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Starnberger Merkur 22.11.2017

Wenn Partner sich an den Kragen gehen
Wertstoffhof - Abfallwirtschaftsverband verklagt die Gemeinde Inning

Inning – Voraussichtlich im kommenden Frühjahr treffen sich der Abfallwirtschaftsverband AWISTA und seine Mitgliedsgemeinde Inning vor Gericht. Es geht um mehr als 100 000 Euro, die der Verband wegen Verzögerungen beim Bau des Wertstoffhofes als Schaden geltend macht (wir berichteten). Die Gemeinde sieht das anders. War die Gemeinde mit Schuld an Verzögerungen beim Bau des neuen Inninger Wertstoffhofes?
Eine Klage des AWISTA gegen eine Mitgliedsgemeinde ist in der Verbandsgeschichte noch nie vorgekommen. Selbst Spitzengespräche bei Landrat Karl Roth brachten bisher keine Lösung. Deswegen wird der Fall wohl vor einem Richter landen. AWISTA und Gemeinde waren 2012 Partner beim Bau des Wertstoffhofes und des Bauhofes südlich des Ortes an der Straße nach Herrsching. Die Fläche war landwirtschaftlich genutzt und verpachtet – genau darum geht es.
Die Gemeinde habe dem Verband die Fläche verkauft und erklärt, sie sei lastenfrei, es bestehe kein Pachtverhältnis, so der AWISTA. Das stimmte nicht, und der Pächter erstritt vor Gericht, dass er die Fläche weiter nutzen dürfe. Das führte zu einer rund zweijährigen Verzögerung. Der Verband hatte zu dem Zeitpunkt schon Aufträge vergeben und mit Arbeiten begonnen, etwa für die Zufahrt und eine Verbreiterung der Straße. Die Arbeiten endeten schnell. Der AWISTA habe seinerzeit bereits geschlossene Verträge mit Firmen ruhen lassen, erklärt Geschäftsführer Peter Wiedemann. Als dann 2014 gebaut werden konnte, war das Projekt teurer. Unter anderem diese Mehrkosten will der Verband „aus Gründen der sparsamen und wirtschaftlichen Haushaltsführung“ erstattet haben. Schließlich finanziere sich der AWISTA über Gebühren.
Roth zufolge gab es zwei Vergleichsangebote. Nun müsse man ein Gericht „emotionsfrei“ auf den Fall schauen lassen, was auch im Interesse der Gemeinde Inning sei. Innings Bürgermeister Walter Bleimaier ist grundsätzlich zu einem Vergleich bereit, allerdings nur unter Einbeziehung des Gerichts. Die Summe hält er für überzogen. Wenn die Verpachtung in dieser Form bekannt gewesen wäre, hätte man mit dem Bau auch erst zwei Jahre später begonnen, argumentiert er.  mm

 

Süddeutsche Zeitung 14.11.2017

Inning verlangt Nachbesserung
Von Astrid Becker und Christian Deussing

Wer in diesen Tagen in Inning das Wort "Höhenkontrolle" in den Mund nimmt, kann sich sicher sein, dass die Antwort darauf recht ärgerlich ausfällt. Denn die Inninger, die ohnehin unter dem starken Verkehr in ihrer Ortsdurchfahrt leiden, sehen in den häufigen Warnhinweisen, den ausgelösten Höhenkontrollen, Tunnelsperrungen und langen Staus auf der Autobahn eine zusätzliche Belastung für ihre Gemeinde. Der Gemeinderat hat daraufhin Konsequenzen gezogen. Er fordert von der Autobahndirektion Belege, dass die Höhenkontroll-Anlage ordnungsgemäß funktioniert. Die Anlage misst die Höhe von Lastwagen und löst bei einer Überschreitung Alarm aus.
"139 Mal hat das System bis jetzt bereits in diesem Jahr angeschlagen", sagt Bürgermeister Walter Bleimaier. "Das entspricht einer Häufigkeit von etwa drei Mal pro Woche." Die Folgen für Inning nennt er "fatal". Denn jeder Autofahrer, der ein Navigationsgerät besitzt oder ortskundig ist, fährt von der Lindauer Autobahn rechtzeitig bei der Anschlussstelle Inning ab und wählt den Weg mitten durch den Ort. Oder er fährt über die parallel zur Autobahn verlaufende Staatsstraße. Die ist jetzt ebenfalls immer mehr belastet. Nach Ansicht des Bürgermeisters und seiner Gemeinderäte kann dies mehr so weitergehen: "Wir haben schlichtweg die Nase voll", sagt er. Daher wollen sie nun die Autobahndirektion auffordern, genau zu belegen, ob die Anlage richtig verbaut worden ist oder ob eventuell nicht doch durch eine Erhöhung der Fahrbahndecke die nutzbare Durchfahrtshöhe reduziert worden sei, wie auch betroffene Bürger und Autofahrer immer wieder einmal vermutet hatten. Inning hingegen will nun zudem noch wissen, wie viele der 139 ausgelösten Höhenkontrollen sich im Nachhinein als Fehlalarme herausgestellt hätten. "Das Ganze ist nicht ganz nachvollziehbar - die Lastwagen haben ja zuvor auch schon andere Tunnels passiert", so Bleimaier. Nachbesserungsbedarf gebe es dort aber in jedem Fall, egal, wie die Antwort dazu ausfalle, stellt der Bürgermeister klar.
Dagegen betont die Autobahndirektion Südbayern, dass es "keinen einzigen Fehlalarm" gegeben habe und die Technik der Höhenkontrolle, die bei 4,30 Metern ausgelöst werde, einwandfrei funktioniere. Der Sprecher der Direktion, Josef Seebacher verweist auch auf Videobilder, die immer wieder aufwirbelnde Planen zeigen, die bereits den Stopp vor den Tunneln auslösen könnten. Die Höhenkontrollen seien absolut notwendig, um Schäden an der Tunneltechnik zu vermeiden. Denn wenn erst einmal ein Lastwagen die Sicherheitstechnik ramponiert oder etwas heruntergerissen habe, müsse ein Tunnel komplett für viel längerer Zeit gesperrt werden. Dann seien Ärger und Verkehrsbehinderungen noch erheblich größer, warnt Seebacher.
Dass so häufig die Kontrolle ausgelöst werde, hänge mit Lkw-Fahrern zusammen, die sich nicht an die vorgeschriebenen Ladehöhen hielten. Das bestätigt auch die Autobahnpolizei. Sie ist von dem Problem ebenso betroffen. Denn die Streifen hätten oft einen Anfahrtsweg von 20 Minuten, müssten den betreffenden Lkw ausmessen und den Fall abwickeln, sagt Heinz Angermeier von der Autobahnpolizei. Die jeweilige Sperrzeit des Tunnels betrage durchschnittlich 30 Minuten.
Nun überlegt Olaf Weller, Leiter der zuständigen Autobahndirektion, mit mobilen Kontrollen die Lastwagen-Fahrer noch rechtzeitig vor den jeweiligen Messstellen zu warnen. Dann könnten sie noch vor der Höhenkontrolle von der Autobahn fahren. "Natürlich müssen die Fahrer da auch mitmachen", sagt der Baudirektor.

 

Starnberger Merkur 11.11.2017

Grundstückseigner zieht Angebot zurück

Unmut in der Versammlung des Zweckverbands für weiterführende Schulen: Hintergrund ist die Absage eines Tennisplatzbetreibers, der entgegen gemachter Zusagen nun kein Grundstück für die geplante Dreifach-Turnhalle der Realschule Herrsching abtreten will. Die Blockade trifft rund 1000 Schüler. - Realschulturnhalle  Von Uli Singer

Herrsching – Bereits 2014 hatten sich die Verbandsräte des Zweckverbandes für den Abriss der bestehenden Eineinviertel-Turnhalle an der Realschule Herrsching ausgesprochen und den Neubau einer Dreifachhalle favorisiert. Jetzt, wo alles in trockenen Tüchern ist, liegt das Projekt wieder auf Eis: Der Eigentümer des Grundstückes, auf dem die Halle entstehen soll, hat seine Zusage zurückgezogen.
„Es waren sehr viele Hürden zu überwinden, bevor wir die Genehmigung bekommen haben“, erklärte Geschäftsführer Stefan Amon am Freitag auf Anfrage. Unter anderem war die hohe Verschuldung des Zweckverbandes (knapp 20 Millionen Euro) mit ein Grund, dem etwa 7 Millionen Euro teuren Neubau zunächst die Genehmigung zu versagen. „Wir hatten deswegen sehr viele Gespräche mit dem Landratsamt“, sagte Amon. Schließlich habe die Aufsichtsbehörde zugestimmt, auch wegen der günstigen Zinsen. „Auch die Schulaufsicht hatte nichts mehr einzuwenden, so dass wir grünes Licht geben konnten.“ Der Zweckverband kann mit einer staatlichen Förderung von etwa einem Drittel der Baukosten rechnen.
Am meisten freute sich Realschulleiterin Rita Menzel-Stuck. „Seit Jahren müssen unsere Kinder mit dem Schulbus zum Turnunterricht nach Hechendorf oder in die Mittelschule in Herrsching fahren. Da geht sehr viel Zeit vom Unterricht verloren.“
Doch die Freude war nur von kurzer Dauer. In der Verbandsversammlung am Donnerstag teilte Amon mit, dass der Betreiber des angrenzenden Tennisplatzes seine Zusage zurückgezogen habe. „Es war ausgemacht, dass er uns das an die Schule angrenzende Grundstück verkauft. Dabei geht ihm nur ein Tennisplatz verloren. Jetzt macht er die Zusage von einer Entscheidung in der Gemeinde Inning abhängig.“ Dort will er laut Amon für ein Grundstück eine baurechtliche Genehmigung. So lange er diese nicht erhalte, sei er auch nicht bereit, der Schule das Herrschinger Grundstück zur Verfügung zu stellen.
Ein rechtlich fragwürdiges Vorhaben, da es sich dabei um ein so genanntes Koppelungsgeschäft handele – Grundstück gegen Baugenehmigung. „Uns sind die Hände gebunden, und wir wissen auch nicht, wie es weitergeht“, sagte Amon. Auch im Gremium rührte sich deutlicher Unmut. Unter anderem sagte Menzel-Stuck: „Ich bin sehr enttäuscht und frustriert, dass jemand seine privaten Interessen auf dem Rücken der Schüler austrägt. Nächstes Jahr feiern wir 50-jähriges Bestehen. Das wollten wir in der neue Turnhalle feiern.“

