1896 fuhr das voll besetzte Schiff auf eine Amperuntiefe und war nicht mehr loszubekommen. Ein zweiter zur Hilfe gerufener Dampfer konnte das Schiff auch nach lange vergeblichem Manövrieren nicht befreien. Es legte neben dem festgefahrenen Kollegen an, damit die Passagiere hinüberklettern konnten. Kein leichtes Unterfanggen bei der damals aktuellen Damenmode. „Da der Bord des leeren Dampfers bedeutend höher stand, als des aufgefahrenen, war diese Kletterei für Damen nichts Leichtes“, schrieb ein Zeitungschronist. Erst ein per Telegramm angeforderter Sonderzug brachte die aufgeschreckten Ausflügler um ein Uhr Nachts zurück nach München.
Über die Zeitungsnotiz vom 14. Juni 1930 haben sich wohl viele Münchner gefreut: „Der bayerische Staat beabsichtigt die Einstellung der Schifffahrt auf der Amper wegen Unrentabilität“. Geplant sei, die Verkehrsstrecke durch eine Kraftpostlinie von Fürstenfeldbruck an den Ammersee zu ersetzen. Vom technischen Fortschritt profitieren Ausflüglern und die Inninger Gastwirte bis heute. 1930 wurde das Caferestaurant Fischer vom See eröffnet und zuletzt 2012 in der Alten Brauerei das Ammerseer Brauhaus.

 

Starnberger Merkur 29.09.2015

Kampf dem Egoismus

Sportvereinschef klagt über kritische Eltern, die sich selbst nicht einbringen
von Michèle Kirner

Inning – Eigentlich wollte Bernd Köster vor zwei Jahren zurücktreten. Es fand sich aber keiner, der das Ehrenamt im SV Inning übernehmen wollte. So sprang der damalige Schatzmeister für eine Amtsperiode als Vorstand ein. Beim SC Weßling gab es jüngst, wie berichtet, ähnliche Probleme.
Freiwillige zu finden, weiß Köster, ist nicht einfach. Und das Amt ist oft undankbar. Besonders die Fußballer könnten ein Lied davon singen. „Oft stehen die Eltern am Spielfeldrand und kritisieren. Das ist für die Trainer nicht gerade motivierend“, sagt der Inninger. „Wenn die Väter gebeten werden mitzuhelfen, heißt es, ich habe keine Zeit.“ Die Kombination Kritik und sich nicht einbringen sei bei der Suche nach Ehrenamtlichen nicht gerade förderlich. Einzig in der Abteilung Volleyball sei das Zusammenspiel zwischen Aktiven und Passiven hervorragend. Allerdings investiere das Ehepaar Rackebrandt viel Kraft und Zeit. Was nicht heißt, dass sich die anderen Übungsleiter nicht mit Herzblut engagierten.
Im Gegenteil: Sie fahren viele Kilometer und steckten viele Stunden in die sportliche Ausbildung des Nachwuchses. Sogar das Waschen der Trikots übernimmt der Verein. „Das alles wird als Selbstverständlich hingenommen.“ Obenauf drangen jüngst Beschwerden von Eltern an den Vorstand, dass sie ihre Sprösslinge nach Breitbrunn oder Wörthsee ins Training fahren müssten. „Leider ist die Platzsituation sehr schwierig. Wir haben nur einen normalen Platz. Seit Jahren kämpfen wir ohne Erfolg um eine Veränderung.“ Immerhin müssen 16 Mannschaft ihre Trainingseinheiten absolvieren. Auf der Suche nach Ausweichmöglichkeiten boten ihnen die Nachbarvereine freundlicherweise eine neue Heimat. Nun erwägen offensichtlich einige Erziehungsberechtigte – sozusagen aus Protest – aus dem Verein auszutreten. Wenn sie den Verein wechseln, müssten sie erst recht fahren, wundert sich Köster. Auch die Trainingszeiten würden nicht von allen eingehalten, bemängelt er. Der Verein vertrete die Philosophie, Kinder zu fordern und zu fördern. Leistung ganz auszuklammern wäre falsch, so Köster. Und das erfordere von den Ehrenamtlichen ein hohes Engagement. Und davon profitierten die Mitglieder zu einem geringen Jahresbeitrag zwischen 30 und 70 Euro.
Nachhaltig ärgert sich Köster darüber, dass er aus der Zeitung über die Belegung der Halle mit Asylsuchenden erfahren habe. „Ich fühle mich nicht ernst genommen.“ Der 1. Vorstand würde sich wünschen, dass sich besonders Eltern mehr einbringen. Ein erster Schritt wäre, wenn von den rund 1100 Mitgliedern nicht nur 60 oder 70 zur jährlichen Hauptversammlung kämen. „Denn der Verein soll eine Gemeinschaft sein und nicht eine Ansammlung von Einzelinteressen“, schrieb er 2014 ins Vereinsheft.

 

Starnberger Merkur 26.09.2015

Opferfest für alle

Helferkreis Inning organisiert innerhalb kürzester Zeit Festessen

Inning – Das muslimische Opferfest ist das höchste islamische Fest und wird zum Höhepunkt des Hadsch gefeiert, der Wallfahrt nach Mekka. Es beginnt jährlich am Zehnten des islamischen Monats Dhu l-hiddscha und dauert vier Tage an. Während es am Donnerstag in Mekka zu dieser furchtbaren Massenpanik kam, wurde in Inning gefeiert. Durch die Sicherheitsleute war der Helferkreis darauf aufmerksam gemacht worden, dass die Senegalesen unter den zurzeit 146 Flüchtlingen in der Ammerseegemeinde gerne feiern würden. „Das Opferfest ist wohl geleichzusetzen mit unserem Weihnachten“, vermutet Sabina Eisenmann vom Helferkreis. Die Senegalesen hätten angefragt, ob es möglich sei, Lamm zu grillen. Denn beim Opferfest wird des Propheten Ibrahim (Abraham) gedacht, der nach muslimischer Überlieferung die göttliche Probe bestanden hatte und bereit war, seinen Sohn Ismael Allah zu opfern. Als Allah seine Bereitschaft und sein Gottvertrauen sah, gebot er ihm Einhalt. Ibrahim und Ismail opferten daraufhin voller Dankbarkeit im Kreis von Freunden und Bedürftigen einen Widder.
Im Kreis von Freunden und Bedürftigen wurde auch in Inning gegessen. Da an diesem Tag ohnehin ein gemeinsamer Gottesdienst für die Christen stattfand, hatte sich der Helferkreis überlegt, ein Essen für alle auszurichten. Durch Spenden war es möglich, Lammcurry mit Reis von Sarbjit und Sukhder Singh Padda zubereiten zu lassen. Und es gab Kuchen. „Kaum war die Rundmail weg, hatten wir 70 Kuchenspenden“, freut sich Sabina Eisenmann. Und das Beste war, dass davon nicht ein Krümel übrigblieb, „die haben gestrahlt, das war so schön“. Als Draufgabe spendete Codello 200 Taschen – reisetaschen un Shoppingbags. „Sogar jedes Baby und jedes Kind hat nun eine Tasche“, freut sich die Inningern. Es blieben sogar noch welche übrig für die 50 neuen Flüchtlinge, die gestern erwartet wurden.  grä

 

Viel Betrieb in der Pipe

Der Inninger Skaterplatz war eine schwere Geburt, umso erfreulicher das Ergebnis

VON EVELINE SILKENSTEDT

Inning – „Es ist immer was los“, sagt Thomas Dahmen und meint damit den Betrieb auf dem Inninger Skate- und Bikerplatz. Dem einstigen Projektleiter ist der Treffpunkt nach sechs Jahren geduldigem Engagement doch ein wenig ans Herz gewachsen. Jeden Tag schaut er seit der Eröffnung im November vergangenen Jahres dort vorbei. Mann müsse sich gar nicht mehr so viel kümmern, ist das zufriedene Fazit.
„Zum Glück gibt es keinen Vandalismus“, kann Dahmen aus eigener Beobachtung sagen. Von Beschwerden dieser Art habe er bisher nichts gehört. Ein Müllproblem, wie bei der Planung befürchtet, scheint es auch nicht zu geben. Regelmäßig schauen Bauhof-Mitarbeiter nach dem Rechten. Aber es könnte mehr Betrieb sein, wünscht sich Dahmen. Meist sind es bis fünf Trendsportler am Tag, Buben im Alter von zehn bis zwölf Jahren, die ihre Kunstfertigkeit auf dem Board, mit dem Bike und vor allem dem Scooter unter Beweis stellten. Die für den Transport zur Anlage zuständigen Eltern machen derweil Kaffeepause und klatschen bei einem besonders gelungenen Sprung bewundernd Beifall.
Selten trauten sich die Erwachsenen selbst die Skate- und Bikeanlage zu benutzen, dann allerdings mit Helm und Knieschonern. Beides war auch die Voraussetzung, um beim Scooterkurs im Rahmen des diesjährigen Ferienprogramms der Nachbarschaftshilfe mitzumachen. Jeweils am 7. und 8. September konnten Kids im Alter von acht bis 13 Jahren das Scooterfahren „profimäßig“ lernen. „Der Kurs ist gut angekommen“, freut sich Organisatorin Manuela Engelberger im Rückblick. Überwiegend seien es Buben gewesen, die vormittags eineinhalb Stunden lang mit dem Gilchinger Scooter-Profi Manuel Laux Kniffe und Tricks für das sichere Fahren übten. Schließlich sollten sie sicher auf dem Roller unterwegs sein. Nach der Übungsstunde für jeweils zehn Anfänger und fünf fortgeschrittene Scooterfahrer blieb sogar noch Zeit zum Fachsimpeln und Rumschrauben am eigenen Gerät. Ob Inning einmal einen erfolgreichen Profi vorweisen kann, ist dabei gar nicht so wichtig. Übungsmöglichkeiten jedenfalls fehlen nicht.

 

Starnberger Merkur 24.09.2015

Gewerbepark zum Vorzeigen

Wirtschaftsförderer informieren sich

VON EVELINE SILKENSTEDT

Inning – Der Interkommunale Gewerbepark Inning/ Wörthsee weckt nicht nur das Interesse bei Unternehmern und Gewerbetreibenden. Auch Daniel Gromotka, Leiter des Referats Regionalentwicklung vom Planungsverband Äußerer Wirtschaftsraum München, und 20 Wirtschaftsförderer der Region wollen sich das Gemeinschaftsprojekt der Nachbargemeinden am 20. Oktober anschauen. Die Experten werden das Gewerbeareal aus regionalplanerischer Sicht unter die Lupe nehmen.

Zu den Aufgaben des Zweckverbands gehören unter anderem Planungen für Landkreise und Kommunen wie auch die Vernetzung der Stadt München, der acht Mitgliedslandkreise, 146 Mitgliedsstädte, -Märkte und -Gemeinden. „Der Interkommunale Gewerbepark wird künftig ein wichtiges Thema sein, weil die Regeln des Landesentwicklungsprogramms gelockert werden sollen“, weiß Referatsleiter Daniel Gromotka. Das bislang geltende Anbindungsgebot von Gewerbegebieten an den Hauptort werde bei Interkommunalen Gewerbeparks voraussichtlich künftig entfallen. Dann wird die Erschließung auf der grünen Wiese möglich sein, vermutet der Regionalleiter. Deshalb steht die Erschließung des Interkommunalen Gewerbeparks Inning/Wörthsee aus dem Blickwinkel der Wirtschaftsförderung ebenso im Vordergrund wie die bisherigen Erfahrungen der Gemeinden.

Was Daniel Gromotka unter anderem interessiert: „Interessant ist zu erfahren, was die Gemeinden ursprünglich erreichen wollten und was letztendlich realisiert wurde.“ Die Idee, sich einen Interkommunalen Gewerbepark anzuschauen, sei bereits im vergangenen Jahr gekommen. Ausschlaggebend bei der Wahl des Gewerbeparks waren die Mitgliedschaft beider Gemeinden im Zweckverband und die nahe Lage.

Bis zum abschließenden Expertenrundgang wird die neue Stichstraße im Baufeld I noch nicht fertig sein sein. Ende November rechnet Felix Boenigk vom Vermarkter DSK mit dem vorläufigen Abschluss der Bauarbeiten inklusive der Asphalttragschicht. Die Deckschicht soll 2016 aufgetragen werden. Dagegen wird das neu gebaute Hotel Ammi am Billerberg 1 ab Ende September geöffnet haben. 31 Zimmer und Räumlichkeiten für Tagungen und Seminare kann das moderne Gästehaus von Christine und Christian Salic vorweisen.