 

Starnberger Merkur 09.11.2017

Gemeinde sucht zähneknirschend weiteren Standort
Mobilfunk - Telekom will direkt im Ort Sendeanlage errichten – Gemeinderat pocht auf Bedarfsnachweis und Gutachten

Inning – Die Telekom will mitten in Inning eine zusätzliche Sendeanlage für GSM (Handytelefonate) sowie die Datenübertragungsstandards UMTS und LTE errichten. Der Gemeinderat ist davon wenig begeistert, will aber die Standortsuche übernehmen – um wenigstens etwas Einfluss zu haben, wo die Anlage errichtet wird.
Die Telekom hat einen so genannten Suchkreis benannt, innerhalb dessen der Standort liegen soll. „Genau im Zentrum von Inning“, sagte Bürgermeister Walter Bleimaier am Dienstagabend in der Gemeinderatssitzung. Noch schimmer: südlich der Pfarrkirche. Nach dem Mobilfunkpakt II könne die Gemeinde mitwirken, in dem sie einen Standort sucht. Die Telekom will mit der Zehn-Meter-Anlage möglichst auf ein öffentliches Gebäude. Drei gebe es: Rathaus, Feuerwehrhaus und das Gasthaus Post.
Bleimaier rannte bei den Gemeinderäten offene Türen ein mit dem Vorschlag, selbst zu suchen – auch wenn das der Gemeinde gar nicht passt. Auf Drängen von Barbara Wanzke (Grüne) wurde in den Beschluss aber aufgenommen, dass die Telekom den Bedarf nachweisen müsse. „Wir haben keinen schlechten Empfang“, sagte sie, und auch Bleimaier kann keine Probleme beim Telefonieren mit dem Handy feststellen. Die Datenraten beim Internet (UMTS, LTE) sind allerdings nicht sehr hoch.
Johann Ritzer (FBB) bestand auf einem Gutachten über die Strahlenbelastung der Bevölkerung, was ebenfalls in den Beschluss aufgenommen wurde. „Wenn eine absurde Belastung für die Bevölkerung herauskommt, können wir da doch nicht mitwirken“, erklärte er. Bleimaier verwies darauf, dass ohne Mitwirkung der Gemeinde die Telekom selber suche. Dann läuft die Gemeinde Gefahr, dass der bis zu zehn Meter hohe Mast auf einem Privatgebäude stehen wird. Für Ritzer eine Horrorvorstellung: „Dann können wir uns den Maibaum sparen.“ Das Gutachten wird in Auftrag gegeben. Wenn es vorliegt, kommt die Sendeanlage auf die Tagesordnung. ike

 

Vorm Tunnel sehen immer mehr rot
Die Inninger haben die Nase voll, und nicht nur sie: Der Gemeinderat fordert, das Chaos durch die Höhenkontrollen in den Tunnels Eching und Etterschlag zu beenden. Es gibt bereits Pläne, die Blockaden vor den Röhren, die im Schnitt alle drei Tage vorkommen, zu reduzieren. - Autobahn 96 - Von Michael Stürzer

Inning – Der Geduldsfaden von Innings Gemeinderat mit der Autobahndirektion Südbayern (ABDSB) ist gerissen. Der Gemeinderat beschloss, von der Behörde Aufklärung und Abhilfe für die laufenden Probleme mit der Höhenkontrolle an den A 96-Tunneln zu verlangen. Die ABDSB arbeitet aber bereits an einem System, um die Behinderungen deutlich zu reduzieren.
Jeden dritten Tag ist einer der Tunnel wegen eines zu hohen Lkw blockiert – statistisch gesehen, denn es sind fast 140 Fälle in den vergangen zehn Monaten aktenkundig. Die Verkehrspolizei hatte gestern 136 auf der Liste an beiden Tunnels in beiden Richtungen – und am Nachmittag kamen zwei dazu, je eine an jedem Tunnel in Richtung München. Die Beamten stellen eine auffallende Häufung am Etterschlager Tunnel fest – 105 gegenüber 32 am Echinger Tunnel –, wobei mehr Auslösungen in Richtung Lindau erfolgen als Richtung München. Die Zahlen der ABDSB sind noch höher: 168 insgesamt, davon 125 am Etterschlager Tunnel (63 Richtung Lindau, 62 Richtung München).
Das Prozedere ist immer dasselbe: Die Höhenkontrolle löst wegen eines Lkw aus, der Tunnel wird gesperrt, Autofahrer suchen sich andere Wege. Leidtragende sind die Inninger, aber auch die Etterschlager. „Heute Früh herrschte totales Chaos“, erklärte Bürgermeister Walter Bleimaier am Dienstagabend. Autofahrer hätten bis zu einer Stunde warten müssen. Hinzu kam eine Sperrung der B 471 nach einem Unfall. Gegen Unglücke könne man nichts unternehmen, dass dann mehr Verkehr durch Inning fließt, kann Bleimaier nachvollziehen. Aber gegen die aus seiner und vieler anderer Sicht unnötigen Sperrungen durch die Höhenkontrolle müsse man etwas unternehmen. „Wir haben schon genug Verkehr“, erklärte er.
Der Gemeinderat sieht es ebenso. „Das geht seit einem Jahr so“, klagte Michael Buchner (BIZ), durch die Störungen würden „Verkehrsteilnehmer in Geiselhaft genommen“. In einigen Jahren habe man in Inning Baustellen, die Umleitungen erforderlich machten. Herrsche dann noch die heutige Situation, „kommen wir aus Inning nicht mehr heraus“. Bleibt die Frage, warum seit der Tunnelsanierung Probleme auftreten, die es vorher nicht gab. Die einen vermuten einen falschen Winkel bei den Tunnelrampen, die anderen ein falsch eingebautes Höhenkontrollsystem. Bei keinem Tunnel gebe es solche Schwierigkeiten, erklärte Barbara Wanzke (Grüne): „Bei uns kann dann doch irgendwas nicht stimmen.“ Auch Johann Ritzer (FBB) kann sich nur wundern, dass Lkw urplötzlich nicht mehr durch den Tunnel passen. Die Autobahndirektion kann Ritzers Frage einfach beantworten: Es gab vor der Sanierung gar keine Höhenkontrolle, dafür öfter Beschädigungen durch zu hohe Fahrzeuge.
Buchner ist aufgefallen, dass die Lampen bei der Sanierung von der Seite an die Tunneldecke verlagert wurden, was die Höhe einschränke – er hält das für einen Planungsfehler. Laut des offiziellen Tunnelplans, den die ABDSB auf ihrer Internetseite veröffentlicht hat, ist unter den Lampen noch ein Freiraum von 4,5 Meter. Das ist etwas weniger als vor der Sanierung, die Positionierung der Lampen jedoch ist nach den neuen Vorgaben Pflicht. Nach der Straßenverkehrsordnung dürfen Lkw vier Meter hoch sein, sonst brauchen sie eine Sondergenehmigung.
Der Ablauf danach ist immer derselbe: Wird 500 Meter vor dem Tunnel von vier Sensoren eine Höhenüberschreitung von offiziell 4,4 Meter registriert, schaltet die Ampel am Tunnel auf Rot. Dann muss eine Streife der Verkehrspolizei anrücken und entscheiden, ob der Lkw langsam durch den Tunnel fahren kann oder ob er wenden muss. Letzteres kam auch schon vor, berichtet Thomas Totzauer als Chef der Verkehrspolizei, zumeist ohne große Probleme. „Die meisten kommen durch den Tunnel“ – ob das klappt, messen die Beamten vorher nach.
Übrigens kostet eine Auslösung der Höhenbegrenzung die Fahrer zwischen 180 Euro bei einer Plane und 240 Euro in anderen Fällen. In einigen Fällen werden auch die Spediteure belangt. Zumeist sei es „Schlamperei und Sorglosigkeit“ der Fahrer, sagt Totzauers Kollege Heinz Angermeier. Die Herkunft sei international, Deutsche ebenso wie Polen, Spanier oder Osteuropäer. Oft sind es nicht fixierte Planen, die bei der Fahrt hochwehen; ebenso oft ist schlicht die Ladung zu hoch. Beispiel: ein Baggertransport. Sparen sich Fahrer beim Beladen das Ausrichten des Arms, ist er schnell zu hoch. Ob die gefahrene Geschwindigkeit der Brummis den Unterschied macht, ist Spekulation. Auf der A 96 jedenfalls ist das Tempo im Schnitt höher als etwa im Aubinger Tunnel, vermutlich etwa um zehn km/h – es keine stationären Blitzer. Dass nur jeder 350 000. Lkw auf der A 96 rechnerisch die Kontrolle auslöst, ist für die Autofahrer ein schwacher Trost.
Ob nun 137 oder 168 Auslösungen – beides ist viel im Vergleich zu anderen Tunnels. Aber auch dort – etwa am Aubinger Tunnel – gebe es Höhenkontrollauslösungen, sagt Totzauer. Laut ABDSB waren es in der selben Zeit insgesamt 38. Dennoch: „Es ist schon ein Ärgernis“, sagt der Polizeichef, speziell für Autofahrer, die stehen, obwohl sie nicht betroffen sind. Die Verkehrspolizei fragt derzeit bei Lkw-Fahrern ihre Strecken ab, schließlich ist eines auffällig: Es muss eine Reihe von Lkw geben, die in Eching durchkommen, in Etterschlag aber nicht mehr. Totzauer fordert eine frühzeitige Information der Fahrer, am besten schon bei der Auffahrt auf die A 96, zumindest aber an der Ausfahrt vor den Röhren, „damit sie gar nicht bis zum Tunnel kommen“.
Die Inninger haben nun einen formellen Beschluss, den es im ebenfalls stark betroffenen Wörthsee noch nicht gibt. Bürgermeisterin Christel Muggenthal kennt zwar den „Katastrophenstau“ auf der Begleitstrecke und durch Etterschlag und auch die lauten Durchsagen bei der Auslösung, die nachts durch den Wörthseer Ortsteil hallt. „Das ist nicht gerade leise“, sagt sie. Da sie demnächst sowieso einen Termin mit Vertretern der Autobahndirektion hat, will sie das Thema dort ansprechen: „Die Inninger haben völlig recht, die Autobahndirektion muss sich da was überlegen.“
Das tut sie schon. Ab Frühjahr soll es mobile Höhenmessungen vor den Ausfahrten Wörthsee und Greifenberg und auf den Auffahrten in Inning geben. So sollen zu hohe Lkw erkannt und ausgeleitet werden, bevor sie den Tunnel erreichen. Das kostet einen siebenstelligen Betrag, sagt ABDSB-Sprecher Josef Seebacher. Begeistert ist man dort darüber nicht: Lkw dürfen maximal vier Meter hoch sein, die meisten seien aber nach Lasermessungen von Haus aus 4,20 bis 4,30 Meter hoch. Man müsse nun Steuergeld dafür verwenden, die Folgen eines Rechtsverstoßes in Grenzen zu halten. Die hohen Zahlen in Etterschlag seien „überraschend und ein Mysterium“, sagt Seebacher. Alle bisherigen Maßnahmen wie zusätzliche Beschilderungen haben nichts gebracht. Obwohl: „Die kann keiner übersehen“, meint Seebacher.
Die Höhenkontrolle abschalten, scheidet für die Behörde komplett aus. Dann könnte ein Lkw die Sicherheitstechnik an der Decke beschädigen. Fällt diese aus, erklärt Seebacher, müsse der Tunnel bis zur Reparatur komplett gesperrt werden. Und wenn es mehrere Wochen sind.