 

Starnberger Merkur 19.09.2015

Erste Früchte durch Gewerbepark

Inning – Der Gewerbepark der Gemeinden Inning und Wörthsee trägt erste Früchte. „Es ist eine sehr positive Entwicklung“, beurteilt Bürgermeister Walter Bleimaier die derzeitige Haushaltslage der Ammerseegemeinde Inning. In der jüngsten Gemeinderatssitzung gab der ehemalige Banker eine kleine erfreuliche Bilanz. Der aktuelle Stand der Gewerbesteuereinnahmen für das Jahr 2015 liege rund 700 000 Euro höher als die veranschlagten 2 260 000 Euro. In diesem Betrag seien bereits 240 000 Euro für den Zweckverband Interkommunaler Gewerbepark enthalten. „Dabei ist Kämmerin Silke Krause stets sehr vorsichtig mit der Schätzung“, betont der Rathauschef.
Gelohnt hat sich für die Gemeinde Inning auch, dass das Landesamt für Denkmalschutz bei der Renovierung der Bucher Kapelle mit ins Boot genommen wurde. Insgesamt 24 670 Euro flossen an Zuschüssen von der Bayerischen Landesstiftung und dem Landesamt für Denkmalpflege, vom Bezirk Oberbayern und vom Bistum Augsburg in die Gemeindekasse zurück. „Auch für den Ausbau der Breitbandversorgung wird es deutliche Zuwendungen geben“, ist der Rathauschef überzeugt.
Besonders aber freute sich Bleimaier in der jüngsten Gemeinderatssitzung über großzügige Spenden in Höhe von 25 000 Euro von Inninger Gemeindebürgern. Zweckgebunden wurden sie für die 42 000 Euro teure Sanierung und Neugestaltung der Gemeinde-Spielplätze verwandt.  si

 

Starnberger Merkur 18.09.2015

Tempo 30 auf der Münchner Straße

Inning – Verkehrstechnisch wird sich auf der Münchner Straße einiges ändern. Zum einen wird eine Tempo-30-Regelung eingeführt und zum anderen werden zwei markierte Parkplätze entfernt. Gemeinderat Jürgen Hatz (BIZ) hatte in der Juli-Sitzung des Gemeinderats vorgeschlagen, die zugelassenen Höchstgeschwindigkeit im als Ortsstraße gewidmeten Bereich der Münchner Straße auf 30 Kilometer pro Stunde zu beschränken. In diesem Zusammenhang solle auch dem Lärmschutz der Anwohner Rechnung getragen werden, forderte stellvertretende Bürgermeisterin Monika Schüßler-Kafka in einem Gespräch mit der Verwaltung. Das Problem sei der Übergang von der asphaltierten Strecke auf den Bereich des Kopfsteinpflasters, der zu einer erheblichen Lärmbelästigung führe. Wie die Situation tatsächlich einzuschätzen ist, klärte die Gemeinde Ende Juli.
Mittels eines so genannten Topo-Geräts wurden neun Tage lang verdeckt Geschwindigkeitsmessungen vorgenommen. Heraus kam eine Durchschnittsgeschwindigkeit der Pkw von zirka 42 und der Lkw von rund 45 Kilometern pro Stunde. Das Fazit der Verwaltung: Die Geschwindigkeiten lägen unter dem gesetzlich vorgeschriebenen Wert, eine weitere Reduzierung würde die Verkehrslärmbelastung erheblich senken. Nach der Abstimmung mit der Polizeiinspektion Herrsching beschloss der Gemeinderat am Dienstag einstimmig, Tempo 30 einzuführen. Ebenso geschlossen votierte das Gremium für die Entfernung der beiden markierten Längsparkplätze im nördlichen Bereich der Münchner Straße. Anwohner hatten seit längeren darüber geklagt, dass ihre Grundstückseinfahrt regelmäßig von rücksichtslosen Parkern zugestellt würden.  si

 

Gandl plant großzügige Ausstellungsfläche

Inning – Ein exklusive Adresse für Gartengestaltung und Natursteine ist die Inninger Firma Gandl Natursteine. Weil das Unternehmen seit der Gründung im Jahr 1884 stetig wächst, soll auf dem firmeneigenen Grundstück ein neues dreigeschossiges Ausstellungsgebäude gebaut werden. Entstehen soll ein Gebäudekomplex inklusive einer Tiefgarage mit 62 Stellplätzen für Besucher- und Firmenangehörige, Aufzug und einem mit Regenwasser gespeichertem Schwimmteich im Untergeschoss. Das Erdgeschoss ist für den Empfangsbereich, Besprechungsräume und einen Wellnessbereich mit Pool reserviert. Die Hauptausstellungsfläche befindet sich im Obergeschoss. Vier Wohnungen sind im zurückgesetzten Laternengeschoss geplant – umgeben von einer großzügigen Dachterrasse.
Mit dem bestehenden Bebauungsplan ist das Bauvorhaben jedoch nicht zu realisieren. Deshalb hat das Unternehmen einen Antrag auf Aufstellung eines „Vorhabenbezogenen Bebauungsplans“ gestellt und sich zur Übernahme der durch das Bauvorhaben entstehenden Kosten bereiterklärt. Die Sonderform des Bebauungsplans wird angewandt, wenn ein präzise umrissenes Projekt von einem privaten Investor realisiert werden soll. Grundlage für den zwischen Investor und Gemeinde abgestimmten Vorhaben- und Erschließungsplan ist das Baugesetzbuch. Die zu erbringenden Erschließungsmaßnahmen regelt die Kommune mit dem Investor über einen Durchführungsvertrag.
Das Instrument des Städtebaurechts hat seinen Ursprung im früheren DDR-Recht. Nach der Wiedervereinigung wurde es ins allgemeine Städtebaurecht aufgenommen. In Inning wurde es beim Bauvorhaben wie dem Edeka-Markt und der Aral-Tankstelle angewandt.  si

 

Starnberger Merkur 17.09.2015

Grüne Container zum Advent

Inning – Mitte Dezember sollen bis zu 90 Asylbewerber in einem bis dahin neu errichteten Wohnquartier an der Schornstraße einziehen (wir berichteten). Standort wird das westlich vom Turnhallenparkplatz gelegene Gemeindegrundstück sein. Auch die Planung der Wohnanlage hat inzwischen konkrete Formen angenommen. Die Entscheidung, dem Landkreis den Gemeindegrund zur Verfügung zu stellen und kein Fremdgrundstück zu kaufen, fiel wie berichtet bereits im nicht-öffentlichen Teil der Gemeinderatssitzung im Juli. In der jüngsten Gemeinderatsitzung informierten Bürgermeister Walter Bleimaier und Stellvertreterin Monika Schüßler-Kafka über die neuesten Pläne des Landratsamts.
Danach werden bis zu 90 bleibende Asylbewerber in einer Containeranlage mit mehreren zweistöckigen Wohneinheiten und einem einstöckigen Zentrum mit Gemeinschaftsraum für Waschmaschine und Trockner sowie Räumen für die Verwaltung untergebracht. „Die Wohncontainer sind energetisch gut gedämmt“, versicherte Monika Schüßler-Kafka. 42 Quadratmeter sei jeder Einzelne groß. Mit eigenem Zugang, Küche, Bad und zwei Wohnräumen wird er das neue Zuhause von jeweils vier Personen oder einer Familie sein. Ausgestattet sind die Wohnungen einfach und zweckmäßig, wie die stellvertretende Bürgermeisterin erklärte. Schließlich soll es nach dem Fußfassen den Anreiz geben, sich auf eigene Füße zu stellen.
Ob es bei der lindgrünen Außenfarbe der Container bleibt, ist ungewiss. „Es muss eine Lösung sein, die man anschauen kann“, meinte die Vize-Bürgermeisterin. Eine Verkleidung nachträglich anzubringen sei kein Problem, doch der Kosten-Nutzen-Faktor müsse im Vordergrund stehen. Vom Vorschlag eines Inninger Bürgers, statt normaler Container für das Ortsbild gefälligere Container eines anderen Anbieters zu wählen, berichtete Bürgermeister Walter Bleimaier. „Das Landratsamt als Bauherr konnte wegen des fortgeschrittenen Stadiums des Vergabeverfahrens den Wunsch nicht mehr berücksichtigen“, erläuterte der Rathauschef.
Über die Betreuung der Asylbewerber hatte sich Gemeinderat Hubert Vögele (Grüne) Gedanken gemacht: „Wir sollten überlegen einen Sozialpädagogen in Vollzeit einzustellen.“ Die Gemeinde Olching habe mit dieser Lösung gute Erfahrungen gemacht. Es sei geplant, unter dem Dach der Nachbarschaftshilfe eine von der Gemeinde finanzierte 450-Euro-Stelle zu schaffen, antwortete Bürgermeister Bleimaier. Das sei erstmal ein Schritt in die richtige Richtung.  si

 

Heimspiele in der Fremde

Der Sommer geht, der Herbst kommt. Jetzt wird es so langsam ernst für alle Hallensportler, die Punktspielrunde naht. Doch was machen, wenn die eigene Halle belegt ist? Der SV Inning und der SC Weßling können derzeit ein Lied davon singen.

Sporthalle als Flüchtlingsunterkunft
Der Sommer geht, der Herbst kommt. Jetzt wird es so langsam ernst für alle Hallensportler, die Punktspielrunde naht. Doch was machen, wenn die eigene Halle belegt ist? Der SV Inning und der SC Weßling können derzeit ein Lied davon singen.

Von Tobias Huber

Weßling/Inning – Andras Pecsenye ist in seinem Leben schon bei vielen Sportvereinen gewesen. So etwas hat der erfahrene Handball-Trainer des SC Weßling aber noch nicht erlebt. „Wir wurden mitten aus der Vorbereitung gerissen“, sagt der gebürtige Ungar. Aufgrund des großen Flüchtlingsandrangs wurde die Weßlinger Halle vom Landkreis Ende Juli kurzerhand zur Asyl-Unterkunft umfunktioniert. 200 Menschen fanden dort Unterschlupf.
In den Sommermonaten war dies noch zu verkraften für den frisch gebackenen Bezirksoberliga-Aufsteiger. Doch jetzt, wo die Saison naht, werden die Probleme größer. „Wir gehen ohne richtige Vorbereitung in die Saison“, ärgert sich Pecsenye. Zwar dürfen die Weßlinger Handballdamen unter anderem in Gilching trainieren, doch besonders die fehlenden Heimpartien machen dem SCW zu schaffen. „Wir werden in der Vorrunde kein einziges Heimspiel haben“, hadert Pecsenye. So wird das Team in Germering und Alling seine Gegner empfangen.
Auch andere Sparten mussten nach Alternativmöglichkeiten suchen. So weicht zum Beispiel die Tischtennis-Abteilung in das Freizeitheim Hochstadt aus. Mitglieder können sich auf der Vereins- Homepage (
www.sportclub-wessling.de) informieren.
Pecsenye findet es gut, dass den Betroffenen geholfen wird. „Ich war zwar damals kein Flüchtling, aber ich kann das sehr gut nachfühlen“, sagt er. Pecsenye musste 1989 seine Familie in Ungarn zurücklassen, als er einen Job als Handballtrainer im Westen annahm. Nicht verstehen kann der Magyare, wie über seine Heimat berichtet wird. „Die Außendarstellung ist zwar nicht die Beste. Aber es ist das Recht der Ungarn, dass die Flüchtlinge sich dort registrieren lassen. Ich habe aber von Bekannten gehört, dass viele Flüchtlinge ihren Ausweis verbrennen und dann sagen, dass sie Syrer wären und nach Deutschland wollen“, erzählt er.
Der SC Weßling hat sich mit der Gesamtsituation inzwischen bestens arrangiert. So findet am 26. September auf dem Sportgelände ein großes Begrüßungsfest der Nachbarschaftshilfe statt. Der Verein sieht das Ganze als große Chance. „Die integrative Kraft des Sports soll mithelfen, den Kontakt der Asylbewerber mit der Weßlinger Bevölkerung zu erleichtern. Von Anfang an haben Jugendliche ganz spontan Fußball oder Volleyball am Sportplatz angeboten, und heute trainieren schon einige Talente bei den Weßlingern mit, sogar Spielerpässe sind beantragt“, lässt der Vorstand in einer Pressemitteilung verlauten. Was die Probleme des Sportbetriebs betrifft, bekamen die Weßlinger große Unterstützung von Landrat Karl Roth und dem Landratsamt, der eine Mitarbeiterin eigens für den Sportclub abstellte.
Von dieser Solidarität haben sie beim SV Inning nichts gespürt. „Wir wurden im Regen stehen gelassen und mussten selbst auf die Suche nach Alternativen gehen“, sagt der 1. Vorsitzende Bernd Köster. Der SVI war der erste Landkreis-Verein, der im Sommer seine Halle für Flüchtlinge räumen musste. „Ich erfuhr davon aus der Zeitung“, erinnert sich Köster. Auf Nachfrage wurde ihm mitgeteilt, dass der Breitensport doch nicht so wichtig sei. „Unsere Halle wurde als Schulturnhalle dargestellt und gesagt, dass die Kinder ja auch draußen spielen könnten“, so Köster. Dennoch zeigten sich die Mitglieder des Sportvereins sofort kooperativ. „Es gibt einen großen Helferkreis“, berichtet Köster.
Sehr guten Anklang fand bei der ersten Gruppe von Asylbewerbern, die inzwischen Inning schon wieder verlassen hat, ein gemeinsames Fußballspiel. Inzwischen ist eine zweite Gruppe in die Dreifachturnhalle eingezogen, die wie die erste freien Eintritt zu allen Heimpartien des SVI hat. Köster hofft nun, dass sich die Verantwortlichen an ihre Zusage halten. „Im November sollen wir wieder in die Halle können“, erzählt er. Dann sollen Container als Unterkunft für die Flüchtlinge dienen.