 

Starnberger Merkur 06.11.2017

Nachbarschaftshilfe feiert 45-Jähriges
Inninger laden zu einem Tag der offenen Tür ein – Infos über Ehrenamt und Fachstelle für pflegende Angehörige
Von Sandra Sedlmaier

Inning – Die Nachbarschaftshilfe Inning (NBH) sorgt in der Ammerseegemeinde im besten Sinne für ein funktionierendes Miteinander: Sie kümmert sich um Pflegebedürftige zu Hause und in der Tagespflege, um die Kinderbetreuung, um Hilfe bei Arztbesuchen, um die Entlastung für pflegende Angehörige, um Essen auf Rädern und um Freizeitbeschäftigungen für Familien und Senioren. Und das seit 45 Jahren. Ihren Geburtstag will die NBH mit einem Tag der offenen Tür am Donnerstag, 9. November, feiern. Die Räumlichkeiten der NBH am Enzenhofer Weg 9 sind von 14 bis 17 Uhr für interessierte Bürger geöffnet. Schwerpunkt des Tages ist das Ehrenamt.
Die Nachbarschaftshilfe Inning ist nicht nur wegen ihrer vielen sozialen Angebote aus dem Ort nicht mehr wegzudenken. Der Verein, der mehr als 550 Mitglieder zählt, ist mit 125 ehren-, neben- und hauptamtlichen Mitarbeitern auch der größte Arbeitgeber in Inning. Seit rund eineinhalb Jahren ist die Fachstelle für pflegende Angehörige unter dem NBH-Dach angesiedelt. Dabei geht es um fachliche Hilfe oder Unterstützung gegenüber Behörden oder einfach Entlastung für die Pflegenden. „Man kann einfach zu uns kommen und sich beraten lassen“, sagt Vorsitzende Gabriele Kaller. „Wir bieten so viel an, für Babys bis hin zu betagten Senioren.“
Hilfe leisten etwa die Alltagsbegleiter. Jetzt beginnt ein neuer, kostenloser Kurs für die Schulung zum Alltagsbegleiter. Der Kurs startet am Wochenende 18./19. November, jeweils von 8.30 bis 17 Uhr. Der zweite Teil ist am folgenden Wochenende 25./26. November. Infos unter z (0 81 43) 999 39 33 oder 01 52/ 54 52 48 18.
Diesen Dienst der Nachbarschaftshilfe sowie all die anderen Angebote können die Besucher des Tags der offenen Tür kennenlernen. „Wir legen den Schwerpunkt auf das Ehrenamt“, sagt Kaller. Der Nachmittag beginnt mit ihrem Rückblick, die Fachstelle für pflegende Angehörige stellt sich vor, und die Gäste können sich an einem Gesundheitsbuffett stärken. Zudem ist eine Lesung geplant, und um 16.30 Uhr gibt der Gospelchor eine Einlage für die Besucher.

 

Süddeutsche Zeitung 05.11.2017

Gewerbepark ist ausgebucht

Es ist schon eines der größten Gebäude im interkommunalen Gewerbepark an der A96, den die Gemeinden Wörthsee und Inning gemeinsam betreiben. Aber offenbar benötigt die Firma Tobi Kindermöbel noch mehr Platz. Neben dem bestehenden Firmengebäude ist der Bau einer Lagerhalle mit Verkaufsraum und einer Betriebsleiterwohnung vorgesehen. Das Vorhaben wurde in der Zweckverbandssitzung am Donnerstagabend genehmigt. Nach Auskunft des Verbandsvorsitzenden und Inninger Bürgermeisters Walter Bleimaier entsteht dort kein großes Ladengeschäft, da Tobi Kindermöbel vor allem über das Internet verkauft. Auf das letzte freie Grundstück im Gewerbepark, im nordwestlichen Eck gelegen, zieht das zweite Unternehmen der Kraillinger Firmengruppe Innolas, das sich mit Lasertechnik und Materialbearbeitung befasst. Geplant sind ein Bürogebäude und eine Produktionshalle. Auch dieser Bauantrag wurde genehmigt. Bereits im Bau befindet sich das Firmengebäude von Innolas Semiconductor. Weniger als in den Vorjahren bleibt den beiden Gemeinden aus den Überschüssen der Grundstücksverkäufe. Je 200 000 Euro dürfen die Kämmerer für 2016 verbuchen. Vor einem Jahr war es noch eine Million gewesen. "Aber es gibt nichts mehr zu verkaufen. Das Gewerbegebiet ist praktisch fertig", so Bleimaier.

 

Süddeutsche Zeitung 28.10.2017

Codello gibt Stammsitz auf
Von Astrid Becker

Die Textilfirma Codello hat ihr Stammhaus im Gewerbegebiet in Inning an TQ Systems verkauft. Das hat Geschäftsführer Heinz Schnabl bestätigt. Als Gründe nannte er den sich verändernden Markt und damit verbundene Umsatzeinbußen im Einzelhandel. Ebenfalls verkauft werden soll der einstige Sitz von Codello in Hechendorf, der aus einem Wohnhaus und dem Factory Outlet des Schaldesigners besteht. Gerüchte, dass damit das Ende des Tücher-und Schal-Modelabels eingeläutet sei, dementiert Schnabl. Vielmehr wollten er und seine beiden Kinder, denen das Unternehmen zu je einem Drittel gehört, das so erwirtschaftete Geld wieder in die Firma investieren, um sich "den Gegebenheiten des Marktes besser anpassen zu können".
Erst 2014 hatte die Firma die Immobilie mit ihrer markant wirkenden anthrazitfarbenen Fassade im interkommunalen Gewerbepark bezogen. 8000 Quadratmeter Grund hatte Codello dafür erworben und darauf ein Gebäude mit Logistikhalle und Parkplätzen errichtet. Kenner hatten das Projekt auf Gesamtkosten in Höhe von etwa neun Millionen Euro geschätzt. Unterhaltskosten, Tilgung und Zinsen sind Schnabl und seiner Familie offenbar zu viel geworden. "Wir sind ja keine Immobilienmanager, sondern Kreateure und wollen uns jetzt auf unsere Kernkompetenzen besinnen," sagt der 74-jähriger Unternehmer.
Unter Kernkompetenzen versteht er das Entwerfen neuer Schals, Tücher und Taschen, auf die das Unternehmen spezialisiert ist. Hinzukommen sollen verstärkt Accessoires wie ein schwarz-weißer Regenschirm, der sich bei Regen bunt verfärbt. Schnabl zufolge will Codello seinen Fokus verstärkt auf E-Commerce richten. Einen eigenen Online-Shop gibt es bereits, der von einem Dienstleister und zwei Mitarbeitern im eigenen Haus betrieben wird. Zehn Prozent des Umsatzes würden aus dem Internetgeschäft generiert, so der Inhaber. Letzteres will Schnabl auf 20 Prozent verdoppeln.
Das Unternehmen muss Verluste verkraften, die vor allem durch die teure Immobilie und durch Einbußen im Einzelhandel entstanden sind, wie der Firmeninhaber sagt. Er beziffert den Umsatz seines Unternehmens auf etwa 14,5 Millionen Euro, was deutlich unter dem der Vorjahre liegt. 2014, beim Einzug in das neue Gebäude, war noch von jährlich bis zu 22 Millionen Euro die Rede. Schnabl führt die Entwicklung auch auf Fehleinschätzungen zurück. So habe Codello zu spät auf das wachsende Online-Geschäft reagiert: "Wir haben nicht damit gerechnet, dass sich der Markt in so rasender Geschwindigkeit verändern würde." Das Gebäude selbst sei viel zu groß dimensioniert: "So viel Platz brauchen wir einfach nicht mehr." Derzeit sind am Standort Inning 50 Mitarbeiter beschäftigt, weitere 25 sind auswärts beschäftigt, zum Beispiel in Kaufhäusern, in denen Codello eigene Shops betreibt.
Auch intern gibt es Veränderungen. So sind Schnabls Ehefrau Annelie sowie die Tochter Miriam, die verantwortlich ist für Design und E-Commerce sowie der Sohn Michael, der sich um Vertrieb und Marketing kümmert, aus der Geschäftsführung ausgeschieden; "auf eigenen Wunsch", wie Heinz Schnabl betont. Unterstützt in der Geschäftsführung wird er von dem 57-jährigen Lothar Hiese, einem Manager, der über langjährige Erfahrung in der Textilbranche verfügt und laut Schnabl schon in den Vorstandsetagen von namhaften Unternehmen wie Jil Sander gearbeitet hat.
Ende November wird Codello die dritte Etage des Gebäudes, wo sich derzeit unter anderem die Büros der Geschäftsführung und ein Showroom befindet, für TQ Systems räumen. Spätestens in zwei Jahren wird Schnabl zufolge dann TQ Systems, deren Geschäftsführung bisher nicht für eine Stellungnahme zu erreichen war, das Gebäude komplett übernehmen. Wie für Schnabl dürfte der Deal aber auch für TQ Systems ein Glücksfall sein. Der Technologie-Spezialist wächst beständig und braucht Platz für seine Mitarbeiter. Derzeit sind das abrufbaren Unternehmensangaben zufolge insgesamt 1400 an sechs Standorten, Tendenz steigend. Auch die Gemeinde Inning wird vermutlich von dem Verkauf profitieren: Das Unternehmen erwirtschaftete zuletzt einen Gesamtumsatz von 225 Millionen Euro, was sich günstig auf die zu erwartenden Einnahmen aus der Gewerbesteuer auswirken dürfte.
Schnabl sucht jetzt nach neuen Räumlichkeiten für Codello: "Ein Loft oder dergleichen mit 500 bis 700 Quadratmetern wäre schön, eben etwas, was zu unserem kreativen Image passt." Ein Objekt hat er bereits im Auge: "Freiham würde mir sehr zusagen." Erste Gespräche hätten stattgefunden, eine Entscheidung sei aber noch nicht gefallen.
Eines allerdings steht fest: Der Codello-Shop wird in Inning bleiben und soll umgebaut werden. Auch das Factory-Outlet sieht Schnabl weiterhin im Landkreis, "irgendwo im Dreieck Seefeld, Herrsching und Gilching". Mit dem Verkauf der Hechendorfer Immobilie, wo es derzeit noch untergebracht ist, ist das Maklerbüro Engel & Völkers beauftragt. Es bietet das Objekt für 3,35 Millionen Euro an. "Wir wären gern dort geblieben", sagt Schnabl, "aber wir hätten umbauen und mehr Parkplätze schaffen müssen." Das sei dort aus baurechtlichen Gründen unmöglich. Das Grundstück liegt im Außenbereich.