 

Zwei neue Smileys für Inning

Inning – „Es ist ein Ärgernis mit den Geschwindigkeitsanzeigetafeln, den so genannten Smileys“, machte Bürgermeister Walter Bleimaier seinem Unmut in der jüngsten Gemeinderatssitzung am vergangenen Dienstag Luft. Der Rathauschef würde den Wunsch vieler Inninger Bürger, an Gefahrenstellen Messgeräte aufzustellen, gern erfüllen. Doch die gemeindeeigenen Anzeigetafeln funktionieren nicht so, wie sie sollen.

Wegen wiederholter technischer Unzuverlässigkeit wurden die Geräte immer wieder zu den Herstellerfirmen in Reparatur gegeben. Doch das Versprechen, jetzt sei alles in Ordnung, wurde nicht gehalten. Deshalb will die Ammerseegemeinde nun zwei neue Smileys kaufen. Im Oktober bietet der Zweckverband Kommunale Verkehrssicherheit Oberland die Möglichkeit, mittels Sammelbestellung Anzeigetafeln zu günstigen Konditionen erwerben zu können. Geschätzte 20 Prozent Kosteneinsparung soll die Aktion einbringen. Eine Anzeigentafel würde netto sonst rund 3500 Euro kosten.

„Der Zweckverband sagt, es seien die besten und er benutze sie selber“, versichert Bürgermeister Walter Bleimaier. Die Ratskollegen vertrauten dieser Aussage ebenso wie der Rathauschef, der Gemeinderat stimmte dem Kauf zwei neuer Smileys deshalb einstimmig zu.  si

 

Süddeutsche Zeitung 17.09.2015

Gemeinde will hoch hinaus

Die Pläne für das neue Gewerbegebiet östlich der B 471 und südlich des Verkehrskreisels in Inning nehmen Konturen an. Die Höhe der Gebäude soll je nach Standort differieren. An der Jet-Tankstelle will der Gemeinderat künftig eine Wandhöhe von maximal 6,50 Meter zulassen. Im übrigen Planungsgebiet sollen die Betriebe deutlich höher bauen dürfen. So sollen die Wandhöhen bis 14,50 Meter erlaubt sein. Die Flächen seien begrenzt, daher müsse man diese Höhen zulassen, betonte Vize-Bürgermeisterin Monika Schüßler-Kafka FW in der Sitzung. Die Gemeinde dürfe sich zudem als Grundeigentümerin dieser Flächen "nicht selbst knebeln" und müsse zudem an die Gewerbesteuer und Arbeitsplätze denken.
Schon jetzt sprudelt aber die Gewerbesteuer in Inning. Die Tendenz sei jedenfalls "sehr erfreulich", denn derzeit würden die Einnahmen um 700 000 Euro über dem Ansatz im Haushalt liegen, berichtete Rathauschef Walter Bleimaier (CSU). Es seien auch 240 000 Euro über den Zweckverband Interkommunaler Gewerbepark an die Gemeinde geflossen. Bleimaier freute sich auch über die Spende zweier Bürger, die 25 000 Euro für einen Spielplatz investiert haben.

 

Starnberger Merkur 15.09.2015

Fröhlicher Einstand

Uuuups, da war das Tor für den Torwart wohl immer noch zu groß. Seit Dienstag ziehen neue Ankömmlinge in die Notunterkunft in der Inninger Mehrzweckhalle ein. Die Helfer waren schon beim ersten Mal bemüht, viel anzubieten. Und da das Wetter mitspielte, nutzten diese Flüchtlinge die Gelegenheit, Spaß beim Fußballspielen zu haben. grä/Foto: Jaksch

 

 

Starnberger Merkur 14.09.2015

Überwältigende Hilfsbereitschaft

Helferkreis  - Inninger Turnhalle beherbergt bereits wieder Flüchtlinge – Neue Angebote für schwierigen Alltag im Herbst
von eveline silkenstedt

Inning – „Vieles hat geklappt, einiges nicht“, ist das Fazit der Helferkreis-Asyl-Sprecherin Anja Wagatha. Die Hilfsbereitschaft in Inning sei überwältigend gewesen. Nachdem die letzten Flüchtlinge die Erstaufnahmeeinrichtung vor knapp einer Woche verlassen hatten, zog das Leitungsteam des Helferkreises Asyl am Freitag eine durchaus zufriedene Bilanz. Mit den Erfahrungsschatz der ersten Betreuungsrunde und einem klärenden Gespräch mit den beteiligten Parteien am Runden (Rathaus)-Tisch fiel den Aktiven die Entscheidung, eine weitere Erstbetreuung zu übernehmen, nicht allzu schwer. Darüber freute sich besonders Stefan Derpa. „Weil wir das alles gar nicht schaffen“, bedankte sich der im Landratsamt zuständige Geschäftsbereichsleiter Asyl bei der Gemeinde und vor allem bei den Helfern. In der jetzigen Situation sei es ein Fehler, die Turnhalle mit ihrer teuren Ausstattung nicht weiter zu nutzen. Fünfzig von erst einmal 150 angekündigten neuen Flüchtlingen sind bereits in die Inninger Turnhalle eingezogen.