Die Firmengeschichte
Gegründet wurde die Firma von Rinaldo Codello , der ihr seinen Namen gab. Er war in den Zwanzigerjahren aus Turin nach München gekommen und entwarf dort seine erste Tücherkollektion. Dabei verband er die traditionelle und aufwendige Handwerkskunst des Tuchdrucks mit Inspirationen, die er auf seinen Fernreisen gesammelt hatte. Sein Markenzeichen waren klassische Motive, die er neu zusammensetzte und mit auffälligen Farbkompositionen auf Seide drucken ließ.
In den Achtzigerjahren übernahm die Familie Schnabl das Unternehmen; zuletzt führte in zweiter Generation das Geschwisterpaar Miriam und Michael Schnabl die Geschäfte. Von Miriam Schnabl stammen die Fledermaus- oder Disney-Motive, die sie so geschickt einsetzt, das daraus ein unverwechselbarer Stil entstanden ist. Seit einiger Zeit setzte sie, die selbst Vegetarierin ist, verstärkt auf Nachhaltigkeit: Zum Einsatz sollte kein echter Pelz mehr kommen, trotz des Trends zum Fellchen, sehr viel organische Baumwolle und Recycling-Polyester. 2014 war die Firma von Hechendorf nach Inning in den interkommunalen Gewerbepark gezogen. Seither setzte sie vermehrt auf Digitalisierung und das Online-Geschäft. abec

 

Süddeutsche Zeitung 19.10.2017

Kommentar - Firmen in der Pflicht
Von Otto Fritscher

Es gehöre nicht zum Kerngeschäft eines Autoherstellers, Wohnungen zu bauen, ließ BMW unlängst verlauten. Welch ein Irrtum. Zwar gibt es keinen Automobilbauer im Landkreis Starnberg, aber etliche Zulieferbetriebe wie Webasto und andere große, weltweit tätige und erfolgreiche Unternehmen. Gemeinsam ist ihnen, dass sie händeringend Mitarbeiter suchen, und zwar nicht nur bestbezahlte Ingenieure für die Entwicklungsabteilungen, sondern auch Mitarbeiter für Montagearbeiten, Lager oder Logistik, die "normal" bezahlt werden. Aber mit einem normalen Gehalt ist es kaum möglich, im hochpreisigen Landkreis Starnberg mit seinen teuren Mieten zu leben. Deshalb sagen Mitarbeiter, die sich eigentlich für ein hiesiges Unternehmen beworben haben und auch genommen würden, wieder ab, wenn es an die Wohnungssuche geht.

Ein klares Indiz, dass sich Unternehmen auch um Wohnraum für ihre Mitarbeiter kümmern müssen, wenn sie zukunftsfähig bleiben wollen.

Das betrifft nicht nur große Firmen, auch Handwerksbetrieben, Hotels und Gaststätten stünde es gut zu Gesicht, ihren Azubis, Zimmermädchen oder Köchen ein Dach über dem Kopf zu bieten. Klar, das erfordert erst mal Investitionen. Darauf kommt es in diesem Fall aber nicht an. Es geht um die soziale Verantwortung, die gerade in Zeiten, in denen die Wirtschaft brummt, leichter erfüllt werden kann.

Doch auch die Kommunen und der Landkreis müssen sich bewegen. Ja, es ist schön hier, viel Grün, viel schöne Natur. Aber an den Ortsrändern gibt es Wiesen und Äcker, die zu Bauland gemacht werden könnten mit der Verpflichtung, sozial günstigen Wohnraum zu schaffen. Und in den Ortskernen muss nachverdichtet werden. So schön, dass es etwa so bleiben müsste, wie es ist, ist zum Beispiel Starnberg auch wieder nicht. Und nur nach München zu verweisen und die Großstadt aufzufordern, mehr Wohnungen zu bauen, hieße, dem Floriansprinzip zu huldigen.

 

Starnberger Merkur 19.09.2017

Diese Mitarbeiter sind Spitze

Die Ammersee-Wasser- und Abwasserbetriebe (AWA) aus Herrsching gewinnen den Wirtschaftspreis des Landkreises
Von Peter Schiebel

Landkreis – Ohne sie geht nichts im Landkreis. Die Mitarbeiter der Kommunalunternehmen sorgen jeden Tag dafür, dass der Müll abgeholt wird, der Strom aus der Steckdose kommt und das Trinkwasser fließt. Sie versorgen Patienten, kümmern sich um Alte und Kranke und stellen günstige Wohnungen zur Verfügung. Zwölf dieser Kommunalunternehmen hatten sich um den Wirtschaftspreis des Landkreises beworben – die Nase vorn hatten am Ende die Ammersee-Wasser- und Abwasserbetriebe (AWA) mit Sitz in Herrsching.

Sie würden hervorragende Arbeit leisten und hätten bei der Präsentation begeistert, sagte Landrat Karl Roth in seiner Laudatio am Dienstagabend im Foyer der Kreissparkasse in Starnberg – nicht ohne alle anderen Bewerber auch zu loben. „Die Unternehmen tragen ein hohes Maß an Verantwortung und Engagement für die Region und erfahren dafür viel Wertschätzung“ – und das im wahrsten Sinn des Wortes auf Knopfdruck. „Das sind ganz wichtige Eckpfeiler, ohne die es in unserer Region nicht funktionieren würde“, sagte Christoph Winkelkötter, Chef der Gesellschaft für Wirtschafts- und Tourismusentwicklung im Landkreis (gwt).

„Dieser Preis soll uns ein Ansporn sein“, bedankte sich Thomas Jacobs, der technische Leiter der AWA, in Vertretung von Vorstand Hermann Doblinger, der krankheitsbedingt am Dienstag fehlte. Die AWA versorgt mit 30 Mitarbeitern etwa 35 000 Einwohner in Andechs, Herrsching, Inning, Seefeld, Wörthsee, Pähl und Wielenbach mit Trinkwasser und entsorgt dort das Abwasser. Allein die Länge der öffentlichen Abwasserkanäle beträgt 260 Kilometer – das entspricht etwa sechs Mal dem Umfang des Ammersees. Für die Wasserversorgung werden 57 Pumpwerke betrieben.

Mit der DIN-Zertifizierung und dem Einsatz neuster technischer Mittel sieht Jacobs das Unternehmen auf einem sehr guten Weg. Ein Problem gibt es allerdings, das die AWA mit anderen Firmen im Landkreis teilt: den Fachkräftemangel. Jährlich würden ein bis zwei neue Mitarbeiter eingestellt, zuletzt eine Expertin für Biodiversität. Hinzu kommen aktuell zwei Azubis als Fachkraft für Wasserversorgung und als Fachkraft für Rohr-, Kanal- und Industrieservice. „Interessierte Leute können sich gerne bei uns bewerben“, macht Jacobs Werbung für eine Karriere bei der AWA. Wie der Preis gefeiert wird, steht noch nicht fest. Thema wird er im wöchentlichen Briefing für alle Mitarbeiter am Montagmorgen aber sicher sein.

 

Süddeutsche Zeitung 13.10.2017

Straßenbauamt bremst die Gemeinde aus

Inning – Die ersten Maßnahmen des Inninger Verkehrskonzeptes sollten schon längst umgesetzt sein. Da die Staatsstraße aber saniert werden soll, dies jedoch erst frühestens mit Beginn 2019, gerät alles ins Stocken. Nach einer Bürgeranfrage in einer der vorangegangenen Sitzungen hatte Bürgermeister Walter Bleimaier dies schon einräumen müssen. Am Dienstag gab er in der jüngsten öffentlichen Sitzung einen offiziellen Sachstandsbericht. Zugleich teilte er mit, dass die Gemeinderäte in nichtöffentlicher Sitzung am kommenden Dienstag über die ersten Planungsschritte der Sanierung ihrer Hauptverkehrsstraße informiert werden. Bald darauf, versprach er, zu einer Bürgerversammlung mit diesem Thema einzuladen.
Auf Eis liegen derweil die ersten Umsetzungen, wie die optische Einengung der Herrschinger- und Brucker Straße, die Entfernung der Mittelmarkierungen und die Errichtung einer provisorischen Mittelinsel. Das Staatliche Bauamt halte dies angesichts der bevorstehenden Sanierung für „nicht zweckmäßig“, so Bleimaier. Einer Änderung der Verkehrswegweisung von der Autobahn aus Richtung Lindau weiter nach Herrsching wurde auch nicht zugestimmt. Diesmal ist es die Autobahndirektion, die ablehnt auf Herrsching erst an der Ausfahrt zur Weßlinger Umgehung hinzuweisen. Aus München geschieht dies bereits. Die Autobahndirektion ist aber der Meinung, dass ortskundige Fahrer und Navigationssystem-Nutzer trotzdem über Inning geleitet würden. Eine Reduzierung des Verkehrsaufkommens sei deshalb nicht zu erwarten.
Die bereits ausgeführte weiße Kreismarkierung, die als optische Bremse funktionieren soll, muss eine neue Farbgebung bekommen, berichtete Bleimaier. Die Polizei fürchte dass das Weiß, das als offizielle Markierung verwendet werde, zu Verwechslungen mit einem Kreisverkehr führen könnte. „Jetzt ist es grün, jetzt sieht man es nicht mehr gscheit“, bedauerte er. Gewartet wird auch noch auf die Antwort der Unteren Verkehrsbehörde zum Antrag auf Tempo 30 und Lkw-Nachtfahrfahrverbot auf der Ortsdurchfahrt. Vor sechs Wochen wurde die Anfrage gestellt. „Vermutlich tun sie sich schwer“, hofft Bleimaier.  grä

 

Starnberger Merkur 15.09.2017

Kritik an „schwarzem Klotz“
Ortsentwicklung - Gemeinderat lehnt geplante Villa am Seeufer mit 360 Quadratmetern Grundfläche erneut ab
VON ANDREA GRÄPEL

Buch – Auch wenn das Landratsamt signalisiert, der beantragten Bebauung zuzustimmen, bleiben Innings Gemeinderäte hart. Die Bebauung eines 3000 Quadratmeter großen Grundstücks an der Seestraße in Buch mit einem Haus mit 360 Quadratmetern Grundfläche (verteilt auf rund 40 Meter Länge und rund neun Meter Breite) wollen sie nicht. War das Vorhaben beim ersten Mal nur durch eine Patt-Entscheidung durchgefallen (wir berichteten), gab es diesmal eine deutliche Mehrheit dagegen.
„Wir sind verantwortlich, wie Buch sich weiterentwickelt“, betonte Monika Schüßler-Kafka (FW) wütend. Bekanntlich gibt es für den Inninger Ortsteil keinen Bebauungsplan, darum wird das Maß der baulichen Nutzung in der Umgebung als Vergleich herangezogen. Das nächstgrößere Haus ist von dem Seegrundstück jedoch einigermaßen entfernt. Es steht auf einer Grundfläche von rund 330 Quadratmetern. Die größere Grundfläche im aktuellen Fall ließe das Landratsamt gelten. Bis zu zehn Prozent mehr, wusste Bürgermeister Walter Bleimaier. „Diese Aufwärtsspirale möchte ich nicht mehr mitmachen“, schimpfte Monika Schüßler-Kafka. „Erst gibt einen Bezugsfall, jetzt schaffen wir einen neuen.“
Ratskollege Johann Ritzer (FBB) blies ins selbe Horn. Die Art der baulichen Nutzung und Bauweise rundum nämlich passe eben nicht – „das wird ein schwarzer Klotz“. Auch wenn er wohl kaum zu sehen sein wird, weil große Abgrabungen vorgesehen sind. Das war für Ritzer aber schon das nächste Stichwort: „Das sind Massen. Mich stört das. Es wäre ein absoluter Ausreißer.“ Das als Bezug herangezogene Gebäude „darf nie mehr passieren“, so Ritzer. Das habe sich die Ratsrunde geschworen „Aber jetzt machen wir genau das“. Katrin Nikolodi (BIZ), die selbst in Buch wohnt, bestätigte: „Man kann die Grundstücke, die direkt drum herum sind, nicht mit dem Vorhaben vergleichen. Einige Grundstücke sind noch unbebaut.“
Die Krux mit dem viel zitierten Paragrafen 34, der Umgebungsbebauung und dem gemeindliche Einvernehmen, das nicht viel aussagt, denn am Ende kann die Genehmigungsbehörde auch ohne grünes Licht geben – auch das war ein Thema. Und alle wissen – kommt es hart auf hart, laufen Verwaltungsrichter weit, um Bezugsfälle zu finden. Die Inninger wollen sich dem nicht beugen und bitten die Verwaltung, alle Argumente genau aufzulisten und der erneuten Stellungnahme an das Kreisbauamt beizufügen. Lediglich Bleimaier und Anja Wagatha (CSU) stimmten für das Vorhaben.

 

Verkehrskonzept steht hinten an

Inninger – Um das Tempo auf der Hauptstraße in Inning herauszunehmen, sollten ursprünglich die Mittelstreifenmarkierungen entfernt werden. So sah es das Verkehrskonzept vor. „Aber das wollen die Behörden nicht“, teilte Bürgermeister Walter Bleimaier in der jüngsten Gemeinderatssitzung mit. Da die Straße 2019 saniert wird, wollten sie kein Geld mehr investieren, erklärte der Rathauschef. Würde der Mittelstreifen herausgefräst, bliebe außerdem eine markante Markierung zurück, die wie ein Mittelstreifen wirke. Damit steht eine weitere Maßnahme in der Warteschleife. Die optische Verengung der Fahrbahnbreite kann aus demselben Grund nicht umgesetzt werden (wir berichteten).  grä

 

Der Banker in Bleimaier frohlockt

Inning – Wann spricht ein Bürgermeister schon einmal in Zusammenhang mit seinem Haushalt von einem „wunderbaren Ergebnis“? Inning Bürgermeister Walter Bleimaier tat dies in der jüngsten Gemeinderatssitzung am Dienstag. Mehr noch – es sei auch ein sehr gutes Jahresergebnis zu erwarten. Den Kredit in Höhe von 2,9 Millionen Euro, der zur Sicherheit noch im Mai dieses Jahres fest eingeplant worden war, werde die Gemeinde nicht aufnehmen müssen, frohlockte der ehemalige Banker und Inninger Bürgermeister bei einem Zwischenbericht zur Haushaltslage.
Die Freude liegt vor allem an der Entwicklung des Interkommunales Gewerbeparks. Alle Parzellen sind vergeben. Die Einnahmen aus der Gewerbesteuer haben sich im Laufe des Jahres besser entwickelt als angenommen. 3,5 Millionen Euro wurden für den laufenden Haushalt geschätzt, tatsächlich werden es wohl 5 Millionen sein. Und dass der Kredit nicht angetastet werden muss, hängt laut Bleimaier aber auch damit zusammen, dass geplante Grundstückskäufe „leider“ noch nicht verwirklicht werden konnten.  grä

 

Süddeutsche Zeitung 15.09.2017

Umwelt  - Inning zählt seine Bäume
Von Christian Deussing

Morsche und kranke Bäume können leichter umstürzen und Äste schneller abbrechen. Um zu verhindern, dass dabei Personen verletzt oder Häuser beschädigt werden, will nun die Gemeinde mit Hilfe der Fachfirma Treeconsult aus Gauting ein Baumkataster erstellen und den Bestand auf öffentlichen Grundstücken, an Wegen und Straßen genau erfassen. Das sei wegen der "Verkehrsicherheitspflicht wichtig", erklärte Innings Bürgermeister Walter Bleimaier jetzt in der Gemeinderatssitzung. Vorerst sind 16 000 Euro veranschlagt, die gemeindeeigenen Bäume zu digitalisieren. An dem Programm wirkt auch die Geodaten-Firma Riwa aus Memmingen mit.
Die Experten von Treeconsult werden die jeweiligen Bäume unter die Lupe nehmen und nummerieren. Sie bewerten den Zustand, erfassen das Alter und messen Stamm- und Kronenumfang. Zu erstellen sind eine Schadensanalyse und Vorschläge zur notwendigen Pflege, nach Prioritäten sortiert. Die Datenblätter erhält danach die Gemeinde, die in Absprache mit dem Bauhof handeln und eventuell Firmen beauftragen muss, um die Bäume zu sichern. Kommunen sind inzwischen verpflichtet, zweimal jährlich die Sicherheit ihrer Bäume zu prüfen - im belaubten und unbelaubten Zustand. Dabei sei es sicher sinnvoll, sich zum Beispiel eine 70 Jahre alte Weide öfter anzusehen als ein vierjähriger Ahorn, betonte der Bürgermeister. Letztlich muss aber die Gemeinde nach Empfehlungen der Fachleute entscheiden, ob ein Baum noch mit einem Zuschnitt oder anderen Mittel zu retten ist oder gefällt werden muss.
Jedenfalls reiche eine "Sichtprüfung von unten nicht aus", sagte Rathaus-Geschäftsleiter Jürgen Hafner. Er berichtete, dass die Baumgutachter mit dem "Tablet in die Krone kraxeln und Fotos machen." Diese Arbeit könnten Bauhof-Mitarbeiter nicht leisten. Der Geschäftsleiter wies außerdem daraufhin, dass die Firma Treeconsult unter anderem in Utting und der Gemeinde Weil "zur vollsten Zufriedenheit" Baumkataster erstellt habe.
Das Rathaus geht derzeit davon aus, dass etwa 1200 Bäume im Inninger Gemeindegebiet auf öffentlichem Grund stehen. Die Abrechnung soll mit den beauftragten Firmen aber erst erfolgen, wenn die tatsächliche Anzahl der Bäume erfasst ist. Die Gemeinde rechnet jedoch nicht damit, dass die Baumexperten noch in diesem Jahr mit ihrer Digitalisierung beginnen können. Es hieß nämlich in der Ratssitzung, dass die Gautinger Gutachter begehrt seien und ein volles Auftragsbuch hätten.