Bettina Gabler, zuständig für die Verwaltung, Spenden und Finanzen, und ihre Mitstreiter im Leitungsteam gewährten interessante Einblicke in den Betreuungsalltag. „Vieles läuft spontan übers Telefon, und deshalb ist es wichtig zu wissen, ob die inzwischen 150 Helfer für kurzfristige Aktionen zur Verfügung stehen“, erklärte Gabler den rund fünfzig anwesenden Zuhörern. Sie freute sich auch über den Erfolg der erneuten Sammlung. Der Bedarf an warmer Kleidung sei mehr als gedeckt. Das einzige, was fehle, seien regenfeste Herrenschuhe. Sachspenden für die bleibenden Asylbewerber können mangels Lagermöglichkeiten derzeit nicht angenommen werden. Ein trockener Lagerraum für gespendete Winterkleidung, Kindersitze et cetera wird dringend gesucht.

Jetzt im Herbst soll der schwierige Hallenalltag neben den zahlreichen Sportmöglichkeiten draußen mit Alltagsdeutsch-Kursen, Musik machen und anderen Aktivitäten im Jugendhaus und in den Räumen der Montessori-Schule verkürzt werden. Neu ist das Angebot des Inninger Psychologen Thomas-Jason Bethge. Sein Gesprächsangebot gilt nicht nur den Flüchtlingen, sondern an drei Terminen auch den Helfern: „Es ist nicht notwendig, dass Sie Schaden davontragen.“.

 

Starnberger Merkur 09.09.2015

Der Energie auf der Spur

Inning – Das Wissenschaftszentrum Straubing sucht über die Gemeinde Inning Teilnehmer für eine Sanierungsstudie. Das Projekt, das auf der Interentseite der Gemeinde beworben wird, heißt „Der Energie auf der Spur“. Wer vorhat, 2016 Sanierungsmaßnahmen an seinem Eigenheim vorzunehmen oder in den vergangenen drei Jahren bereits saniert hat, kann das Projekt unterstützen. Teilnehmer profitieren im Gegenzug von einer wissenschaftlichen Analyse ihres Gebäudes hinsichtlich des Energieverbrauchs und den Einsparungseffekten der Sanierungsmaßnahme.

Die Forschungsgruppe untersucht am Wissenschaftszentrum Straubing die Nachhaltigkeit energetischer Einfamilienhaussanierungen in Bayern. Im Rahmen ihrer Untersuchungen nehmen die Wissenschaftler den energetischen Zustand des Hauses unter die Lupe, fertigen Wärmebildaufnahmen an und messen den Energieverbrauch. Nähere Informationen zu der Studie und zu den gewonnenen Erkenntnissen bietet die Projekt-Webseite www.derenergieaufderspuur.de.

Weitere Fragen werden auch beim Verein Carmen beantwortet unter z (0 94 21) 96 03 00 oder www.carmen-ev.de.  grä

 

Süddeutsche Zeitung 08.09.2015

Neue Flüchtlinge in Inninger Turnhalle

In die Turnhalle in Inning ziehen schon am Mittwoch 50 neue Flüchtlinge ein. Das teilte das Landratsamt Starnberg am Montag mit. Wie es aus der Kreisbehörde weiter heißt, werden diese nicht die einzigen bleiben. Man erwartet im Laufe der kommenden Tage weitere Asylbewerber. Die Turnhalle ist für 200 Plätze ausgelegt. Der Inninger Helferkreis, der aus etwa 100 engagierten Bürgern besteht, hat schon am vergangenen Wochenende Kleiderspenden gesammelt und diese vorsortiert. geordnet. Vor allem warme Kleidung wird gebraucht.

 

Süddeutsche Zeitung 05.09.2015

Enkel aus heiterem Himmel

Von Astrid Becker

Für Erwin Bretscher ist es eine "Selbstverständlichkeit": Mitte August hat er eine syrische Flüchtlingsfamilie bei sich aufgenommen. Der seit Jahren vielseitig engagierte Mann zögerte nicht eine Sekunde, als er davon erfuhr, wie dringend das Landratsamt nach privaten Unterkünften sucht. In Inning selbst gibt es außer Bretscher bislang niemanden, der sich dazu bereit erklärte. Dabei, so Bretschers Erfahrung, könnten beide Seiten von so einer Nachbarschaft profitieren - vor allem in menschlicher Hinsicht.

Es ist eine kleine Idylle, die Bretscher der syrischen Familie anbieten konnte. Über derlei Möglichkeiten, so sagt auch er, könne nicht jeder verfügen. Ein eigenes Haus, nicht groß, dafür aber recht gemütlich, mit einem eigenen kleinen Garten rundherum. Die Familie, die seit Mitte August dort eingezogen ist, hat gleich ein Beet angelegt, Salat und Gemüse angepflanzt. Eine Vogelscheuche wacht über das kostbare Gut. "Sie haben so ein Stück bei mir im Garten gesehen und dann ganz vorsichtig gefragt, ob ich nicht ein paar alte Kleider dafür hätte", erzählt Bretscher. Die Kinder der Familie, Alhmza und Hazem - zwei Buben im Alter von vier und fünf Jahren - kuscheln sich derweil an den ehemaligen Gymnasiallehrer, der ihnen, ganz privat und nebenbei, auch Deutschunterricht gibt. Sie lernten schnell, erzählt Bretscher, ebenso wie ihre Mutter Ghfran Skita, die täglich, wenn ihre Kinder im Kindergarten sind, ihr Deutsch-Repertoire erweitert. Es sind glückliche Gesicher, in die man bei all diesen Erzählungen blickt. Die Familie strahlt, und Bretscher auch.

Die Sache mit der "Selbstverständlichkeit", von der Bretscher spricht, wenn man ihn fragt, was ihn bewogen habe, eine asylsuchende Familie aufzunehmen, ist sicherlich in seiner eigenen Biografie zu finden. Der heute etwas mehr als 70 Jahre alte Mann ist überzeugter Pazifist, er hat sich viele Jahre in den Friedensbewegung und bei Pro Asyl engagiert, er saß einst für die Grünen im Kreistag und organisierte Mitte der neunziger Jahre unter anderem das Kirchenasyl in Gilching, um die Abschiebung einer kurdischen Familie zu verhindern. Damals, so sagt er heute darüber, habe er sich damit gegen die Vorgehensweise der Behörden gewandt. Heute hingegen, sagt er, arbeite er mit ihnen bestens zusammen. Als Landrat Karl Roth im März in Inning darum warb, private Unterkünfte zur Verfügung zu stellen, meldete sich Bretscher sofort. Wenig später prüfte das Landratsamt, ob das Häuschen alle Auflagen dafür erfüllt. Schnell und recht unbürokratisch sei das abgewickelt worden, sagt Bretscher. Er selbst dämmte das Dach, weißelte die Wände und räumte die dort befindlichen Möbel hinaus. Das allerdings bedauert er noch heute: "Das waren echte Voglauer, aber das Landratsamt besteht auf Einheitsmöbeln, wohl aus Haftungsgründen." Eine Bitte allerdings äußerte der Inninger, der dem katholischen Pfarrgemeinderat vorsteht, schon. Er wünschte sich eine christliche Familie aus Syrien für sein Häuschen. Syrer wurden es schließlich dann auch, aber keine Christen. Aber das spielt mittlerweile längst keine Rolle mehr. Bretscher, das ist deutlich zu spüren, hat seine "Nachbarn", wie er sie nennt, ins Herz geschlossen. Die Kinder meldete er persönlich im Kindergarten an - als seine Enkel. "Ich habe selbst ja keine." Etwas verblüfft habe die Kindergartenleiterin deshalb dann schon auf diese Aussage reagiert.

Auch die beiden Buben scheinen in Bretscher so etwas wie ihren Großvater zu sehen. "Sie haben keine Erinnerung an ihre Großeltern", sagt auch deren Mutter, die ihre Heimat mit ihrer Familie vor zweieinhalb Jahren verlassen hat. Wenn sie mit ihren Eltern telefoniere, dann fragten die Kinder immer, wer das eigentlich sei, erzählt Ghfran Skita. Apropos Telefon.

An diesem Punkt hat selbst ein Mann wie Bretscher, der auch engen Kontakt zu Flüchtlingen aus anderen Ländern hat, noch dazu gelernt. Denn ein Smartphone zu besitzen ist für Asylsuchende existenziell: "Da regen sich ja manche darüber auf", sagt er. Aber: Mit einem internetfähigen Handy lassen sich über spezielle Apps auch Sprachprobleme lösen. Bretscher ist davon begeistert. Und er hofft, dass dies dazu beiträgt, den Menschen hier die Scheu vor den vermeintlich Fremden zu nehmen. Denn eines ist klar: "Wir brauchen ja mehr private Unterkünfte für Flüchtlinge", sagt er. Im ganzen Landkreis gibt es davon gerade einmal 66.

 

Schüsse peitschen übers Wasser

Von Astrid Becker

Der Tag, an dem Ghfran Skita und ihr Mann Anas Hanash beschließen, ihre Heimat zu verlassen, ist ein lauter, grauenvoller Tag. Wenn Ghfran Skita davon erzählt, huschen dunkle Schatten über ihr Gesicht, sie zittert, will sich am liebsten nicht daran erinnern. Doch vergessen kann die 34-jährige Syrerin diesen Tag und alles, was dann folgen sollte, auch nicht.

Bomben zerstören an diesem Tag ihr Haus, die Arbeitsstätte ihre Mannes wird ebenfalls, zeitgleich, wie sie sagt, von Bomben getroffen. Zwei kleine Kinder sieht sie an diesem Tag sterben und denkt dabei an ihre eigenen. Zweieinhalb und eineinhalb Jahre sind die beiden Buben zu diesem Zeitpunkt alt. Die Familie reist noch am selben Tag aus ihrer Stadt in Mittelsyrien direkt in die Türkei. Dort hören sie von einem vermeintlichen Paradies für geflohene Syrer: Libyen. "Wir wollten einfach leben, wieder eine Arbeit finden", erzählt die Frau, die in Syrien Philosophie unterrichtete. Auch ihr Mann sei überzeugt gewesen, dort einen adäquaten Job zu finden. Er hatte in einem Institut für Handel und Wirtschaft der Universität Aleppo gearbeitet - bis dort alles zerstört wurde. Die beiden fliehen, weil sie um ihr Leben, um das ihrer Kinder fürchten - durch Waffengewalt und auch wegen der völlig zusammengebrochenen Infrastruktur eines einst prosperierenden Landes. "Ich konnte ja nicht einmal mehr Milch oder Babynahrung für meine Kinder kaufen." In Libyen, so schien es, sollte alles besser werden. Doch dort erlebt das Paar einen echten Schock: "Da war nur Terror, Gewalt und Chaos", sagt sie. Sie schlafen in einem Haus auf dem Boden, zusammen mit vielen anderen Syrern, die mit ihnen dorthin gekommen sind. Von den Wänden bröckelt der Putz, auf den Straßen toben verschiedene bewaffnete Gruppen. Raubüberfälle mit anschließenden Morden sind offenbar an der Tagesordnung. Kein Land jedenfalls, in dem man sich sicher fühlen kann. Während ihre Freunde, die wie sie aus Syrien gekommen waren, beschließen, nach Schweden zu fliehen ("wegen der Staatsbürgerschaft", wie Skita sagt), entscheiden sich die Hanashs für Deutschland: "Wir wollen wieder arbeiten, wir wollen ein ganz normales Leben führen." Das ihnen das gelingen kann, erscheint den beiden hier realistischer als in Skandinavien. Eines Tages werden sie in Libyen von "Menschenhändlern entführt", wie sie erzählen. "Du musst die Schleuser nicht suchen, sie finden Dich, fordern Geld, bedrohen und belügen Dich." Eines Tages geht es trotzdem los über das Meer. Ihr Mann und ein Sohn auf einem Schlauchboot, sie selbst auf einem anderen mit dem zweiten Kind, so erzählt die Syrerin, die an einer Angstphobie vor Wasser leidet. Schon immer. Doch das Wasser, das große Meer ist nicht das Problem. Die Miliz feuert auf ihr Boot, es droht zu sinken. Immer wieder kehrt ihr Schiff an den libyschen Strand zurück. Ob ihr Mann und ihr anderes Kind die Schüsse überlebt haben, weiß sie viele Tage lang nicht. Irgendwann erreicht sie Italien, kommt vom Süden in den Norden, trifft am Bahnhof in Mailand wieder auf ihre Familie. Ihr kleiner Sohn Alhmza sagt noch heute "Bumm Bumm", wenn er die Wörter "Schiff" oder "Boot" aufschnappt. "Ich habe Angst, dass er sich ein Leben lang daran erinnern wird", sagt sie.