 

Premiere in Inning
Von Peter Haacke

Erstmals in der Geschichte des Starnberger Landkreislaufs findet die beliebteste Sportveranstaltung des Fünfseenlands in der Gemeinde Inning statt. Der Startschuss zur 33. Auflage fällt am Samstag, 7. Oktober, um 12 Uhr an der Sporthalle in der Schornstraße. Die Organisatoren erwarten bis zu 200 Zehnerstaffeln aller Altersklassen, die in familiärer Atmosphäre wieder an diesem besonderem Wettkampf teilnehmen werden.
Schon seit Wochen wird auf den drei unterschiedlich langen Etappen fleißig trainiert. Zur Auswahl stehen die weiß markierte "Stegen-Runde" über 5,6 Kilometer (Läufer Nr. 1 bis 3), die gelbe "Buch-Runde) über 4,2 Kilometer (Läufer 4 - 6) sowie die rote "Waldeck-Runde" über 3,2 Kilometer, die von den Läufern Nr. 7 bis 10 bewältigt wird. Start und Ziel sind an der Mehrzweckhalle. Die Veranstalter vom SV Inning haben alle drei Etappen bestens ausgeschildert und präpariert. Abgesehen von der längsten Etappe, die wegen eines steilen Abstiegs und eines nicht weniger anstrengenden Aufstiegs etwas anspruchsvoller ist, gelten die übrigen Abschnitte für durchschnittliche Läufer als leicht zu schaffen. Das gilt umso mehr im Vergleich zum Vorjahr in Feldafing, wo zum Abschluss der jeweiligen Etappen ein langer und sehr steiler Aufstieg zu bewältigen war.
Für die Gemeinde Inning stellt der Landkreislauf einen besonderen Anreiz dar. Bislang haben bereits acht Inninger Teams gemeldet, fünf bis zehn heimische Staffeln könnten bis zum Ende der Anmeldefrist am 26. September noch folgen. Helmut Gall vom SV Inning macht unablässig Werbung für den Lauf, doch auch Vertreter der Kommunalpolitik sind dabei: Innings Bürgermeister Walter Bleimaier startet im Team von Landrat Karl Roth, Vize-Bürgermeisterin Monika Schüßler-Kafka ist ohnehin schon seit Jahren begeisterte Läuferin.
"Die Strecken sind sehr gut markiert und schön zu laufen", sagt Bernhard Frühauf. Der "Vater des Landkreislaufs" hat sich zwar seit vergangenem Jahr als Hauptverantwortlicher aus der Organisation zurückgezogen, sein Rat bleibt dennoch gefragt. Natürlich hat Frühauf alle drei Streckenabschnitte getestet. Sein Rat: Nur für Anfänger seien die jeweiligen Etappen "trainingsbedürftig". Doch ohnehin gilt: Jeder Teilnehmer sollte seine jeweilige Etappe wenigstens einmal vorab gelaufen sein, um sich im Wettkampf die Kräfte optimal einteilen zu können.
In organisatorischer Hinsicht setzen die Veranstalter auf Bewährtes: Die Zusammenarbeit zwischen den Verantwortlichen des SV Inning, der Gemeindeverwaltung und dem Landratsamt läuft. Und eine Helferschar von Feuerwehr, Bundeswehr, Bayerischem Rotem Kreuz und ehrenamtlichen Stammkräften, die teils schon seit Jahrzehnten dabei sind, sollen einen reibungslosen Ablauf gewährleisten. Wenig Stress gibt es durch die Nähe zur Sporthalle auch mit Umkleiden, sanitären Anlagen sowie ausreichend Stellplätzen für Fahrzeuge. Die Siegerehrung mit Verköstigung findet - wie in den Vorjahren - auch diesmal wieder von 17.30 Uhr an in der Starnberger Brunnangerhalle statt. Nur um das Geschenk, das es stets für alle Teilnehmer gibt, machen die Veranstalter in diesem Jahr ein kleines Geheimnis: Die Läufer werden sich überraschen lassen müssen.
Bislang haben 53 Mannschaften gemeldet, darunter erst drei Kinderstaffeln sowie neun Frauenteams. In Feldafing waren im Vorjahr 162 Mannschaften gestartet. In den verbleibenden Tagen bis zum offiziellen Meldeschluss am 24. September werden noch zahlreiche Teams erwartet.
Im Gegensatz zum Vorjahr gibt es bislang keine Sabotageakte auf den Laufstrecken; in Feldafing hatten Unbekannte wiederholt Hinweisschilder und Markierungen entfernt. Gleichwohl bitten die Organisatoren die Anwohner am Veranstaltungstag um Verständnis für die kurzzeitige Sperrung einiger weniger Straßen. Die SZ wird kommende Woche alle drei Etappen vorstellen. Die obligatorische Vorbesprechung aller Mannschaftsführer mit Ausgabe der Startnummern findet am Mittwoch, 4. Oktober, um 18 Uhr im Inninger "Haus der Vereine" (Schornstraße 3) statt.

 

Immer zu zehnt

Der Landkreislauf ist ein Staffellauf für Zehner-Teams, der auf drei Rundkursen ausgetragen wird. Voraussetzung für die Teilnahme ist, dass die Mannschaft - Vereine, Schulen, Firmen, Behörden, Sportstudios, Lauftreffs, Gemeinschaften, etc. - ihren Sitz im Landkreis Starnberg hat; erlaubt sind bis zu zwei auswärtige Gastläufer. Es gibt eine getrennte Wertung jeweils für Männer und Mixed-Teams, Frauen, Kinder (Jahrgang 2003 und jünger) sowie Firmenmannschaften. Die Startgebühr beträgt 120 Euro (Kinder: 100 Euro). Die jeweils erste Damen- und Herren-Mannschaft gewinnt einen Wanderpokal. Alle Teilnehmer erhalten zudem ein Erinnerungsgeschenk. Meldeschluss ist am 24. September; Nachmeldungen kosten zusätzliche 15 Euro. Interessierte ohne Mannschaft können per E-Mail über die Läuferbörse des Landratsamtes in Starnberg (E-Mail: jana.fruehauf@LRA-starnberg.de oder Telefon 08151/148-428) Anschluss finden. Sämtliche Infos und Anmeldeformulare finden sich im Internet unter www.landkreislauf-starnberg.de. phaa

 

Mitten in Inning - Muschelversteher und Elritzen
Von Christian Deussing

Eines muss man den Inninger Lokalpolitikern lassen: Sie kümmern sich nicht nur um Bauanträge und Finanzen, sondern auch gewissenhaft um einen seltenen Schatz in der Natur - die Bachmuschel. Das Weichtier ist ebenso bedroht wie sein winziger Wirtsfisch, die Elritze. Die Gemeinderäte nehmen die Ratschläge der Naturexperten zum Schutz der Muschel "Unio Crassus" ernst und tun eigentlich alles für das Bachmuschel-Management am Inninger Bach und Katzenbach. Doch nun hat ein kurioser Vorschlag der Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt selbst die Muschelversteher sehr erstaunt. Denn die Behörde will einen Pufferstreifen zwischen einem Acker und dem Inninger Bach schaffen.
Allerdings müsste dabei ein Biotop verlegt werden, das in eine Ackerfläche umzuwandeln wäre. Mit diesem Grundstückstausch könnte man ja mit dem betroffenen Landwirt ins Geschäft kommen. Der fast verlandete Biotop-Tümpel soll samt Bewuchs an den Katzenbach platziert werden. Dass so etwas offenbar möglich ist, hätten die Gemeinderäte bei all den strengen Vorschriften im Naturschutz nicht gedacht.
Doch das ist längst nicht alles: Die Experten denken auch darüber nach, eine Fischtreppe hinter dem Katzenbach-Rohr unter der B 471 zu bauen, damit die Elritze bachaufwärts Schutz vor Feinden findet. Die Treppe soll dem Wirtsfisch helfen, den "Wasserabsturz" von zirka einem Meter auf westlicher Seite zu überwinden. Nun gab es endgültig lange Gesichter im Ratsgremium. Und der Bürgermeister meinte etwas ratlos, dass es doch keineswegs sicher sei, ob Elritzen überhaupt durch das Rohr schwimmen.

 

Starnberger Merkur 14.09.2017

AWISTA verklagt Seegemeinde

Der AWISTA verklagt die Gemeinde Inning auf Schadensersatz in Höhe von 125 000 Euro. Die Post vom Landgericht II hatte Bürgermeister Walter Bleimaier am Dienstag gleich auf seine Liste von Bekanntgaben in der Gemeinderatssitzung gesetzt. Der AWISTA macht die Gemeinde für die Verzögerungen beim Bau des neuen Wertstoffhofes verantwortlich und damit auch für die Mehrkosten dadurch. Wie berichtet, war beim ersten geplanten Baubeginn im Jahr 2012 ein Landwirt dazwischen gegrätscht, der seinen laufenden Pachtvertrag auf dem Gelände nicht auflösen wollte. Damit hatte auch die Gemeinde nicht gerechnet. „Schuldhaft war der Pachtvertrag, darum stelle ich die Forderung des AWISTA in Abrede“, sagte Bleimaier am Dienstag. Einen Teil der Kosten – zweite Baustelleinrichtung und Rechtsanwalt – sei er durchaus bereit zu übernehmen. „Aber nicht die volle Höhe.“ Darum geht es nun vor Gericht.  grä

 

Konzept gefordert - Tagestourismus

Inning – Johann Ritzer (FBB) nannte das Kind am Dienstag im Gemeinderat beim Namen: „Was ist mit Freiham?“ Im Westen Münchens entsteht zurzeit ein komplett neuer Stadtteil. Und überall werben Plakate: „Nur 20 Minuten ins Fünfseenland“. Ritzer bat Bürgermeister Walter Bleimaier, sich an seine Kollegen und den Landrat zu wenden, dieser zu erwartenden Besucherlawine ein Konzept entgegenzustellen. „Wir ersticken jetzt schon im Verkehr“, sagte er. Ratskollege Thomas Bauer (CSU) gab ihm Recht und erinnerte an Mariä Himmelfahrt. An diesem Feiertag wurde der komplette Landkreis quasi überrannt. „Wir müssen ein Konzept entwickeln“, forderte Ritzer. Hubert Vögele (Grünen) meinte, auch München müsse reagieren und Freizeitflächen schaffen. Bürgermeister Walter Bleimaier versprach, sich der Sache anzunehmen.  grä