In Deutschland mit dem Zug angekommen, landet die Familie erst in München, dann in Waldkraiburg, anschließend in Weßling und kommt von dort direkt zu Bretscher. Als sie das Häuschen und den kleinen Garten erblickt, ist Ghfran Skita zum ersten Mal wieder glücklich. Nach vielen Jahren. Weil sie sich dort sicher fühlt. Weil es hier Menschen gibt wie Erwin Bretscher und die Hoffnung auf ein ganz normales Leben.

 

Starnberger Merkur 01.09.2015

Pokalspiel zum Abschied

Inning – Fast sechs Wochen waren Asylsuchende in der Notunterbringung in Inning untergebracht, allmählich sind alle abgereist – 200 neue Flüchtlinge sind, wie berichtet, angekündigt. Am Freitagabend trafen sich die, die noch da sind mit Mitglieder des engagierten Helferkreises Asyl zu einem Fußballspiel um den „Friendscup Inning 2015“. Die Spieler aus den verschiedensten Ländern wurden zu zwei Teams gelost, um das Miteinander, ohne nationalen Konkurrenzkampf, zu fördern. Daraus entwickelte sich ein spannendes, schön anzuschauendes Spiel. Schnell und kampfbetont war es, aber fair – souverän geleitet von Schiedsrichter Hans Maar. Sogar ein Messi stand auf dem Spielfeld, zwar nicht aus Argentinien, aber aus Albanien, und wie der Profi brachte er das „Team One World“ mit einem herrlichen Schuss in Führung. Die Mannschaft der „All Star Brothers“ drängte vehement auf den Ausgleich, aber DuDu aus Mali konnte den ausgezeichneten Keeper aus Albanien nicht überwinden. In der „Drangperiode“ der „All Star Brothers“ erzielte das Inninger Urgestein Seppi Freymann per Kopf die 2:0-Führung.

Auch nach der Pause drängten die Spieler aus Nigeria, Mali, Pakistan, Afghanistan, Albanien, Senegal und Inning auf den Ausgleich – allerdings vergeblich. So konnte Coach Peter aus Nigeria stolz den Pokal für seine Mannschaft entgegen nehmen.

Es war ein schöner Abschluss der sportlichen Aktivitäten für die Menschen, die Inning nun verlassen müssen und in eine ungewisse Zukunft blicken. Die besten Wünsche der Mitglieder vom Helferkreis sind ihnen gewiss. Allen voran Hans Dellinger, der den sportlichen Part der Flüchtlingsbetreuung übernommen hatte und auch das Pokalspiel organisierte.

 

Historisches mal anders

Heimatgeschichte Inning

Verein präsentiert neunte Ausgabe seiner Geschichtsblätter und lädt zu ortshistorischem Spaziergang ein

Inning – Die neunten Inninger Geschichtsblätter überraschen in diesem Jahr schon rein äußerlich: Sie erscheinen im Schwarz-Weiß-Druck. Präsentiert wird dieses Ausgabe am Mittwoch, 9. September, im Gasthof zur Post um 19.30 Uhr. Der Titel: „Offizielles und Vermischtes rund um unser Dorf und darüber hinaus. Aus alten Zeitungen von 1876 bis 1933.“

Diesmal bilden keine umfangreichen Recherchen in Archiven die Grundlage, sondern „einfaches“ Zeitungslesen, sagt Jutta Göbber lapidar. Ganz so einfach haben sie und das Ehepaar Edeltraud und Horst Schramm es sich dann doch nicht gemacht. „Die für unsere Region maßgebenden Zeitungen wie die Andechser Rundschau und der Land- und Seebote erschienen vor 100 Jahren in einer verhältnismäßig geringen Auflage. Beide können heute nur in der Staatsbibliothek nachgelesen werden“, erklärt die Inningerin. Da sie noch in alter Druckschrift erschienen sind, war das Lesetempo zwangsläufig auch langsamer. „Es ist Edeltraud und Horst Schramm und ihrem enormen Einsatz zu verdanken, dass das Archiv Inning über eine Abschrift der meisten Artikel von 1876 bis 1956 verfügt, die die Gemeinde Inning betreffen“, gesteht Jutta Göbber voller Respekt. „Damit haben wir in Inning eine wichtige historische Sekundärquelle zur Geschichte Innings“, freut sich die Heimatforscherin.

Die Lektüre der zum Teil 140 Jahre alten Artikel lohne sich nicht nur in wissenschaftlicher Hinsicht, sie biete auch dem heutigen Leser mehr als eine vergnügliche Unterhaltung, denn man erfahre dabei vieles über die damalige Zeit und könne es mit den heutigen Zuständen vergleichen. „Das Ergebnis überrascht“, sagt Jutta Göbber. Der journalistische Stil sei amüsant zu lesen und zeige, wie schnell sich Sprache entwickeln und verändern könne.

Der erste Band der diesjährigen „Vermischten Nachrichten“ enthält drei Kapitel: Die Kaiserzeit bis zum Ersten Weltkrieg, den Ersten Weltkrieg sowie die Weimarer Republik. Dazwischen fänden sich Nachrichten nicht nur aus Inning, sondern aus der Region. „Da die meisten Zeitungen keine Bilder hatten zu dieser Zeit, stellten die Illustrationen dieser neunten Ausgabe diesmal eine Herausforderung dar.“

So erklären sich die Abbildungen in Schwarzweiß, sagt Jutta Göbber, die zugleich auf den anstehenden Ortshistorischen Spaziergang Sonntag, 13. September, am Tag des offenen Denkmals. Beginn ist um 10 Uhr am Rathaus. Der Spaziergang steht in Zusammenhang mit den neunten Geschichtsblättern und verspricht: „Inning mit etwas anderen Augen.“  grä