 

Naturschutz - Die Muschel, ihr Wirt und die Notwendigkeit für „Kinderzimmer“

Inning – Christian Niederbichler hatte sie 2013 per Zufall gefunden: die Bachmuschel. Der Ramsar-Gebeitsbeauftragte hatte den Fund bei einer Bachräumung im Inninger Bach gemacht. Seitdem wird alles getan, um den Lebensraum dieser seltenen Art zu verbessern. Zum Beispiel musste der Katzenbach großteils freigelegt werden, der am Interkommunalen Gewerbepark vom Mauerer Berg unter der Bundesstraße hindurch in den Inninger Bach fließt und in Rohre gezwängt war. Auch Grundstückserwerbe waren notwendig. Die Maßnahme hatte damals unerwartete Kosten in sechsstelliger Höhe verursacht (wir berichteten). Um nun auch den Lebensraum des am besten geeigneten Wirtsfisches, der Elritze, zu verbessern, sind weitere Maßnahmen geplant, die Innings Bürgermeister Walter Bleimaier am Dienstag dem Gemeinderat erläuterte.
Zur Verringerung des Nährstoffeintrags am Inninger Bach ist von der Unteren Naturschutzbehörde ein Grundstücksankauf erwünscht, damit es links und rechts einen Pufferstreifen gibt. Als Ausgleich könnte die Gemeinde ein gemeindliches Grundstück direkt im Knick zum Katzenbach anbieten – ein weitgehend verlandetes Biotop, das auch nach Ansicht der Kreisbehörde verlegt werden kann. Der Bewuchs jedenfalls sei leicht umzusiedeln. Gleichwohl war nicht nur Bleimaier erstaunt, dass eine Biotop-Verlegung so einfach möglich ist.

Um dem Wirtsfisch, der kleinen Elritze, einen Rückzugsort vor gefräßigen Artgenossen und ein „Kinderzimmer“ zur Aufzucht ihrer Jungen zu schaffen, ist außerdem eine Fischtreppe geplant, wo der Katzenbach auf der westlichen Seite der Bundesstraße Richtung Inninger Bach „etwa einen Meter abstürzt“. Als „ein Rinnsal“ beschreibt Bleimaier diesen „Wassersturz“. Er wäre daran vorbeigelaufen, wenn er nicht darauf hingewiesen worden sei.
Aufgrund anderer Maßnahmen wie den Ausbau so genannter Gumpen und dergleichen sei die Fischtreppe vor allem aus Kostengründen aber vernachlässigbar. Auch aus naturschutzrechtlichen Gründen, denn an der Stelle, wo das Wasser abstürzt, müsste wertvoller Baumbestand gefällt werden.
Das Wohl der Bachmuscheln erzeugte bei diesem Vortrag das eine oder andere Schmunzeln im einen oder anderen Gesicht. Und doch wollen die Inninger Gemeinderäte die Bedeutung der Bachmuschel und ihren Lebensraum ernst nehmen. Ein Beschluss über den vermutlich erneut kostenintensiven Eingriff wurde jedoch auf Antrag Barbara Wanzkes (Grüne) zunächst einmal vertagt. Sie hatte im Vorfeld keine derartig komplexe Maßnahme vermutet und würde sich mit dem Thema gern besser auseinandersetzen, bevor sie über weitergehende, vermutlich wieder kostenintensive Maßnahmen entscheidet.  grä

 

Projektstopp nach Kostenexplosion
Energie - Umrüstung auf LED in Mehrzweckhalle: Rechnung achtmal so hoch wie veranschlagt – Empörung über Planungsbüro
VON ANDREA GRÄPEl

Inning – Noch im Frühjahr hatten die Inninger Gemeinderäte begeistert einem Wechsel von der konventionellen Lichttechnik zu LED in ihrer Mehrzweckhalle am Schorn zugestimmt. Vertreter eines renommierten Büros hatten in einem langen Vortrag eine energetische Umnutzung angepriesen. Die Kosten dafür hatten die Fachleute mit rund 27 000 Euro beziffert. Der Gemeinderat hatte dem Büro daraufhin einen Planungsauftrag erteilt. Am Dienstag wurde ihnen eine andere Rechnung präsentiert: 193 000 Euro.
Zweite Bürgermeisterin Monika Schüßler-Kafka sprach von einer „bodenlosen Unverschämtheit“: „Da stimmte gar nichts von dem, was die uns im März gesagt hatten.“ Bürgermeister Walter Bleimaier stimmt ihr zu und erklärte gestern auf Nachfrage, dass die erste Schätzung allein das Auswechseln der Leuchtmittel betroffen habe. Wie sich herausgestellt hätte und von den Fachleuten damals nicht einkalkuliert worden sei, seien die aktuell installierten Lampen für LED-Technik nicht zugelassen. Da LED beim Einschalten mehr Strom verbrauche als herkömmliche Leuchtmittel, müssten sie anders abgesichert sein. Dies bedeutet, dass alle Lampen ausgewechselt werden müssten.
Vorgeschlagen worden sei von dem Beratungsunternehmen „der Mercedes“ unter den Lampen – natürlich ballwurfsicher. Und da bei Theatervorstellungen oder gesellschaftlichen Veranstaltungen eine andere Notbeleuchtung vorgeschrieben sei als bei Sportwettbewerben und Trainings würde zudem eine neue Steuerung nötig.
Am Ende legten die Fachleute nach Meinung Bleimaiers zwar eine Planung mit letztlich optimaler Ausstattung vor, allerdings auch mehr als achtmal so teuer. „Das hätten sie vorher wissen müssen“, sagt der Bürgermeister, der ebenso entsetzt reagierte wie am Dienstag seine Stellvertreterin oder Ratskollege Johann Ritzer (FBB), der über „null Fachkompetenz“ schimpfte. Bleimaiers Vorschlag, das Projekt einzustellen, stimmte die Ratsrunde geschlossen zu. „Und wenn die trotzdem Geld wollen, dann nehmen wir uns einen Anwalt“, sagte Monika Schüßler-Kafka, die ihrer Verärgerung deutlich Luft machte. Der Auftragsvergabe sei ihrer Meinung nach unter ganz anderen Voraussetzungen zugestimmt worden war.

 

Süddeutsche Zeitung 14.09.2017

Inning  - Ausreißer auf exklusivem Grundstück am Seeufer

Auf einem exklusiven Seegrundstück im Inninger Ortsteil Buch soll das bisherige Anwesen abgerissen und durch ein deutlich größeres Wohnhaus ersetzt werden. Die Nutzfläche würde 360 Quadratmeter betragen; laut Bauantrag sind ein Fitnessraum und Pool im Gebäude sowie eine große Terrasse vorgesehen. Doch die Gemeinderäte lehnten am Dienstag das Bauprojekt erneut ab - diesmal mit großer Mehrheit. Nur Bürgermeister Walter Bleimaier sowie Anja Wagatha (beide CSU) stimmten dafür. Das Starnberger Kreisbauamt hat ebenso keine Bedenken und hält den Bauantrag hinsichtlich seiner Umgebung für "genehmigungsfähig", wie der Rathauschef in der Sitzung erläuterte.
Seine Stellvertreterin Monika Schüßler-Kafka (FWG) dagegen warnte vor einer "Aufwärtsspirale" in der baulichen Entwicklung von Buch und kritisierte, dass das Landratsamt für andere Bauwerber einen "neuen Bezugsfall" schaffe. Johann Ritzer (FBB) sprach von einem "41 Meter langen Block" und einer Bauweise, die nicht zur Nachbarschaft passe. Da laufe mit diesem "absoluten Ausreißer" etwas nicht richtig, monierte er. Auch Thomas Bauer (CSU) lehnte das Vorhaben ab und mahnte, dass "hier ein schönes Dorf" irgendwann städtisch werde. Ablehnend äußerte sich ebenso Katrin Nicolodi (BIZ) zur geplanten Villa auf dem mehr als 3000 Quadratmeter großen Areal am Ammerseeufer. Dieser Bauplan sei eine "Riesenausnahme", ärgerte sich die Gemeinderätin. Sie kritisierte, dass die Kreisbehörde ein ähnlich großes Wohnhaus als Bezugsfall herausgepickt habe, das sich jedoch nicht in direkter Umgebung befindet.
Der Gemeinderat hofft nun, mit den Einwänden und Bedenken gegen eine zu massive Bebauung in Buch beim Landratsamt doch noch Gehör zu finden.

 

Inning  - Teure Rechnung vom Entsorger - Von Christian Deussing

Das stinkt dem Abfallwirtschaftsverband Starnberg (Awista): Er hat jetzt erstmals in seiner 52-jährigen Geschichte ein Mitglied verklagt. Der Entsorger fordert von Inning Schadenersatz vor dem Landgericht München II, weil die Gemeinde durch ihr schuldhaftes Fehlverhalten den Baubeginn des neuen Wertstoffhofes in Inning um mehr als zweieinhalb Jahren verzögert hat. So lautet der Vorwurf. In dem Verfahren macht der Awista 125 000 Euro geltend. In der Klage wird nach Angaben des Gerichts betont, dass der Awista gemäß Kaufvertrag im Jahr 2012 davon ausgegangen sei, ein lastenfreies Grundstück von der Gemeinde erworben zu haben, was aber offenkundig nicht der Fall war.
Die Kommune hätte laut Klage wissen müssen, dass das verkaufte Gelände seinerzeit noch von zwei Bauern gepachtet war. Diese wehrten sich und erwirkten über das Landwirtschaftsgericht in München eine einstweilige Verfügung, also einen Baustopp. Die Arbeiten für den Wertstoffhof mussten deshalb schon nach nur einem Monat im Juni 2012 eingestellt werden. Der Rechtsstreit zog sich danach noch bis zum Oberlandesgericht hin. Der Awista konnte schließlich erst im Oktober 2014 mit seinem Bauprojekt anfangen. Folgerichtig wurde der neue Wertstoffhof daher viel später als geplant, am 14. Oktober 2015, offiziell eröffnet. Die Baukosten betrugen etwa 800 000 Euro.
Durch die Bauverzögerung seien "Mehrkosten entstanden, die nicht von uns zu vertreten sind", sagte Reinhold Berlin, Vizechef des Awista, auf Anfrage der SZ. Er bestätigte die Klage gegen die Gemeinde Inning, wollte dazu aber keine weiteren Details nennen, weil der juristische Schritt intern entschieden worden sei.
Dem Vernehmen nach macht der Abfallwirtschaftsverband größere Planungs- und Personalkosten geltend und stellt die erhöhten Preise im Baugewerbe in Rechnung, die durch den verspäteten Baubeginn zu zahlen waren.
Für Innings Bürgermeister Walter Bleimaier ist die Klage des Awista eine unerfreuliche Nachricht. Er hält dessen Forderungen für "überzogen und in dieser Höhe nicht gerechtfertigt". Bleimaier kündigte bereits rechtliche Gegenwehr an. Der Wertstoffhof-Prozess zwischen Inning und dem Awista wird wohl im nächsten Frühjahr stattfinden.

 

Starnberger Merkur 01.09.2017

Unterwegs mit dem Förster
Waldwirtschaft - Alexander Dietz ist seit mehr als 30 Jahren Revierleiter im Toerringschen Wald um Inning
VON ANDREA GRÄpel

Inning – „Bei uns kommen die Fichtenstämme relativ schnell weg. Das ist bei einem Borkenkäfer-Befall das Entscheidende“, sagt Alexander Dietz. Der Förster im Toerringschen Forst um Inning kann sich glücklich schätzen: „Es gibt immer bestimmte Bereiche, wo der Borkenkäfer extrem zuschlägt. Bei uns hält es sich in Grenzen.“ Aber Käferplage und Sturm, die vor allem im Bayerischen Wald große Schäden verursachten, haben gleichwohl auf die gesamte Waldwirtschaft Auswirkung. Bisher konnten Waldbauern mit den Preisen zufrieden sein. Mit dem großen Überangebot an Holz wird der Preis in den Keller fallen. „Ist er jetzt schon“, sagt Dietz.
Der Toerringsche Wald ist ein Wirtschaftswald mit großen Fichtenbestand, aber nicht nur. Es gibt auch viele Buchen und Eichen – für die Möbelindustrie. Darum müsen sie möglichst astfrei hochwachsen. Das Fichtenholz wird zur Herstellung von Papier verkauft oder an die Bauindustrie. Die Stämme dafür dürfen nicht zu dick sein. Nach 70 bis 80 Jahren werden sie geerntet, wenn der Borkenkäfer nicht vorher zuschlägt.
Dietz hat das Stück Rinde eines befallenen Baumes in der Hand. Innen kann man genau sehen, wo der Käfer Kanäle gefräst hat, in denen die Eier abgelegt wurden. Es sieht aus wie ein Buch. „Daher hat der Buchdrucker seinen Namen“, weiß Dietz. Ein anderer Borkenkäfer heißt Kupferstecher. „Der befällt eher die dünneren Stämme“, erklärt er. In seinem Revier sind die befallenen Fichten längst abgefahren. Am Waldrand auf dem Weg türmen sich trotzdem Fichtenstämme. „Die stammen aus Privatwäldern“, sagt er, und ist froh, dass sie überhaupt schon abgeholzt wurden. Nicht weit entfernt deutet er auf einen Fichtenbestand, dessen Kronen schon rot sind. „Die sind abgestorben. Da kann man nichts mehr machen.“ Auch in diesem Fall ist es ein Privatwald. Dietz die Waldbesitzer, deren Bestände an sein Revier grenzen. Und wenn der Inninger Förster Schaden ausmacht, sagt er natürlich Bescheid.
Dietz kennt jeden Meter Weg und jeden Grenzstein in seinem Revier. „Kein Wunder, wenn man von klein auf an hier lebt“, sagt Alexander Dietz. Seit mehr als 30 Jahren ist er Revierleiter im Toerringschen Forst um Inning – wie sein Vater, sein Großvater und auch sein Urgroßvater vor ihm. Dabei wollte Vater Bruno Dietz das gar nicht. Der Sohn fügte sich zunächst diesem Wunsch und machte in Herrsching eine Schreinerlehre. Das war okay, aber nicht gut genug. Schließlich landete er doch im Forst unter den Fittichen des Vaters. Der 55-Jährige wurde erst Forstwirt und machte dann seinen Meister und übernahm das Toerringsche Revier Dünzelbach in der Gemeinde Moorenweis (Landkreis Fürstenfeldbruck). Als sein Vater in Rente ging, kam Inning dazu. „Das geht nur im Privatwald, denn studiert habe ich nicht“, betont Dietz.
In beiden Revieren zusammen betreut er rund 1500 Hektar Fläche. Früher haben das drei Förster gemacht, die mussten aber auch noch jeden Stamm ausmessen, um die Festmeter zum Verkauf auszurechnen. „Heute wird fotografiert. Den Rest macht der Computer“, sagt Dietz und muss grinsen. Waldarbeiter sind bei der gräflichen Waldwirtschaft auch nicht mehr fest angestellt, sondern frei beschäftigt bei Bedarf. Müssen Bäume gefällt werden, kommt ein Unternehmen mit Harvester. „Damit legt man Bäume heute in Windeseile um. Ich habe das noch in Handarbeit gelernt. Kein Vergleich“, so Dietz.Der Inninger Förster muss in erster Linie danach schauen, dass alles gut läuft in seinem Revier. Das betrifft die Bäume und auch die Jagd, bei der ihn seine Frau Angelika dann und wann unterstützt. Er macht den Plan, der über das Geo-Informationssystem (GIS) an die beauftragten Waldarbeiter weitergeleitet werden. Dort zeichnet Dietz genau ein, welche Bäume raus müssen oder wo neu gepflanzt werden muss. 2016 wurden wegen Sturmtief Niklas im Vorjahr 40 000 bis 50 000 Pflanzen gesetzt. Vor allem Roteichen und Douglasien, ein amerikanischer Nadelbaum, der aufgrund seiner dicken Rinde viel resistenter ist als die Fichte. Der Borkenkäfer findet keinen Geschmack an ihr. Die Douglasie sei zudem klimaresistenter. Und sie riecht gut. Reibt man ihre angenehm weichen Nadeln aneinander, steigt einem der milde Duft einer Zitrone in die Nase.
„Vielleicht verdrängt die Douglasie die Fichte irgendwann – in 100 Jahren vielleicht“, überlegt Dietz. Bis dahin bleibt sie aber im Bestand. „Sie war schon immer der Brotbaum der Waldbauern.“ Sie wächst durch natürliche Verjüngung, wird nicht angepflanzt. Wie Buchen, deren Verkaufsboom in einer Zeit herrschte, als Eisenbahnschwellen und Schulmöbel noch aus Holz waren. Heute wird die Buche als Brennholz verkauft, weil sie einen besseren Heizwert als Fichte hat. „Im Moment will die aber keiner“, darum liegen einige Buchen, die im letzten Gewittersturm gefallen sind noch am Boden. „Die Douglasien sind bei diesem Sturm übrigens stehen geblieben“, betont Dietz. Die ältesten dieser Art im Toerringschen Wald sind um die 70 Jahre alt. „Und schon so groß, wie eine Fichte mit 100“, sagt der Förster und macht damit auf eine weitere Besonderheit aufmerksam, nämlich dass der Baum schnell wächst.
Natürlich gibt es auch weitaus ältere Bäume in den Toerringschen Mischwäldern. Bäume, die die heftigen Stürme Vivian und Wiebke Anfang der 1990er Jahre überlebten. „Damals war der Schaden weitaus größer als nach Niklas“, weiß Dietz. Noch heute sieht man deutlich, wo es Kahlschlag gegeben hatte. Stehen geblieben sind die wohl 40 Meter hoch wie Solitäre in den Himmel ragenden Weymouthskiefern. „Stellen Sie sich da mal an den Stamm und schauen hoch“, sagt Dietz selbst sichtlich beeindruckt.
Die jungen Pflanzen – Douglasien, Buchen, Tannen, Eichen und auch mal eine Schwarznuss (Urform der Walnuss) – kommen langsam nach, müssen aber dafür auch immer gehegt und gepflegt werden. „Springkraut und amerikanische Goldrute wachsen die Bäumchen sonst tot“, so der Forstwirtschaftsmeister. Birken sind in einem Wirtschaftswald aber ebenfalls unerwünscht und müssen rausgeschnitten werden. In einem Naturwald dürften sie wachsen.
„Richtig ärgern tut mich sowas“, sagt er plötzlich und zeigt auf einen Seitenweg im Wald. Dort liegen vier Altreifen aufeinandergestapelt. „Manchmal finde ich ganze Wohnzimmereinrichtungen“, schimpft der 55-Jährige. Dabei gebe es doch überall Wertstoffhöfe. Bei den Kontrollfahrten durch den Wald ist er aber auch schon auf Kurioses gestoßen. Etwa auf einen Tresor, der, wie sich herausstellte, im Wald aufgebrochen wurde, nachdem er bei einem Einbruch in Weilheim mitgenommen worden war. Das ist ihm in Dünzelbach noch nicht passiert. „Da ist die Welt noch in Ordnung. Da gibt es auch noch nicht so viele Radler, Jogger, Schwammerlsucher und so weiter.“ Ganz abgesehen von den unberechtigt im Wald geparkten Autos. „Die müsste man alle anzeigen.“Dietz muss bald wieder ins Forsthaus am Kellerberg zurück. Im Büro wartet Arbeit, denn die Vermarktung gehört zu seinem Aufgabenbereich dazu. Und wenn der Feuerwehr-Piepser angeht, ist Alexander Dietz ebenfalls gefragt. Seit 27 Jahren ist er Kommandant in seiner Heimatgemeinde. Das hat bei Stürmen einen großen Vorteil, weil er gleich gerufen wird und deshalb auch genau weiß, was in seinem Wald los ist. Sicher sei in seinem Beruf nur eines: „Kein Tag ist wie der andere.“